Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Montag, den 08. Oktober 2012 um 00:00 Uhr

Endlich haben wir unseren Huckepack wieder und damit ist das Hotelleben beendet. Wie schön ist es wieder zu Hause zu sein!!!

Die Einreise nach Panama war ganz schön anstrengend. Es war das erste Mal, dass Grenzbeamte unhöflich, barsch und teilweise inkompetent waren. Zum Glück wussten wir was wir alles brauchten und nach über 3 Stunden hatten wir endlich alles beieinander. Verständlich, dass wir so schnell wie möglich weit weg von der Grenze wollten.

Wir fuhren bis nach David, der drittgrössten und sicher heissesten Stadt Panamas. Wir hatten die Koordinaten eines grossen, bewachten Einkaufszentrums. Dank unserem Navigationsgerät fanden wir es trotz Dunkelheit. Es war unbeschreiblich schwül und wir flüchteten in einen klimatisiertes Geschäft um noch etwas abzukühlen, bevor wir uns in den Huckepack zurück zogen. Um 11 Uhr klopfte ein Secritaswärter an unsere Tür und teilte uns mit, dass wir hier über Nacht nicht stehen dürfen. Das hatte uns gerade noch gefehlt. Ziemlich frustriert suchten wir nach Lösungen als neben uns ein Paar aus dem Auto ausstieg. Sie hatten gehört, was der Securitaswärter zu uns gesagt hatte. Der Mann sprach mit ihm und teilte uns dann mit, dass wir bis zum nächsten Morgen bleiben dürfen. Das war ein ganz tolles Erlebnis und für uns war dieser erste Tag in Panama gerettet.

Wir verbrachten eine unbeschreiblich heisse Nacht in unserem Huckepack. Am Morgen machten wir uns unverzüglich auf den Weg ins Städtchen Boquete, das auf 1060 m liegt. Dass sich in diesem angenehmen Klima viele wohlhabende Senioren niederlassen, erstaunt sicher niemanden.

In der Umgebung hat es diverse Wanderwege und man könnte sogar zum Vulkan Barú (3475 m), dem höchsten Berg Panamas aufsteigen. Mit unserer Kondition können wir ein solches Abenteuer vergessen. Wir spazierten ein wenig im Ort herum und besichtigten das schöne, alte Postgebäude auch von innen.

Am nächsten Tag machten wir uns schon früh am Morgen auf einen Spaziergang. Der Reiseführer beschrieb eine Residenz mit einem wunderschönen Garten, den man besichtigen kann. Wir waren überrascht, schlenderten durch diese gepflegte Oase der Ruhe und bewunderten die vielen Blumen, Bäume, kleinen Bäche und Fischteiche. Überall in dieser Pracht wurden wir überrascht von Skulpturen, die geschickt und oft auch witzig das Bild vervollständigten.

Boquete

Boquete

Boquete

Irgendwann kamen wir in Santa Catalina, einem kleinen Städtchen am Pazifik an. Es gilt als Surfparadies. Wir fuhren ins etwas abgelegene Hotel Hibiskus Garten und durften unseren Huckepack auf die Wiese stellen. Es ist ein kleines Paradies und wir genossen die Abgeschiedenheit. Stundenlang konnten wir am Sandstrand spazieren gehen, im warmen Pazifik baden oder die Zeit lesend in Hängematten verbringen.

Hibiscus Garden

Hibiscus Garden

Hibiscus Garden

Wir unternahmen auch einen Bootsausflug ins Naturschutzgebiet der Isla Coiba und wurden beim Schnorcheln von Fischschwärmen begleitet. Auf der Rückfahrt sahen wir noch eine Meeresschildkröte und Wale begleiteten unser Boot. Doch dann prasselte der Regen auf uns herunter. Schutz konnten wir unter dem Badetuch nur vor den harten Wassertropfen auf unsere Haut finden. Innert kürzester Zeit waren wir klatschnass und froren im Fahrtwind. Ein Vergnügen war es nach über einer halben Stunden Rückfahrt im Hafen über Bord zu gehen und ins warme Meerwasser einzutauchen.

