Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Freitag, den 31. Mai 2013 um 00:00 Uhr

Wir genossen die paar Tage im Naturschutzgebiet der Halbinsel Paracas. Wenn wir nicht an den Fotos und am Bericht arbeiteten, suchten wir den Windschatten, setzten uns in die Stühle und schauten den Wasservögeln zu, wie sie sich zur Nahrungssuche ins Meer stürzten. Auf dem Meer schaukelten Fischerboote. Manchmal stoppte ein Bus, damit auch die Touristen diese herrliche Landschaft bewundern konnten. Doch meistens waren wir ganz allein und in der Nacht hörten wir nur die Wellen und den Wind. Der feine Sand wurde von Windstössen durch die Luft gewirbelt und so war es immer etwas dunstig. Je nach Licht veränderte sich auch die Farbe der Sanddünen und des Meers.

Doch auch dieser Aufenthalt ging vorüber und wir fuhren zurück in die Ortschaft. In einem Internetcafé aktualisierten wir unsere Homepage. Jetzt war es zu spät um weiter zu fahren und wir stellten uns für die Nacht auf einen Platz mit Blick auf das Meer.
In einem Restaurant genossen wir ein ausgezeichnetes Nachtessen und da wir nicht fahren mussten, bestellten wir als Apéro einen Pisco Sour. Pisco ist ein Traubenschnaps, der nach der Stadt Pisco benannt wurde und aus Quebrantatrauben hergestellt wird. Diese Traubensorte wurde schon im 16. Jh. von den Spaniern aus den Kanarischen Inseln importiert und in diesem Gebiet erfolgreich angepflanzt. Pisco Sour ist ein Cocktail, der aus 3 Teilen Pisco, 1 Teil frischgepresstem Limonensaft, 2 Teelöffel Zucker, 1 Eiweiss, gestossenem Eis gemixt und in Gläser abgefüllt wird. Er schmeckte uns ausgezeichnet und so bestellten wir gleich noch einen zweiten, als Schlaftrunk.
Nach dem Frühstück fuhren wir nach Ica. Auf der Panamericana fuhren wir ins Landesinnere. Links und rechts der Strasse breiten sich prächtige Sanddünen mit scharf gestochenen Kanten aus. Nur vereinzelt klammern sich dürr aussehende Sträucher im Wüstensand fest. Um ihren Stamm herum bilden sich kleinere Sanddünen. Und ganz selten sahen wir Palmen und Kakteen. Je näher wir aber Ica kamen, umso mehr sahen wir wieder Felder mit tausenden von Rebstöcken.
In Ica fanden wir ein grosses Einkaufszentrum und konnten uns mit Lebensmitteln eindecken. Wir kauften neben all dem Notwendigen vor allem Delikatessen wie Frankfurterli, Salami, Filets, verschiedene Käse und sogar Ziegenkäse, Seranoschinken, Fertigfondue, Vollkornbrot, Barilla-Teigwaren usw. Das sind immer Highlights und wir verfallen in einen Kaufrausch, wenn wir all diese Dinge in einem Supermercado entdecken. Natürlich kommt dann das Problem all diese schönen Sachen im Kühlschrank und in den Schränken zu verstauen. Doch auch diesmal fand alles sein Plätzchen. Gemüse, Salat und Früchte kaufen wir fast ausschliesslich auf dem Markt, denn dort sind die Sachen einfach besser und frischer. Seit wir in Mittel- und Südamerika sind, geniessen wir all die exotischen Früchte, häufig schon zum Frühstück. Auch die herrlichen Fruchtsäfte, die überall frisch zubereitet werden, schmecken uns ausgezeichnet.
Weiter ging’s durch die Stein- und Sandwüste und da die Strasse ausgezeichnet war, erreichten wir nach etwa 150 km Nazca. Die Panamericana durchschneidet die Nazca-Geoglyphen und zerstörte viele der Linien und Figuren. Aber auch Fuss- und Autospuren, die in die Wüste hinein führen, zerstörten vieles. Wir kamen auch am Aussichtsturm vorbei doch wir verzichteten auf den Turm zu steigen. Im Reise Knowhow hatten wir gelesen und auch andere Reisende hatten die Meinung bestätigt, dass die Figuren nur von einem Flugzeug aus gut zu erkennen seien. So fuhren wir direkt zum Hotel Maison Suisse, denn dort konnten wir mit unserem Huckepack auf der Wiese stehen.
Wir gönnten uns einen Tag Ruhe und erkundigten uns erst dann über die verschiedenen Möglichkeiten über die Nazca-Linien zu fliegen. Wir konnten zwischen Flügen mit 12, 5 oder 2 Passagieren wählen. Wir entschieden uns für das Flugzeug mit nur 2 Personen, weil wir dann tiefer über die Geoglyphen und auch noch über Wasserkanäle fliegen konnten. Das kostete uns statt 170 190 US$. Natürlich ist das viel Geld für einen Flug, der ca. 35 Minuten dauert.
Die Nazca Geoglyphen (Scharrbilder) sind Linien, geometrische Figuren und Darstellungen von Tieren, Pflanzen und Figuren, die in den Wüstenboden eingraviert wurden. Sie werden der Nazca Kultur zugeschrieben, die in diesem Gebiet zwischen 200 vor bis 600 nach Chr. lebte und die Paracas Periode (800-200 v.Chr.) ablöste. Die Linien sind bis zu 20 km lang und die Figuren haben eine Grösse von zehn bis mehreren hundert Metern. Oft sind die Figuren nur wenige Zentimeter tief eingegraben. Deshalb sind sie am besten aus der Luft zu sehen. Noch heute werden Diskussionen unter Archäologen, Mathematikern und Historikern über die Bedeutung geführt. Erich von Däniken (seit 1979 Ehrenbürger der Stadt Nazca) trug viel dazu bei, dass dieses Bilderbuch im Wüstensand international bekannt wurde. Paul Kosok von der Long-Island-Universität New York hatte sich auf den Verlauf unterirdischer Wasserleitungen und –kanäle der Inkas spezialisiert und überflog das Gebiet 1939 mehrfach und erkannte, dass es sich bei den Figuren weder um Strassen noch um Bewässerungskanäle handeln konnte. Die Deutsche Maria Reiche (1903-1998) kam 1932 als Übersetzerin nach Peru lernte Paul Kosok 1946 kennen und wurde von ihm beauftragt weitere Forschungen über die Nazca-Linien durchzuführen. Später wurde sie von der peruanischen Regierung und Luftwaffe in ihrer Arbeit unterstützt und viele Erkenntnisse und Forschungsergebnisse sind ihr zu verdanken. Sie setzte sich bis zu ihrem Tod unermüdlich für den Schutz und Erhalt ein. Auf ihre Initiative hin wurden die Geoglyphen 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Wir suchten nicht die wissenschaftlichen Erklärungen, sondern freuten uns einfach auf den Flug. Mir war schon etwas mulmig, als ich das kleine Flugzeug sah, doch dazu blieb kaum Zeit. Kaum eingestiegen fuhren wir zur Startbahn und schon waren wir in der Luft. Da es windstill war, wurde es auch ein sehr ruhiger Flug. Zuerst flogen wir über die Ortschaft, dann sahen wir die Wüste unter uns und viele Linien. Dann zeigte der Copilot auf die die erste Figur. Es war nicht einfach auf Anhieb die Figur zu erkennen und diese auch noch fotografieren zu wollen. Doch der Pilot flog jede Figur zweimal an, so dass sie auch aus dem anderen Fenster gesehen werden konnte. Wir beugten uns zum andern hinüber, zeigten zum Fenster hinaus und freuten uns, wenn wir die Bilder nochmals sahen. Die Zeit verging unwahrscheinlich schnell und schon machte sich der Pilot auf, uns die Wasserlöcher zu zeigen.
Zur Bewirtschaftung der Felder in dieser Wüste wurden unterirdische Wasserkanäle (sog. puquios) von den Anden hinunter in die Küstenebene gelegt. Man ist sich nicht einig, wann sie gebaut wurden, aber sie werden noch heute genutzt und gepflegt. Das frische Wasser aus den Bergen fliesst in steinernen Röhren kilometerweit ins Tal hinunter. Die Röhren sind teilweise mannshoch. Die Löcher die man sieht, dienen der Belüftung und die wendelförmigen Einstiege Ojos (Augen) als Zugang zum Kanal. Ein absolut geniales System für die Bewirtschaftung der Felder und lebensnotwendig für die Bewohner.
Es war einmalig und faszinierend und wir waren uns einig, dass sich dieser Ausflug  auf jeden Fall gelohnt hat, auch wenn er recht teuer war.

