Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Chile – wir kommen wieder Drucken E-Mail
Freitag, den 05. Juli 2013 um 00:00 Uhr

Wir freuten uns auf dieses 4300 km lange und durchschnittlich nur 180 km breite Land und hoffen, ganz viel zu entdecken. Geplant hatten wir zwischen Chile und Argentinien zu pendeln, denn jetzt ist hier Winter und in Feuerland wollen wir erst zur Sommerzeit 2013/2014 sein.

Der Norden Chiles erstreckt sich auf mehr als 1000 km und die Atacamawüste beginnt in Peru und reicht bis südlich von Antofagasta. Der „Grosse Norden“ Chiles umfasst drei Regionen: Arica (175‘000 Einwohner) ist die Hauptstadt von Arica-Parinacota, Iquique (215‘000) von Tarapacá und Antofagasta (320‘000 Einwohner) von der gleichnamigen Region. Diese Hauptstädte liegen direkt am Pazifik. Im Landesinnern gibt es, ausser der Bergbaustadt Calama (140‘000 Einwohner), nur Kleinstädte. Wir durchfuhren viele kaum besiedelte Gebiete. Sandstrände, Sanddünen, schneebedeckte Vulkane, Lagunen, Salzseen und Oasen prägen die Landschaft.

Chiles Norden wurde schon sehr früh von verschiedenen indigenen Völkern besiedelt, die vom Fischen und Ackerbau lebten und Handel mit dem Andenhochland betrieben. Die Spanier kamen 1536 und gründeten Arica. Ab 1545 wurde vom Hafen Arica aus Silber aus dem Bergwerk Potosi (Bolivien) nach Europa verschifft. Bis 1879 teilten sich Peru und Bolivien das riesige Gebiet.

Anfangs des 19. Jahrhunderts entdeckte man in der Atacama-Wüste riesige Mengen von Natriumnitrat, bekannt als Salpeter. Dieser Salpeter war unverzichtbarer Grundstoff für die Herstellung von Schiesspulver. Später stellte sich heraus, dass man daraus auch Kunstdünger herstellen konnte und der Krieg um den Abbau war damit eröffnet. Eine Gesellschaft in Antofagasta war am Boom beteiligt. Als die bolivianische Regierung dieses Unternehmen zuerst hoch besteuern und dann enteignen wollte, besetzten chilenische Truppen die Stadt Arica und deren Befestigungsanlage auf dem Morro. Doch erst 1883 waren Peru und Bolivien im sogenannten Salpeterkrieg (in Chile Pazifikkrieg) geschlagen und Chile eroberte das Salpetermonopol und die Provinzen Antofagasta und Tarapacá. Damit verlor Bolivien den Zugang zum Meer, erhielt aber das Recht zur Nutzung der Häfen von Arica und Antofagasta.

In Arica genossen wir es durch die lebhafte Fussgängerzone zu bummeln. Wir mussten uns erst wieder daran gewöhnen, dass die Autos anhielten, wenn wir eine Strasse überqueren wollten und dass wir nicht mehr vom ewigen Hupkonzert der Autos begleitet wurden. Wir besichtigten natürlich auch die Iglesia San Marcos, die 1875 und das Zollgebäude, das 1874 gebaut wurden. Diese Bauwerke wurden als Fertigbau-Eisenkonstruktion errichtet und Alexandre Gustave Eiffel war ihr Architekt. Am Rande der Stadt und zu Füssen des Morro wurden im Jahr 2004 bei Bauarbeiten mehrere tausend Jahre alte Mumien gefunden. Der Fundort wurde in ein kleines Museum verwandelt und über die Mumien Glasplatten gelegt. So steht man auf dem Glasplattenboden und blickt von oben auf die Mumien hinunter. Uns mutete es etwas makaber an.

