Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

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Mexiko - auch das Festland begeistert uns Drucken E-Mail
Mittwoch, den 28. März 2012 um 00:00 Uhr

Noch ein paar Tage sind wir in Mexiko, dann geht es über die Grenze nach Belize. Schon sind wieder fast zwei Monate seit dem letzten Bericht vergangen und jetzt ist es definitiv Zeit Eindrücke zu Papier zu bringen.

Die Preise für die Fähre ans Festland sind für Womos überproportional hoch und so entschlossen wir uns für den Landweg. So konnten wir auch noch die andere Küstenseite der Baja California entdecken. Ausserdem hatten wir in Guerrero Negro nochmals die Möglichkeit mit einem Boot die Wale mit ihrem Nachwuchs zu sehen. Gemäss einer Statistik hielten sich schon über 800 Grauwale mit ihrem Nachwuchs in der Laguna Ojo de Liebre auf. Wir übernachteten als Einzige am Strand vom Campo de Ballenas. Am Morgen hörten wir als Erstes das vielfältige Atmen der Wale und sahen überall die Fontänen. Dann fuhren wir hinaus und konnten uns kaum satt sehen. Wieder kamen die Wale, diesmal mit ihren Jungen ganz nahe ans Boot heran. Unser Warten und unser Entschluss hatten sich gelohnt.

Campo de Ballenas

Campo de Ballenas

Campo de Ballenas

Die Weiterfahrt führte uns wieder durch endlose Wüstenlandschaften. Kakteen, Sand, Hügel und immer wieder das Meer begleiteten uns. Es erstaunt uns immer wieder mit wie wenig Wasser Pflanzen und Tiere auskommen. Manche Schotterpiste zwang uns zu Durchschnittsgeschwindigkeiten von 10 km/h und nur die BeifahrerIn konnte durchgeschüttelt die Landschaft geniessen. Dafür gab es häufige Stopps sei es um Kaffee zu trinken, sich zu strecken oder damit auch Fotos gemacht werden konnten. So sahen wir ungewöhnliche Flugobjekte, emsige Ameisen, wunderschöne Blumen oder einfach ungewohnte Verkehrsschilder. Leider überquerten diese Tiere nie die Strasse, sooft wir auch danach Ausschau hielten

San Felipe

Weg Puerto Penasco

Weg Puerto Penasco

In Puerto Peñasco fanden wir wieder einen wunderschönen Campground mit Blick aufs Meer. Morgens und abends schwammen Delfine in Gruppen vorbei. Dank dem Feldstecher, erlebten wir sie natürlich viel näher.

Im November hatten wir auf einem Campingplatz in Ajo (Arizona) Amerikaner kennen gelernt und wir riefen sie an. Sofort waren sie bereit uns am nächsten Tag zum Mittagessen zu treffen. Es war schön, so unkompliziert und fröhlich das Wiedersehen zu feiern. Wir lachten viel und genossen die Zeit mit ihnen. Während die vier Girls einen Drink genehmigten, gaben sich die Boys mit der Rolle als Statisten zufrieden. Dank Kents Hilfe kauften wir noch ausgezeichnete Shrimps und Muscheln. Dank Rezeptanweisung von Ann und Donna hatten wir die nächsten Tage ausgezeichnete Malzeiten.

Puerto Penasco

Puerto Penasco

Puerto Penasco

Auf dem Weg nach Hermosillo konnten wir wieder viele Pelikane beobachten. In Rudeln stiegen sie auf und stürzten sich dann ins Meer um einen Fisch blitzschnell zu fangen und zu verspeisen.

Für den Nestbau hoch oben auf Masten verwendeten die Vögel sogar Plastik, auch sie gehen mit der Moderne. Es sieht schon etwas unordentlich aus, aber es scheint stabil zu sein.

Plötzlich hatten wir das Glück einem Vogel zuzuschauen, wie er mit seinen Fisch auf der Spitze eines Kaktus landete. Beim Fressen blickte er immer wieder herum, ob jemand unterwegs sei, der ihm seine Beute streitig mache.

Puerto Libertad

Puerto Libertad

Puerto Libertad

In Hermosillo besuchten wir die Kirche und fuhren dann weiter unserem nächsten Ziel entgegen. Endlich wollten wir den Copper Canyon erreichen. Er wurde uns als noch viel schöner als der Grand Canyon beschrieben. Die Fahrt dorthin führte uns über Berge von bis zu 4000 m Höhe. Sonnenschein, Regen und sogar leichte Schneefälle begleiteten uns. Der Wind trieb die Wolken zu düsteren Gebilden zusammen um kurz darauf den blauen Himmel wieder frei zu geben.