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Nun machten wir uns auf den Weg nach Cusco, einem wichtigen Ziel fast aller Peru-Reisenden. Die Strecke ist 660 km und führt über 3 Pässe, wovon jeder über 4000 m ist. Von 540 m über Meer stieg die Strasse an auf 3800 m und wir erreichten die Pampa Galeras. Deutsche initiierten ein Projekt zum Schutz der Vicuñas. Später übernahm der Staat Peru das Projekt und gründete den Vicuña-Nationalpark. Wir durften auf dem Gelände übernachten. Der Parkwärter zeigte uns das Museum und wir staunten, dass während der Regenzeit unter anderem hunderte von Flamingos dem Nationalpark einen Besuch abstatten. Er erklärte uns, dass Vicuñas und Guanako Wildkamele seinen. Lamas und Alpakas wurden mit den Wildkamelen gekreuzt und domestizierten. Ein Lama habe einen so ausgeprägten Gewichtssinn, dass es, wenn die Last mehr als 20 kg wiegt, sich hinlegt und sich weigert dieses Gewicht zu tragen. Er erzählte uns auch, dass am 21. Juni jeweils die Vicuñas zusammen getrieben und geschoren werden. An diesem Tag seien tausende von Zuschauern anwesend. Leider konnten wir nicht so lange warten.
Die Strasse führte uns durch eine traumhaft schöne Landschaft. In Serpentinen ging es hinauf und hinunter. Wir fuhren an riesigen Lagunen vorbei, blickten auf schneebedeckte Bergspitzen und tief in die Täler hinunter. Wir freuten uns, dass wir so viele Wild- und domestizierte Kleinkamele sahen. Aber auch Kühe, Hühner, Schafe, Ziegen Enten und unzählige Hunde kreuzten unseren Weg. Auch fuhren wir an kleinen Siedlungen und einzelnen Lehmhäusern vorbei und durchfuhren grössere und kleinere Ortschaften. Wir sahen die Menschen bei ihrer harten Arbeit in den Feldern, beim Hüten der Tiere und konnten uns das karge Leben, das sie haben, gut vorstellen.

