Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Kolumbien beschenkte uns reich Drucken E-Mail
Dienstag, den 11. Dezember 2012 um 00:00 Uhr

Die Hacienda La Serana in Salento ist ein sehr schönes und beliebtes Hostal. Von unserem Stellplatz auf der Wiese hatten wir einen wunderbaren Blick ins Tal und die umliegenden Berge. Ganz weit entfernt sahen wir den schneebedeckten Gipfel eines Berges. Grosszügig war der Aufenthaltsraum mit der Gemeinschaftsküche. Zu Fuss gingen wir öfters ins Städtchen um einzukaufen, ein Bier zu trinken, Dekorationen zu bewundern oder einfach dem Betrieb in den Gassen zuzusehen. Auch Halloween wurde von Gross und Klein gefeiert. Sogar ganz kleine Kinder wurden in Kostüme gesteckt und alle präsentierten sich vor einer Jury. Es wurde geschwatzt, gelacht, fotografiert und die Kinder rannten im Raum herum.

Da wir in einer der wichtigsten Region des Kaffeeanbaus waren und die Erntezeit begann, besuchten wir auch die Kaffeefarm von Don Elias. Eine Stunde wanderten wir ins Tal hinunter, durch den herrlichen Wald. Beim Rückweg waren wir froh, dass uns die Bäume Schatten spendeten, denn die Sonne schien und es ging steil bergauf.

Ein Enkel von Don Elias zeigte uns die Finca und die zwei verschiedenen Kaffeesorten, die sie pflanzen. Ausser den Kaffesträuchern hat es auch Avocados, Orangen, Mandarinen, Limonen, Bananen, Yukka, Granatäpfel, Zuckerrohr und Mais. Er erklärte uns alles auf Spanisch, doch er sprach sehr langsam und klar. Immer wieder machte er eine Pause, damit wir nachfragen konnten. Unterwegs pflückte er reife Früchte und eine öffnete er um uns die beiden Bohnen zu zeigen, die sich darin befinden. Die andern nahm er mit um uns zu zeigen, wie die Bohnen nach der Ernte bearbeitet werden. Er zeigte uns wie nach der Ernte die Bohnen vom Fruchtfleisch getrennt, gewaschen, getrocknet und anschliessend sortiert werden. Der grösste Teil der Ernte verkauft die Finca einer Genossenschaft. Die Bohnen, die sie für den Eigenbedarf behalten, werden erst vor dem Gebrauch geröstet und gemahlen. Wir erhielten am Ende der Führung einen frisch zubereiteten Kaffee, der sehr lecker schmeckte.

Auf unsere Frage, ob auch viele Kolumbianer die Finca besuchen, meinte er, dass die lieber den Kaffee trinken und sich weniger für den Herstellungsprozess interessieren. Es seien vor allem die ausländischen Touristen, die die Finca besuchen. Er wollte von uns wissen woher wir kommen und wohin wir gehen. Als wir ihn fragten, was er von Kolumbien schon alles kennt, meinte er, schon der Weg nach Salento sei weit und er sei sich gewohnt auf der Finca zu sein.

Als wir uns auf den Rückweg machten, trafen wir Don Elias und er fragte uns ob wir mit der Führung zufrieden gewesen seien. Auf unser Lob meinte er, dass sein Enkel 21 Jahre alt sei und die Finca jetzt von 3 Generationen bewirtschaftet werde. Während der Ernte sei die Finca auf die Mitarbeit auch von den Familienmitgliedern angewiesen, die nicht auf der Finca leben.

Salento

Salento

Salento

Nur wenige Kilometer von Salento entfernt im Flusstal des Rio Quindio liegt der Weiler Cocora, mitten in den Berghängen der Cordillera. Wieder fanden wir einen schönen Stellplatz auf der Wiese bei einem Restaurant mit Blick auf die Hügel mit ihren Wäldern und Palmen. Der Eingang zum Restaurant ist mit hübschen Blumenbeeten geschmückt, die von weissen Steinen eingefasst sind. Wir beobachteten die vielen Kolibris und sahen die Nebelschwaden aus dem Wald aufsteigen und wie sich am Himmel auflösten. Ein gewaltiges Naturschauspiel.

Das Valle de Cocora ist bekannt für die bis über 60 m hohen Wachspalmen. Sie sind weltweit die grössten Palmen, die auf über 2500 m wachsen. Die zierlichen Krönchen zeichnen sich vom Dunkelgrau der Felsen ab und ragen aus dem Nebelwald in den Himmel hinauf. Kolumbien hat diese Palme zum Nationalbaum auserkoren.

