Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Peru 1 Drucken E-Mail
Donnerstag, den 25. April 2013 um 00:00 Uhr

Heute habe ich zwangsläufig Zeit um am ersten Perubericht zu arbeiten. Wir sind vor 8 Wochen eingereist und haben noch nie so viel Unerfreuliches in so kurzer Zeit erlebt. Damit ich nachher von den vielen positiven Ereignissen erzählen kann, nehme ich das Negative vorweg.

Kaum waren wir in Peru angekommen, brauchte ich einen Zahnarzt, denn das Provisorium war kaputt gegangen. Zum Glück hatten wir in der Nähe von Zorritos im Hostal Grillo 3 Puntes einem sehr schönen Stellplatz direkt am Meer und wollten dort sowieso einige Tage verbringen.

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Der Zahnarzt, den ich konsultierte war sehr kompetent und nach einigen Tagen war die Brücke fertig und mein Gebiss wieder in Ordnung. Doch in der Zwischenzeit fiel mein Notebook herunter und dabei ging die Festplatte kaputt. Von meinem alten Notebook hatten wir die Festplatte aufgehoben und konnten diese einbauen. Das grosse Problem war, dass mein Notebook kein CD-Laufwerk hat und Windows installiert werden musste. Werni suchte im Internet Anweisungen, wie ein lauffähiger Memorystick gemacht werden kann. Erst an der Playa Cangrejos gelang es Werni die neu eingebaute Festplatte zu formatieren und Windows zu installieren. Jetzt musste natürlich wieder alle Programme neu installiert werden. Oft fehlten wieder Treiber, die zuerst auch wieder im Internet gesucht und herunter geladen werden mussten. Zum Glück hatte ich noch eine Datensicherung von Ende Januar und so gingen nicht all zu viele Daten verloren.

Bis mein Computer wieder so funktionierte wie vorher, dauerte es fast 3 Wochen.

Natürlich blieben wir nicht die ganze Zeit auf dem Camping, sondern fuhren weiter und besuchten Sehenswürdigkeiten.

Oft hatten wir keine Internetverbindung, denn wir übernachteten bei Museen, direkt am Strand oder in kleinen Dörfern. In Einkaufszentren gibt es häufig WiFi-Verbindungen, aber meistens sind sie sehr langsam, oft sie erst „mas tarde“, also später. Da wir aber nach Einkäufen einen sicheren Übernachtungsplatz finden müssen, können wir nicht warten. In Internetcafés gibt es kaum Wifi, manchmal dürfen wir aber die Kabelverbindung benutzen um mit unseren Computern ins Netz zu kommen.

Als ich dachte, dass die Probleme endlich gelöst sind, begannen die Schwierigkeiten mit dem Laden der Batterie, manchmal wurde sie geladen, manchmal nicht. In der Zwischenzeit waren wir in Trujillo und fanden dort einen Toshiba Händler. Natürlich war es wieder Freitag, doch er versprach, dass Tests durchgeführt werden und wir am Samstag mehr wissen. Er schicke das Notebook nach Lima und dort stellten sie fest, dass die Stromzufuhr auf der Hauptkarte defekt sei und es mindestens drei bis vier Wochen dauern werde, bis Ersatz aus den USA komme. Solange wollten wir nicht warten und so kaufte ich ein neues Notebook, natürlich mit spanischem Betriebssystem. So wiederholte sich die Installation, nur diesmal mit mehr Erfahrung.

Dann kam der Tag, als die Gangschaltung nicht mehr einwandfrei funktionierte. Wir waren in Chimbote und fanden einen gut beleuchteten Platz. Auf der einen Seite hatten wir das Meer, auf der anderen Seite hatte es viele Wohnhäuser und Restaurants. Wir vertrauten unserem Gefühl, dass wir hier sicher seien.