Arica

Arica

Arica

Nachdem wir Arica verlassen haben, fuhren wir auf den Altiplano hinauf. Die durchgehend asphaltierte Passstrasse schraubt sich auf weniger als 200 km vom Meeresspiegel auf 4500 m Höhe hinauf und verbindet Chile mit Bolivien. Bolivianische Lastwagen und Autobusse benutzen diese wichtige Verbindungsstrasse. Schwer beladen auf dem Weg nach Bolivien, oft auch noch mit einem Anhänger versehen fahren sie so schnell es nur geht. Die vielen Kreuze am Strassenrand, umgekippte Anhänger, total demolierte Fahrerkabinen, Container, die in den steilen Hängen liegen erzählen von den Tragödien, die auf dieser Strasse geschahen. Das entspannte Fahren der Chilenen vermissten wir, sobald wir uns auf Verbindungsstrassen Richtung Bolivien oder Argentinien befanden.

Entlang dem Rio Lluta ist ein breiter, bepflanzter Streifen und die Felder leuchteten in sattem Grün. Fällt die Bewässerung weg, sieht man nur noch Sand. In Poconchile besichtigten wir eine der ältesten Adobekirchen in dieser Region. Wunderschön konstruiert ist die Holzdecke und der Innenraum ist sehr schlicht ausgestattet. Es gibt nur ein paar Wandbilder und in einer Nische ist die Skulpturengruppe mit Jesus am Kreuz Besonders überrascht waren wir vom Friedhof. Ausser ganz einfachen Gräbern oder nur durch ein Holzkreuz markiertes Grab gibt es viele monumentale Grabstätten. Sie sind überdacht und mit Sitzbänken ausgestattet. Künstliche Blumengebinde schmücken die Grabsteine. Doch der Wind verstreut die als Vasen genutzten Petflaschen über den ganzen Friedhof und auf den Gräbern sahen wir viele leere Bierdosen stehen.

Poconchile

Poconchile

Poconchile

Dann schraubt sich die Strasse steil bergauf durch eine eher ungastliche Hochwüste. Ganz lange sahen wir hinunter ins Tal und auf die grünen Felder, die zwischen den kahlen Bergen lagen. Weiter oben fielen uns die weit ausladenden Kandelaberkakteen auf. Und dann tauchten vor uns die ersten schneebedeckten Bergspitzen auf. Nach etwa 150 km erreichten wir Putre, das bereits auf 3500 m Höhe liegt. Putre ist mit ca. 1200 Einwohnern der einzige grössere Ort auf der ganzen Strecke. Er ist umgeben von grünen Terrassenfeldern und liegt zu Füssen der Gipfel der Nevados de Putre. 1580 wurde er als Station für die Silbertransporte aus Potosi gegründet. Hausmauern sind mit Szenen aus dem Alltag geschmückt. Leider war die Kirche geschlossen und wir konnten sie nur von aussen bewundern. Wir stellten unseren Huckepack auf dem Hauptplatz ab, kauften ein paar Lebensmittel ein und weil es noch warm genug war, setzten wir uns auf eine Parkbank und genossen ein Eis. Wir sahen nur ein paar Erwachsene und Kinder und erfuhren, dass an einem anderen Ort ein Fest stattfinde. Nach dem Abendessen verbrachten wir eine absolut ruhige Nacht. In Arica wollten wir an der Tankstelle Getriebeöl kaufen, doch sie hatten keines vorrätig und wir nahmen an, dass wir unterwegs welches kaufen könnten. Doch auf der ganzen Strecke und auch in Putre gab es keine Tankstelle. Es gab nur ein Hotel, das Diesel oder Benzin in Kanistern verkaufte. Wir wussten nicht, wie viel Getriebeöl wir verloren hatten und nun einige Tage durch kaum bewohntes Gebiet fahren würden. Auf keinen Fall wollten wir in der Pampa stecken zu bleiben und entschlossen uns nach Arica zurück zu fahren. Wer nicht denkt, der fährt.