Diesmal wollten wir wieder einmal reiten um so die Umgebung kennen zu lernen. Hoch auf zwei Pferden ritten wir los. Unser Führer meinte, dass er lieber zu Fuss als auf einem Pferderücken unterwegs sei. Ein tief eingekerbter Pfad führte an den Fluss hinunter und dann durch grüne Wiesen wieder talaufwärts. Wir genossen es unseren Blick in die Nähe und Ferne schweifen zu lassen, ohne immer auf den Weg achten zu müssen. Überall weideten Kühe und Pferde und von weitem wirkten sie im steilen Gelände nur noch wie helle und dunkle Punkte. Die Pferde kannten die Route und wussten genau, wie sie auf diesem Feldweg am sichersten vorwärts kamen. Nach etwa einer Stunde erreichten wir den Saum des Nebelwaldes. Der Führer bat uns abzusteigen und führte uns steil hinunter zum Rio Quindio. Zwischen der dichten Vegetation formte sich ein natürliches Wasserbecken, das durch einen kleinen Wasserfall gebildet wurde. Trotz der Höhe, fühlte sich das Wasser nicht sehr kalt an, doch wir hatten keine Badehosen eingepackt um die Temperatur zu testen. Doch wir genossen diesen Ort und stellten uns vor, wie erholsam es sein würde nach einer langen Wanderung in dieses kühle Nass einzutauchen. Dann stiegen wieder hinauf zu den Pferden und ritten zurück. Etwas steifbeinig stiegen wir ab und die nächsten Tage bestätigten mir, dass Reiten für mich unüblich ist. Trotzdem, wir werden die nächste Gelegenheit wieder nutzten.

Valle de Cocora

Valle de Cocora

Valle de Cocora

Armenia liegt auf 1500 m und wurde 1889 gegründet. Anfangs gehörte die Stadt dem Verwaltungsbezirk Salentos an. 1903 erhielt sie den Status einer eigenständigen Gemeinde und sie entwickelte sich zum regionalen Zentrum des Kaffeehandels. 1966 wurde sie zur Hauptstadt des neuen Departments Quindío. 1999 zerstörte ein Erdbeben grosse Teile der Stadt. Durch den Fleiss der Bewohner und mit Hilfe ausländischer Spendengelder wurde sie innert sehr kurzer Zeit wieder aufgebaut.

Mit Olga, die wir an der Karibikküste als Gastgeberin im Hostal „La Sirena“ kennen gelernt hatten, standen wir im Mailkontakt. Wir wussten, dass sie in El Salvator war um ihren Sohn zu besuchen. Seit sie pensioniert ist reist sie überall herum. Sie besucht ihre Kinder, die in den verschiedensten Ländern leben. Manchmal hütet sie Hostals, während die Besitzer verreist sind. Als ausgebildete Sozialarbeiterin unterstützt sie im Aufbau begriffene Projekte. Sie selber habe keine Wohnung mehr und dieses Leben gefalle ihr. Sie wollte auch viel von uns und unserer Reise erfahren und meinte, dass auch sie gerne in so einem Huckepack reisen würde. Es war spannend ihr zuzuhören und von uns zu erzählen. Dabei lernte ich viel Spanisch, denn sie erklärte mir Begriffe und korrigierte mich auf eine sehr angenehme Weise.

Olgas 93-jährige Mutter Teresa lebt in einer sehr schönen Wohnung in Armenia. Wir sollen sie doch besuchen, wenn wir in der Stadt seien und sie gab uns die Telefonnummer. Als wir anriefen war Olga aus El Salvador zurück und holte uns in der Stadt ab, damit wir ihre Mutter kennen lernten. Bei Kaffee und Kuchen lernten wir eine äussert vitale Frau kennen, die immer noch teil nimmt an allem was rundherum geschieht. Auch sie reist immer noch gerne herum, bestickt Tischtücher, malt Bilder, liest und spielt begeistert Karten. Wir wurden zum Frühstück am nächsten Morgen eingeladen. Dabei lernten auch noch einen von Olgas 8 Brüdern kennen. Uns umgab eine Lebensfreude, die wir nicht so schnell vergessen werden und wir hoffen, dass auch wir so wach und begeisterungsfähig bleiben, wie diese Familie ausstrahlt. Nochmals einen herzlichen Dank an diese Familie und ihre Gastfreundschaft.

Armenia

Armenia

Armenia

Dann fuhren wir weiter über La Línea, einen Hochpass der Zentralkordillere. Die Strasse führte steil und mit vielen Kurven hinauf auf über 3200 m. Immer wieder gab es atemberaubende Ausblicke zurück ins Tal des Rio Quindio und auf die Kuppen der grünen Berge, die weit über 3800 m in den Himmel hinauf ragen. Für uns immer wieder wie ein Wunder, dass so weit oben noch Bäume, Sträucher und Gräser wachsen.