Doch morgens um 6 Uhr erwachte ich, weil ich etwas hörte. Als ich ausstieg konnte ich nichts Verdächtiges feststellen. Wir frühstückten und Werni wollte anschliessend kontrollieren, ob genügend Getriebeöl vorhanden sei. Dafür brauchte er Werkzeug aus dem Auto. Nun stellte er fest, dass in unser Auto eingebrochen wurde. Die Abdeckung des Radios war weg, ausserdem fehlten die Rückfahrkamera, Süssigkeiten und ein paar Bierbüchsen. Zum Glück, meinte Werni, dass er gestern die Kamera und das Navigationsgerät mit in die Kabine genommen habe. Pech war, das er nur den Garmin mitgenommen hatte und somit auch die Kamera und der Feldstecher geklaut worden waren. Ärgerlich war auch, dass die Türschlösser kaputt waren und wir so die Autotüren nicht mehr verschliessen konnten.

Nachdem Werni festgestellt hatte, dass Getriebeöl nachgefüllt werden müsse, sprach ich Victor, einen Taxifahrer an, der mit seiner Familie am Strand war um Fotos zu machen. Ich fragte ihn, ob er wisse, wo wir Getriebeöl nachfüllen können. Kein Problem meinte er, wir sollen nur seinem Auto folgen bis zu einer Werkstatt.

Nun verhandelte Victor mit dem Mechaniker, der auch umgehend den Ölstand kontrollierte und das fehlende Öl ergänzte. Ich bat Victor mir zu sagen, was die Taxifahrt koste, doch er meinte, es sei seine Freizeit und er nehme kein Geld an. Victor, seine Frau Patricia, seine beiden Söhne Cristian und Alexandro und die beiden Neffen Nicolas und Rodrigo warteten, bis wir bezahlt hatten und fragten uns, wohin wir nun fahren würden. Ich erzählte ihnen vom Einbruch und dass wir jemanden finden müssten, der neue Autoschlösser einbaue. Vermutlich müssten wir direkt nach Lima fahren, weil dort eine Vertretung für Landrover sei. Victor meinte, dass er jemanden kenne, der auch dieses Problem lösen könne.

So zeigte er uns den Weg zu einem weiteren Mechaniker. Dieser teilte uns mit, dass er das Schloss auf der Beifahrerseite nicht reparieren könne, aber diese Türe lasse sich ja auch von innen öffnen und schliessen. Dann baute er das Schloss auf der Fahrerseite aus und reparierte den Zylinder. All das dauerte mindestens 3 Stunden und die ganze Zeit blieb Victor und seine Familie bei uns. Uns war das peinlich, denn es war ihre Freizeit, die sie wegen uns verschwendeten.

Ich unterhielt mich mit Patricia und sie erzählte mir, dass sie ursprünglich in Argentinien wohnten und wegen der Krankheit ihrer Mutter nach Peru umgezogen seien. Sie verglich ihr Leben in Argentinien mit dem hier in Peru und es war spannend ihr zuzuhören. Ich erfuhr auch, dass ihr Vater heute 80 Jahre alt sei, ihre Schwester für die Gäste koche und sie die Neffen hüte. Das Fest finde aber erst viel später statt und so sei es kein Problem, dass sie die Zeit mit uns verbringen. So gut es ging, erzählte ich von unserem Leben in der Schweiz und von unserer Reise. Die Zeit verging wie im Flug. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich so etwas in der Schweiz zutragen würde. Da sie kein Geld annehmen wollten und wir am Tag zuvor gross eingekauft hatten, verschenkten wir ihnen alle Süssigkeiten, die sie dann auch gerne annahmen. Die Verabschiedung war sehr herzlich und ich versprach mit ihnen per Email in Verbindung zu bleiben.

Seit Ecuador hat sich die Qualität vieler Strassen massiv verschlechtert und es sind nicht nur die Topes, sondern auch die, mit oder ohne Wasser gefüllten Schlaglöcher, Fahrrinnen und Waschbrettpisten die von unserem Fahrzeug alles fordern.