Isla Coiba

Isla Coiba

Isla Coiba

Unsere Reise führte uns weiter am Pazifik entlang und wir genossen die Hitze, die täglichen, sintflutartigen Regenfälle, doch dann wünschten wir uns kühlere Temperaturen. El Valle de Anton liegt in den Bergen der Provinz Cocle. Dort befindet sich der grösste besiedelte Vulkankrater der Erde. Der Kratersee ist schon lange ausgetrocknet und Indianer besiedelten vor langer, langer Zeit dieses Gebiet. Wir machten einen langen Spaziergang in die umliegenden Berge, verweilten im tropischen Regenwald und freuten uns über all die Bäume und Pflanzen, die wir dabei entdeckten. Steil stiegen wir der Weg hinauf, der bald ebenso steil wieder zu einem Bach hinunter führte. So kamen wir trotz den angenehmen Temperaturen ins Schwitzen. Nach der Rückkehr entspannten wir uns im warmen Wasser der Thermalquellen.

El Valle

El Valle

El Valle

Als wir noch etwas einkaufen wollten, kam es einmal mehr zu einem Wolkenbruch. Innert kürzester Zeit werden die Strassen zu kleinen Bächen und es ist ungemütlich, diese zu durchqueren. Wir stellten uns unter, wie alle anderen auch. Überrascht sahen wir zu wie ein Faultier sich an Leitungsdrähten fortbewegte. Das war ein einmaliger und faszinierender Moment, den wir miterleben durften.

El Valle

El Valle

Dann erfuhren wir, dass aus einer Pflegestelle und Ambulanz für Nutz- und versetzte Wildtiere ein Zoo und botanischer Garten entstand. So konnte der Besitzer die Haltung und Pflege dieser Tiere besser gewährleisten. Das 2.8 Hektar grosse Zoogelände befindet sich am Fusse des Cerro Gaital National Monument. Wir schlenderten durch die Anlage, beobachteten in- und ausländische Vogelarten, durften Affen füttern und sahen viele andere Tiere. Alte Bäume, Sträucher und Blumen wachsen auf dem Gelände. Überall liefen Hühner, Katzen und Hunde frei herum. Ganz begeistert waren wir vom Terrarium wo wir untereinander wetteiferten, wer wohl zuerst den abgebildeten Frosch fand. Den „goldenen Frosch“ entdeckten wir, doch Werni konnte ihr durch die Glasscheibe nicht fotografieren, er war zu klein und die Scheiben waren beschlagen. So müsst ihr euch mit einem Foto eines Wandgemäldes begnügen. Grosszügig sahen wir über die doch oft sehr kleinen Gehege und Vollieren hinweg und wertschätzten die Bemühungen des Besitzers.

El Valle

El Valle

El Valle

Wir wurden in eine völlig andere Welt katapultiert, als wir nach Panama City kamen. Nichts mehr von „Natur pur“, sondern Hochhäuser wohin der Blick auch fiel. Wir waren froh, dass wir unseren Huckepack beim Jachthafen auf einen grossen Platz stellen konnten. Nur ein paar Schritte mussten wir machen um den „Puente de las Americas“ zu sehen.

Panama City

Panama City

Panama City

Jetzt war es an der Zeit die Verschiffung unseres Huckepacks nach Kolumbien vorzubereiten. Leider gibt es immer noch keine Fähre mit der auch wir von Colon nach Cartagena hätten mitfahren können. Im Internetforum Panamerica fanden wir ausgezeichnete Informationen und beschlossen, dass wir dieses Abenteuer ohne Agenten wagen wollten. Mabel Estribi von Barwil Agencies übergab uns die Bill of Landing und alle notwendigen Fotokopien für Weiterbearbeitung. Gleichzeitig erhielten wir von ihr eine Anleitung, welche Schritte wir unternehmen mussten, eine Wegbeschreibung, sowie eine Karte von Panama City. Guten Mutes fuhren wir am nächsten Tag zur entsprechenden Adresse der Polizei, damit ein Beamter unser Fahrzeug kontrollieren konnte. Obwohl wir am Grenzübergang zu Panama meinten alle Zahlen minutiös kontrolliert zu haben, stellte der Beamte fest, dass eine Ziffer falsch war und wir mussten zum Zoll fahren um das Importpapier für unser Auto nachbessern zu lassen. Dass das am gleichen Tag nicht möglich war, versteht sich von selbst. Am nächsten Tag konnten wir das erledigen und fuhren nochmals zur Kontrolle. Jetzt erhielten wir das OK und konnten am Nachmittag die Ausfuhrbewilligung für das Fahrzeug abholen. Dank GPS fanden wir, wenn auch mehrmals über Umwege, unsere Ziele.

