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Baja California – traumhaft, wild und bezaubernd Drucken E-Mail
Montag, den 30. Januar 2012 um 00:00 Uhr

Kaum zu glauben, dass wir schon fast zwei Monate auf dieser Halbinsel sind und uns noch immer nicht langweilen. Wir sind ganz in den Süden gefahren und jetzt wieder auf dem Weg nach Norden. Einige Orte kennen wir schon, doch dann werden wir auf einer Holperpiste an den Golf von California und entlang dieser Küste Irgendwann auf’s Festland kommen.

Die Halbinsel ist aufgeteilt in zwei Bundesstaaten:

Baja California hat ca. 2,8 Mio. Einwohner. Davon leben ca. 1,4 Mio. in Tijuana, ca. 850‘000 in Mexicali  (Hauptstadt) und ca. 400'000 in Ensenada. Auf die Fläche von knapp 70‘000 km2 verteilt ergibt das eine Bevölkerungsdichte von knapp 36 Einwohnern pro km2.

     

Baja California Sur hat ca. 500‘000 Einwohner. Davon lebt fast die Hälfte in La Paz. Auf die Fläche von 73‘500 km2 verteilt ergibt das eine Bevölkerungsdichte von knapp 6 Einwohnern pro km2.

Sie ist über 1200 km lang und zwischen 50 und 180 km breit. Von Tijuana bis zum südlichsten Punkt, Cabo San Lucas fährt man über 1700 km auf der Transpeninsular (Hwy 1). Abseits der Hauptstrasse führen Neben- und Stichstrassen (meist Naturstrassen, ausgefahren und holprig) zu winzigen, abgelegenen Dörfern, zu ehemaligen Missionsstationen oder zu einsamen Stränden.

Die asphaltierten Strassen sind recht schmal, teilweise hat es tiefe Löcher die es zu umfahren gilt, nur selten gibt es Markierungen und es hat kaum Autobahnen. Ein Glück, dass auf den Strassen nicht allzu viel los ist. Die meisten Autofahrer ignorieren Geschwindigkeitsvorschriften und überholen bei jeder Gelegenheit. Vielleicht gibt es deshalb diese Tope, die oft gelb markiert und mit einer Warntafel versehen sind. Schlimmer sind die, die erst spät als graue Hügel sichtbar werden. Dann hilft nur eine Vollbremse. Denn wenn eine Schwelle schneller als mit Schritttempo genommen wird, hat das nicht nur massive Auswirkungen auf die Stossdämpfer. Wir sahen einmal ein Auto mit gebrochener Vorderachse mitten auf der Kreuzung auf den Abschleppdienst warten. Mit unserem Huckepack fallen wir als Touristen sofort auf und wir beschlossen alle Verkehrsvorschriften einzuhalten um der Polizei keinen Anlass zu einer Busse zu geben.

Anfangs störten wir uns am Müll, der direkt neben der Strasse deponiert wird. Mit der Zeit lernten wir darüber hinweg zu sehen und uns über die Schönheit und Einzigartigkeit der Landschaft zu freuen, Veränderungen wahrzunehmen und neugierig auf die Aussicht nach einer Kurve zu warten.

Von San Diego fuhren wir zum Grenzübergang Tecate. Diesen Übergang wählten wir, weil er viel kleiner als Tijuana ist und wir deshalb kaum mit Wartezeiten rechnen mussten. Es war eine wunderschöne Fahrt durch eine hügelige Landschaft.

In Tecate (diese Biersorte haben wir in der Zwischenzeit schätzen gelernt) gaben wir als erstes unser USA-Visum ab. Dann ging‘s zum mexikanischen Zoll. Der Beamte war sehr hilfsbereit beim Ausfüllen des Formulars für das Touristenvisum. Bei der Bank um die Ecke bezahlten wir die Gebühren und konnten anschliessend unser Visum in Empfang nehmen. Der Beamte teilte uns mit, dass wir, um das Auto temporär zu importieren nach Tijuana fahren müssen. Er machte uns eine Skizze, damit wir das entsprechende Büro finden.

Also machten wir uns auf den Weg. Die Fahrt entlang der mexikanischen Grenze war nicht mehr so schön, aber wir konnten die Fahrweise kennen lernen.

In Tijuana verpassten wir die Ausfahrt und landeten in einer endlosen Warteschlange des USA-Zolls. Wagenlänge um Wagenlänge näherten wir uns den Zollbeamten. Er schickte uns zur genauen Kontrolle in die nächste Schlange. Das hiess wiederum warten. Naja, unsere Stimmung besserte sich dadurch nicht.

So schnell wie möglich stellten wir uns wieder in die Warteschlange, diesmal beim mexikanischen Zoll. Etwas kann ja nicht stimmen, wenn jemand am gleichen Tag nochmals einreist und so wurde unsere Kabine genauer kontrolliert. Als wir endlich weiter durften fanden wir schliesslich das richtige Büro für die temporäre Einfuhrbewilligung. Wollten wir jetzt ein Wohnmobil oder einen Pickup mit Anhänger (notwendige Bezeichnung für die Autoversicherung) importieren? Schliesslich einigten wir uns, dass es sich um ein Womo handle, weil die Kabine keine Räder hat. Das kam billiger. Wir bezahlten die Gebühren und erhielten die notwendigen Unterlagen.