Wieder einmal versperrte ein Lastwagen eine Strassenseite und so mussten wir durch ganz üble Schlaglöcher weiter fahren. Das Auto mit der Kabine wankte hin und her und setzte hart auf der Strasse auf. Doch das war noch nicht alles. Es dauerte nicht lange als uns auf dieser miesen Strasse ein Fahrzeug mit Überbreite entgegenkam. Das Begleitfahrzeug hatte  keine Ausweichstelle ausgesucht um den Gegenverkehr zu warnen. Der Beifahrer des Begleitfahrzeugs stieg aus und Werni musste fast ganz in den seitlichen Graben hinunter fahren, damit das andere Fahrzeug vorbei kam. Unser Fahrzeug stand ziemlich schief. Jetzt stieg auch ich aus, um Werni Zeichen zu geben, wie er das Auto am Besten aus diesem Graben heraus manövrieren könnte. Da sah ich es, die Kabine hing hinten ziemlich weit hinunter, warum, sah ich noch nicht. Doch ich hatte einen gehörigen Schock und Angst, dass unser Fahrzeug auf die Seite kippen würde, sobald es bewegt würde. Zum Glück half der Beifahrer des anderen Fahrzeugs Werni aus dem Graben heraus zu fahren. Als das Fahrzeug wieder auf der Strasse stand, zeigte ich Werni den Schaden. Er stellte sofort fest, dass mit dem Chassis etwas nicht mehr stimmt. Weit und breit war kein Dorf in Sicht und wir mussten eine Lösung finden um weiter zu kommen. Mit Hilfe der Seilwinde befestigten wir die Kabine an der Stossstange, damit sie etwas gesichert war. Dann fuhren wir Kilometer um Kilometer den Berg hinunter. Jedes Schlagloch, jede Kurve liess mich in den Spiegel schauen, ob die Kabine noch da sei. Es dauerte mehr als 2 Stunden bis wir endlich das Dorf Colcabamba erreichten. Wir waren komplett erschöpft und natürlich auch frustriert als wir ankamen.

Auf dem Hauptplatz, direkt gegenüber dem Haus eines Militärpostens, parkierten wir. Der Mayor  erlaubte uns dort zu stehen. Er meinte, dass es in diesem Dorf kein Mechaniker habe, der den Schaden reparieren könne. Mit dem Auto in diesem Zustand weiter zu fahren, wollten und konnten wir auf keinen Fall. Wir fragten den Mayor, ob wir die Kabine absetzen und stehen lassen dürfen, damit wir am nächsten Tag mit dem Landrover nach Pampas fahren können um dort oder in der nächsten Stadt eine Werkstatt zu finden. Er gab uns die Erlaubnis und sagte, dass seine Leute auf unser Fahrzeug aufpassen würden. Er stellte uns sogar Platz zur Verfügung damit wir unsere Fahrräder und Gegenstände, die wir in den Ladeklappen hatten, an einem sicheren Ort unterbringen konnten.

Das halbe Dorf folgte unseren Vorkehrungen mit riesigem Interesse und wir glauben, dass noch lange erzählt wird von den zwei Schweizern, die mit Sack und Pack in ihrem Dorf gestrandet sind.

Den ganzen Abend verbrachte ich auf dem Dorfplatz. Immer mehr Menschen kamen und stellten ihre Fragen, wollten wissen woher wir kommen, ob wir Kinder haben, wie die Schweiz ist und wollten natürlich unseren Huckepack von innen sehen. Ich hätte Gotte von vielen Kindern werden können und nur mein Hinweis, dass ich nicht für alle und deshalb auch für keines die Patenschaft übernehme, leuchtet ein. Sie erzählten mir von ihren Lebensgewohnheiten und luden uns ein im Juli zu ihrem grössten Dorffest. Nach und nach verloren sie das Interesse an mir und schliesslich sassen nur noch zwei Mädchen neben mir und wollten, dass ich ihnen Worte und Sätze von Spanisch auf Deutsch und Englisch übersetze und auf Papier aufschreibe. Als es dann Zeit wurde für sie auch nach Hause zu gehen, zog auch ich mich ins Womo zurück.