Frierend besichtigten wir die Cascada de Basaseachi, mit 246 m der höchste Wasserfall Mexikos. Das hinuntersteigen schenkten wir uns.

Bei strömendem Regen kamen wir in Creel an und waren dankbar, dass wir im geheizten Huckepack die Nacht verbringen konnten. Am nächsten Morgen war der Himmel wieder wolkenfrei, doch der Wind blies uns kalt um die Ohren. Wir besichtigten das Städtchen und das kleine Museum, das uns in die Kultur der Raramuri einführte.

Raramuri bedeutet „die Schnellläufer“. Sie stellen wunderschöne handgeflochtene Körbe, handgewebte Textilien und kleine geschnitzte Holzpuppen her. Traditionell jagten sie Hirsche, indem sie sie hetzten und über Klippen trieben. Sie sind berühmt für ihre Ausdauer, denn sie laufen bis zu 20 Stunden im Schnellauf. Heute veranstalten sie auf den Canyonpfaden Mannschaftsrennen von oft mehr als 100 km Länge, wobei sie die ganze Zeit noch einen kleinen Holzball mit den Füssen vor sich herschieben. Die Frauen tragen bunte Röcke und Blusen, bei den Männern sieht man nur noch selten den traditionellen Lendenschutz. An den Füssen tragen sie aber immer noch Sandalen mit Kautschuksohlen und Lederbändern. Viele von ihnen leben in kleinen Dörfern, in Höhlen oder auf isolierten Bauernhöfen in den Canyons. Leider sind die Meisten sehr arm und in den Gemeinden herrschen massive Gesundheitsprobleme.

Wir hatten uns entschlossen von Creel (2330 m) nach Batopilas (460 m) hinunter zu fahren. Nach fast 140 km über eine steile und unebene Schotterpiste und einer Übernachtung unterwegs, gelangten wir ins subtropische Dorf. Es war ein Nervenkitzel in dramatischer Berg- und Talfahrt, durch mehrere Canyons und verschiedene Klima- und Vegetationszonen zu fahren. Irgendwann mussten wir über eine Stunde warten, denn ein Bagger war beschäftigt die Strasse für unsere Weiterfahrt zu bauen. Dankbar war ich einem Lastwagen, der einige Zeit vor uns herfuhr. Wenn der nicht kippt und an den Felsen streift, schafft auch Werni die Kurven, Schlaglöcher und Felsdurchgänge, so dachte ich, während ich die Kamera blindlings aus dem Fenster hielt, Bilder knipste und meinen Blick stur auf die gegenüber liegende Landschaft richtete. Auf diesem unwegsamen Gelände sahen wir Frauen, Männer und Kinder, die zu Fuss und oft mit ziemlichen Lasten unterwegs waren. Uns wurde wieder einmal bewusst, wie verwöhnt wir sind und wie gut es uns geht. In Batopilas angekommen, spazierten wir durch’s Dorf und bewunderten den Zoccolo, die blühenden Bäume und die Farbenpracht der Blumen an den kunstvoll verzierten Balkonen. Wir vergassen wie die Fahrt hinunter war und verdrängten, dass wir denselben Weg wieder zurück fahren würde.

Copper Canyon

Copper Canyon

Copper Canyon

In Durango besuchten wir unter anderem „Villa del Oeste“, wo bis in die 1990er Jahre Western gedreht wurden. Heute sind die Kulissenhäuser vollgestopft mit Souvenirläden und Restaurants. Am Wochenende finden jedoch in und um die Saloons Kämpfe zwischen den Guten und Bösen statt. Lustig war, dass sich einige aus dem Publikum lauthals ins Geschehen einmischten, die Guten und die Bösen angefeuerten und dass auch die Schauspieler auf die Zurufe reagierten, bevor sie ihren Part wieder übernahmen.

Durango

Durango

Durango

Vom Cerro de la Bufa hat man eine atemberaubende Aussicht über die Stadt Zacatecas. Sie ist eingebettet  in ein schmales Tal inmitten einer trockenen Landschaft und ihre bunten Häuser sind bis weit hinauf in die umliegenden Hänge gebaut.

Zacatecas

Zacatecas

Zacatecas

Am nächsten Tag besichtigen wir die Innenstadt. Aus Zacatecas stammte im frühen 18. Jh. 20% des gesamten geförderten Silbers und bis heute ist die 200 Jahre alte El-Bote-Mine noch immer in Betrieb. Dieser Reichtum ermöglichte ein grosses historisches Zentrum mit vielen prachtvollen Gebäuden und wurde eine Unesco-Weltkulturerbestätte.