Auf dem Weg nach Colon, wo wir unseren Huckepack am Hafen abgeben mussten, besuchten wir die Schleusen Miraflores und Gatun. Die Breite aller Kammern beträgt 33.53 m, die Länge entweder 327.66 oder 304.80 m und die Tiefe mindestens 23.16 m. Der Zu- und Ablauf des Wassers in die Kammern erfolgt über grosse Öffnungen im Boden und so muss unter dem Schiffboden noch ausreichend Platz für die Wasserströme sein. Ein Schiff mit der genau zulässigen Breite und Länge hat an beiden Seiten noch 0.61 m Abstand zur Kanalwand und uns kam es so vor, als hätte keine Handbreite mehr Platz. Damit die Durchfahrt zügig und sicher von statten geht, werden Zahnradbahnen eingesetzt. Je nach Schiffgrösse schleppen vier bis acht Lokomotiven die Schiffe durch die Schleusen und stabilisieren sie gegen die Strömungen beim Ein- und Auslass des Wassers. Sie fahren 45 Grad steile Rampen problemlos hinauf und hinunter. Das sieht fast so aus wie der Anfang und der Schluss bei einer Achterbahn. In Miraflores beobachteten wir das Geschehen mehr von oben, in Gatun kamen wir viel näher an die Frachtschiffe heran. Es war ein einmaliges Erlebnis diese Ozeanriesen aus nächster Nähe zu sehen. Wie würde es wohl unserem Huckepack gehen auf so einem Frachter bei der Fahrt von Colon nach Cartagena? Wir hofften und wünschten uns jetzt schon, dass er alles gut überstehen wird.

Miraflores Schleuse

Gatun Schleuse

Gatun Schleuse

Da wir noch ein paar Tage hatten, bevor wir unseren Huckepack am Hafen von Colon abgeben mussten, besuchten wir das Fort San Lorenzo. Es wurde erstmals während des späten 16. Jahrhunderts erbaut. Die Mündung des Rio Chagres wurde stark für Handels- und Sklavenschiffe genutzt und war deshalb für Piraten und Freibeuter interessant. Von der Festung aus kann das Meer und die Mündung des Rio Chagres ausgezeichnet übersehen werden. Das Fort wurde mehrmals zerstört, so auch von den berüchtigten Piraten Francis Drake und Henry Morgen. Aus strategischen Gründen wurde es immer wieder aufgebaut. Heute sind noch die Ruinen zu besichtigen. Doch von oben hat man einen atemberaubenden Blick auf die Mündung des Flusses, aufs weite Meer und auf eine kleine Bucht. Wir stiegen hinunter und plantschten im warmen und seichten Meer.

Fort San Lorenzo

Fort San Lorenzo

Fort San Lorenzo

Über das Wochenende bewohnt Maria mit ihrem Mann und dem Enkel das Holzhaus und wir unterhielten uns mit ihr über das Leben in Colon. Am Sonntag kamen noch viele andere Familienmitglieder und Freunde. Sie gingen Fischen und es war eine fröhliche Gesellschaft. Leider verstehen wir immer noch wenig, wenn viele Menschen beieinander sind und gleichzeitig sprechen. Auf jeden Fall wurde unser Fahrzeug gebührend bewundert und es wurden mit ihren eigenen Handys Fotos gemacht, sowohl ausserhalb als auch innerhalb unserer Wohnkabine. Viel Spass machte es ihnen, wenn nur sie im Bild waren.

Fort San Lorenzo

Fort San Lorenzo

Fort San Lorenzo

Die Abgabe unseres Huckepacks im Hafen von Colon konnten wir problemlos erledigen und fuhren mit dem Bus zurück nach Panama City. Jetzt hatten wir Zeit durch die Altstadt zu schlendern und auch sonst das Stadtleben zu geniessen. Wir wohnten in einem Hotel mit Swimmingpool und konnten uns nach den ausgiebigen Stadtbesichtigungen dort entspannen und abkühlen.