Hinunter ging es bis wir in Espinal auf einer Höhe von 320 m ankamen. Für heute war es genug mit der Fahrerei und wir stellten das Auto in der Innenstadt an einem Strassenrand ab. Wir schlenderten durch die Strassen und entspannten uns in einem Strassenrestaurant von der Autofahrt. Sofort wurden wir angesprochen und gefragt, woher wir kommen und wohin wir gehen. Alle freuen sich, wenn wir erzählen, was wir von Kolumbien schon alles gesehen haben und wie freundlich die Menschen hier sind. Sie wünschen uns dann auch eine gute Weiterfahrt. Als wir dann spät abends zu unserem Huckepack zurück kehrten und uns schlafen legten, dauerte es nicht lange und es wurde an die Türe geklopft. Werni stand auf und die Polizeibeamten teilten ihm mit, dass wir hier über Nacht nicht stehen könnten. Das Gebäude nebenan sei eine Schule und da dürfe nicht parkiert werden. Sie wollten die Pässe sehen. Werni machte keine Anstalten und bemühte sich etwas spanisch zu sprechen. Als sie merkten, dass sie so nicht weiter kamen bedeuteten sie ihm, dass er ihnen nachfahren soll. Ich blieb liegen und es war ein eigenartiges Erlebnis so herum gefahren zu werden. Irgendwann hielt Werni an und kam ins Womo zurück. Am nächsten Morgen sahen wir, dass wir verkehrtherum in einer Einbahnstrasse standen, gut behütet von einem Polizeiposten. Ja, auch das sind Erlebnisse, die wir in Europa so sicher nicht machen würden.

Wir frühstückten in einem Kaffee bei den Markthallen, kauften Früchte und Gemüse ein und fuhren dann weiter. Bevor wir die Stadt verliessen besichtigten wir noch den Parque Mitológico. Flössen diese Figuren Werni vielleicht Unbehagen ein, dass er ihnen so schnell den Rücken zudreht?

Espinal

Espina

Espinal

Es ist kaum zu glauben, dass es in dem so fruchtbaren Tal wie des oberen Rio Magdalena auch eine Wüste gibt. Stundenlang fuhren wir an Reis-, Zuckerrohr-. Obst- und Gemüsefeldern vorbei, bis wir in Neiva, dem Hauptort des Departamentos Huila ankamen. Wir kauften für die nächsten Tage ein und fuhren dann gleich weiter in die Tatacoa Wüste.

Die Indigenas nannten die etwa 330 km2 grosse Trockensavanne Yracará oder Tatacoa, was Klapperschlange bedeutet. Die Landschaft besteht aus welligem, rot, ocker und grau gefärbter Erde und durch die Erosion entstanden bis zu 20 m tiefe Canyons, die bizarre Formen bilden. Gefunden wurden Skelettteile von Schildkröten, Kaimanen, Riesengürteltieren, Riesenfaultieren und weiteren, heute ausgestorbenen Huftieren.

2001 wurde eine Sternwarte errichtet mit einem Observatorium. Wir fuhren weiter in die Wüste hinein und stellten unseren Huckepack auf den Parkplatz des Hostals „El Peñón de Constantino“. Der Besitzer zeigte uns die Cabañas, doch wir entschlossen uns, obwohl sie sehr hübsch und angenehm sind, in unserem Huckepack zu bleiben. So konnten wir in die Wüste  hinaus blicken, genossen tagsüber den Pool und hatten ruhige und manchmal sternenklare Nächte. Alles wäre noch viel schöner gewesen, vor allem der Sternenhimmel, wenn uns nicht die Mücken und Sandfliegen attackiert hätten.

Nur ganz selten fällt Regen, doch wir hatten das Glück, dass in einer Nacht als wir dort waren sich ein Gewitter bildete. Gespensterhaft wurde die Landschaft von Blitzen erleuchtet und laut dröhnte der Donner in unser Womo hinein. Dann folgte ein Regenschauer und wir mussten alle Fenster schliessen, denn es schien als würden die Tropfen jeden noch so kleinen, offenen Spalt finden. Am Morgen gab es jedoch keine Anzeichen von Pfützen, das Wasser war von der Erde total aufgenommen worden.

Tatacoa Wüste

Tatacoa Wüste

Tatacoa Wüste

Nach so viel Natur besuchten wir San Agustin im Departement Huila. Wir erfuhren, dass hier eine der bedeutendsten und geheimnisvollsten Fundstätte von Kolumbien ist. An fruchtbaren, sich über mehrere Klimazonen erstreckenden Hängen lebte in vorkolumbianischer Zeit eine indigene Bevölkerung.

Die Geschichte der Besiedelung unterteilt sich in drei Perioden.