Uns beeindruckt die Kathedrale, die als Inbegriff des mexikanischen Barocks gilt. Die gewaltige Hauptfassade wird als gigantischer Tabernakel gedeutet und es gibt viele detaillierte Reliefs zu bewundern. 2010, als Teil der Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit, wurde ein Altar mit zehn grossen Bronzefiguren eingeweiht.

Zacatecas

Zacatecas

Zacatecas

Fast an jedem Haus der Innenstadt gibt es etwas zu bewundern, Plätze und Parks laden zum Verweilen ein, Museen und Galerien zeigen Vergangenes und Gegenwärtiges und in Restaurants kann man sich für die nächste Besichtigung stärken.

Mit dem Besteigen einer Schmalspurbahn, entsprechend ausgerüstet, begannen wir die Tour zur „Besichtigung der Mina El Eden“. Die Bahn fährt 540 m tief in den Berg hinein. Von den sieben Ebenen können nur 2 besichtigt werden. Die unteren wurden geflutet. Am Ziel konnten wir als erstes eine Ausstellung mit Gesteinen bewundern, die den Reichtum eines Berges zeigt. Dann wurden wir durch die Gänge der Mine geführt. Dabei bekamen wir auch einen Eindruck von dem schrecklichen Preis, der für die Förderung gezahlt werden musste. Viele Arbeitende starben durch Unfälle im Stollen und an Krankheiten wie Tuberkulose oder Silikose. Nicht nur versklavte Indigenas sondern auch viele Kinder arbeiteten unter grauenhaften Bedingungen um die märchenhaften Schätze zu bergen. Man sieht in tiefe Schächte hinunter, Puppen zeigen die Menschen bei ihrer Arbeit und mit welchen Werkzeugen und Hilfsmitteln sie ausgerüstet waren. Einfach schrecklich sich vorzustellen, dass es nicht nur dunkel, sondern auch eng, laut, stickig, heiss und staubig war und man über 12 Stunden unter diesen Bedingungen auch noch arbeiten musste. Wir jedenfalls waren froh, als wir das Tageslicht wieder sahen.

Zacatecas

Zacatecas

Zacatecas

In Aguascalientes entdecken wir eine schöne Plaza und viele stattliche Gebäude aus der Kolonialzeit. Wir freuen uns über die Darbietung eines Strassenkünstlers, als plötzlich ein sintflutartiger Regen uns unter den Arkaden des Palacio de Gobierno Zuflucht suchen liess. Nun hatten wir genügend Zeit den herrlichen Innenhof und die Wand- und Deckengemälde gebührend zu betrachten.

Aguascalientes

Aguascalientes

Aguascalientes

Doch auf keinen Fall wollten wir das „Museo National de la Muerte“ verpassen. Über zwei Stockwerke und mehrere Räume konnten wir uns mit einem der Lieblingsthemen der Mexikaner, dem Tod, beschäftigen. Über 1‘200 Gegenstände (Artefakte, Zeichnungen, literarische Werke, Textilien, Spielzeug und Miniaturen) sind ausgestellt. Sie stammen aus mehreren Jahrhunderten und behandeln präkolumbische Themen genauso wie zeitgenössische. Eines der Highlights ist der Miniaturschädel aus Kristall, der in den Tiefen einer kürzlich entdeckten Zisterne gefunden wurde. Doch wir haben keine makaberen Erfahrungen gemacht, sondern sahen eine farbenfrohe und humorvolle Auseinandersetzung mit dem Tod.

Aguascalientes

Aguascalientes

Aguascalientes

San Miguel de Allende überraschte uns mit seinen wunderschönen Innenhöfen. So schlenderten wir durch die Gassen des Städtchens, stärkten uns in einem Restaurant, bevor wir unsere Tour fortsetzten. Natürlich besichtigten wir auch die Kirche und bewunderten Verzierungen und Gemälde. Dann fanden wir einen kleinen Lebensmittelladen und wir deckten uns mit verschiedenen italienischen Käsesorten, italienischem Mortadella, Parmaschinken und anderen Leckereien ein und kamen uns vor als ob gleichzeitig Weihnachten, Ostern und ein Geburtstag sei.