Weg Arica

Weg Putre

Putre

Doch auch die Rückfahrt war wunderbar und so waren wir bald wieder in guter Stimmung. Wir beschlossen die Strasse über Codpa und Belem zu fahren um wieder auf den Altiplano zu gelangen. Um ins Valle de Codpa zu gelangen mussten wir auf der Panamericana durch eine fast endlos scheinende, flache Steinwüste fahren. Es gab kaum Vegetation bis endlich die Strasse zu einer Flussoase hinunter fiel. Kurz vor der Abzweigung standen plötzlich riesige Skulpturen mitten im Wüstensand, die wir gebührend bewunderten, Ich stellte mich zwischen die Beine einer der Figuren. Da nützte auch das Ausbreiten der Arme und Beine nichts. Wie klein und unscheinbar kam ich mir plötzlich vor Leider fanden wir nicht heraus, warum sie gerade dort hingestellt wurden. Es gab auch keinen Hinweis auf den Künstler.

Eine Asphaltstrasse führte uns hinauf in eine zerklüftete Hochwüste. Nur vereinzelt sahen wir Kakteen. Doch es war spannend. Nie wussten wir, was und welcher Ausblick uns nach der nächsten Serpentine erwarteten. Wir waren fasziniert von den Schluchten, die vom Wind und Regen geschaffen worden waren. Nach einer Kurve sahen wir ein Meer von Steinpyramiden. Kunstvoll waren die Steine bei einigen bis zu einem Meer hoch aufgeschichtet. Auch hier war es ein Mysterium warum gerade an diesem Platz so viele Pyramiden stehen. Wir stiegen aus und tranken am Strassenrand einen Kaffee. Dann wanderten wir zwischen den Pyramiden umher und sahen hinunter in die zerklüfteten roten Felswände.

Weg Codpa

Weg Codpa

Weg Codpa

Schliesslich erreichten wir Codpa, das in einer tief eingeschnittenen Schlucht auf 1850 m liegt und etwa 160 Einwohner hat. Auf den bewässerten Feldern gedeiht neben Orangen und Guajaven eine ganz spezielle Traubensorte aus der ein schwerer süsser Wein hergestellt wird. Wir durften neben der Kirche und der Polizei den Huckepack abstellen. Als wir durch dieses kleine Dorf gingen, sahen wir leider auch hier kaum Menschen. Die Restaurants und der Dorfladen waren geschlossen. Als wir jedoch zur Kirche zurück kehrten, war diese offen und wir konnten einen Blick hinein werfen. Am nächsten Morgen durften wir mit dem Wasserschlauch der Polizei unseren Tank auffüllen. Der Beamte erzählte uns viel von den Geoglyphen, die in der Umgebung zu besichtigen seien. So machten wir uns auf den Weg und fanden die Scharrbilder. Über steile Pfade kletterten wir die Hügel hinauf um immer neue Bilder zu entdecken. Leider streikte die Kamera und so mussten wir uns mit dem Ansehen begnügen.

Eine mehr oder weniger gute Erdpiste führte uns auf der „Route der Missionare“ weiter. Immer wieder ging es steil bergauf und bergab, einige, meist nur wenig wasserführende Flussbette mussten wir durchqueren und viele Dörfer wirkten wir ausgestorben. Leider waren auch alle Kirchen geschlossen und wir konnten sie nur von Aussen betrachten. Dafür konnten wir uns überall hinstellen, erlebten sternenklare Nächte und fühlten uns immer sicher.

Codpa

Codpa

Belem

In Putre füllten wir noch etwas Diesel in den Tank, damit wir ganz sicher die kommende Strecke problemlos fahren konnten. Als erstes ging es auf der Passstrasse Richtung Bolivien weiter. Schon von weitem sahen wir die Vulkane Pomerape, Parinacota und Sajama, die alle mehr als 6200 m hoch sind. Wir fuhren an den Lagunas de Cotacotani vorbei und sahen Flamingos und andere Wasservögel bei ihrer Nahrungssuche und es begegneten uns viele Lamas und Vicuñias. Wir fuhren bis zum Lago Chungará, der auf 4570 m Höhe liegt. Er soll der höchst gelegene See der Erde sein. Wir stellten unseren Huckepack auf dem Parkplatz des Informationszentrums des Nationalparks Lauca ab und genossen einen kleinen Spaziergang. Wunderschön spiegelten sich die Vulkane Parinacota und Sajama im See. Bald wurde es uns zu kalt und wir zogen uns ins Womo zurück, kochten unser Abendessen und blickten durchs Fenster hinaus auf den Sternenhimmel.