In der Frühen Periode (1100 bis 200 v.Chr.) wurden vor allem Mais und Bohnen angebaut und Nüsse und Schnecken gesammelt. Hergestellt wurden rote und schwarze Keramiken, Sarkophage aus Holz sowie Urnen für rituelle Feuerbestattungen.

In der Klassischen Periode (200 v.Chr. bis 700 n.Chr.) wurden zusätzlich Kartoffeln, Yuca sowie Coca angepflanzt, Bewässerungsanlagen geschaffen und man betrieb Handel mit den Stämmen auf der anderen Seite der Berge. Obsidianwerkzeuge wurden für die Jagt benutzt. Die Schamanen (Jaguarmenschen) standen in der Hierarchie ganz oben. Gebaut wurden riesige Grabhügel und –rampen, steinerne Sarkophage, wenige Zoll grosse aber auch bis zu sieben Meter hohe Wächterstatuen (Götter, Dämonen, Ahnen, Jaguarmenschen und Tiere) mit meist überdimensioniertem, furchteinflössenden Antlitzm, aber auch feine Goldschmiedearbeiten.

Der kulturelle Niedergang folgte in der Späten Periode (700-1550 n.Chr.) Kaziken regierten das nun dicht besiedelte Land. Tapire und Bären wurden gejagt, mit Netzen wurde gefischt und Kriege gegen eindringende Völker geführt. Deformierte Schädel und kannibalistische Riten kennzeichnen diese Epoche. Dickicht überwucherte die alten Gräber und 1756 beschrieb Fray Juan de Santa Gertrudis erstmals einige Statuen.

Die Region um San Agustin diente der damaligen Bevölkerung als Zeremonienstätte. Sie schufen mindestens 300, teilweise riesige aus Lavastein und Basalt gehauene Statuen sowie Grabanlagen und Erdwälle.

Erst zu Beginn des 20. Jh. gerieten die Grabanlagen wieder in das öffentliche Interesse und ab 1930 kümmerte sich die Regierung um Ausgrabungsarbeiten.

Als erstes besuchten wir den Parque Arqueologico de San Agustin. Der 78 ha grosse, 1935 gegründete Park zeigt die geheimnisvolle San-Augustin-Kultur. Durch dichten Wald führen schmale, gepflasterte Fusswege zu den Mesitas A, B und C.

Auf der Mesita A befinden sich zwei, auf Mesita B drei Grabhügel. Sie sind gesäumt von Statuen und aufgerichteten Steinplatten. Ihre Schreine beinhalten sitzende Jaguarschamanen, die links und rechts von einer Wächterstatue beschützt sind. Ausserdem hat es noch viele andere Skulpturen und wir konnten uns kaum sattsehen.

Hinter Mesita C windet sich der Weg durch Bambus in ein Tal hinunter zum Fuente Ceremonial de Lavapatas. Das felsige Flussbeet verbreitet sich und bildet eine an eine Landkarte erinnernde terrassierte Reliefplatte. Darin sind drei Badewannen und ein komplex strukturiertes Labyrinth aus Rinnen zu erkennen. In den Steinen sind Abbildungen von Tieren eingemeisselt. Durch das Strömen des Wassers in die verschiedenen Versenkungen und Vertiefungen füllt sich die Felsplatte mit Leben und Bewegung. Die während der Klassischen Periode entstandene, für rituelle Bäder der Jaguarschamanen und zu Ehren von Wassergottheiten gestaltete Anlage, wurde erst 1937 wiederentdeckt.

Wieder stiegen wir einen steilen Weg, der schlussendlich mit 153 Stufen endete, zu dem Hügel Alto Lavapatas hinauf. Dort ist die älteste archäologische Stätte mit sieben Statuen. Darunter befindet sich ein Doble Yo (eine zweigesichtige Doppelskulptur), der möglicherweise einen Kinderfriedhof bewachte.

Anschliessend folgten wir dem 600 m langen Rundweg durch den Bosque de las Estatuas. Wir begegneten 39 künstlich arrangierten Statuen, die aus verschiedenen Fundorten stammen und sehr schön im Wald zwischen Bäumen aufgestellt sind.

In der Nähe von San Agustin gibt es weitere Fundstätten, die jedoch nur zu Fuss, mit einem Motorrad oder auf einem Pferd erreichbar sind. Wir waren ja jetzt schon ein bisschen geübt und so entschlossen wir uns für einen weiteren Ausritt. Dieser dauerte schlussendlich mehr als 5 Stunden, doch an den Fundstätten konnten wir absteigen und uns bewegen.

