Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

German English French Italian Portuguese Spanish Swedish
Wir haben 56 Gäste online
Home Berichte Von Guatemala nach Nicaragua
Von Guatemala nach Nicaragua Drucken E-Mail
Donnerstag, den 05. Juli 2012 um 00:00 Uhr
Die knapp vier Wochen in der Schweiz gingen wie im Fluge vorbei. Es war schön die Familie und Freunde wieder zu sehen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Wo immer wir hinkamen wurden wir verwöhnt. Wir waren neugierig, was sie seit unserem letzten Besuch alles erlebt hatten und so gab es viel zu erzählen.
Der Flug zurück nach Guatemala war anstrengend und die beiden Zwischenlandungen verlängerten die Reisezeit erheblich. Glücklich waren wir, als wir unseren Huckepack wohlbehalten wieder fanden und, nach dem das Gepäck einigermassen verstaut war, fuhren wir umgehend nach Antigua auf den uns bekannten Platz der Touristenpolizei. Übermüdet fielen wir ins Bett und schliefen mehr als 15 Stunden am Stück.
Am nächsten Tag fuhren wir gutgelaunt in die Hauptstadt um die Stossdämpfer abzuholen. Die Frustration war gross als wir erfuhren, dass nichts bestellt worden war. Nach einigen Überlegungen riefen wir Bill Davis von GBR in Salt Lake City an. Wir hatten unser Auto bei ihm im Service und er hatte uns damals die Marke Bilstein empfohlen. Er war bereit die Stossdämpfer zu bestellen und uns nach Antigua zu senden. Fast 3 Wochen sollte es dauern, bis wir sie endlich im DHL Büro abholen konnten.
Die Wartezeit verbrachten wir mit dem Ausführen von kleineren Reparaturen am Auto, Kleider waschen und Spanisch lernen. Oft schlenderten wir durch den allgemeinen Mark, wo es einfach alles zu kaufen gab – von technischen Artikeln über Obst, Gemüse Fleisch bis zu Kleidern und Unterwäsche in allen Farben, Formen und Grössen. Auf dem Platz lernten wir Sabine und Thomas aus Deutschland und Sabrina und Marco aus Quebec kennen. Auch sie suchten in der Hauptstadt und Umgebung Ersatzteile, flickten an ihren Autos herum, wuschen und putzten. So hatten wir genügend Gelegenheit Erfahrungen und Informationen auszutauschen, einfach miteinander zu schwatzen und einmal veranstalteten wir einen gemeinsamen Grillabend.
Und wir genossen das Flair, das Antigua als ehemalige Hauptstadt und alte Kolonialstadt ausstrahlt. Antigua wurde als UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen und vieles darf nicht verändert werden. So sieht man überall Ruinen von Kirchen und Gebäuden, die einfach so dastehen. Viele bunt bemalte, niedrige Häuser säumen die Strassen und das Gehen auf den alten Kopfsteinpflastern kann auch ohne Stöckelschuhe anstrengend sein. Sogar Häuser an denen der Verputz abgeblättert ist, überraschen mit wunderschön gestalteten Innenhöfen, in denen es oft ein Restaurant gibt. Auf den mit Bäumen bepflanzten Plätzen flanieren die Menschen an Brunnen vorbei, hören den Strassenmusikanten zu oder sitzen plaudernd auf den Bänken. Überall tollen Kinder herum. Es hat aber auch viele Kinder und vor allem indigene Erwachsene, die den Touristen Objekte verkaufen wollen. Das Angebot in den zahlreichen Läden ist auf die ebenso zahlreichen Touristen zugeschnitten.
Täglich erlebten wir mindestens einen Platzregen und dann gab es nur eins, so rasch wie möglich ein Dach über dem Kopf zu finden, denn auch ein Regenschirm half nicht viel. Die Strassen verwandelten sich blitzartig in kleinere Bäche und Erdstrassen wurden zu Schlammpfützen. War der Regen vorbei, belebten sich die Plätze und Strassen augenblicklich wieder.