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In Cusco parkierten wir unseren Huckepack auf dem sehr schönen Campingplatz Quinta Lala und setzten die Kabine ab. Seit der Chassis-Reparatur war die Kabine nicht mehr waagrecht auf der Ladebrücke des Pickup. Mit dem Landrover fuhren wir zu einem Mechaniker und klärten ab, ob er die Ladebrücke hinten um 10 cm anheben könne und wann er Zeit für diese Arbeit habe. Er gab uns einen Termin für den nächsten Tag und wir fuhren zufrieden auf den Campingplatz zurück.
Die nächsten zwei Tage verbrachten wir auf dem Hof der Werkstatt und sahen zu, wie die Arbeit ausgeführt wurde. Nichts von der Stange wurde benutzt, sondern es wurde gemessen, zugeschnitten und dann mit einem anderen Teil zusammen geschweisst. Löcher wurden gebohrt. Manchmal passte das gebohrte Loch, wenn nicht, wurde gefeilt, bis es mit dem Gegenstück zusammengeschraubt werden konnte. Wir staunten mit welcher Ruhe und Gelassenheit gearbeitet wurde und mit wie wenig Werkzeug ein Mechaniker hier auskommen muss.
Von der Stadt Cusco waren wir begeistert, obwohl es sehr viele Touristen und noch mehr Souvenirläden hatte. Wir mussten immer wieder Strassenhändler, Tourenanbieter und Massageangebote abwehren. Von dem Balkon eines Restaurants sahen wir auf die schöne, fast quadratische Plaza de Armas hinunter und verfolgten die Stimmung, die durch das bunt gemischte Publikum verbreitet wurde. Auf dem Platz und unter den Arkaden gab es Schuhputzer, Strassenkünstler, Souvenirhändler, fotografierende Touristen und nicht zuletzt Polizisten, die den unaufhörlich fliessenden, hupenden Verkehr regelten. Auf den Bänken sassen Menschen die plauderten oder sich einfach nur ausruhten.
Cusco liegt auf 3430 m Höhe und war einst die Hauptstadt des Inka-Reichs. Sie wurde 1533 unter der Führung Pizarros erobert. 1536 versuchte Manco Inca Cusco zurück zu erobern und belagerte die Stadt. Aus allen Himmelsrichtungen marschierten die loyalen Inka-Führer mit fast 200'000 Kriegern gegen Cusco. Nur mit viel Glück  gelang es den Spaniern die Stadt zu halten. Viele Gebäude der Stadt waren danach zerstört und die Spanier bauten sie nach ihren Vorstellungen wieder auf. Sie benutzten dazu oft die Ruinen der alten Grundmauern und Tempelanlagen. Verschiedene Erdbeben zerstörten viele Kolonialbauten und nicht erdbebensichere Gebäude, doch die erdbebensicheren Grundmauern der Inka-Bauten blieben erhalten. Vor allem die Mauer des ehemaligen Palastes eines Inka-Herrschers ist ein Beispiel der Kunst wie riesige Steine bearbeitet wurden, damit sie fugenlos und ohne Mörtel aufeinander geschichtet werden konnten. Die Vollkommenheit zeigt sich im 12-eckigen Stein, der fugenlos in die Mauer eingepasst ist. Natürlich ist diese Mauer ein Anziehungspunkt für die Touristen und somit auch ein Ort der Souvenirhändler. Aber überall in der Stadt begegneten wir immer wieder Grundmauern aus der Inka-Zeit.

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Beim Durchstreifen der Stadt gab es also vieles zum entdecken. Enge und steile Gassen führten uns an wunderschön gestalteten Plätzen und Fassaden vorbei zu den Kirchen, Museen und weiteren Sehenswürdigkeiten. Es gibt ein „Boleto Turistico“, doch wir fanden dieses sehr teuer. Ausserdem waren trotzdem nicht alle Sehenswürdigkeiten eingeschlossen. So entschlossen wir uns ganz gezielt auszusuchen, was uns interessierte und liessen es darauf ankommen, ob wir Einlass finden würden. Obwohl wir sicher vieles nicht sahen, wurden wir überschüttet mit Eindrücken und mussten immer wieder Pausen einlegen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist uns das Museo de Arte Precolombino. Jeder Raum ist einer bestimmten Kultur oder einem Thema gewidmet. Die Keramiken, Holzfiguren, der Gold- und Silberschmuck und die Korallenketten in den Vitrinen sind ausgezeichnet ausgeleuchtet und ausführlich beschrieben.
Wir besichtigten auch den Convento de las Nazarenas und die Iglesia San Antonio Abad. Diese beiden Gebäudekomplexe gehören zum Hotel-Museo Monasterio del Cusco. Auch als Nichtgäste konnten wir undgehindert herum schlendern. Die Kirche wird jetzt als Tagungsraum verwendet. Wir hatten Glück, denn die Vorbereitungen für eine Tagung waren im Gange und so konnten wir auch in die sehr schön restaurierte Barockkirche hinein und das Innere mit der wunderschön geschnitzten Kanzel bewundern.

Auch die Iglesia y Convento Santo Domingo besuchten wir. Nach dem Erdbeben von 1950 entdeckten Archäologen die Überreste des ehemaligen Sonnenheiligtums Qoricancha, das ein grosses Tempelviertel war und die Residenz des Inkas Manco Capac. Wir lasen, dass der Tempelpalast ausschliesslich Inti (der Sonne) geweiht war und vor der Eroberung Pizarros die Mauern mit Goldplatten gedeckt waren. Im Garten war alles, was das Reich bot (Pflanzen, Tiere, Menschen) in Gold und Silber dargestellt. Im Haupttempel waren die Mumien der verstorbenen Inkas auf einem goldenen Thron aufgestellt. Ihre Gesichter waren mit Goldmasken verhüllt. Gekleidet waren sie in feinste Vicuñawolle, die mit Goldschmuck und Edelstein verziert war. In der Hand hielten sie ein goldenes Zepter. Was muss das für ein Wandeln in diesen Viertel gewesen sein? Wir konnten es uns nur wage vorstellen. So wandelten wir durch den grossen Klosterhof mit seinen reich bemalten Kreuzgängen. Wir sahen die verschiedenen Tempel mit den typischen Trapeznischen, in denen zur Zeit der Inkas goldene Götteridole aufgestellt waren. Im Tempel des Regenbogens liegt ein Stein. Stellt man sich auf ihn, sieht man durch ein Wandfenster der Tempelmauer in die nachfolgenden Tempel. Ausgestellt sind auch Mauersteine und wir sahen wie die Steine Zapfen und  Bolzen aufwiesen. Dadurch konnten die Mauern, ähnlich einem Lego-Baukastensystem gebaut werden und schwangen bei Erdbeben mit.
Ein weiteres Highlight war der Convento La Merced. Die Kirche des Ordens La Merced war geschlossen. Doch der Klosterhof mit dem Kreuzgang ist eine Pracht anzuschauen. Überall sind Wandmalereien angebracht. Das Glanzstück aber ist die Monstranz aus dem Jahr 1720. Sie wurde vom spanischen Goldschmied Juan de Olmos geschaffen und ist über einen Meter hoch, aus 22 kg reinem Gold und mit 1518 Diamanten, 600 Perlen und unzähligen Rubinen, Smaragden und weiteren Edelsteinen verziert.
Die Saqsaywamán, die mächtige und imposante Ruinenanlage befindet sich ganz in der Nähe des Campingplatzes. Auf dem Weg zum Automechaniker hatten wir sie schon mehrmals umfahren. Zur Besichtigung hätten wir auch hier ein Kombiticket kaufen müssen, das weitere 3 kleine Ruinenanlagen einschliesst und das war uns die fast 26 Franken nicht wert. Wir wollten auf jeden Fall Machupicchu besuchen und so begnügten wir uns die Ruine nur von aussen zu betrachten.