In La Chaquira lernten wir den Schweizer Philip kennen. Sieben Jahre sei er herumgereist bevor er vor 7 Jahren diese Finca gekauft habe. Da sie in der roten Zone (Guerillaorganisation FARC) liege, habe er das Grundstück günstig erwerben können. Doch er sei noch nie bedroht worden und das Gebiet gelte seit längerem als sicher auch für Touristen. Nachdem der Anbau und Verkauf von Zuckerrohr nicht rentiert habe, pflanze er nun Kaffee an. Ein Haus hat er für sich hergerichtet, ein weiteres bewohnen Angestellte und für Touristen hat er ein paar Zimmer eingerichtet. Jetzt baut er sehr schöne Cabanas aus Bambus um noch mehr Touristen Unterkunft und Verpflegung anbieten zu können. So finanziere er die Finca mit allem drum und dran und sei glücklich hier leben zu können.  Mit der Gemeide verhandle er über eine bessere Zufahrt. Das Wegrecht zur Fundstätte habe er der Gemeinde abgeben müssen.

Wir mussten tief in die Schlucht des Rio Magdalena hinunter steigen, zuerst ein Fussweg, dann folgten sicher wieder über hundert Treppenstufen. Unterwegs machte uns der Führer auf die verschiedenen, in rohe Steinbrocken gemeisselten Figuren aufmerksam, die teilweise nur noch schwach zu sehen waren. Der Blick in die Schlucht war grandios und im Wasserfall entstand ein Regenbogen, als die Sonne ihn beschien. Als wir unten angekommen waren und uns umdrehten sahen wir die ganz klar gemeisselten Figuren. Der Mann trägt eine Federkrone und schaut nach Norden, die Frau nach Süden und der Jaguarschaman nach Osten. Dabei handele es sich wahrscheinlich um die Darstellung des Sonnenkultes, erzählte uns der Führer.

Nur 24 km entfernt liegt der Ort San José de Isnos. Dort besuchten wir die 20 ha grosse archäologische Anlagen Alto de los Idolos und Alto de las Piedras. Hier sahen wir viele steinerne Sarkophage, die von Wächtern beschützt wurden. Ausserdem bewunderten wir wiederum viele alleinstehend Skulpturen.

San Augustin

San Augustin

San Augustin

Ein weiteres Mal überquerten wir Flüsse und Pässe um ins Departament Cauca zu gelangen. Wir wollten das geheimnisumwobene Tierradentro besuchen. Menschen einer prähispanischen Kultur errichteten einzigartige Schachtgräber. Sie lebten in diesem Gebiet zwischen 500 und 900 n Chr. Niemand weiss, warum sie plötzlich verschwanden. Die Nasa-Indianer, die hier lebten als die spanischen Konquistadoren (16. Jh.) einfielen, leugnen bis heute jeden Bezug zu den einstigen Bewohnern von Tierradentro.

Im Museum hat es Fundstücke und Informationen über die untergegangene Kultur, aber auch zum Leben der Nasa-Indianer. Auf den steil aufragenden Rücken der Bergfalten um den Gebirgsbach Quebrada San Andrés entdeckte man bisher etwa hundert solcher unterirdischen Sammelgräber. Die schönsten sind unter Strohdächer vor Witterungseinflüssen geschützt. Parkwächtern öffnen die mit Vorhängeschloss gesicherten Holzklappen zu den schmalen Einstiegslöchern. Man muss hohe, ausgemeisselte Stufen hinunter klettern um ins Erdinnere zu gelangen. In 2 bis 9 m Tiefe befinden sich Seitenkammern mit 2 bis 7 m im Durchmesser und knapp 2 m hoch. Bei den grossen Kammern hat es Stützpfeiler, damit die Kuppel nicht einstürzt. Die Verstorbenen wurden zunächst in flachen Gruben, zusammen mit Grabbeigaben wie Schmuck, Keramikgeschirr und Waffen beerdigt. Später wurden die Knochen ausgegraben, oft in Keramikurnen gelegt und in die Schachtgräber überführt. Auf den Urnen befinden sich Darstellungen von Tieren, die Symbolcharakter haben. Die grössten, tiefsten aber auch schönsten Grabkammern befinden sich in Alto de Segovia. Zum Glück gab es elektrisches Licht.

Es war sehr mühsam in die Schächte hinunter zu gelangen. Die Stufen sind manchmal so hoch, dass ich mich hinsetzen musste um auf die nächste zu gelangen. Entsprechend schwierig war auch der Aufstieg. Doch was wir dann sahen, entschädigte uns für jede Anstrengung. Die weissen Wände sind komplett überzogen mit schwarzen und roten Streifen oder Linien, die zu komplexen Strukturen verlaufen. Sie erinnern an gewebte Netz- oder Zopfmuster. Zu erkennen sind Gesichter, Mauereidechsen (Männlichkeitssymbol) und Riesentausendfüssler (Weiblichkeitssymbol). Wir waren erstaunt wie gut die Farben all die Jahrhunderte überdauerten.