Antigua

Antigua

Antigua

Um uns die Wartezeit zu verkürzen, fuhren wir für ein paar Tage an den Lago de Atitlan. Dieser wunderschöne See entstand aus einer eingebrochenen Kaldera und ist umgeben von 3 Vulkanen, dem Atitlan (3537 m), dem Toliman (3158 m) und dem San Pedro (3020 m). Steil führte die Strasse hinunter nach Panajachel und wir stellen unseren Huckepack mitten auf die durch den Regen ziemlich matschige Wiese. Doch wunderschön war der Ausblick über den See zu den Vulkanen. Vom Schwimmen im See wurde uns abgeraten. Nach Regenfällen würden Düngungsmittel hinein geschwemmt und verseuchen das Seewasser.

Bei einer Bootsundfahrt lernten wir die drei Dörfer Santiago de Atitlan, San Pedro la Laguna und San Marcos la Laguna kennen. Bis weit hinauf kleben die Häuser in den Hügeln und das Bewirtschaften der Felder ist eine mühsame Arbeit. Steigt man aus dem Boot, führt jeder Weg steil nach oben und bei der Hitze und Feuchtigkeit ist alles innert Kürze nass vor Schweiss. Schön waren die Menschen in ihren traditionellen Kleidern anzusehen und in Santiago sind sogar die Kirchenfiguren in traditionelle Gewänder gehüllt. In San Marco haben sich viele Aussteiger nieder gelassen, was deutlich an den zahlreichen Aushängen mit Angeboten von jeglicher Art von Therapien ersichtlich ist.

Lago de Atitlan

Lago de Atitlan

Lago de Atitlan

Um der brütenden Hitze etwas zu entkommen fuhren wir noch für ein paar Tage nach Monterrico an den Pazifik. Wir badeten im warmen Meer, dösten unter den Palmen und schlenderten zwischen durch ins nahe Dorf um die E-Mails zu lesen. Schliesslich erreichte uns die Nachricht, dass die Stossdämpfer per DHL nach Antigua abgeschickt wurden und so fuhren wir wieder zurück.

Wir fanden eine Werkstatt, die die Schweissarbeiten ausführen konnte und die Stossdämpfer montierte. Die Bodenwellen und Löcher in den Strassen bewältigte unser Huckepack von jetzt an wieder viel gelassener und wir hatten nicht mehr das Gefühl mit einem Schiff unterwegs zu sein. Am 6. Juni konnten wir endlich unsere Reise fortsetzen.

Da wir wussten, dass Traute am 15. Juni von Managua für 4 Monate nach Europa reisen würde, wollten wir so schnell wie möglich Nicaragua erreichen.

Doch Copan wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Die Ausreise- aus Guatemala und die Einreise-Formalitäten nach Honduras waren rasch erledigt und wir fuhren auf den Parkplatz hinter der Texaco Tankstelle. Am folgenden Morgen überqueren wir die Strasse und waren schon beim Eingang zu den Mayaruinen.

Als Ausländer zahlten wir pro Person 15 US$ für die Besichtigung der Ruinen und weitere 7 US$ pro Person für den Besuch des Museums. Will man auch noch in die Tunnel hinein, kostet es nochmals 15 US$ pro Person. Direkt neben der Kasse sahen wir ein Modell der imposanten Ausgrabungen. Obwohl es erst 8 Uhr war, schwitzten wir schon vor uns hin und verzichteten auch auf Grund der Grösse Anlage auf den Besuch der Tunnel.