Panama City

Panama City

Panama City

Voller Zuversicht flogen wir nach Cartagena um in 2 oder 3 Tagen unseren Huckepack wieder in Empfang nehmen zu können. Leider wurde nichts daraus. Täglich wurde uns versprochen, dass das Schiff „mañana“ also morgen ankommen wird. Mit der Zeit wurden wir unsicher, denn „mañana“ kann hier auch heissen „nie“. Zum Glück waren wir nicht die einzigen, die auf die Ankunft ihres Fahrzeuges warteten. Günther und Doris, die wir in Costa Rica kennen gelernt hatten, ging es ebenso. Kein Trost für sie, doch wir machten das Beste daraus und trafen uns abends beim HardRock Cafe zum Apero um anschliessend gemeinsam ins Restaurant zu gehen.

Cartagena liegt an der Karibikküste und wurde 1533 gegründet. Sie gilt als eine der ersten spanischen Stadtgründungen im Norden von Südamerika. Ihr schnelles Wachstum verdankte sie als wichtiger Hafen für die Schiffe, die von Spanien Waren hier vermarkteten und mit Gold, Silber, Perlen und Edelsteinen ihren Weg Richtung Süden fortsetzten. Auch Sklavenschiffe fuhren nach Cartagena und aus diesen Gründe wurde die Stadt häufig von Piraten attackiert und geplündert.

Wir besichtigten die riesige Festungsanlage San Felipe. Mit dem Bau wurde 1536 begonnen und es dauerte fast 200 Jahre bis sie endgültig fertig gestellt war. Von weit her sieht man den Wachturm und die Festungsmauern. Der einzige Zugang erfolgt über eine Rampe, die von einer Zugbrücke gesichert wird. Wir waren fasziniert von dem Gewirr aus Tunneln, Galerien, Innenhöfen, Kammern, Verstecken, Sprengvorrichtungen und Fluchtwegen. Die Tunnels sind so gebaut, dass jedes Geräusch durch ein Echo verstärkt wird und man so das Näherkommen von Personen hören kann. Von der Festung hat eine wunderschönen Blick auf die Altstadt und Umgebung von Cartagena. 1984 wurde die Festung zusammen mit der Altstadt in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.

Auch das alte Stadtzentrum ist komplett mit einem Festungsring ummauert und die Stadtmauer ist teilweise begehbar. Wir hatten genügend Zeit zwischen den zahllosen Paläste, Kirchen und Plätzen herumzuschlendern, Restaurants und Strassencafés zu besuchen und den Menschen und Strassenkünstlern zuzuschauen. Ausserhalb der Stadtmauer gibt es eine Wiese, wo Gross und Klein ihre Drachen fliegen lassen.

Auf einer Landzunge neben der Altstadt liegt die riesige Hotelzone Bocogrande. Hochhäuser, Einkaufsläden, Restaurants und Fastfood-Ketten im Überfluss. Dorthin gingen wir, zusammen mit Doris und Günther, ins Casino um uns zu amüsieren und die Zeit zu vertreiben. Reich wurden wir dabei nicht – arm auch nicht.

Unser Hotel lag nur wenige Gehminuten vom alten Stadtzentrum entfernt und vom 8. Stockwerk hatten wir einen tollen Blick auf die Altstadt, das Meer und Menschen unter uns. In der Nacht sahen wir die Lichter, tagsüber das geschäftige Treiben auf der Strasse und Menschen, die miteinander plauderten. Wir konnten sogar die Drachen am Himmel fliegen sehen.

Die Menschen waren freundlich, hilfsbereit und unaufdringlich. Wir waren begeistert von dieser schönen und gepflegten Kolonialstadt.

In unserer Bildergallerie könnt ihr euch noch an vielen Fotos zu Cartagena de Indias, wie diese Stadt offiziell heisst, sattsehen.