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Am nächsten Morgen versuchten wir Ruedi oder Anna von Overlandtechnics AG zu erreichen. Sie kennen unser Fahrzeug und wir wollten ihre Meinung hören. Die Verbindung war jedoch so schlecht, dass wir ein Mail mit Fotos senden wollten. Doch auch dafür war die Verbindung zu schlecht und wir entschlossen uns mit dem Landrover nach Pampas zu fahren um dort vielleicht einen Mechaniker zu finden, der das Problem lösen kann. Wir mussten also die gleiche schlechte Strasse zurück fahren. Für diese 50 km brauchten wir auch ohne Kabine dreieinhalb Stunden. Der Polizeikommandant hatte uns erlaubt die vorherige Nacht auf ihrem Parkplatz zu übernachten. Deshalb fuhren wir wieder dorthin und fragten die Anwesenden, ob sie einen Mechaniker kennen. Sofort erhielt ein Polizist den Auftrag uns den Weg zu zeigen. Doch so einfach war es nicht. Der erste Mechaniker schickte uns zum nächsten, dieser wiederum zum nächsten. Doch dann fanden wir einen, der sich bereit erklärte, den Schaden zu reparieren. Erst wenn er die Ladebrücke abmontiert habe, könne er uns genauer sagen, wie er die Reparatur durchführe. Wir vereinbarten einen Termin für den nächsten morgen und stellten das Auto in seinem Innenhof ab. Jetzt machten uns auf die Suche nach einem Hotelzimmer. Als auch das gemacht war, gingen wir in ein Internetcafé und konnten endlich Ruedi ein Mail und die Fotos vom Chassis schicken.

Am nächsten Morgen gingen wir als erstes ins Internetcafé und hatten von Ruedi eine Antwort. Dann gingen wir zum Mechaniker und er erklärte uns, was zu machen sei. Da seine Ausführungen mit denen von Ruedi mehr oder weniger übereinstimmten, gingen wir beruhigt weg. Er meinte, die Reparatur dauere mindestens einen Tag, doch schliesslich brauchte er 2 ganze Tage, um die Reparatur durchzuführen.

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Doch dann konnten wir den Landi endlich wieder in Empfang nehmen.

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Zufrieden fuhren wir die 50 km wieder nach Colcabamba zurück und auch diesmal brauchten wir dreieinhalb Stunden. Als erstes bauten wir die Kabine wieder auf. Nun sahen wir, dass die Ladebrücke nicht ganz parallel ist und sich die Kabine ein bisschen nach hinten neigt. (Werni ist jedoch voller Zuversicht, dass das reparierte Chassis das Gewicht der Kabine problemlos trägt und wir beruhigt weiter fahren können. Sobald wir einen geeigneten Platz finden, werden wir die Kabine nochmals abbauen und bei der Ladebrücke Gummipuffer einlegen, bis sie mit der Kabine ausnivelliert ist.)  Dadurch war es auch nicht ganz einfach die Befestigungen anzubringen, doch mit lautem Fluchen schaffte Werni auch das. Natürlich hatten wir wieder viele Zuschauer bei unserer Aufbau- und Einräum-Aktion.

Am nächsten Morgen brachten die Männer vom Militär unsere Sachen, damit wir die Seitenklappen wieder füllen konnten. Wir bedankten uns bei der Mannschaft mit einer grossen Torte.

Gegen Mittag konnten wir endlich weiterfahren. Inzwischen sind wieder einige Tage vergangen. Wir hoffen, dass wir heute einen Internetzugang finden, damit dieser Bericht endlich auf unserer Homepage ist. Dann fahren wir in einen Nationalpark wiederum am Meer und dort werde ich den 2. Teil von unserer Perureise schreiben. Werni wird die Fotos bearbeiten. Dann suchen wir wieder einen Internetzugang um die Homepage zu aktualisieren. Erst dann werden wir weiterfahren.

Nun die Rückblende auf all die erfreulichen Erlebnisse hier in Peru

Der Grenzübergang von Ecuador nach Peru war sehr einfach und schnell erledigt. Etwa 10 km vor der Grenze erhielten wir den Ausfuhrstempel für das Fahrzeug. Problemlos bekamen wir dann am Zoll den Ausreisestempel und eine Aufenthaltsbewilligung von 90 Tagen für uns und unser Auto. Niemand interessierte sich für das ahrzeug und da wir die Autoversicherung schon hatten, konnten wir weiter reisen. Das ganze Prozedere dauerte kaum 1 Stunde und wäre der ecuadorianische Beamte nicht in der Mittagspause gewesen, hätten wir alles in noch kürzerer Zeit abwickeln können.