Für die vielen Fotos von Werni gibt es in Südamerika einen Unterordner: San Agustin

Tierradentro

Tierradentro

Tierradentro

Unser nächstes Ziel war die Kolonialstadt Popayan. Sie gilt - neben Cartagena und Mompos – als eine der beeindruckendsten Kolonialstadt Kolumbiens. Sie liegt auf 1740 m und hat ca. 250‘000 Einwohner.  Die Fassaden  der zweigeschossigen Häuser sind meistens schneeweiss getüncht. Deshalb wird die Hauptstadt des Cauca Departementes auch als „Ciudad blanca“ bezeichnet. Die Stadt wurde offiziell 1537 gegründet. 1983 erschütterte ein 18 Sekunden dauerndes Erdbeben die „Weisse Stadt“ und tötete 250 Bewohner. Der liebevolle Wiederaufbau dauerte fast zwei Jahrzehnte.

Als wir ankamen war Feierabendverkehr und wir fragten einen Verkehrspolizisten nach dem Touristenbüro. Er fragte uns ob wir einen Übernachtungsplatz suchen und als wir das bejahten schickte er uns zwei Querstrassen weiter. Dort sollten wir links abbiegen und dann würden wir auf einen Platz kommen, der 24 Stunden von der Polizei bewacht werde. Dort würden wir sicher stehen. Gesagt – gemacht und tatsächlich wies uns ein Polizist so ein, dass vom Bewachungshäuschen unser Auto genau überwacht werden konnte.

So hatten wir die Möglichkeit zu Fuss in die Innenstadt zu gelangen und genossen es während 3 Tagen auch noch am späten Abend durch die Gassen zu schlendern. Wir freuten uns über all die schönen Innenhöfe und Parks, liefen über die berühmten Brücken und besichtigten die sechs Kirchen. Schnell hatten wir ein gemütliches Plätzchen gefunden. Am Morgen genossen wir ausgezeichneten Kaffee, auf dem Heimweg genehmigten wir einen Schlummertrunk. Uns gefiel es ausgezeichnet in dieser Stadt.

Ein Symbol Popayans ist der zwischen 1673 und 1682 errichtete viereckige Torre del Reloj mit seiner 1737 aus London mitgebrachten Uhr. Sie hat nur einen einzigen Zeiger. Während des Unabhängigkeitskrieges wurden zwei Bleigewichte, welche den Mechanismus des Uhrwerks antrieben zu Munition umgeschmolzen. Der Poet Guillermo Valencia nannte den Uhrenturm „La Nariz de Popayan“ (Die Nase von Popayan).

Popayan

Popayan

Popayan

Silvia liegt 55 km nordöstlich von Popayan, in einem von Weideland umgebenen Bergtal. Es liegt auf 2600 m und hat ca. 6500 Einwohner. Der Ort ist das Zentrum der Guambiano-Indianer. Der Name „guambia“ leitet sich von einer Tasche ab, in welcher die als vorzügliche Weberinnen geltenden Frauen Wolle und Spindel verstauen. Am Dienstag ist Markttag und dann reisen die Guambianos per Pferd oder in alten, farbigen Chiva-Bussen an.

Diese alten, farbigen Busse heissen so seit sie um das Jahr 1908 in Medellin (Kolumbien) durch den Ingenieur Luciano Restrepp und den Mechaniker Roberto Tisnes entwickelt wurden. Diese importierten damals Chassis aus den Vereinigten Staaten und setzten darauf einen Aufbau mit Holzbänken und einem Leinwanddach. Heute ist das Dach mit einem Gepäckträger ausgestatten, damit Waren transportiert werden können und es ist fast unglaublich, was alles darauf Platz findet. Jedes Fahrzeug ist originell und farbenfroh bemalt, wird mit Objekten verziert und oft hat man Bedenken, ob der Fahrer überhaupt noch genügend Sichtfreiheit hat.

Die Guambianos leben nahezu autark von ihren Erzeugnissen, die sie meist in Gemeinschaftsarbeit in Terrassenfeldern anbauen. Sie haben weitgehend einheitliche Kleidung, die Ausdruck der ethnischen Zugehörigkeit ist. Die Frauen tragen Filzhüte, weite schwarze Röcke, einfarbige Blusen und blaue Tücher über den Schultern und die Tasche mit Wolle und Spindel ist mit dabei. Während sie auf Kunden warten, spinnen sie die Wolle, schwatzen miteinander und betreuen die Kinder. Die Männer tragen Filzhüte, kurze blaue Röcke und dunkelblaue Ponchos. Auch sie haben Taschen umgehängt.