Cartagena_01

Cartagena

Cartagena

Doch wir waren glücklich, als wir unseren Huckepack endlich abholen konnten. Es gab noch einige Hürden zu überwinden. Das Wohnmobil von Doris und Günther sahen wir, doch von unserem Huckepack keine Spur. Nach vielem Nachfragen erfuhren wir, dass auch unser Fahrzeug ausgeladen sei, jedoch auf einem andern Platz stehe. Da ich als Besitzerin des Fahrzeugs eingetragen bin, durfte nur ich das Hafengelände betreten. Für die Verschiffung werden die Fahrzeuge auf einem sogenannten Flatrack befestigt und per Kran auf- und abgeladen. Als ich zu unserem Huckepack wollte, erfuhr ich, dass die Arbeiter das Auto nicht starten und dadurch auch nicht vom Flatrack herunter fahren konnten. In solchen Fragen bin ich absolut inkompetent und so durfte auch Werni das Hafengelände betreten. Kreuz und quer ging es per Auto durch das Hafengelände bis zu unserem Fahrzeug. Wir konnten zusehen, wie ein Kran Container auf einen Lastwagen stellte und vor meinem geistigen Auge sah ich unseren Huckepack in luftiger Höhe und hoffte, dass ihm nichts passiert war. Dann kamen wir zum Flatrack, auf dem unser Auto stand. Schnell stellte Werni fest, dass der Notschalter, der nach einem Unfall die Dieselzufuhr unterbricht, nicht ausgelöst worden war. Somit musste das Problem anderswo liegen. Die Überbrückungskabel zum Aufladen der Batterie lagen auf dem Fahrersitz, somit war klar, dass auch die Batterie noch geladen war. Werni vermutete, dass vielleicht die Batterie im Schlüssel der Wegfahrsperre leer war. Ein Test ergab, dass auch dies nicht der Fall war. Nun war klar, jemand dachte, dass dieser Schlüssel der Zentralverriegelung der Autotüren dient. Wird die Wegfahrsperre aktiviert, kann der Landrover nicht mehr gestartet werden, das war das Problem. Jetzt ging alles zügig weiter. Werni fuhr das Auto vom Flatrack und wir verliessen höchst erfreut das Hafengelände.

Nachdem wir auch noch den Diesel- und die Propantanks gefüllt hatten, fuhren wir zum Hotel Bella Vista, dessen Innenhof auch als Stellplatz benutzt werden kann. Alles was nicht niet- und nagelfest war, hatten wir für die Überfahrt in die Kabine gestellt. Es war schon dunkel und so räumten wir nur so viel aus, damit wir bis zu unserem Bett kamen, in das wir schlussendlich todmüde aber glücklich sanken. Am nächsten Tag montierte Werni wieder die Solarpanel. Gemeinsam montierten wir den Velogepäckträger und die Velos und vieles aus der Kabine musste wieder im Landrover versorgt werden. Erst am nächsten Morgen konnten wir die notwendige Autoversicherung machen.

Dann verliessen wir die Stadt in der wir notgedrungen viel länger geblieben waren und freuten uns wieder auf die Weiterreise in unserem eigenen Hotel. Wir hatten von Vulcano El Totumo gehört, einem Schlammvulkan nur ca. 1 Autostunde von Cartagena. So mal richtig im warmen Schlamm suhlen, darauf freuten wir uns. Und es war auch ein aussergewöhnliches Vergnügen. In Badehosen steigt man eine steile Holztreppe zu einem ca. 30 m hohen Hügel hinauf. Der Krater hat einen Durchmesser von ca. 6 m. Ein Führer hilft, damit man in den Krater hineinsteigen und sich hinlegen kann. Der Schlamm fühlt sich puddingartig an. Sich aufrecht hinzustellen ist fast unmöglich und das Schwebegefühl ist wie im toten Meer. Anschliessend kann man sich im nahegelegenen See von der Schlammmasse wieder reinigen. Es war unglaublich lustig und alle brechen immer wieder in Gelächter aus. Klar ist, dass auch wir Fotos machen liessen, obwohl wir nicht besonders hübsch dabei aussahen.

Hafen_Cartagena

Hafen_Cartagena

El_Totumo

Unser nächstes Ziel war der Nationalpark Tayrona. Wir wollten ein paar Tage dort verbringen und Wanderungen unternehmen. Es war aber sehr heiss und die Strömung an den meisten Stränden zu gefährlich zum Schwimmen. Auch am Strand des Campingplatzes durfte man nicht baden. So blieben wir nur zwei Nächte und fuhren dann weiter entlang der karibischen Küste.