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In Kirchen und Museen betrachteten wir viele Bilder, Wandmalereien, Schnitzereien und Skulpturen. Oft durften wir nicht fotografieren oder es war zu dunkel. Nachdem die Spanier in Peru Kirchen, Klöster und Paläste bauten und verzierten entstand ein grosser Bedarf an Gemälden. Indigenas wurden in europäischen Maltechniken unterrichtet und es entstand die Escuela Cusqueña. Die Künstler entwickelten mit der Zeit einen eigenständigen Stil, der althergebrachte Elemente mit ihrer Sichtweise verband. Hier zeige ich 3 Beispiele, die uns besonders aufgefallen sind.

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Es hat uns so gut gefallen auf diesem Campingplatz in Cusco, dass wir 12 Tage blieben. Er liegt oberhalb der Stadt und wenn wir zu Fuss in die Altstadt hinunter gingen, sahen wir über das ganze Tal.  Auf der Wiese liefen Hühner, Enten und Hunde herum und manchmal besuchte uns eine Herde von Lamas. Andere Womoreisende aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich und den USA kamen auf den Campingplatz und so gab es viele Gespräche. Endlich putzten wir das Womo wieder einmal gründlich und liessen die Wäsche waschen. Leider war es am Abend oft sehr kühl und so verzogen wir uns in die geheizte Kabine. Gegen Ende von unserem Aufenthalt regnete es öfters und wir hofften auf gutes Wetter beim Besuch des Machu Picchus.

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Auf dem Markt San Pedro kauften wir Früchte, Käse und Gemüse. Es war ein Vergnügen zwischen den Ständen hindurch zu gehen. Es gab einfach alles zu kaufen. Küchenutensilien, traditionelle Kleider, Hüte und Schuhe wurden angeboten. Es gab Stände mit bunten Blumensträussen. Dann folgten Säcke mit Reis, Linsen, getrockneten Kräutern und Heilmitteln. Unterschiedlichste Käsesorten waren auf grossen Tischen aufgetürmt und konnten probiert werden. Fleisch in allen Variationen wartete auf Käufer und vielen Köpfen schauten wir fast in die Augen. Besser gefielen uns all die exotischen Früchte, die als Saft an Bars angeboten wurde. So konnten wir vor dem Kauf unbekannte Früchte kosten und dann gleich nebenan einkaufen. Wir liefen an weiss nicht wie vielen Sorten Kartoffeln vorbei. Nur das Salat- und Gemüseangebot war bescheiden. In riesigen Töpfen wurde gekocht und an langen Tischen sassen Menschen beim Mittagessen. In der Markthalle verdrängte ein Geruch den anderen. Wir waren überwältigt von den Farben, Gegenständen, Gerüchen, Treiben und dem Lärm, der an diesem Ort herrschte. Wenn wir dann auf die Strasse hinaus traten, empfingen uns Autohupen und Abgase. Dann waren wir froh, dass wir mit dem Taxi wieder zum Campingplatz fahren konnten.

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In der Zwischenzeit hatten wir die Eintrittskarten für Machupicchu gekauft und so machten wir uns auf den Weg. Wir fuhren nach Chinchero und besichtigten die Ruinenanlage. Die Kirche war leider geschlossen und die Wandmalerei oberhalb des Eingangsportal kaum mehr erkennbar. Doch der grosse Hauptplatz ist gesäumt von alten Inkamauern mit Trapeznischen. Ein paar Frauen sassen auf der Wiese und hatten ihre Souvenirs auf dem Boden ausgebreitet. Der Blick auf die kunstvoll angelegten Felder und ins Tal hinunter war eindrücklich. Und wieder einmal konnten wir den Bau der perfekten Mauern bewundern.

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Wir fuhren weiter durch das Valle Sagrado de los Incas und über Urubamba erreichten wir gegen Abend Ollantaytambo. Wir durften unseren Huckepack auf dem bewachten Parkplatz von Inkarail für 2 Nächte hinstellen, da wir ein Bahnticket hatten.
Am nächsten Morgen stiegen wir um 7.20 Uhr in den Zug, der uns in eineinhalb Stunden nach Aguas Calientes brachte. Von dort kommt man zu Fuss oder mit einem Bus zum Machupicchu. Vom Dorf (auf 2100 m über Meer) sieht man von Machupicchu noch nichts, denn die Ruinenanlage liegt auf einem Felssattel auf rund 2500 m. Wir nahmen den Bus, denn wir wollten so viel Zeit wie nur möglich in der Ruine verbringen und sparten uns den extrem steilen Aufstieg von 400 m über weiss nicht wie viele Treppenstufen.
Das Wetter meinte es sehr gut mit uns und wir konnten den ganzen Tag den Sonnenschein geniessen. Wir sahen den zuckerhutförmigen Waynapichu über die Stadtanlage aufragen. Ihm gegenüber sahen wir die Serpentinen des Pfades, der zum Machupicchu hinauf führt. Wir spazierten durch die ganze Anlage, setzten uns immer wieder hin. Wir liessen unsere Blicke auf die Ruinen, hinunter zum Rio Urubamba oder auf die umliegenden Berge schweifen und genossen das traumhaft Panorama. Wir stellten uns an Stelle der Touristen die ehemaligen Bewohner vor, wie sie in dieser riesigen Stadt gelebt, gearbeitet und gefeiert hatten. Wir liefen um fast jede Ecke herum, stiegen Treppenstufen hinauf und hinunter und entdeckten immer wieder etwas Neues. Wir waren bezaubert von der Atmosphäre, die am späteren Nachmittag aufkam, als feine Nebelschwaden aus dem Tal herauf kamen. Es störte uns überhaupt nicht, dass recht viele Besucher anwesend waren, denn die Anlage ist so gross, dass man bestens aneinander vorbei kommt.
Wir liefen zur Inka-Brücke, die in einen mächtigen Felsen gebaut ist. Der Weg dorthin führt durch subtropisches Gehölz. Nur wenige Besucher waren unterwegs. Dafür flogen viele Schmetterlinge um uns herum. Die Brücke ist gesperrt und ich hätte mich auch nicht gewagt sie zu benutzen. Wo heute 3 m lange Holzbalken liegen, war früher eine Hängebrücke. Dies war der zweite Zugang zu Machupicchu. Nicht nur die Brücke ist abenteuerlich, sondern auch der Pfad, der auf der anderen Seite der Schlucht weiterführt. Wir konnten uns nicht vorstellen wie Menschen nach der Brücke durch das Dickicht und am steilen Felsen weiter kamen.
Es war ein wunderbarer Tag gewesen und alles war perfekt. Deshalb nahmen wir wieder den Bus zum Bahnhof, denn wir waren müde und für den steilen Abstieg hätten wir mindestens eine Stunde gebraucht. Pünktlich verliess der Zug Aguas Calientes und brachte uns zurück nach Ollanta.
Die Ruinenanlage von Machupicchu hat uns ausgezeichnet gefallen -- sie ist einfach wunderschön und wir waren uns einig, dass sich dieser Ausflug mehr als gelohnt hatte.