Ein kurzer Weg durch den tropischen Wald führt zum Eingang der Ruinen. Dort wurden wir von freilebenden Papageien begrüsst. Vor allem die Aras hatten es uns angetan. Wir sahen ihnen zu wie sie krächzend durch den Dschungel flogen, sich auf Ästen nieder liessen und sich lautstark miteinander unterhielten. Ein leuchtend rotes Gefieder umhüllt seinen Körper. An den Flügeln sieht man erst eine Reihe gelber Federn, die dann in eine zweite blaue Federreihe bis zu den Flügelspitzen übergeht. Der Kopf mit den schwarzen Augen und dem grossen Schnabel ist von einer weissen Gesichtsmaske eingerahmt. Es war das erste Mal, dass wir so viele Aras in der freien Natur und über eine so lange Zeit bestaunen konnten.  

Copan

Copan

Copan

Anschliessend bewunderten wir die fantastischen Bauten, die damals von Königen mit schillernden Namen wie „Smoke Shell“, „Smoke Imix“ oder „18 Kaninchen“ erbaut wurden und heute in mühsamer Arbeit teilweise restauriert werden. Vieles liegt noch verborgen. Wir standen auf der „Plaza de las Estelas“ mit der Tempelpyramide und waren beeindruckt von den wunderbaren Stelen, in die Bilder, Reliefs und Inschriften der Könige eingemeisselt sind. Über den „Ballspielplatz“ gelangten wir zur Hieroglyphentreppe. Auf 63 Stufen wird die Geschichte Copans erzählt, wobei bis heute noch einiges entschlüsselt werden muss. Über unzählige Treppen stiegen wir zu weiteren Tempelruinen hinauf und wieder hinunter. Der Rundgang führte über den Platz der Jaguare, die „Plaza Grande“, zum Tempel der Inschriften und nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald kamen wir zum Museum.

Dort waren wir beeindruckt von der originalgetreu gestalteten Nachbildung der „Rosalila“. Diesen Tempel fand man bei den Ausgrabungsarbeiten im Innern eines später darüber errichteten Gebäudes. Er ist verputzt und mit detailreichen Gipsornamenten geschmückt und karminrot, grün und weiss angemalt. Damit erhält man einen ausgezeichneten Eindruck von der Pracht und Ausdrucksstärke, die Tempel damals ausgestrahlten.

Copan

Copan

Copan

Der Zustand der Strasse zwang uns zu zwei weiteren Übernachtungen, bevor wir die Grenze zu Nicaragua erreichten. Auch hier konnten wir problemlos die Formalitäten für Aus- und Einreise abwickeln. Die Strasse nach Managua war in einem so guten Zustand, dass wir schon am Sonntagnachmittag bei Traute eintrafen. Vor über 30 Jahren wanderte sie nach Nicaragua aus und ich traf sie zum ersten Mal wieder. Wir wurden herzlich willkommen geheissen. Erst am Tag zuvor war sie an der Schulter operiert worden und musste deshalb das Haus hüten. Brenda, eine ihrer Ziehtöchter organisierte einen sicheren Parkplatz für unseren Huckepack und wir konnten während unseres Aufenthaltes in ihrem Haus übernachten.

Viel Zeit verbrachten wir mit erzählen. Wir erfuhren von den beiden Projekten, die Traute in dieser Zeit aufbaute. Alle 2 Jahre fliegt sie nach Europa zurück um wieder Geld für die Projekte zu sammeln, aber auch um ihre Familie und Freunde zu treffen. Schön war zu erleben, dass wir, obwohl wir uns so lange nicht mehr gesehen hatten, sofort wieder den Kontakt zueinander fanden. Auch spürten wir, dass sie mit all ihrer Energie, Kraft und Präsenz in Managua verankert ist.

Einerseits baute sie eine Beratungsstelle für Frauen auf. Hier können sich Frauen hinwenden wenn sie Hilfe oder Rat brauchen, sei es bei häuslicher Gewalt, rechtlichen, psychischen oder gynäkologischen Fragestellungen. Die Beratung erfolgt kostenlos und bei Bedarf wird ein Termin mit Fachkräften vereinbart. Ausserdem gibt es Veranstaltungen, an denen Frauen weitergebildet werden, damit sie mit ihrem neuerworbenen Wissen selber weitere Frauen weiterbilden können. Bei unserem Besuch in den Lokalitäten waren wir beeindruckt von den beiden anwesenden Frauen zu hören, wie sie trotz begrenzten Mitteln mit viel persönlichem Engagement täglich das Beste geben.