In Palomino fanden wir im Hostel „La Sirena“ einen wunderschönen Stellplatz und mit Olga eine liebenswürdige Gastgeberin, die uns mit kolumbianischen Kaffee verwöhnte. Einfach alles stimmte. Ein weisser, sauberer Sandstrand, Hängematten zum Entspannen, angenehme Wassertemperaturen zum Baden, Zeit zum Träumen und Lesen. Es war zwar heiss, aber das gehörte dazu. Es gefiel uns so gut, dass wir eine Woche blieben. Ich nahm mir zwischendurch Zeit spanisch zu lernen und Olga erklärte mir Wörter und die Anwendung der verschiedenen Zeiten der Grammatik. Sie sprach auch langsam und deutlich, so dass ich viel von ihr lernen konnte. Am Nachmittag, kurz vor der Rückkehr der Fischer, kamen ganze Familien auf das angrenzende Grundstück. Die Boote wurden aus dem Wasser gezogen und der Fang ins Trockene gebracht. Die Frauen putzten die Fische, die Männer bereiteten die Netze für den nächsten Tag vor und die Kinder spielten. Und alles in einer ganz entspannte Atmosphäre begleitet von Lachen und Fröhlichkeit.

Palomino

Palomino

Palomino

Einmal, morgens um 6 Uhr (und Werni machte mit) liefen wir am Strand entlang Richtung Rio Palomino, um schneebedeckte Berge zu sehen. Olga hatte uns gesagt, dass man sie nur frühmorgens sehen würde, später werden die Gipfel von Wolken bedeckt. Wir hatten tagsüber Temperaturen von bis zu 36 Grad nachts ca. 27 Grad und konnten es kaum glauben, dass wir schneebedeckte Gipfel sehen würden. Die Bergkette der Zentralkordilleren gilt als das höchste Küstengebirge der Welt und die Gipfel erreichen eine Höhe von 5775 m. Wir standen schweissgebadet in der Morgensonne und konnten kaum glauben, was wir mit unseren Augen sahen.

Palomino

Palomino

Palomino

Nach all diesem üppigen Grün hatten wir erst recht Lust in den nördlichen Teil der Provinz auf der Guajara-Halbinsel zu fahren. Die Region des Cabo de la Vela ist eine echte Wüste. In einem Touristenbüro wurde uns abgeraten ohne Führer dorthin zu fahren, doch wir  entschieden uns, es zu versuchen. Eine Strasse führt entlang einer Eisenbahnlinie, die den Kohleabbauort El Cerrejon mit dem Karibikhafen Puerto Bolivar verbindet. Wir fanden die Abzweigung, die uns in die Wüste hinein führte. Garmin kannte sogar einen Weg, doch die Sandpiste verzweigte immer wieder und Werni suchte den besten Weg, damit wir tiefen Löchern auch ausweichen konnten. Ausserdem sahen wir immer wieder Hütten, es kamen uns Autos oder Velofahrer entgegen und so fürchteten wir nie, uns in der Wüste zu verlieren. Nach etwa 2 Stunden kamen wir in Cabo de la Vela an. Wir waren überrascht wie viele Häuser die es dort gab. Wir stellten unseren Huckepack am Strand ab, doch der Wind blies so stark, dass wir uns entschlossen noch etwas weiter zu fahren. Eine Familie erlaubte uns den Huckepack neben ein Cabana, das nicht bewohnt war zu stellen. Der Wind blies den Sand, der so fein wie Mehl war, durch alle Ritzen unseres Womos. Wischen nützte nur für eine kurze Zeit und wir beschlossen mit dem Putzen zu warten, bis wir wieder in Gebiete mit weniger Sand kommen würden. Wiederum genossen wir einige unbeschwerte Tage mit Schwimmen, kleineren Wanderungen und Nichtstun.

Cabo_de_la_Vela

Cabo_de_la_Vela

Cabo_de_la_Vela

Wieder Richtung Süden besuchten wir die grösste Steinkohlemine Lateinamerikas und eine der grössten Steinkohleabbaugebiete der Welt. Sie erstreckt sich über ein Gebiet von insgesamt 69‘000 ha. Da wir keine Reservation hatten, wurden wir einer Reisegruppe für die Besichtigung zugeteilt. Als erstes zeigten sie uns einen Video, der aber für unsere Begriffe nicht sehr aussagekräftig war. Dann fuhren wir in einem klimatisierten Bus zu einer der 6 Abbaustellen. Wir kamen an Lagunen vorbei und waren gespannt, wann wir das Ziel endlich erreichen würden. Die Fahrt dauerte über eine halbe Stunde. Als wir aus dem Bus ausstiegen, mussten wir eine Schutzbrille und einen Helm tragen. Es war kaum zu glauben, was wir da sahen. Riesige Maschinen wirkten wie Spielzeugautos in der Tiefe und Weite des Abbaugebietes.