San Miguel de Allende

San Miguel de Allende

San Miguel de Allende

Nach dem Besuch von Queretaro fuhren wir zum drittgrössten Monolith, dem 350 m hohen Pena de Bernal, dem viele Mexikaner magische Kräfte zuschreiben. Das Städtchen Bernal liegt auf 2080 m. Von dort führt ein steiler Weg zum Gipfel hinauf. Das letzte Stück können nur noch geübte Kletterer erklimmen. Dass wir in dieser Höhe bei jeder Anstrengung schon etwas kurzatmig waren, merkten wir sehr schnell. Wir versuchten so weit wie möglich hinauf zu steigen, doch unsere Kondition und Kletterkunst reichte nicht aus um wenigstens bis zur Hälfte zu kommen. So begnügten wir uns mit dem Erreichten und genossen den Ausblick.

Pena de Bernal

Pena de Bernal

Pena de Bernal

Doch nach dem Eindunkeln erlebten wir ein wunderschönes Wasserspiel, das mit Licht und Musik ausgezeichnet ergänzt wurde und im Hintergrund sah man zwischendurch den von Scheinwerfern angestrahlte Monolith. Da wir unterhalb des Platzes übernachten konnten, genossen wir die Show gleich zwei mal.

Pena de Bernal

Pena de Bernal

Pena de Bernal

Nun wartete noch etwas ganz besonderes auf uns. Am östlichen Rand von Michoacan erstreckt sich entlang der Grenze zum Bundesstaat Mexiko ein 563 km2 grosses Monarchfalterschutzgebiet. Die Berge der Cerra Pelon ragen über 3000 m in die Höhe und in diesem Teil wollten wir ein wichtiges Winterquartier der Monachschmetterlinge besuchen.

Die Schmetterlinge kommen Ende Oktober bis Anfang November zu Millionen von den Grossen Seen an der Grenze zwischen USA und Kanada in diese bewaldeten Gebiete Mexikos. Wenn sie sich ihrem Ziel nähern, bilden sie kleine Schwärme und lassen sich in grossen Trauben auf Bäume und Aste nieder. Bei kalten Temperaturen sind sie inaktiv, wird es jedoch warm erheben sie sich und ein orange- goldfarbenes Durcheinander beginnt. Wenn es Anfang März angenehm warm wird werden sie geschlechtsreif und dann beginnt die Paarung. Pünktlich zur Tagundnachtgleiche fliegen die befruchteten Weibchen wieder Richtung Norden, wo sie ihre Eier in Seidenpflanzen ablegen und sterben. Ende Mai schlüpfen die fertigen Schmetterlinge und fliegen zurück zu den Grossen Seen. Unklar ist bis heute, wie und warum die Schmetterlinge dies tun.

Da wir schon die Erfahrung mit unserer Kurzatmigkeit in dieser Höhe gemacht hatten, ritten wir die steilen Wege hinauf. Im Gras liegend konnten wir die Schmetterlinge beobachten. Schien die Sonne, so flogen sie zu tausenden durch die Lüfte oder liessen sich auf dem warmen Waldboden nieder. Verschwand die Sonne, versammelten sie sie wieder auf und an den Tannästen und liessen diese ganz in orange erscheinen. Unvergesslich, dieses Schauspiel und kaum zu glauben, dass diese zarten Geschöpfe eine so riesige Distanz zurück legen können.

Cerro Pelon

Cerro Pelon

Cerro Pelon

Doch auch das nächste Ziel war ambitiös. Wir hofften so nahe wie möglich an den Kraterrand des Vulkans Nevada de Toluca zu gelangen. Mit 4690 m ist er der vierthöchste Gipfel Mexikos. Schon von weitem sahen wir ihn. Über eine 48 km lange, zum Glück schon schneefreie Strasse konnten wir ganz weit hinauf fahren. Für mich war es zu anstrengend, aber Werni schaffte es zu Fuss bis zum Kraterrand zu gelangen und beide Seen hinunter zu blicken. Anschliessend konnten wir wieder einmal ganz allein auf dem Campingplatz am Fusse des Vulkans völlig ungestört übernachten.

Nevado de Toluca

Nevado de Toluca

Nevado de Toluca

Durch sehr enge, steile Gassen peilten wir den Campingplatz mit Blick auf Oaxaca an. Irgendwann steckten wir fest. Dank einem Mexikaner mit Motorrad fanden wir den Platz dann doch noch, aber oh Schreck er war geschlossen. Kurz entschlossen wies uns der hilfsbereite Mann den Weg zum Campingplatz nahe dem Zentrum von Oaxaca. Hier liessen wir unseren Huckepack stehen und nutzten den öffentlichen Verkehr, denn wir hatten mehr als genug vom kurbeln, zirkeln, rückwärtsfahren und ausweichen.