Weg Chungara

Weg Chungara

Weg Chungara

Die Überraschung war gross als wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück und einem kurzen Spaziergang am See entlang weiter fahren wollten. Der Motor sprang nicht an. In der Nacht war es so kalt geworden, dass der Diesel in der Dieselpumpe eingefroren war. Zum Glück hatte Werni eine gute Idee. Als erstes füllte er Dieselfrostschutz in den Tank ein. Ruedi hatte uns damals empfohlen diesen mitzunehmen. Wir fuhren ihn schon fast 4 Jahre mit uns herum ohne ihn je gebraucht zu haben. Jetzt waren wir froh, dass wir ihn dabei hatten. Als nächstes enteiste Werni mit heissem Wasser die Dieselpumpe, denn es war nicht sicher ob die Temperaturen über den Gefrierpunkt steigen würden. Nach einigen Fehlstarts war es dann so weit, dass der Motor lief und bald danach konnten wir abfahren. Als erstes besuchten wir die Kirche von Parinacota, die leider auch geschlossen war. Doch der Anblick und die Konstruktion des Gebäudes und des Turms gefielen uns sehr gut. Diese Kirche wurde 1789 gebaut. Der wuchtige, gestufte Glockenturm ist Bestandteil der Mauer, die die Kirche umgibt.

Parinacota

Parinacota

Parinacota

Jetzt war es aber an der Zeit tiefer in die Nationalparks Lauca- (138 ha), Las Vicuñas- (210 ha) und Volcan Isluga (175 ha) hinein zu fahren. Diese Parks sind praktisch menschenleer und man bewegt sich auf einer Höhe von über 4000 m. Nur im Ort Putre kann man ein letztes Mal Diesel kaufen. Auf der ganzen Strecke gibt es nur ganz wenige Restaurants und Übernachtungsplätze. Wir hatten uns mit genügend Lebensmitteln eingedeckt und wussten, dass wir genügend Gas zum Kochen und Heizen hatten. Aber als wir ein polnisches Paar kennen lernten, das mit dem Fahrrad diese Strecke zurück legen wollte, bewunderten wir ihr Vorhaben.

Auf einer Erdpiste legten wir Kilometer um Kilometer zurück. In Guallatire gab es wieder eine Kirche von aussen zu bewundern. Auch hier sahen wir während unserem Aufenthalt keinen einzigen Menschen. Doch wieder sahen wir viele Vicuñas und lernten Vizcachas (Verwandte der Chinchillas) kennen. Sie sehen aus wie Hasen, haben aber einen langen Schwanz. Auch sahen wir Nandus, die aber sehr scheu sind und sich kaum fotografieren liessen. Die Schönheit der Landschaft lässt sich kaum beschreiben. Immer wieder sahen wir die schneebedeckten Gipfel von Vulkanen und vor uns breiteten sich endlose Flächen aus. Die Bilder geben etwas von unserer Faszination preis.

Surire

Weg Surire

Guallatire

Als wir zum „Monumento Natural Salar de Surire“ kamen, waren wir sprachlos von den vielen Flamingos, die sich im Wasser aufhielten und hier genügend kleine Krebse als Nahrung finden. Der Salar ist 17‘500 ha gross, ist auf ca. 4200 m Höhe und liegt weiss zwischen rotbrauen Höhenzügen. Wir fuhren an den paar Häusern von Chilcay vorbei und fanden ein Plätzchen am See. Auf der einen Seite hatten wir die schneebedeckten Gipfel, auf der anderen war der See. Ganz nah sahen vielen Vicuñas beim Aasen zu. Auch sie beobachteten uns aufmerksam. Am Abend gingen sie in Gruppen gemächlich die Hügel hinauf, am Morgen kamen sie wieder zum See hinunter. Wir spazierten am Rand des Sees und konnten die Flamingos ganz aus der Nähe beobachten. Am frühen Morgen waren die Salzkrusten am Lagunenrand gefroren und dann konnten wir darauf gehen wie auf Schnee. Dadurch kamen wir den Flamingos noch näher und wir konnten uns kaum sattsehen wie sich die umliegenden Hügel und die Flamingos im absolut ruhigen Wasser spiegelten.