Wir kauften frische Früchte und Gemüse, setzten uns später auf eine Parkbank und schauten bis zum Nachmittag dem bunten Treiben zu. Wir beobachteten wie die Chivas und die Lieferwagen beladen wurden und wieder Ruhe im Ort einkehrte.

Silvia

Silvia

Silvia

In Felidia, ca. 16 km von Cali der Hauptstadt des Departement Valle de Cauca entfernt, hatten wir mit Pater Amadeo Eberle abgemacht. Er zeigte uns den Weg zur Finca „El Bosquecillo“ http://www.finca-elbosquecillo.ch.vu/. Die Finca befindet sich an der Westkordilliere auf 1800 m ü.M. und 25 km ausserhalb von Cali. Eine Familie mit 3 Kindern und 2 Angestellte bewirtschaften die Finca. Ausserdem hat es weitere Gebäude mit Übernachtungsmöglichkeiten für mehr als 60 Personen, eine Infrastruktur zum selber Kochen und diverse Räume für Versammlungen oder für andere Aktivitäten. Strom und Warmwasser werden aus Wind- und Sonnenenergie gewonnen.

Der Anbau auf der Finca wird rein biologisch betrieben. Es wachsen Kaffeebüsche, Gemüse, Früchte, Blumen, Garten- und Heilkräuter, die auch dem Verkauf dienen. Ein Oekopfad führt durch die Felder und den dazugehörigen Wald. Ausserdem leben in unmittelbarer Nähe Geissen, Hühner, Enten und Hasen. Besonders witzig fanden wir, dass ein zahmer Vogel zwischen den Hunden und der Katze herumspazieren konnte, ohne dass die sich für ihn interessierten. Es sah fast so aus als ob diese Tiere begriffen hätten, dass ein Zusammenleben zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen in Harmonie möglich ist.

Padre Amadeo lebt seit über 30 Jahren in Kolumbien. Als Pfarrer wirkt er im grössten Armenviertel in Cali. 1995 wurde in der Finca „El Bosquecillo“ die Stifung „TIERRA NUEVA – VIDA NUEVA“ gegründet. Das Hauptziel der Stiftung ist die Förderung einer ganzheitlichen Entwicklung von benachteiligten Menschen. Gewaltlosigkeit, Solidarität und Toleranz gegenüber anderen Menschen und Kulturen sollen geübt werden können. Die Finca ist dadurch auch eine Begegnungs- und Freizeitstätte für die Leute aus den Armenvierteln. Ausserdem finden Menschen hier Stille und Erholung und sie können sich in der Natur aufhalten. Für Amadeo ist es wichtig, dass vor allem Kinder, die unter sehr schwierigen Verhältnissen aufwachsen eine Chance haben wenigstens für kurze Zeit aus dem Elend heraus zukommen und dadurch eine andere, für sie unbekannte Umgebung kennen lernen.

Amadeo weilte während einem Monat in Europa um wieder Spenden für die Stiftung zu sammeln und ausser seiner 93-jährigen Mutter, Freunde und Verwandte zu besuchen. Seine Mutter wohnt wie meine Schwester und mein Schwager in Flums und Amadeo war so hilfsbereit uns ein paar Kleinigkeiten nach Kolumbien mitzubringen. Deshalb lernten wir ihn kennen.

Er offerierte uns, dass wir so lange wir wollten auf der Finca bleiben könnten. Bei unserer Ankunft lernten wir die Bewohner kennen. Wir erfuhren viel von Amadeo und seinen Erfahrungen in Kolumbien. Er erzählte uns von seiner Arbeit in dem Armenviertel von Cali und wie es zu dieser Finca kam. Nach dem Nachtessen trafen sich alle im Wohnraum. Das sei Tradition und wir seien herzlich eingeladen daran teil zu nehmen. Es wurde viel erzählt, gefragt und gelacht. Amadeo übersetzte für uns, wenn wir etwas nicht verstanden oder ausdrucken konnten. Er hatte auch Geschenke aus der Schweiz für die Kinder und Erwachsenen mitgebracht. Wir waren zutiefst beeindruckt mitzuerleben wie die Kinder sich über die Geschenke freuten. Die Gespräche gingen weiter bis der älteste Sohn sich vor Amadeo hinstellte, ihm eine Zeichnung überreichte und sich für sein Geschenk bedankte. Etwas später wiederholte sich die Szene mit dem anderen Sohn und dann kam auch noch die Tochter und dankte auf die gleiche Art und Weise. Mit der Kamera wurden diese Momente festgehalten. Es waren denkwürdige Augenblicke zu sehen und zuzuhören, wie diese Kinder sich sammelten um dann ihren Dank auszusprechen.