Oaxaca ist eine Stadt zum geniessen. Es hat einige autofreie Zonen und so kann man ohne immer aufpassen zu müssen, einfach stehen bleiben und Strassenmusikanten zuhören. Auf dem Zocalo geht es entspannt und fröhlich zu und her.

Der Markt ist eine Augenweide und es gibt eine ganze Halle, in der an Ständen frisch zubereitete Leckerbissen serviert werden. Da wir nicht wussten, was wir bestellen sollten, suchten wir uns ein Paar aus, das etwas auf dem Teller hatte, das sehr lecker aussah. Sie teilten uns mit, dass es auch lecker schmecke und so bestellten wir dasselbe. Wir haben es nicht bereut.

Als wir zur prächtigsten Kirche von Oaxaca schlenderten, der Iglesia de Santo Domingo, sahen wir von weitem einen grossen Menschenauflauf. Beim Näherkommen entdeckten wir, dass da Skulpturen standen. In Zusammenarbeit mit einem Künstler hatten die Einwohner eines Dorfes 2501 Figuren für eine Wanderausstellung geschaffen. Jede Figur symbolisiert einen Einwohner, der aus dem Dorf auswandern musste, weil kein Auskommen mehr war. Auf eindrückliche Art wird deutlich, was Emigration für jede Person und für ein Dorf heisst. Es wirkte auf uns wie ein Schock, als wir in der Kirche diesen Reichtum sahen und vor ihr mit der Armut konfrontiert worden waren.

Oaxaca

Oaxaca

Oaxaca

Ein kleiner Bus brachte uns durch enge Gassen und steile Strassen zur alten Zapotekenhauptstadt Monte Alban. Kein Wunder, dass die Zapoteken diesen Ort wählten. Die ehemalige Stadt thront auf einer abgeflachten Bergkuppe und 400 m über der Talsohle. Dadurch ist die Fernsicht überwältigend und strategisch sehr gut gewählt. Am Eingang ist ein sehr interessantes Museum. Leider sind die Erklärungen nur auf Spanisch zu lesen. Als erstes besichtigten wir die Gran Plaza, die rund 300 m lang und 200 m breit ist. Auf ihr standen Tempel und Wohnhäuser der Reichen. Zum Schutz vor Beschädigungen sind viele der Bauten für Besucher gesperrt. Von der Plataforma Nort, die fast so gross ist wie die ganze Gran Plaza, hatten wir eine wunderbare Aussicht in alle Richtungen. Wir liefen die vielen Treppen hinauf und hinunter, überquerten die grossen Plätze und stiegen ziemlich erschöpft wieder in den Bus ein, der uns zurückbrachte.

Monte Alban

Monte Alban

Monte Alban

Von Oaxaca wegzukommen war eine ziemliche Tortur. Strassen waren gesperrt, es war heiss und wir standen mehr als zwei Stunden im Verkehrschaos. Unser nächstes Ziel war der Bundesstaat Chiapas. Da es aber langsam Abend wurde beschlossen wir nahe bei Juchitan de Zaragoza auf einer Pemex-Tankstelle zu übernachten und erst am nächsten Tag weiter zu fahren. Schon während der Fahrt hatte der Wind stark zugenommen und beim Aussteigen wehte er heftig um unsere Ohren. Ein Mexikaner sagte uns, dass es in den vergangenen Tagen noch viel mehr Wind gehabt hatte. Juchitan liegt am Pazifik und von hier aus sind es nur noch etwa 200 km bis zum Golf von Mexico. Das Gebiet ist berühmt für seine starken Nordwinde und manchmal würden diese sogar hohe Fahrzeuge umwerfen. Die Weiterfahrt wird ja das reinste Vergnügen für mich werden, so dachte ich.

Am nächsten Morgen genossen wir noch einen ausgezeichneten Espresso und freuten uns über das Treiben rund um den Markt. Dann fuhren wir weiter und es wurde schnell klar, dass die vielen Windräder nicht zufällig hier standen. Zum Glück drehten sind nicht alle, ich weiss nicht mit welchen Ängsten ich sonst neben Werni durch diesen Wald gefahren wäre. Auf jeden Fall war ich froh, wenn ich Lastwagen entgegen kommen sah und keine im Strassengraben.