El Cerrejon

El Cerrejon

El Cerrejon

Zurück zum Eingang war es zu spät für uns um weiter zu fahren und einen Standplatz zu finden. Wir fragten bei der Polizei, die ihre Gebäude am anderen Ende des Touristenparkplatzes hatten ob wir hier über Nacht stehen dürfen. Kein Problem, meinten zwei junge Polizisten. Als wir in die Kabine einstiegen stellten wir fest, dass der Wasserhahn offen und alles Tankwasser ausgelaufen war. Im Badezimmer lage alles wassergetränkt am Boden und es rächte sich, dass wir vorher nicht geputzt hatten. Nicht nur wassergetränkt sondern auch noch voller Sand waren die Badetücher, die Trainer und die Tücher zum Abtrocknen. Wir fragten die Polizisten, wo wir Frischwasser erhalten könnten und sie meinten, dass wir auf ihr Gelände hineinfahren dürfen und sie unseren Tank füllen. Nachdem der Tank gefüllt war, spritzte ein Polizist auch noch unser Auto ab. Als Dank wollten sie einfach einmal in unsere Kabine hineinschauen. Diesen Wunsch erfüllten wir ihnen gerne. Als sie dann fragten, welche Währung wir in der Schweiz hätten, schenkte ich ihnen verschiedene Münzen und sie freuten sich darüber.

Jetzt hatten wir nur noch das Problem mit der nassen Wäsche. Doch auch das konnte gelöst werden. Auf dem Gelände gab es eine kleine Wäscherei. Die Frau erlaubte mir ihre Maschine zu benutzen, damit ich die ganze Sache nicht von Hand waschen musste. Die Schmutzwäsche kam in eine Maschine, dann wurde mit einem Schlauch Wasser eingefüllt, Waschpulver dazu gegeben und dann drehte sich alles während einer halben Stunde. Anschliessend spülte ich die Wäsche von Hand in einem grossen Zuber. Dann kam die Wäsche in eine Schwinge. Als ich die Frau fragte, was das alles kostet, winkte sie ab und meinte, dass sie mir diesen Gefallen gerne getan hätte. Ich konnte sie überreden das Geld als Geschenk anzunehmen. Mit fast trockener Wäsche ging ich ins Womo zurück. In der Zwischenzeit hatte Werni den ganzen Boden geputzt.

So haben wir schon viele Kolumbianer kennen gelernt: neugierig, hilfsbereit und uneigennützig.

Angekommen in der Provinz Santander besuchten wir das hübsche Kolonialstädtchen Giron. Wir schlenderten durch die Strassen und besuchten das Kulturzentrum. Wir wurden sehr freundlich empfangen und da das Touristenbüro geschlossen war erhielten wir umfangreiche Informationen von einem Angestellten des Kulturministeriums. Ausserdem schenkte er uns eine CD mit Liedern und Musik von einheimischen Künstlern. Wir wären gerne geblieben, doch die Strässchen waren zu eng um über Nacht zustehen und auch der Polizist konnte uns nichts anbieten. Deshalb fuhren wir weiter auf der 45A.

Steil wand sich die Strasse hinauf bis wir auf ca. 1500 m den Eingang des Nationalparks „Cañón del Chicamocha“ erreichten. Von der Strasse aus hatten wir immer wieder fabelhafte Aussichten in den Canyon, wo sich der Rio Chicamocha ein breites Bett durch die Landschaft geschaffen hatte. Dieser Canyon überbietet mit einer durchschnittlichen Tiefe von 2 km und einer Länge von 227 km sogar den berühmten Gand-Canyon in Amerika. Die Gegend ist sehr trocken und es hat karge bis gar keine Vegetation. Nur manchmal ragen Säulenkakteen zwischen den Büschen gegen den Himmel.