Andererseits gibt es die Bäckerei und angegliedert ein Café, in denen Frauen arbeiten und somit ein Einkommen haben. Traute erzählte uns wie sie nach vielen Versuchen endlich mit den herkömmlichen Zutaten Produkte herstellen konnte, die ihren Anforderungen entsprachen. Sie sprach auch von den Schwierigkeiten das Projekt aufrecht zu erhalten. Einerseits seien viele Europäer wieder zurück gekehrt, andererseits spüre die Bäckerei auch die Wirtschaftskrise, was zu einem Umsatzrückgang geführt habe. Für uns jedoch war es eine grosse Freude wieder Schwarzbrot, Gipfeli, Gebäck und sogar Basler Läckerli essen zu können.

Von Managua selber haben wir nur sehr wenig gesehen. Traute und auch Brenda warnten uns, dass nicht nur für Touristen das herum schlendern gefährlich sei. Die Arbeitslosigkeit sei hoch und die Alkohol- und Drogenprobleme allgegenwärtig. Bei Überfällen kämen auch schnell Messer und andere Waffen zum Einsatz. Wollten wir etwas unternehmen (ins Beratungszentrum, zur Bank, Brille kaufen), wurde ein Taxi bestellt, das uns an den gewünschten Ort brachte, auf uns wartete und uns wieder zurück brachte. Unter diesen Umständen hatten wir nicht grosse Lust Managua kennen zu lernen. Doch das Denkmal von Sandino auf dem Hügel des ehemaligen Präsidentenpalast sahen wir uns aus der Nähe an und hatten von dort aus einen Überblick auf die Stadt..

Managua

Managua

Managua

An einem Morgen fuhr Brenda mit dem Bus nach Leon um sich mit ein paar Leuten zu treffen. Ich entschloss mich mit ihr mitzufahren um Leon, auch eine alte Kolonialstadt, ein bisschen kennen zu lernen. Unterwegs erfuhr ich, dass es sich beim Treffen um ein Projekt handelt das Frauen, die im Dorf in dem Brenda selber aufwuchs, unterstützt. Den Frauen soll ein einfacher Zugang zu Agrarland und Kulturpflanzen ermöglichen werden, damit sie für sich und die Familie, in Zukunft aber auch für den Markt produzieren können. Brenda wollte persönlich mehr über das Projekt erfahren, damit sie von der Hauptstadt aus für das Projekt werben und es so unterstützen kann.

Wir wurden von ihrem Onkel auf dem Busbahnhof erwartet. Er lebt immer noch im Dorf und ist einer der Projektverantwortlichen. Beim Treffen fragte Brenda, warum keine Frau an der Sitzung teilnehme. Es sei schwierig und sehr zeitaufwändig nach Leon zu kommen, aber in der Projektgruppe seien 40 % Frauen vertreten, war die Antwort.

Anschliessend fuhren wir ins Zentrum und ich erhielt einen kleinen Einblick von Leon. Dann fuhren wir wieder über 2 Stunden im Bus nach Managua zurück. Da Brenda kein Deutsch spricht, war es für mich eine grosse Herausforderung mich mit ihr zu unterhalten. Sehr geduldig wiederholte sie, wenn ich sie nicht verstand und formulierte klar, deutlich und erklärte das Gesagte mit anderen Worten. Ja, mit ihr könnte ich schneller Spanisch lernen. Leider flog sie gleichzeitig mit Traute von Managua weg, doch nicht nach Europa sondern nach Kuba.

Leon

Leon

Leon

Dank Traute lernten wir in Granada Diego von der “Escuela de la Comedia y el Mimo” kennen. Wir wurden freundlich willkommen geheissen und durften unseren Huckepack auf den Parkplatz vor dem Haus hinstellen.