Als wir die Ebene hinter uns hatten, freute ich mich windgeschützt von Bergen und Hügeln weiter fahren zu können. Doch dann standen wir wieder in einer Kolonne von Lastwagen. Wir blieben in der Schlange stehen, doch immer wieder fuhren Pkw’s an uns vorbei. So scherten wir auch aus und kamen dann zu einer Brücke, die von Lastwagen gesperrt war. Wir fragten uns durch und erfuhren, dass die Blockade erst abends um 6 Uhr aufgehoben würde. Die Bewohner protestierten gegen die schlechten sozialen Lebensbedingungen in ihren Dörfern. Es war sehr heiss und so setzten auch wir uns in den Schatten und beobachteten das Treiben. Taxi und Busse fuhren bis zur Brücke vor, die Passagiere stiegen mit ihrem Gepäck aus und gingen zu Fuss weiter. Von der anderen Seite kamen Passagiere mit dem Gepäck und wurden mit den Bussen und Taxis weiter transportiert. Sehr geschickt, so fanden wir. Nur der Individualverkehr stand still, doch die Atmosphäre war und blieb die ganze Zeit über ganz entspannt. Unter den Lastwagen dösten Fahrer in Hängematten und überall schwatzten Wartende miteinander oder sassen und standen einfach so herum. Kurz vor 6 Uhr kam dann Hektik auf und jeder versuchte mindestens wieder eine Wagenlänge zu gewinnen. Wir fuhren nur noch bis zur nächsten Pemex Tankstelle um dort zu übernachten.

Weg Tuxtla Gutierrez

Weg Tuxtla Gutierrez

Weg Tuxtla Gutierrez

Die Sima de Las Cotorras, die Papageienschlucht in der Nähe von Tuxtla bietet ein ganz besonderes Erlebnis. Von einem Rundweg aus kann man in einen atemberaubenden Krater von 160 m Breite und 140 m Tiefe hinein sehen. In der Abenddämmerung sahen wir zu, wie die grünen Papageien in den Krater hinunter flogen. Wir freuten uns auf den Morgen und schon um 5.30 Uhr standen wir wieder am Krater. Anfangs hörten wir nur ein paar Vögel zwitschern. Doch dann schraubten sich immer wieder kreischende Papageien einer grünen Wolke gleich aus dem Krater herauf und entschwanden im blauen Himmel. Leider war dieses Schauspiel mit der Kamera nicht einzufangen.

Da wir so früh schon aufgestanden waren, entschlossen wir uns zur Weiterfahrt um zeitig am Canon del Sumidero anzukommen. Doch schon bald standen wir wieder in einem Verkehrsstau. Ausgerechnet hier, weit ab von der Stadt, nur über eine schmale Erdpiste mit vielen Schlaglöchern erreichbar, würde der mexikanische Präsident eine Versammlung abhalten. Es wimmelte von Militär und Polizei. Überall am Rand der eh schon schmalen Strasse parkierten Autos und Busse. Mitten auf der Wiese waren einigen Detektoren aufgestellt vor denen sich Menschenschlangen gebildet hatten. Und hunderte von Menschen strömten in diese Richtung. Sie liefen schwatzend und lachend im Strassengraben, auf der Wiese oder zwischen den wartenden Autos hindurch. Und es kamen immer noch mehr Autos und Busse und die Menschen mussten immer weitere Wege zurück legen um an den Ort des Geschehens zu gelangen. Wir schwitzten und fragten uns, wie diese Menschen bei dieser Hitze den Tag und die Ansprache wohl überleben werden.

Irgendwann hatten auch wir wieder freie Fahrt und erreichten den Canon del Sumidero. 1981 wurde am Nordende des Rio Grijalva ein Staudamm fertig gestellt und es entstand ein 25 km langer Stausee. Eine Bootsfahrt bei der herrschenden Hitze war eine willkommene Abwechslung. Das Schnellboot preschte zwischen den bis zu 800 m hohen Felswänden hindurch und wir sahen Reiher, Kormorane, Geier und sogar Krokodile. Eine Klippe, die mit herabhängendem Moos bedeckt ist, sieht aus wie ein überdimensionierter Christbaum. Wir genossen die zwei Stunden im Fahrtwind des Bootes.

Sima de Las Cotorras

Canyon de Sumidero

Canyon de Sumidero

In San Cristobal de las Casas genossen wir wieder einmal die Ruhe auf dem sehr schönen Campingplatz. Zu Fuss konnten wir in die Stadt und so erforschten wir gemütlich die Strassen und Märkte oder liessen uns im Menschenstrom treiben. Auf dem Hauptplatz war eine Bühne aufgestellt und Strassenmusikanten zeigten ihr Können vor einer Jury. Wir setzten uns auf eine Bank damit wir uns das Spektakel ansehen und zuhören konnten. Anschliessend bewunderten wir die wunderschöne Barockfassade des Templo de Santo Domingo.