Wir dachten, dass wir das Visum in Cali verlängern könnten, hatten aber nicht berücksichtigt, dass es schon Donnerstag war und der Weg in die Stadt viel mehr Zeit in Anspruch nehmen würde. Amadeo meinte, dass es mindestens zwei Tage dauern würde, bis die Formalitäten erledigt sein würden. Falls es nicht klappen würde, müssten wir spätestens am Sonntag das Land verlassen haben. Wir wollten kein Risiko eingehen und entschlossen uns am nächsten Morgen die Finca wieder zu verlassen.

Wir frühstückten zusammen mit Amadeo. Die beiden Buben mussten in die Schule. Nach dem Frühstück kam Estesy, die Tochter, herein und schenkte zuerst Werni und dann auch mir eine Zeichnung. Sie sagte, s wir nun auch zu ihren Freunden zählen würden. Wir fanden in unserem Gepäck noch einen Frisbee, den wir ihr und ihren Brüdern als Andenken überliessen. Dann schenkten wir allen Erwachsenen noch Socken, die Rösli für Werni und mich gestrickt hatte. Wir wissen, dass uns genügend neue erwarten, wenn wir in die Schweiz kommen und Rösli sich sicher freut, wenn sie weiss, dass sogar in den Bergen Kolumbiens ihre Socken getragen werden.

Dann zeigte uns Marco die Häuser, Pflanzungen, Gewächshäuser und den Wald. Geduldig erklärte eruns die Namen der Pflanzen, Bäume und Blumen, zeigte uns wie Kompost und Humus entsteht und mit welchen Mitteln sie auf biologische Weise Schädliche bekämpfen. Er wurde mit seinem Fachwissen zugezogen als die vorhandenen Gebäude instand gestellt und neue Häuser gebaut wurden. Dann blieb er auf der Finca und koordiniert jetzt die anfallende Arbeit. Es war interessant ihm zuzuhören und seinem Fachwissen zu lauschen.

In letzter Zeit waren wir mehrmals von Regengüssen und nassen Erdstrassen überrascht worden und das sah man unserem Huckepack auch an. Nachdem wir unseren Wassertrank gefüllt hatten, bot uns Louis an, das Auto zu putzen, was wir gerne annahmen. Als wir vom Finca-Rundgang zurück kamen, war unser Auto kaum mehr wieder zu erkennen. Es glänzte wie schon sehr, sehr lange nicht mehr.

Wir wären gerne länger in Kolumbien geblieben, doch wir hatten es verpasst uns rechtzeitig um eine Aufenthaltsverlängerung zu kümmern. So hiess es am frühen Nachmittag schon wieder Abschied nehmen.

Nachträglich nochmals vielen Dank an all die lieben Menschen, die wir leider nur so kurz kennen lernen durften und die uns aufnahmen, als ob wir schon lange Freunde wären.

So fuhren wir in Begleitung von Amadeo wieder nach Cali hinunter und verabschiedeten uns von ihm. Es war toll die Finca, Amadeo und die Bewohner der Finca zu treffen und wir wünschen weiterhin viel Erfolg für das Projekt.

El Bosquecillo

El Bosquecillo

El Bosquecillo

Fazit:

Bevor wir nach Kolumbien einreisten, hörten wir von den verschiedensten Seiten wie gefährlich es sei in diesem Land herum zu reisen. Es dauert einige Zeit bis wir uns von diesen Warnungen distanzieren konnten. Wir erkannten, dass das Bild, das die Welt von diesem Land hat, heute sicher nicht mehr stimmt. Wir lernten durchwegs freundliche, hilfsbereite und neugierige Menschen kennen. Sie strahlen Lebensfreude aus und sind stolz auf ihre Familie, ihre Kultur und ihr Land. Obwohl viele nicht reisen können (sicher mangels finanzieller Möglichkeiten) freuten sie sich mit uns, dass wir schon so viel von ihrem Land kennen lernten.

Auch die Polizisten und Armeeangehörige behandelten uns durchwegs freundlich und waren immer korrekt. Nie wurden wir schikaniert oder bedroht. Sicher trugen die vielen Kontrollposten, die uns fast immer durchwinkten, dazu bei, dass wir uns als Touristen sicher fühlten.

Unzählige Male wurden wir von Passanten mehr oder weniger direkt gefragt, ob sie unsere Kabine von Innen ansehen dürfen. Kein Wunder, denn für viele ist es das erste Mal, dass sie so etwas sehen. Sie zeigten ihre Bewunderung und ihr Staunen über den Innenausbau direkt und freimütig.

Auch von anderen Reisenden hörten wir nie, dass sie Gefahren oder Gewalttätigkeiten ausgesetzt waren.

Kolumbien war einfach toll!!!