Der Nationalpark ist eher ein Freizeitpark für Gross und Klein und vielen Plätzen und Attraktionen wie Gleitschirmfliegen, Straussen- und Ziegengehegen und natürlich Souvenierläden. Die verschiedenen Plätze haben Nahmen wie Platz der Fahne, der Sitten und Gebräuche und des Handels. Sie sollen den Alltag von Santander verkörpern. Das „Monumento a la Santandereanidad“ (Denkmal an die Santanderianische Einheit) ist schon von weit her zu sehen und nimmt Bezug auf die "Revolution der Comuneros 1520-1522. 36 Figuren sind auf einem giganischen Tabakblatt positioniert. Der Platz der Ameisen ist eine Anspielung, dass die Leute wie Ameisen aussehen, wenn man sie vom Denkmal aus betrachtet.

Wir konnten auf dem riesigen Parkplatz übernachten und waren am Morgen bei den Ersten, die den Park besuchten. So konnten wir in Ruhe zum Mirador hinauf steigen. Von dort aus hatten wir eine 360 Grad Rundsicht. Ganz klein kommt man sich beim Denkmal neben all diesen Figuren vor und die Leute sind auch ganz klein, wenn man auf den Platz der Ameisen hinunterblickt. 2009 wurde eine 6,3 km lange Seilbahn eröffnet. Sie ist eine der längsten Anlagen dieser Art. Sie verfügt über drei Stationen: die erste ist im Parkinnern, die zweite ganz unten im Canyon des Rio Chicamocha und die dritte wieder auf über 1700 m. „Mesa de los Santos“. Dieses Vergnügen wollten wir uns nicht entgehen lassen und liessen uns fast lautlos in die Tiefe hinunter gleiten um dann sehr steil auf der anderen Seite wieder in die Höhe zu kommen. Das war ein Spass.

NP_Chicamocha

NP_Chicamocha

NP_Chicamocha

Jetzt sind wir in Villa de Leyva im Departement Boyaca. Beim „Renacer Guesthouse“ haben wir einen super Stellplatz mit allem was wir brauchen. Es hat verschiedene Gästehäuser, eine Küche, die auch wir benutzen dürfen, gemütliche Sitzecken, Hängematten und endlich wieder einmal heisse Duschen und WIFI. Es ist so schön, dass wir uns entschlossen haben einige Tage hier zu bleiben. So wird mein Bericht endlich fertig und kann ins Netz gestellt . Wir wollen auch noch die Umgebung erkunden.

Das Städtchen liegt auf 2140 m und hat ein trockenes und mildes Klima. Für uns heisst das lange Hosen und Jacken anziehen was für uns ungewohnt. Wir kommen aus Gegenden wo wir schwitzten auch ohne uns zu bewegen. Doch dafür schlafen wir wieder viel besser.Der Weg ins Städtchen führt 1.2 km bergab und wir haben unsere Velos ausgepackt, damit wir hinunter und auch wieder hinauf fahren können. Zum Glück haben wir Elektrobikes, sonst hiesse es Velos schieben.

Villa de Leyva wurde 1572 gegründet und 1954 zum Nationaldenkmal erklärt. Seit dieser Zeit wurde nichts mehr am Originalzustand geändert. Die Stadt ist eingebettet in eine wunderschöne Landschaft. Beeindruckend ist die Plaza Mayor. Es ist ein riesiger Hauptplatz und wird von weissen Kolonialgebäuden umrahmt. Bis jetzt sind wir nur durch die Strassen und Gassen gelaufen um einzukaufen, haben hier und dort ein Bier oder Kaffee getrunken und die Menschen beobachtet. Das Gehen auf den grossen Kopfsteinen ist ungewohnt und wir müssen immer wieder auf den Boden schauen um nicht zu stolpern.

Am 4. Oktober war die 200 Jahresfeier zum Gedenken an die Vereinigung verschiedener Provinzen zu Neu-Granada. Tagsüber gab es Defilees und Reden auf dem Hauptplatz, am Abend konnten wir das Feuerwerk von unserem Stellplatz aus bewundern.

Am Samstag ist Markttag und aus der ganzen Umgebung kommen die Bauern um ihre Produkte zu verkaufen. Wir genossen es in dieser Pracht von Farben auch unsern Einkauf tätigen zu können.

Villa_de_Leyva

Villa_de_Leyva

Villa_de_Leyva

hasta luego!