An einem Tag beschlossen wir mit den Velos nach San Juan Chamula zu fahren. Es ist das Zentrum einiger einzigartigen religiöser Praktiken, die die über 80‘000 Mitglieder pflegen.

Obwohl dieser Ort nur ca. 10 km entfernt liegt, ist es auf über 2000 m Höhe trotz Elektrounterstützung recht anstrengend bergauf zu fahren, vor allem wenn es sehr, sehr steil wird.

Neben dem Hauptplatz steht der Templo de San Juan. Bei der Touristeninformation muss man eine Eintrittskarte kaufen und es ist verboten im Inneren zu fotografieren. Der Altarbereich ist sehr dunkel, doch im Kirchenschiff flackern Hunderte von Kerzen. Der Boden ist mit Kiefernnadeln bedeckt und der Duft von Weihrauch erfüllt den Raum. Heiligenfiguren sind von Spiegeln umgeben und in heilige Gewänder gekleidet.

Kommt eine Gruppe zum Beten an, setzen sie sich auf den Boden, stellen diverse Reihen von Kerzen vor sich auf und zünden sie an. Wir sahen auch, wie sie CocaCola Flaschen, Hühner oder andere Lebensmittel neben sich auf den Boden stellten. Dann knien sie sich nieder und senken ihr Gesicht zum Boden und beginnen mit ihren Gebeten. Die Kinder dürfen sich frei bewegen und auch laut sprechen.

Als wir in der Kirche waren, sahen wir einem Curandero (Heiler) zu, wie er singend und mit den Händen einen Mann berührte.

Wir waren beeindruckt, dass wir all das miterleben durften und sich die Betenden von uns als Besucher nicht gestört fühlten.

San Cristobal des Las Casas

San Cristobal des Las Casas

San Juan Chamula

Die nächste Ort die wir besuchten war Tonina. Die Ruinen und Stufen der Mayastadt erheben sich über einem idyllischen Tal. In dieser Stadt befinden sich beeindruckende Mayatempelanlagen. Tonina hat auch das mächtige Palenque bezwungen. Im Museum konnten wir uns von der ehemaligen Grösse ein Bild machen. Doch als wir vor der Anlage standen, waren wir noch viel mehr beeindruckt. Dann machten wir uns an den Aufstieg und wussten schon, dass uns am nächsten Tag Muskelkater gewiss sein würde, bei diesen hohen und vielen Treppenstufen. Doch es lohnte sich und der Ausblick war einfach überwältigend.

Tonina

Tonina

Tonina

41 km südwestlich von Comitan stürzt El Chiflon von einem Steilhang mit atemberaubender Kraft in die Tiefe. Auf dem Weg zum 70 m hohen Wasserfall Velo de Novia hat es immer wieder kleinere Wasserfälle und zum Glück auch Badestellen. Wir unterbrachen den schweisstreibenden Aufstieg immer wieder mit einem kühlen Bad und am letzten Aussichtspunkt wurden wir von der Gischt durchnässt. Wir haben das als sehr angenehm empfunden.

Cascades el Chiflon

Cascades el Chiflon

Cascades el Chiflon

Der Pinien- und Eichenwald an der Grenze zu Guatemala ist mit über 50 kleinen Seen, den sogenannten Lagos de Montebello, von unterschiedlichsten Farben übersät. Wir fanden einen Campingplatz und waren wieder einmal die einzigen Gäste. Am nächsten Morgen machten wir eine kleine Wanderung auf den nächsten Hügel hinauf und konnten uns kaum satt sehen an der Aussicht. Bei der Weiterfahrt entdeckten wir immer wieder neue Seen mit anderen Farbennuancen. Leider war es kalt und so hatten wir keine Lust zum schwimmen.

Lagos de Montebello

Lagos de Montebello

Lagos de Montebello

Anders war es dann in Las Nubes, das mitten im Regenwald liegt. Eine fast endlose, holprige Strasse führte uns tief ins Landesinnere an den Rio Santo Domingo. Als wir ankamen war es heiss und trotzdem stiegen wir zum Aussichtspunkt hinauf, um auf die Landschaft, den kleinen Wasserfall und die Stromschnellen hinunter zu sehen. Das anschliessende Bad im türkisblauen Wasser war ein Genuss.