Die erste Stadt in Peru war Tumbes. Wir empfanden den Verkehr sehr chaotisch und fuhren direkt nach Zorritos zum Hostal Grillo 3 Puntes. Sofort zogen wir die Badehose an und vergnügten uns im Meer. Neben unserem Huckepack hatten wir ein Palapas mit Hängematten und wir genossen unsere Ankunft. Da der Zahnarzt eine Anzahlung wünschte und in Zorritos kein Geldautomat unsere Karten akzeptierte mussten wir nach Tumbes zu fahren. Für wenig Geld kann man mit Colectivos mitfahren. Sie fahren jedoch erst los, wenn 5 Personen im Auto sitzen. Es war ein guter Entscheid unser Auto auf dem Camping zu lassen, denn in den engen Gassen bei diesem Verkehr und bei der herrschenden Hitze hätten es uns nur Nerven gekostet und nichts gebracht.

Auch in Tumbes mussten wir mehrere Geldautomaten testen bis wir einen fanden, der unsere Karte akzeptierte. Wir bezogen mehrmals nacheinander Geld, denn das Limit pro Bezug liegt bei 130 Franken. Durstig und hungrig wie wir nun waren, setzten wir uns am Hauptplatz in ein Restaurant und gönnten uns ein feines Mittagessen. Dabei beobachteten wir die Aktivitäten auf dem Platz und der Bühne. Die Kathedrale war leider geschlossen und so spazierten in der Fussgängerzone und auf dem Friedensweg mit seinen sehr schönen Mosaikskulpturen und –Bildnissen umher. Auf dem Markt wollten wir vor der Rückfahrt noch Früchte und Gemüse einkaufen, doch das Chaos war uns zu gross und wir wussten, dass wir auch in Zorritos noch einkaufen konnten.

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Wir fuhren wieder mit einem Colectivo zurück. Beim Zahnarzt leisteten wir die Anzahlung und per TukTuk ging‘s zurück auf den Campingplatz. Wieder zogen wir die Badehosen an und kühlten wir uns im Meer ab um anschliessend ein Bier auf der Terrasse des Hostals zu geniessen. Es war ein schönes Plätzchen, das wir gefunden hatten und wir freuten uns, gezwungenermassen mehr Zeit hier verbringen zu können. Morgens und abends kamen die Pelikane und stürzten sich zwecks Fischfangs von hoch oben ins Meer um dann für kurze Zeit gemächlich auf den Wellen zu schaukeln, bevor sie sich wieder abhoben. Weit draussen zogen die Schiffe vorbei und bei Sternehimmel sahen wir ihre Lichter. Ich hatte Zeit zum Waschen und den Innenputz zu erledigen, Werni kümmerte sich um den Landrover. Auch dort gibt es immer wieder mal etwas zu kontrollieren oder zu reparieren.

Wäre nicht die Festplatte kaputt gegangen, hätten wir eine unbeschwerte Zeit geniessen können.

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Weiter fuhren wir wenn immer möglich entlang der Küste. Zuerst fährt man endlos durch eine öde Steinwüste. Hin und wieder sieht man einzelne Öltürme und um Talara herum hat es viele Pipelines und wippende Ölpumpen. Hier ist das Erdölzentrum Perus, das wir gerne wieder verliessen, denn die Sonne brannte unerträglich vom blauen Himmel herunter. Auf dem Weg nach Piura folgte dann eine grüne, landwirtschaftlich genutzte Landschaft. Baumwolle, Reis, Zuckerrohr, Mangos und Limonen werden angebaut und es war ein Vergnügen endlich wieder verschiedenste Grünflächen zu sehen.

In  Piura stellen wir unser Auto in einer ruhigen Nebenstrasse bei einem kleinen Park ab. Im Haus gegenüber kam ein Mann heraus und bat uns das Auto näher bei seiner Haustür zu parkieren. So lernten wir Julio kennen. Am nächsten Morgen gingen wir ins nahe Einkaufszentrum und hatten dort auch Internet. Julio mit seinen Eltern war auch dort und wir kamen ins Gespräch. Wir erzählten ihm unter anderem, dass die Festplatte kaputt sei und wir hoffen in der Stadt jemanden zu finden, der vielleicht noch einige Daten retten könne. Er meinte, dass sein Arbeitskollege uns vielleicht weiter helfen könne. Da aber Samstag war, müssten wir bis Montag warten. Er zählte uns von einem sehr schönen Strand in der Nähe von Piura und so fiel uns die Entscheidung leicht, denn in der Stadt war es sehr heiss. Wir fuhren hinaus an die Playa Cangrejos und Werni gelang es das Notebook lauffähig zu machen. Trotz allem verbrachten wir ein wunderschönes Strandwochenende. Leider konnte uns der Arbeitskollege von Julio am Montag auch nicht helfen, doch der Versuch war es allemal wert.