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Am nächsten Morgen gingen wir ins Dorf Ollanta, damit wir die Ollantaytambo-Ruinen noch aus der Nähe anschauen konnten. Doch bei der Kirche wurden wir abgelenkt. Es war Pfingstmontag und wir hörten von überall her Musik, sahen verkleidete Menschen und es war ein riesen Spektakel. Darüber vergassen wir die Ruinen, blieben stehen und genossen den Anblick der Masken und Kostüme. Es kamen immer neue Gruppen, angeführt von Musikern und es wurde getanzt und gesungen. Die Zuschauer klatschten. Die Kirche füllte sich immer mehr und wir konnten uns nicht vorstellen, dass alle Platz finden würden. Doch die Menschen rückten auf den Bänken und im Stehen zusammen, es wurde still und der Pfarrer kam um die Messe zu halten. Wir waren beeindruckt von dem Anblick wie der christliche Glaube mit traditionellen, kultischen Bräuchen verbunden wurde.

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Nun hiess es wieder Abschied nehmen und der Weg führte uns wieder durch das heilige Tal der Inkas nach Tipon. Dort besichtigen wir die funktionsfähigen Bewässerungsanlagen. Auch hier weiss man nicht, wann genau sie gebaut wurden. Keramikfunde deuten auf die Präinkazeit hin, doch die Anlage könnte auch von den Inkas gebaut worden sein. In einigen Kanälen fliesst das Wasser und es ist eindrücklich, wie kunstvoll die Anlage aufgebaut ist, wo es Abzweigungen hat und wie der Zufluss geregelt wird. Ein Weg führt in die Hügel hinauf und dort sind Ruinen von Gebäuden. Auch dort hat es Wasserkanäle, aber es fliesst kein Wasser. Auf meine Frage warum das so sei antwortete mir eine Angestellte, dass sie immer noch nicht herausgefunden haben, wo die Quelle sei, die diese Kanäle bediene. Wir durften auf dem Parkplatz neben dem Eingang übernachten und freuten uns am nächsten Morgen über den sehr schönen Ausblick ins Tal hinunter.

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Auf der Weiterfahrt besuchten wir die Jesuitenkirche in Andahuaylillas. Äusserlich ist sie ganz unauffällig, aber das Innere ist unbeschreiblich schön. Die Kirche wird auch als „Sixtinische Kapelle Südamerikas“ bezeichnet. Der Altar ist vergoldet, die Decke und die Wände sind geschmückt mit Fresken und es hat viele Gemälde aus der Cusqueñer Schule. Weder auf der Decke noch an den Wänden gibt es ein nicht bemaltes Fleckchen. Leider durften wir auch hier nicht fotografieren.
So fuhren wir weiter nach Checacupe, weil wir gelesen hatten, dass dort eine ähnliche Kirche steht.  Zu unserer Freude war sie offen. Gegen ein kleines Entgelt durften wir fotografieren. Es war aber sehr dunkel und ohne Blitz war es sehr schwierig. Trotzdem zeige ich 2 Bilder, damit ein Eindruck von der Schönheit dieser Malereien entstehen kann.

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Unsere Reise führte uns weiter Richtung Titicacasee, doch der musste vorerst warten.
Wir freuten uns auf das archäologische Gebiet von Sillustani. Es liegt auf einer Halbinsel am Umayo-See und war eines der bedeutendsten Zentren der Colla-Kultur, die sich 1200 n. Chr. hier nieder liessen. Sie bauten die ersten Chullpas (Grabtürme). Hier begruben sie bedeutende Persönlichkeiten. Beim Begräbnis eines bedeutenden Mannes wurden bis zu 30 Lamas verbrannt, Frauen, Kinder und Diener getötet, damit sie dem Toten dienen konnten. Meistens wurden aber auch noch lebende Menschen im Grabturm eingemauert. Die meisten Grabtürme sind rund und bestehen aus fein bearbeiteten Steinen, die oft fugenlos zusammen gesetzt wurden. Zum besseren Halt wurden sie innen und aussen oft mit Lehm verschmiert. Der Eingang zum Chullpa ist gegen Osten ausgerichtet und so niedrig, dass ein Mensch hinein kriechen kann. In einigen Grabkammern hat es in den Seitenwänden Nischen. In diesen Nischen wurden Mumien in einer Hockstellung gefunden.  Die Tradition des Begräbniskults wurde von den Inkas übernommen.
Wir machten einen ersten Rundgang durch die Anlage, die heute aus 9 Chullpas der Colla und 26 der Inkas besteht. Immer wieder bietet sie eine wunderschöne Aussicht auf die Lagune, die Umgebung und die Insel Umayo, die sich gleichförmig aus dem See erhebt.
Da wir wiederum auf dem Parkplatz übernachten konnten, bot uns der Museumswärter an, abends um 6 Uhr zu ihm zu kommen. Der Museumsraum werde umgebaut und die Ausstellung sei momentan nicht öffentlich. Da es schon dunkel war nahmen wir die Taschenlampe und gingen zum Haus des Aufsehers. Es war schon etwas unheimlich als wir an die Türe klopften. Er liess uns herein, musste erst noch die Lichtschalter in einem anderen Raum anzünden und zeigte uns dann die Ausstellungsstücke. Neben Keramikfunden gab es deformierte Schädel zu betrachten, Mumien, die liegend oder sitzend im Schaukasten waren und Säcke, in denen die Mumien gefunden wurden. Ausserdem sahen wir Zeremonienmesser, Schmuck und Werkzeug. Ich war auf jeden Fall froh, als ich wieder an die frische Luft kam.
Am nächsten Morgen spazierte ich nochmals in der Anlage herum. Ich hatte sie ganz allein für mich und es war wunderschön den Vögeln zuzuhören, die Lamas und Schafe zu beobachten und die Aussicht zu geniessen.