All die Umwege und Kontrollen hatten viel Zeit gekostet. Wir wollten so weit wie möglich das Grenzgebiet verlassen, denn wir nahmen die Warnungen vor möglichen Überfällen ernst.  Als wir die Stadt verliessen war es noch ziemlich hell, aber hier bricht die Nacht sehr schnell herein. Für kurze Zeit konnten wir hinter einem Lastwagen herfahren. Diese kennen die Schlaglöcher und „Tope“ auf der Fahrbahn und das Bremslicht zeigte uns die Gefahren rechtzeitig an. Doch als es über Land ging, fuhr der Lastwagen so schnell, dass wir den Anschluss verloren. Mühsam kämpften wir uns weiter und endlich sahen wir eine Ausfahrt zu einer Tankstelle mit einem 24 Stunden-Shop. Wir durften über Nacht bleiben und neben einer Mauer parkieren. Eins, zwei Tecate und die Welt war wieder in Ordnung. In der Nacht kam ein heftiger Wind auf und wir schliefen ziemlich windgeschützt in unserem Huckepack.

Soviel zur Ankunft in Mexiko und den Hürden, wenn Landesgrenzen aus Unachtsamkeit gleich mehrmals zu überqueren sind.

Beim Aufwachen blickten wir in einen blauen, wolkenfreien Himmel und freuten uns bei Tageslicht die Baja California kennen zu lernen.

In diesen fast 2 Monaten fuhren wir durch atemberaubende Berglandschaften und endlose Wüstengebiete Dabei sahen wir die verschiedensten Arten von Kakteen und im wunderschön angelegten Garten bei der Kirche San Ignacio lernten wir Namen kennen. Diese Kirche mit den unzähligen Bougainvillea rundherum zählt zu einer der schönsten in der Baja. Gleich nebenan gibt es ein kleines Museum, das unter anderem auch wunderschöne Felsmalereinen zeigt.

San Ignacio

San Ignacio

San Ignacio

Die Mision Santa Rosalia de Mulege steht auf einem Hügel über dem Ort. Von dort aus konnten wir auf das, mit Palmen und Mangroven gesäumte Flussbeet der Oase hinabsehen.

Mulege

Mulege

Mulege

Nicht nur in Loreto steht die Kirche dominant im Zentrum. Wir konnten die Kirche nicht besichtigen, denn sie war gestossen voll. Auch um die Kirche herum standen festlich gekleidete Frauen und Männer zusammen plaudernd in Gruppen. Die Kinder durften trotz ihren schönen Kleidern fröhlich miteinander herum tollen und spielen. Wir nahmen an, dass an diesem Sonntag getauft wurde, denn einige der Kinder waren ganz in weiss gekleidet. So flanierten wir im Schatten der kunstvoll zugeschnittenen Bäume die Fussgängerstrasse auf und ab, bewunderten den Christbaum auf einem Platz und besichtigten den schönen Innenhof eines Hotels.

Loreto

Loreto

Loreto

Eine kurvenreiche Strasse führte uns zur wunderschönen Mision San Francisco Javier de Vigge-Biaundo. Zuerst ging‘s zügig voran, bald endete die Asphaltstrasse und wieder einmal fuhren wir auf einer Wellblechpiste bis zum Ziel. Doch es hat sich gelohnt. Nicht nur das Gebäude war eindrücklich, sondern wir entdeckten auf einem Spaziergang auch noch einen über 300 Jahre alten Olivenbaum.

San Javier

San Javier

San Javier

Wunderschöne, einsame Strände luden uns zum Verweilen ein. Wir liessen uns von der Sonne verwöhnen und hörten dem Wind und den Wellen zu. Wir erlebten die Sonne blutrot auf- und untergehen und träumten unter dem Sternenhimmel nicht nur bei Vollmond.

Tecolote

Punta Conejo

Todos Santos

Am Strand von La Ventana lernten wir Monika und Fritz, Guido und Miryam kennen. Sie verbringen einige Monate an diesem Strand und sind begeisterte Kitesurfer. Wir erfuhren von ihnen viel über diesen Sport und waren fasziniert beim Zusehen, wie sie und andere Kitesurfer über das Wasser flitzten und immer wieder die Richtung änderten. Guido sprang hoch in die Luft und landete meistens wieder sicher auf dem Wasser. Es sah so leicht und locker aus. Doch es braucht viel Übung auf dem Brett und mit dem Drachen, bis solche Kunststücke gelingen. Dabei, so versicherten sie uns, sind blaue Flecken unvermeidbar und manche Landungen sehr schmerzhaft.