Von Piura aus fuhren wir durch die Sechura-Wüste. Die Landschaft verwandelte sich drastisch. Weg von der grünen Landschaft, hinzu Dünen, Sand und Dürre. Zwischendurch ragten trockene Büsche aus dem Sand auf und Salzlagunen prägten das Bild. Als es langsam Abend wurde fuhren wir mit unserem Huckepack eine Strasse hinein, die zu den Masten der Elektroleitung führten. Wir suchten Sichtschutz hinter einer Düne und wollten das Fahrzeug so wenden, damit wir am Morgen gleich weiterfahren könnten. Da passierte es. Unser Huckepack versank im Sand. Dank einem so trockenen Gebüsch und der Seilwinde konnten wir das Fahrzeug wieder auf festen Untergrund bringen. Zufrieden gingen wir ins Bett und hatten eine ruhige und alptraumlose Nacht.

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Als wir im Städtchen Lambayeque ankamen, waren einige Strassen mehr oder weniger unter Wasser, weil es vorher geregnet hatte. Wir entschlossen uns ein bisschen durch die Strassen zu schlendern und machten dabei die unterschiedlichsten Erfahrungen. Der Hauptplatz mit der Kirche war sehr gepflegt. Kaum bogen wir in eine andere Strasse ein, hätten wir besser die Gummistiefel angehabt. Überall lag Müll herum, Hunde durchwühlten den Abfall und der Wind blies Plastiktüten durch die Strasse. Bogen wir in die nächste Strasse ein, war sie geteert und wir sahen keinen Müll. Für uns war das eine ganz neue Erfahrung. Wir beschlossen im Innenhof eines sehr schönen Kolonialhaus etwas zu essen, bewunderten anschliessend einige Kolonialgebäude, die mit hölzernen Erkern und geschmiedeten Fenstergittern verziert sind. Dann durften wir noch auf den längsten Balkon des Landes steigen und dieses Gebäude mit seinem wunderschönen Innenhof begehen.

Anschliessend hatten wir noch genügend Zeit um das Museo Tumbas Reales de Sipan zu besuchen. Bevor wir das Museum betreten durften, mussten wir Kamera, Handy und auch den Rucksack deponieren. Es ist nicht erlaubt in diesem Museum zu fotografieren, was wir natürlich sehr bedauerten.

1987 wurde in der Nähe des Dorfes Sipán (Haus des Mondes in der Muchica Sprache), das wir später besuchen werden, das unberührte Grab eines vermutlichen Muchica-Herrschers entdeckt. Über eine Rampe gelangt man in das dritte Stockwerk des Museums. Dokumentiert sind die Phasen der Ausgrabungen. Wir sahen wie das Grab vom Herrscher von Sipan freigelegt wurde, und dessen Nachbildungen mitsamt der Grabbeigaben. Auch Fundstücke aus Gräbern von Priestern und des „Alten Herrschers von Sipan“ sind ausgestellt. Wieder einmal stelle ich fest, wie schnell ich vergesse was ich sah, wenn weder Bilder noch ausführliche Aufzeichnungen meinerseits vorhanden sind. Auf jeden Fall waren wir beeindruckt 