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Vor Puna steigt die Strasse nochmals kurvenreich an und bietet am höchsten Punkt einen faszinierenden Blick auf den riesigen Titicacasee und die Stadt. In Puna angekommen stellten wir den Huckepack am Hafen ab.
Von hier aus könnte man Bootsausflüge auf die schwimmenden Schilfinseln machen. Das Volk der Uro galt als das wildeste Volk im Inkareich und hatte eine sehr dunkle Hautfarbe. Die Inka konnten sie nie unterwerfen, denn bei Auseinandersetzungen zogen sie sich zurück auf ihre Schilfinseln, die in der grossen Bucht zwischen Puno und der Halbinsel Capachica liegen. Das Volk der echten Uro ist heute ausgestorben, doch die Nachfahren versuchen die Uro-Kultur zu erhalten. Wir lasen, dass viele Familien jeweils am Morgen auf ihre Inseln fahren um Touristen zu empfangen und wir unternahmen deshalb keinen Ausflug.
Doch als wir durch die Strassen schlenderten hörten wir Musik und blickten uns um. Wir sahen mehrere Umzugswagen mit Kindern. Jetzt wurden wir neugierig und gingen auf die grosse Menschenmenge zu. Gegenüber einem Platz war eine Bühne aufgestellt und über ein Mikrofon wurden Gruppen angekündigt. Es war eine Jubiläumveranstaltung im Gange, die an das Einrichten von Institutionen für Vorschulkinder hinwies. Weniger als mehr versuchten die 3-5-jährigen Kinder im Stechschritt und einer geordneten Kolonne an der Bühne vorbei zu gehen. Natürlich standen überall Eltern, Grosseltern und Geschwister und winkten den Kleinen zu. Dann wurden Fotos gemacht. Ein Vater nahm seinen kleinen Matrosen auf den Arm und Werni musste von ihnen ein Foto machte. Jetzt bat der Vater mich neben seinen Sohn zu stellen, damit er uns ablichten konnte. Der kleine Junge war überhaupt nicht begeister und wollte absolut kein freundliches Gesicht mehr machen. Auch für mich war diese Situation unüblich, denn normalerweise sind wir diejenigen die Fotos von uns fremden Menschen machen.
Wir schauten noch eine Zeitlang dem Treiben zu, dann machten wir uns auf um einen Übernachtungsplatz zu suchen.

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Von weitem sahen wir einen interessanten Bau, der in den Titicacasee hinein ragte. Es war das Hotel Libertador, das unsere Aufmerksamkeit erregt hatte. Es steht auf der Isla Estves, ist über einen Damm mit dem Festland verbunden und liegt 5 km ausserhalb der Stadt Puno. Da wir schon seit ein paar Tagen keinen Internetzugang mehr hatten, beschlossen wir als erstes dorthin zu fahren. Bei der Schranke teilten wir mit, dass wir ins Restaurant möchten und konnten ohne weiteres auf den Parkplatz hinauf fahren. Wir setzten uns in der Bar an einen Tisch mit Blick auf den See, bestellten einen frischgepressten Saft und konnten WiFi benutzen. Wir telefonierten, luden die E-Mails herunter und genossen die Aussicht.
Als alles erledigt war, fuhren wir einen Erdweg zu einem Mirador hinauf und fanden einen wunderbaren Übernachtungsplatz. Von hier aus sahen wir auf den höchst gelegenen schiffbaren See der Welt hinunter. Er liegt auf über 3800 m und ist mit 8562 km2 fast 13mal grösser als der Bodensee. Insgesamt hat er etwa 36 Inseln. Der Blick von hier aus auf den tiefblauen See, die Schilfinseln, die Berge und den Himmel mit den Wolken war traumhaft. Wir genossen den Sternenhimmel und verbrachten eine ungestörte Nacht.
Am nächsten Morgen setzte ich mich bei Sonnenschein vors Auto und trank einen Tee. Ein 81jähriger Mann kam zu mir und ich bot ihm einen Stuhl und Tee an. So sassen wir nebeneinander, genossen die Aussicht und er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. So gut es ging, erzählte ich ihm von unserer Reise und dass uns Peru sehr gut gefalle. Als er den Tee ausgetrunken hatte, verabschiedete er sich und wünschte uns noch eine gute Reise.
Dann hörte ich das Näherkommen der Eisenbahn. Schon oft wünschte ich mir endliche einmal einen Zug zu sehen und holte schnell die Kamera, damit ich diesen Augenblick festhalten konnte.