Granada ist sehr schön und konnte ihren Charakter als Kolonialstadt bewahren. Wir fühlten uns sofort wohl und auch sicher. Wir buchten einen Spanischkurs und fuhren mit den Fahrrädern in die Schule.

Diego hat mit seiner Familie ein eindrückliches Projekt aufgebaut. Auf einem Gelände etwas ausserhalb Granadas haben sie innerhalb von 2 Jahren ein ganz spezielles Haus gebaut. Dank der Konstruktion ist es drinnen auch tagsüber angenehm kühl. Ein grosser Garten mit einer riesigen Palapa bietet auch ausserhalb des Hauses viele Möglichkeiten sich aufzuhalten, zum Üben und sich wohl zu fühlen. In der Innenstadt gibt es das Cafetin Mimo, das ein Restaurant und eine Bar hat. Der Innenhof dient als Bühne für Vorstellungen, Konzerte und als Übungsraum. In Projekt werden Kinder aus sehr armen Familien aufgenommen, damit sie ihre Freizeit nicht auf der Strasse verbringen. Vormittags besuchen die Kinder die normale Schule und werden nachmittags in verschiedenen artistischen Künsten unterrichtet. Ausserdem erhalten die Kinder kostenlos am Mittag eine Mahlzeit und Aufgabenhilfe. Die Internetseite www.escueladecomedia.org/es informiert umfassend über das Projekt.

Am Vormittag besuchten wir einen Spanischkurs, am Nachmittag machten wir unsere Hausaufgaben und sahen anschliessend den Kindern beim Üben der Kunststücke zu. Mit grosser Freude und voller Stolz zeigten sie uns, was sie schon alles konnten.

An verschiedenen Abenden fuhren wir in die Stadt um Vorstellungen im Cafetin Mimo anzusehen. Auch die Kinder zeigen ihr Können auf dem Hauptplatz und werden anschliessend mit einer Pizza belohnt. Wir waren begeistert und in unserer Galerie könnt ihr euch noch viele Fotos anschauen.

Granada

Escuela de la comedia

Granada

Granada

Granada

Granada

Schon in Granada gingen wir am Lago die Nicaragua spazieren. Dieser See ist 80624 km2 gross, 177 km lang und 58 km breit. Blickt man über den See, könnte man meinen man sei am Meer, denn es ist kein Land mehr in Sicht. Über Rivas fuhren wir nach San Jorge, denn von dort aus braucht die Fähre nur eine Stunde um zur Vulkaninsel Ometepe zu gelangen. Schon von weitem sahen wir die beiden Vulkane „Conception“ (1610 m) und „Maderas“ (1365 m). Der höhere ist noch aktiv und sein letzter Ausbruch war erst 1957. Die Insel ist sehr fruchtbar und an den Hängen werden Obst, Gemüse und Kaffee angebaut. Mit auf der Fähre waren viele Rucksacktouristen, die trotz der brütenden Hitze den 8 bis 10-stündigen Aufstieg zu einem der Vulkane in Angriff nehmen würden. Wir wussten, dass unsere Kondition dazu nicht ausreichen würde. Wieder hatten wir Glück und durften uns direkt an den mit schwarzem Sand bedeckten Strand neben einer Cabana des „Tesoro del Pirata“ stellen. Vom See aus sahen wir die beiden Vulkane, deren Krater meist von Wolken bedeckt waren. Wir verbrachten ein paar Tage schwimmend oder faul auf der Luftmatratze schaukelnd, lasen, schauten den Vögeln zu und hörten am Morgen und am Abend die Affen in der Umgebung brüllen.  