Surire

Surire

Surire

Wir wussten, dass wir auf der Weiterfahrt zu einer naturbelassenen Thermalquelle kommen würden und freuten uns darauf. Doch zuerst kamen wir an einer Schürfstelle vorbei. Eine private Gesellschaft hat das Recht mitten in einem Naturschutzgebiet Borax in grossen Mengen abzubauen. Schon von weitem heben sich die riesigen Lastwagen und Maschinen vom weissen Salz ab. Wir aber fuhren immer noch auf der Erdstrasse. Dann wählten wir an einer Abzweigung die Spur, die auf die weisse Fläche führte. Der Untergrund war stein hart und wir folgten einer Fahrspur. Doch es ging nicht lange und wir sahen schon von weitem ein rotes Auto auf uns zufahren. Wir wurden unmissverständlich gebeten dieses Gelände zu verlassen und wurden bis zur Abzweigung zurückbegleitet. Es war schon ein tolles Erlebnis auf Salz und nicht auf Schnee zu fahren.

Nach etwa 2 Stunden sahen wir schon von weitem Dampf aufsteigen. Das mussten die Thermalquellen Polloquere sein. Bis jetzt hatten wir jeden Tag strahlend blauen Himmel, Sternen klare Nächte und tagsüber wärmte uns die Sonne, wenn wir an einer windgeschützten Stelle sassen. Doch wir freuten uns auf ein heisses Bad. So nah wie nur möglich stellten wir den Huckepack ab, zogen die Badehosen an und tappten vorsichtig in Wasser. Der Boden war richtig schlammig, die Luft vom Schwefelgeruch geschwängert und das Wasser fühlte sich im ersten Moment sehr heiss an. Doch die Schlammtümpel waren nicht tief und wir konnten im mehr oder weniger heissen Wasser umher waten. Wir fanden moosbewachsene Steine, die uns als Liegen dienten und genossen es in diesem Panorama zu baden. Der absolute Höhepunkt war, als 2 Flamingos und verschiedene Wasservögel auch noch in unseren Tümpel kamen.

Gegen Abend wurde es bewölkt, doch wir hofften auf den nächsten Tag. Doch als wir aufstanden, war es noch um einiges kälter geworden und die Bewölkung hatte zugenommen. Wir entschlossen uns für ein letztes Bad und fanden auch das Wasser nicht mehr so heiss. Die Flamingos waren immer noch bei ihrer Futtersuche, weitere Wasservögel kamen angeflogen und bald sahen wir auch die Vicuñas wieder.

Surire

Surire

Surire

Auf der Weiterfahrt trafen wir die beiden Polen mit ihren Fahrrädern wieder. Sie waren richtig eingemummt. Sie erzählten uns, dass sie in Schlafsäcken auf 4800 m Höhe übernachtet hätten. Wir boten ihnen an etwas Warmes zu trinken und sich aufzuwärmen, doch sie lehnten ab. Sie wollten so schnell wie möglich zu den nächsten Häusern kommen und hofften dort eine Unterkunft zu finden. Wir konnten uns vorstellen wie hart ihre Reise war, denn die Piste führt auf einer Höhe zwischen ca. 3800 und 4800 m Höhe immer wieder hinauf und hinunter, hat Löcher, Fahrrinnen, Schotter oder Wellblechprofil. Wir hatten schon Mühe beim Atmen, wenn wir uns etwas schneller bewegten und schliefen auch nicht besonders gut. Wäre die Landschaft nicht so toll, hätten wir nicht so viele Tiere gesehen und wären die Tage nicht so sonnig gewesen, hätte die Piste uns zermürbt.