La Ventana

La Ventana

La Ventana

Auch unser Dachschaden soll nicht verheimlicht werden. Wieder einmal wollten wir an einen Strand, der nur über eine Naturstrasse erreichbar ist. Mehr oder weniger im Schritttempo fuhren wir auf der Wellblechpiste. Manchmal war die Strasse so eng, dass wir immer wieder dankbar waren ohne Gegenverkehr fahren zu können. Doch dann kam uns ein Kranwagen entgegen. Eigentlich hätten sich die beiden Fahrzeuge an dieser Stelle problemlos kreuzen können. Doch leider hatte der Chauffeur den Ausleger nicht richtig befestigt. Als er schon fast an uns vorbei gefahren war, spürten und hörten wir den Schlag gegen unseren Huckepack. Sofort stiegen wir aus und auch der Chauffeur hielt an und kam zu uns. Gemeinsam sahen uns den Schaden an. Wir machten Fotos und er gab uns seinen Namen und die Adresse seiner Firma mit dem Hinweis, dass wir uns in La Paz melden sollen und dass es keine Probleme mit der Reparatur und dem Bezahlen der Rechnung geben würde. Ein bisschen skeptisch waren wir schon. Doch als wir einige Tage später nach La Paz fuhren und uns bei der Firma meldeten, wurde ein Termin vereinbart bei einer Autowerkstatt, damit der Schaden geschätzt und die Reparatur vorgenommen werden konnte. Wir mussten den Huckepack am Morgen bei der Werkstatt abstellen und konnten ihn am Abend, perfekt repariert wieder abholen. Wir konnten es fast nicht glauben, dass alles so problemlos abgewickelt wurde. Das war eine Glanzleistung von allen Beteiligten und verdient unsere Hochachtung.

Weg Punta Conejo

Weg Punta Conejo

Dachschaden

Nun noch das absolute Highlight, das wir erleben durften. Vom Strand aus beobachteten wir oft Pelikane, die ins Wasser stürzten um Fische zu fangen. Wir sahen auch einmal wie eine Möwe, die mit einem zappelnden Fisch durch die Luft flog. Mit dem Feldstecher sahen wir in der Ferne Wale und Delfine und manchmal sogar Mantas hoch in die Luft springen und wieder ins Wasser klatschen. Werni gelang es vom Strand aus Fotos von den Walen zu machen.

All das genügte uns nicht und wir fuhren nach Puerto San Carlos um Wale aus der Nähe zu erleben. Der Besitzer von Eco.Tours, Crispin, versprach uns, dass wir erleben würden, dass Wale sogar mit uns spielen. Wir vereinbarten einen Termin für den nächsten Morgen.

Bei ruhiger See und wolkenlosem Himmel fuhren wir eine Stunde mit dem Boot hinaus und sahen schon von weitem, dass sich Wale dort aufhielten. Crispin erzählte uns, dass es Geduld braucht und dass wir warten müssen, damit die Wale zu uns kommen. So steuerte er sein Boot in die Nähe eines Wals, stellte den Motor ab und lockte mit Pfeiftönen. Natürlich waren wir nicht die Einzigen, die eine Tour gebucht hatten und so näherten sich andere Boote mit Vollgas.

Wir wussten aus unseren früheren Beobachtungen, dass, wenn die Schwanzflosse aus dem Wasser auftaucht, dass dann der Wal tiefer taucht und über längere Zeit nicht mehr zu sehen ist.

Mit zusammen gekniffenen Augen beobachtete ich die Wasseroberfläche um Anzeichen eines Wals zu sehen und zeigte immer wieder die Richtung, wo ich einen Wal sah. Crispin ignorierte meine Handzeichen oft und schaute in die Richtung wo sich keine anderen Boote aufhielten. Ich war schon etwas enttäuscht, weil ich gehofft hatte, endlich einen Wal wirklich ganz nahe zu erleben.

Wieder hatte Crispin den Motor abgestellt und lockte mit Worten und Pfeifen, als sich ein Wal näherte. Es hatte keine anderen Boote mehr in der Nähe. Und dann geschah das Unglaubliche. Ein Wal näherte sich unserem Boot und Crispin sprach zu ihm. Der Wal tauchte auf und liess sich von Crispin berühren. Dann kam ein weiterer, dann noch zwei. Die vier schwammen um unser Boot herum, tauchten unten durch, kamen auf der anderen Seite wieder herauf und das  Boot schaukelte kein bisschen. Es war absolut einmalig. Über eine Stunde spielten sie mit uns. Wir konnten in ihre Augen sehen, sahen die riesigen Körper und die Muscheln, die an ihrer Haut klebten. Am Schluss tauchte ein Wal nach unten und es sah so aus, als ob er uns zum Abschied mit der Schwanzflosse winken würde.

Puerto San Carlos

Puerto San Carlos

Puerto San Carlos

Wir lernten viele freundliche, hilfsbereite, fröhliche und entspannte Menschen kennen. Wir trafen andere Reisende und tauschten wertvolle Informationen aus. Wir passierten einigen Militärkontrollen und wurden immer zuvorkommend und freundlich behandelt. Und nicht zuletzt, wir fühlten uns absolut sicher und konnten uns überall angstfrei bewegen. Wir hoffen, dass das alles auch in Zukunft so bleibt.