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Geplant hatten wir, dass wir von Peru aus nach Bolivien einreisen würden. Von Günther und Doris hatten wir die Nachricht erhalten, dass sie nur mit vielen Schwierigkeiten durch Bolivien reisen konnten. Die Gewerkschaften hätten den Streik ausgerufen um höhere Renten zu erzwingen. Überall hätte es Blockaden gegeben, oft hätten sie stunden- und tagelang gewartet und hätten erst bei Dunkelheit weiterfahren können. Manchmal hätten sie grosse Umwege über schlechte Strassen genommen. Auch in der Presse lasen wir von der schwierigen Situation in Bolivien. Deshalb entschlossen wir uns über Arequipa nach Tacna zu reisen und dabei die Grenze Peru/Chile zu benutzen.
Von Puno nach Arequipa sind es ca. 380 km und die Strasse führt über 3 Pässe, wovon jeder weit über 4000 m hoch liegt. Wir freuten uns Arequipa doch noch kennen zu lernen und dachten, dass wir vielleicht auch noch den Cañón del Colca besuchen und am Aussichtspunkt die Kondore noch sehen würden. Doch der Schock war gross als wir bei einem Kontrollposten aufmerksam gemacht wurden, dass wir spätestens am 28. Mai Peru verlassen müssen, ansonsten unser Huckepack konfisziert werde. Es war schon der 24. Mai und wir hatten geplant Peru erst am 31. Mai zu verlassen, denn wir hatten mit 3 Monaten und nicht mit 90 Tagen Aufenthalt gerechnet. Zum Glück war die gesamte Strecke asphaltiert und so kamen wir gut voran.
Landschaftlich war die Strecke sehr schön und eindrucksvoll und wir sahen viele Vicuñas, Lamas und Alpacas. Wieder fuhren wir an vielen Lagunen vorbei, blickten auf schneebedeckte Gipfel und erreichten nach einer kurvenreichen Strasse Arequipa, das auf 2300 m liegt. Es war nicht einfach bei Dunkelheit in Arequipa zu fahren und wir waren sehr froh, als wir den Weg zum geplanten Hostal problemlos fanden. Dort stellten wir unseren Huckepack ab und gingen zu Fuss in die Altstadt. Auf dem Balkon eines Restaurants mit Blick auf die Kathedrale und den Hauptplatz entspannten wir uns allmählich und genossen ein Bier.

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Arequipa ist die zweitgrösste Stadt Perus und das Kultur- und Wirtschaftszentrum des Südens. Wunderschön wird die Stadt eingerahmt vom Vulkan Misti (5821 m), dem schneebedeckten Nevado Chachani (6075 m) und dem Nevado Pichu Pichu (5664 m).
Die nächsten zwei Tage verbrachten wir mehr oder weniger mit Entdeckungstouren durch die Stadt. Leider waren wieder viele Kirchen geschlossen und so konnten wir sie nur von aussen betrachten.
Doch das Kloster Santa Catalina beschenkte uns reich und wir verbrachten mehr als einen halben Tag in diesen Mauern.
1559 hatte die Stadt schon 3 Klöster für Frauen, doch damals war der Andrang so gross, dass diese nicht alle aufnehmen konnten. So beschloss der Rat der Stadt ein neues, diesmal sehr grosses Kloster zu bauen. Ein Teil vom damaligen Arequipa wurde ummauert und dadurch im neuen Kloster integriert. In dem Kloster lebten während 300 Jahren zeitweise 150 Nonnen und 400 Dienstmädchen ohne dass die Öffentlichkeit wusste, was hinter den hohen Mauern vor sich ging. Das Erdbeben von 1953 zerstörte Teile des Klosters, aber erst 1970 öffneten sich die Klostertüren für die Öffentlichkeit. Veranlasst wurde dies durch die 17 Nonnen, die damals noch im Kloster lebten.
Die Fläche des Klosters beträgt 20‘426 m2 und ist wie eine Stadt angelegt. Jede Gasse hat einen spanischen Namen, die Gärten und Werkstätten dienten der Selbstversorgung und die Wasserversorgung ermöglichte ein autarkes Leben. Über lange Zeit war die Familie einer Nonne oder Novizin weiterhin für deren Lebensunterhalt verantwortlich. Der Nachwuchs kam meist aus den Familien von reichen Spaniern, die die zweite Tochter an das Kloster abtraten.
Es war uns gar nicht bewusst, wie schnell die Zeit verging. Wir sahen die Besucherzellen wo Nonnen mit ihren Familienangehörigen sprechen konnten, ohne dass sie selber gesehen wurden. Auch Berührungen waren nicht möglich und Geschenke oder Briefe wurden durch ein Drehregal übergeben. Jedes Gespräch wurde überwacht.
Um einen Innenhof waren 8 Zimmer angeordnet, deren Fenster jederzeit zur Kontrolle offen stehen mussten. Dort wohnten höchstens 8 Novizinnen. Frühestens mit 12 Jahren konnte jemand ins Kloster eintreten und die Probezeit dauerte 1 bis 4 Jahre. In dieser Zeit durften sie keinen anderen Klosterteil betreten und keinen Besuch empfangen. Sie durfte sich nur im Zimmer, im Kreuzgang und in der Kapelle aufhalten. Nach der Probezeit musste die Novizin einen notariellen Vertrag als Nonne abschliessen.
Im Kloster selber gab es Wohnräume für die reichen Nonnen. Jede hatte neben einer Küche mehr oder weniger grosse zusätzliche Räume. Oft führte eine Aussentreppe auf ein Dach hinauf (diese Zugänge sind durch Erdbeben zerstört und heute nicht mehr zugänglich). Daneben gab einen riesigen Schlafsaal, eine Gemeinschaftsküche und einen Speisesaal.
Die verschiedenen Gassen führen zu schön gestalteten Plätzen, auf denen man sich ausruhen kann. Die Kreuzgänge sind mit Gemälden verziert. Bei der Kirche kann man auf einer Aussentreppe hinaufsteigen und hat einen wunderbaren Blick auf die Dächer des Klosters, die Stadt und die umliegenden Berge.
Für uns war eindrücklich zu sehen, dass in dieser Abgeschiedenheit so viele Nonnen über so viele Jahre leben konnten. Doch wir haben keinen einzigen Anhaltspunkt gefunden, wie und wo die bis zu 400 Dienstboten ihren Platz hatten.
Derzeit leben noch 28 Nonnen im Kloster.