San Jose del Sur

San Jose del Sur

San Jose del Sur

Zurück auf dem Festland wollten wir doch noch einen Vulkan aus der Nähe erleben. Wir erreichten den Zugang zum Masaya Nationalpark kurz vor 17 Uhr. Er besteht aus den beiden Vulkane Masaya und Nindiri die weitere 5 Krater umfassen. Wir konnten noch bis zum Visitercenter hinauf fahren und dort übernachten. In der Nacht und auch noch am Morgen regnete es heftig und wir hatten schon Bedenken, ob wir überhaupt etwas sehen würden. So besuchten wir als erstes die Ausstellung im Visitercenter. Dann fuhren wir mit dem Auto bis zum Kraterrand und blicken in den immer noch aktiven Krater Santiago hinein. Der Parkwächter erlaubte nur einen fünfminütigen Aufenthalt am Kraterrand. Aus der riesigen, runden Öffnung steigen die Schwaden zum Himmel hinauf und wir hörten ein gedämpftes Blubbern. Der Wind trug die Rauchschwaden von uns weg und wir wurden vom den beissenden Schwefelgeruch verschont. Deutlich sieht man die Spuren, die ehemalige Magmaströme hinterliessen. Der Zugang zum Vulkan Masaya war gesperrt und so liefen wir hinauf zu einem anderen Krater. Das Innere dieses Kraters war über und über grün bewachsen doch mit dem Blick auf den Krater Santiago versteht man, warum die spanischen Eroberer diesen Ort als „Tor zur Hölle“ beschrieben. Wie wir im Visitorcenter lasen, sollen die Ureinwohner junge Frauen in die kochende Lava geschmissen haben, um ihren Gott wohlgesonnen zu stimmen. Und ein spanischer Mönch stieg im 16. Jahrhundert mit einem Eimer in die Tiefe, weil er die Lava für flüssiges Gold hielt. Mehr über ihn erfuhren wir nicht.  

Volcán Masaya

Volcán Masaya

Volcán Masaya

Wir hatten nur noch bis zum 4. Juli eine Aufenthaltsbewilligung für Nicaragua. Die Hitze setzte uns zu und wir beschlossen, die verbleibenden drei Tage am Pazifik zu verbringen. Über eine Schotterpiste erreichten wir den Campingplatz in der Nähe von San Juan del Sur und trafen auch Sabine und Thomas wieder. Damit ihr Auto durch die Einfahrt hindurch konnte, musste Thomas zuerst einen Betonpfeiler ausgraben. Etwa 7 Leute standen um ihn herum und schauten zu. Haben wir neue Mentalitäten angenommen, einer arbeitet, die anderen kommentieren? Es schien so. Doch dann war es geschafft und wir konnten uns in den Meereswellen die verdiente Abkühlung holen. Natürlich gab es wieder vieles zu erzählen.

San Juan del Sur

San Juan del Sur

San Juan del Sur

Frisch geduscht verliessen wir San Juan del Sur um die Grenze zu Costa Rica zu überqueren. Diesmal dauerte es fast 4 Stunden, bis wir die in verschiedenen Gebäuden verteilten Büros aufgesucht, alle Papiere ausgefüllt und wieder abgegeben hatten.

Jetzt sind wir auf der Finca Canas Castilla bei Agi und Guido, die vor 15 Jahren aus der Schweiz auswanderten. Wir fühlen uns rundherum wohl – doch davon im nächsten Bericht.

In Nicaragua haben wir viele wunderschöne Landschaften mit Hügeln, Vulkanen und Seen erlebt. Wir genossen den Aufenthalt am Meer mit dem blendend weissen Sand und den Wellen. Wir konnten Pflanzen und Tieren beobachten. Ausser in Managua fühlten wir uns überall sicher und die Menschen zeigten uns den Weg, den wir nehmen mussten, wenn wir uns verfahren hatten. Unvergesslich bleiben wird uns die Begegnung mit Traute und ihren Freunden und natürlich Diego, seine Familie, die Freiwilligen, die im Projekt mitarbeiten und die Kinder, die in der Umgebung Erfahrungen sammeln können, die ihnen eine andere Welt nahe bringt.