Das kleine Dorf La Reforma liegt am Rio Lacantun. Die wunderschön gelegene Öko Lodge Las Guacamayas ist das Zentrum eines gemeinschaftlichen Projekts zum Schutz der einheimischen Population Hellroter Aras. Der Campingplatz ist nur ein paar Schritte davon entfernt und von dort konnten wir zum Fluss hinunter um im lauwarmen Wasser etwas Abkühlung zu finden. Jeden Tag fuhren die Pickup an uns vorbei um aus dem Fluss Wasser zu holen, oder um Wäsche zu waschen. Vom anderen Flussufer dröhnte das gewaltige Geschrei der Brüllaffen zu uns herüber. Leider sahen wir diese Tiere nicht und stellten uns nur vor wie gross sie sein müssen, damit sie in einer solchen Lautstärke kommunizieren können. Als ich an einem Morgen sehr früh aufstand hatte ich das Glück einige Aras und andere Papageienarten beobachten zu dürfen.

Las Nubes

Las Nubes

La Reforma

Nun standen wieder Besuche von Ruinen auf unsere Liste. Als erstes fuhren wir nach Palenque. Auch hier fanden wir einen schönen Campingplatz mit Swimmingpool, den wir nach unserer Ankunft sofort benutzen. Am nächsten Morgen gingen wir die 1.5 km zu Fuss zum Eingang. Wieder ging es bergauf und schon ziemlich verschwitzt kamen wir an. Unermüdlich stiegen wir die Treppen zu den Tempeln und Palästen hinauf, ruhten uns aus, bewunderten Details und Aussicht und stiegen wieder hinunter. Durch den Regenwald führt ein Pfad am Flüsschen Otolum entlang hinunter zum Museum. Plötzlich hörten wir ein Rascheln über uns und dann sahen wir zum ersten Mal Brüllaffen. Kaum zu glauben, dass diese eher kleinen Tiere so gewaltig brüllen können.

Palenque

Palenque

Palenque

In Edzna kamen wir erst gegen Abend an und konnten vor dem Eingang zu den Ruinen übernachten. Vom Eingang führt ein ca. 400 m langer Fussweg durch die Vegetation zur Plaza Principal. Sie ist 160 m lang und 100 m breit und auf einer Seite steht ein massiger, länglicher Bau. Auf der anderen Seite der Plaza steht die Gran Acropolis, eine erhöhte Plattform, auf der sich unter anderen Gebäuden der wichtigste Tempel, das 31 m hohe Edificio de los Cinco Pisos erhebt. 65 Stufen führen zu den zahlreichen Gewölben und Ebenen. Leider darf man nicht mehr hinauf steigen. In den Mauern und Steinen sieht man immer wieder Leguane verschwinden. Für sie sind die Ruinen eine Lebensraum geworden.

Edzna

Edzna

Edzna

Mit Uxmal wollten wir für die nächste Zeit unsere Besuche bei den alten Mayas beenden. Uxmal ist eine der besten Ausgrabungsstätte und zeigt viele Verzierungen in sehr gutem Zustand. Ausserdem liegt es in einer hügeligen Region. Somit wechseln sich Flachland und bis zu 100 m hohe Erhebungen ab.

Nein, auf diesen Tempel durfte ich nicht hinauf steigen, auch er ist für Besucher gesperrt. Dafür gab es viele andere Treppen die erklommen werden konnten. Der Aufstieg ist oft anstrengend, das Heruntersteigen von einem Tempel erfordert dafür oft höchste Konzentration. Uxmal faszinierte uns aber auch wegen der vielen Verzierungen und den architektonischen Details. Und wieder kreuzten Leguane unseren Weg.

Uxmal

Uxmal

Uxmal

Jetzt freuten wir uns auf Entspannung und fanden in Bacalar einen kleinen Campground direkt an der Lagune. Das Wasser ist klar, türkisblau und warm. Doch ausser baden und faulenzen wollen wir endlich die Fotos und den Bericht ins Netz stellen. Welche Aussicht – doch wir wollen nicht jammern!

Bacalar

Mexiko haben wir bis jetzt als sehr angenehmes Reiseland erlebt. All die Ermahnungen, die wir in Amerika hörten, erwiesen sich als ungerechtfertigt. Nie hatten wir das Gefühl, dass wir als Fremde übervorteilt worden wären. Bei all den Militärkontrollen wurden wir äusserst höflich und zuvorkommend behandelt. Auch bei den Sehenswürdigkeiten wurden wir nie belästigt und zum Kaufen von Gegenständen gedrängt und wir konnten in Ruhe die Dinge betrachten.

Wir sind gespannt, wie es sein wird, wenn wir die Grenze nach Belize überqueren und freuen uns auf neue Abenteuer.