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Auch in Arequipa hätten wir gerne noch viel mehr Zeit verbracht, doch wir wollten nicht erst am letzten Tag losfahren, denn es warteten nochmals fast 350 km bis wir die Grenze nach Chile erreichen würden. Und so fuhren wir durch ein immenses Wüstengebiet. Rechts und links Sand, oft in Fahrtrichtung eine schnurgerade Asphaltstrasse und nur in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Anden. Hatte ein Fluss Wasser, wurde er begleitet von einem grünen Streifen.

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Am Abend des 27. Mai erreichten wir dir Grenze zu Chile. Wir hatten von anderen Reisenden gehört, dass die Lebensmittelkontrolle sehr umfangreich und streng sei. Deshalb beschlossen wir, erst am folgenden Morgen die Grenzformalitäten in Angriff zu nehmen.
Wieder einmal hatten wir Glück. Wir trafen sowohl in Peru als auch in Chile nur auf hilfsbereite, höfliche Grenzbeamte. Die Ausreise war schnell erledigt und auch bei der Einreise wurden wir zuvorkommend behandelt. Zwar mussten wir alle Kästen öffnen, doch niemand wühlte in unseren Sachen herum. Wir erhielten die notwendigen Papiere und Stempel und konnten unsere Reise fortsetzten.
Was uns in Chile als erstes auffiel war, dass nach der Grenze kaum Verkehr herrschte. Als wir dann in Arica, der ersten Stadt Chiles ankamen, fiel uns auf, dass weder gehupt noch gedrängelt wurde. Wir stellten unseren Huckepack auf dem Parkplatz beim Friedhof ab und gingen zu Fuss weiter. Bald folgte die nächste Überraschung. Die Autos hielten an und gaben uns Zeichen, damit wir die Strasse überqueren konnten! Wir gingen zum Touristenbüro, das in der Fussgängerzone liegt und wurden mit Unterlagen eingedeckt. Dann gingen wir zum Auto zurück und fuhren zum Morro hinauf und haben einen Panoramablick hinunter auf die Stadt und aufs Meer. Hier hat es ein Museum und die Christusfigur überwacht den Zugang zum Meer. An diesem Ort haben wir jetzt schon zwei absolut ungestörte Nächte verbracht.

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Wir hatten nie erwartet, dass wir in Peru so vielen unterschiedlichen Kulturen begegnen würden. Wir waren überrascht von dem Wissen und Könne

n, mit dem präkolumbische Kulturen während tausenden von Jahren dieses Land belebten und Spuren hinterliessen, die auch heute oft noch nicht gedeutet werden können. Es hat uns aber auch oft nachdenklich gemacht, wenn wir erfuhren mit welcher Gier die europäischen Eroberer Kostbarkeiten aus Kultstätten geraubt und zerstört haben. Wir sahen, dass daraus neue Kostbarkeiten wie Kirchen und Häuser geschaffen wurden und Zeugnis von der Zeit nach der Kolonialisierung geben.
Wir haben eine einmalige Landschaft entdecken dürfen. Wir lernten die Wüste kennen, aber auch die Anden wo die Bergzüge durch tiefe Täler unterbrochen werden. Oft sind wir von der Küste über mehrere Pässe auf über4500 m hinauf gefahren und haben doch nie Schnee in den Händen gehalten. Hochebenen haben uns begleitet und wir konnten oft nicht glauben, dass wir uns auf über 4000 m aufhielten. Wir sahen Lagunen in allen Blau- und Türkistönen an uns vorbei gleiten. Leider sahen wir nur selten Tiere.
Doch für sehr viele Menschen ist das Leben, vor allem in den Bergen, sehr hart. An den steilsten Hügeln werden Felder angelegt. Gepflügt wird sehr oft noch von Hand, manchmal kann ein Ochse vor den Pflug gespannt werden. Die Ernte muss zur Strasse und oft zurück ins Dorf getragen werden. An Markttagen kommen die Menschen oft von weit her um ihre Erzeugnisse für wenige Soles anzubieten. Aber auch im Strassenbau wird mehrheitlich mit Schaufel und Pickel gearbeitet. Jeder Hobbyhandwerker bei uns hat einen besser ausgerüsteten Werkzeugkasten, als ein peruanischer Mechaniker. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und vor allem lebt ein grosser Teil der Indigenen an oder unter der Armutsgrenze. Arbeit wird aber auch auf viele Hände verteilt.
Die Landflucht ist gross und so ufern die wenigen grossen Städte aus. Vor allem am Rande von Lima, aber auch in der Wüste sahen wir Wohnstätten, deren Aussenwände nur aus Bastmatten bestanden. Da viele Häuser noch aus Adobebausteinen bestehen, die durch Regen schnell zerstört werden, sind überall Ruinen zu sehen. Die bewohnten Hütten haben oft Stroh-, Gras- oder Blechdächer und es sieht so aus, als ob sie nur einen Raum haben.
Wir haben aber überall freundliche und zuvorkommende Menschen kennen gelernt. Wenn immer möglich haben wir Früchte und Gemüse auf dem Markt eingekauft. So konnten wir ein paar Worte mit den Frauen wechseln. Nie hatten wir das Gefühl, dass wir als Touristen mehr bezahlen müssen. Oft haben wir wild gecampt, sei es in den Bergen oder an der Küste. Wenn wir in Dörfern waren fragten wir, ob wir auf dem Hauptplatz über Nacht bleiben dürfen und es wurde uns nie verwehrt. Dabei kamen wir oft ins Gespräch und wir lernten viele neugierige und interessierte Menschen kennen. Sie wollten wissen woher wie kommen, wie uns Peru gefällt und erzählten auch von ihrem Leben. Auch bei Polizei- und Militärkontrollen wurden wir immer freundlich und korrekt behandelt.
Alles in allem: Perus Natur hat uns begeistert, das kulturelle Erbe ist einzigartig und die meisten Menschen begegneten uns gegenüber ausserordentlich herzlich.