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Tumbes Reales de Sipan

Am nächsten Tag besuchten wir das Museo Bruening. Hier erhielten wir einen grossartigen Einblick in eine Vielfalt von peruanischen Kulturen, die lange vor der Kolonisierung durch die Spanier existierten.  Wir sahen Keramiken, Stoffe, Goldarbeiten und Schmuck der Cupisnique-, Mochica-, Wari-, Lambayeque-, Chimu- und Inka-Kulturen. Die Sammlungen werden wirkungsvoll präsentiert und so wanderten wir von Saal zu Saal. Wir waren überfordert all die Namen, Zeittafeln und Erklärungen zu lesen und zu verstehen. Da entschlossen wir uns umso mehr Zeit zu nehmen und die Gegenstände zu betrachten. Lange standen wir vor dem Skelett einer Frau. Wir konnten es nicht fassen, dass nach so langer Zeit sogar noch Tätowierungen auf den Armen zu sehen waren, dass Haare, Textilien und Grabmitgaben ausgezeichnet erhalten blieben. Ganz besonders eindrucksvoll war der Sala de Oro, in dem allein über 500 Goldschmiedearbeiten zu bewundern sind. Einfach herrlich, diese Masken, Arm- und Halsketten, Ohrringe und Figuren bewundern zu dürfen. Sie stellen Früchte, Nüsse, Menschen, Tiere, aber auch Dämonen und Fabelwesen dar. Wenn wir all dies sehen stimmt es uns etwas traurig, weil wir wissen viel von all diesen Kunstwerken nach der Kolonalisierung gestohlen und dann leider oft eingeschmolzen wurden, weil nur das Gold zählte. Zum ersten Mal wurde uns auch bewusst, wie viele Kulturen es schon vor den Inkas gab und wir erfuhren, wie oft eine Kultur die vorhergehende ablöste.

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Ein neues Ziel auf unserer Enddeckungsreise das Tal der 26 Pyramiden von Túcume. Zuerst besuchten wir das von Dr. Thor Heyerdahl erbaute Museum um uns einen Überblick zur Geschichte zu verschaffen. Wir lasen im Reiseführer, dass 1553 der Europäer Pedro Cieza de León zum ersten Mal die Pyramidenstadt, die inmitten einer grünen Landschaft liegt, beschrieb. Die mächtigen Bauwerke waren schon damals zerstört. Erst 1925-1926 wurde Túcume wieder von Forschern aufgesucht. Diese brachten Skizze und Chimú-keramiken mit, entdeckten Chimú-Gräber und machten Luftaufnahmen. Der deutsche Archäologe Hermann-Trimborn datierte zwischen 1967 bis 1975 das Túcume-Alter durch Holzproben aus Pyramidenwäden auf 1000-1300 n.Chr. Doch später wurden auch ältere Mauern mit Motiven der Mochica entdeckt. Erst 1987 legte Dr. Thor Heyerdahl mit Hilfe und Unterstützung des Kon-Tiki-Museums in Oslo erste Lehmziegel frei.

Im Zentrum der Pyramiden ist der Berg La Raya mit der die Pyramide die Huaca Larga. Sie mass 454 m x 120 m und war bis zu 32 m hoch. Sie hatte drei Plattformen. Damit ist sie das grösste Adobe-Bauwerk der Welt. Während der Kolonialzeit bauten die Spanier an der Rampe zur Huace Larga eine Kathedrale. Auf der obersten Plattform errichteten sie Scheiterhaufen und verbrannten alle Einheimischen, die sich nicht taufen liessen. Deshalb heisst dieser Ort „El Purgatorio“, Fegefeuer.

Als  wir die Ruine besuchten, waren die Wege zu den Ausgrabungsstätten gesperrt und wir konnten deshalb das Gelände nur vom Mirador aus besichtigen. Zum Glück  war der Himmel etwas bedeckt, denn es war so schon sehr heiss und der Weg hinauf zum Aussichtspunkt steil und steinig. Doch der Blick über die Landschaft war grandios. Wir sahen auf diese vom Regen zerstörten, ehemaligen Pyramiden herunter und wie sie von der saftig grünen Landschaft umgeben sind. Hätten wir nicht vorher im Museum Modelle gesehen, wären wir nie auf die Idee gekommen, dass da eine ganze Stadt, gebaut aus Adobeziegeln, zu unseren Füssen lag.

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Die Reise ging weiter zum Museo Nacional Sicán in Ferreñafe. Der japanische Archäologe Isumi Shima lokalisierte 1978 in Batán Grande, das etwa 10 km nordöstlich von Túcumene liegt, die Grabstätte Huaca Loro. Sie wurde erst 1991/92 geöffnet. Im Grab lagen der Sicán, zwei Frauen und zwei Kinder.

Das Museum konnte nur dank eines peruanisch-japanischen Fonds realisiert werden. Hier werden auch die neusten Forschungsergebnisse präsentiert. Mit Hilfe von Computern wurden Gesichter anhand von Schädeln rekonstruiert. So erhielten wir zum ersten Mal einen Eindruck, wie die Menschen damals ausgesehen haben. Wir bewunderten goldene Totenmasken, Keramiken, Schmuck, Zeremonialmesser und Zeremonialkopfschmuck. Die Grabanlage wurde rekonstruiert und zeigt die Stellung in denen die Toten begraben wurden. Wir lasen, dass die goldenen Grabbeigaben des Sicán über eine Tonne wogen. Doch schon vor der Freilegung waren die meisten goldenen Grabbeigaben geraubt und weltweit verkauft worden und der Grossteil des peruanischen Goldes in den Museen der Welt sei aus Batán Grande und nicht Gold von den Inka. Es war eines der beeindrucktesten und lehrreichsten Museen, die wir bis jetzt in Peru besuchten.

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Im Museum in Lambayeque hatten wir all die Schätze aus den Gräbern des Señor de Sipán und andern aufgedeckten Gräbern gesehen, doch wir wollten auch die Fundorte all dieser Kostbarkeiten besuchen. So fuhren wir zum Dorf Sipán, wo die Zwillingspyramiden ausgegraben wurden. Vor allem die Adobepyramide Huaca Rajada interessierte uns. Seit 1987 wurden in ihr 10 Gräber freigelegt und können teilweise besichtigt werden.

Besonders interessant und aufschlussreich ist das Grab des Señor de Sipán, der am Fusse der Pyramide bestattet wurde. Er wurde vor ca. 1700  Jahren geboren, war 1.66 m gross und starb mit ca. 45 Jahren. Die Anordnung in seinem Grab führt modellhaft das Dualitätsprinzip vor, das dem Menschen über den Tod hinaus Orientierung geben soll. Diesem Prinzip folgte auch die Anordnung des Schmucks. Seine rechte Körperseite ist mit Gold, seine linke mit Silber geschmückt. Sein Kopf ist nach Süden gebettet, sodass zu seiner Rechten die Sonne auf-, zu seiner Linken untergeht. Mit  ihm wurden junge Frauen im Alter von 16-22 Jahren, ein Würdenträger mit Hund, ein junger Mann und ein, Wächter, mit amputierten Füsse begraben. Alles war in einer ganz bestimmten Art und Weise angeordnet. Man kann sich die Fülle der Grabbeigaben kaum vorstellen. Gefunden wurden über 1130 Portätkrüge. Jeder einzelne stellte einen Bedeutungsträger dar, z.B. Musiker, Dieb, Gefangener, Hund, Eule usw.

Auch das Grab des El Viejo Señor de Sipán wurde freigelegt und wir konnten es besichtigen. Wir waren beeindruckt all das  am Fundort zu sehen.

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Nach soviel Kultur waren ein paar Tage Entspannung am Meer angesagt. Wir fuhren nach Pacasmayo. Hier schauten wir den Fischern zu, wie sie mit den Caballitos de Totora (Schiffrohrpferdchen) ins Meer hinaus ritten. Mit nur einem Paddel und auf den Knien schaukelten  sie  auf den Wellen, warfen das Netz aus, fischten und kamen nach mehreren Stunden klatschnass und frierend zurück. Am Strand warteten schon die Möwen und Pelikane im Wissen, dass auch für sie etwas dabei war. Gierig stürzten sie sich auf die Abfälle, stritten um jeden Bissen und kreischten, dass man sich fast die Ohren zuhalten musste. Wie für uns scheint es auch für sie einfacher zu sein auf’s Fressen zu warten, als selber zu fischen.

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Und das ist noch lange nicht alles. Im nächsten Bericht werde ich unsere weiteren Erlebnisse hier in Peru schildern. In der Zwischenzeit könnt ihr all die Fotos bewundern, die Werni auf unserer Homepage abgelegt hat. Wir wünschen euch viel Vergnügen!