Wir erreichten Isluga am späten Nachmittag und stellten unseren Huckepack bei einer der schönsten Adobe-Kirchen ab. Nach einem kurzen Rundgang zogen wir uns in die Kabine zurück, denn der Himmel war bewölkt und es war kalt.

Am nächsten Morgen schlenderte ich nochmals durch die Gassen. Es war schon etwas unheimlich. Die Siedlung ist vollständig verlassen, nicht einmal Hunde habe ich gesehen. Einige Häuser waren abgeschlossen, bei andern gab es keine Türen und so konnte ich hinein schauen. Sie bestanden aus nur einem Raum und manchmal gab es auch ein Fenster. Oft war der Boden mit leeren Bierdosen und Petflaschen übersät, in manchen Räumen hatte es Girlanden.

Wir lasen, dass die Siedlung ein „Ritualdorf“ der Aymara sei und sie nur an ihren hohen Feiertagen hier zusammen kommen. Dann ist das Dorf für einige Tage bewohnt. Der Versammlungsort ist der Platz neben der Kirche und auf diesem halten sie heute noch ihre Feste ab. Die spanischen Missionare liessen ihre Kirchen oft mit Absicht neben dem Versammlungsort der Indigenen errichten und mit einer Mauer umschliessen. Die Feiertage der Aymara fallen manchmal mit katholischen Feiertagen zusammen, haben aber einen ganz anderen Ursprung. Nur auf Druck der Eroberer hätten sie christliche Elemente übernommen, ihre eigenen aber beibehalten.

Der Himmel war stark bewölkt und wir fuhren weiter. Nach 6 km erreichten wir die Strasse, die Iquique mit Bolivien verbindet. Auf dieser Asphaltstrasse kamen wir natürlich viel schneller vorwärts. Unterwegs begann es leicht zu schneien. Zum ersten Mal seit unserem Südamerika-Aufenthalt wurde unsere Frontscheibe von kleinen Schneeflocken berührt, doch schon bald sahen wir wieder eine Oase in einer Schlucht.

Isluga

Isluga

Weg Tarapaca

In Tarapaca machten wir Mittagspause. Wir besichtigten die Kirche. 2005 wurde die alte Kirche durch ein Erdbeben zerstört und 2007 wieder aufgebaut. Noch nie hatten wir eine Kirche mit  Schiffen in dieser Art gesehen. Bis jetzt hatten wir immer Kirchen aus der Kolonialzeit besichtigt und jetzt konnten wir auch wieder einmal eine Kirche von innen sehen. Wir beobachteten wie eine Gruppe von Kindern und Erwachsenen den Inhalt einer Büchse Stück um Stück in einen Opferstock fallen liess. Die Kinder lachten und tollten in der Kirche herum. Doch ganz beeindruckt waren wir von der Darstellung des „Letzten Abendmahls“.

Wahrscheinlich waren wir zu schnell von über 4500 m auf 1350 m Höhe herunter gefahren. Auch war es wieder sonnig und heiss. Nachdem wir die Kirche verlassen hatten, versagte Wernis Kreislauf und er musste sich sofort auf den Boden setzen. Sofort kamen zwei Frauen, die helfen wollten. Wir beruhigten sie und sagten, dass wir nur etwas warten müssten. Als Werni wieder aufstehen konnte, gingen wir ins nahe Restaurant um etwas zu essen. Natürlich hatte Werni keinen grossen Hunger, doch die Suppe schmeckte uns beiden ausgezeichnet. Auch die Hauptmalzeit war sehr gut, doch die Portionen viel zu gross. Die Wirtin glaubte, dass es uns nicht geschmeckt hatte. Wir baten sie die Resten einzupacken, damit wir sie, zusammen mit ihrem selbstgebackenen Brot mitnehmen könnten. So hatten wir auch noch eine sehr gute Mahlzeit am nächsten Tag.

In Tarapaca wollten wir nicht übernachten und so fuhren wir weiter zum „Gigante de Atacama“. Mitten in der Wüstenebene steht isoliert der Cerro Unita, auf dessen Westseite wir einen riesigen Geoglyphen bewundern konnten. Mit seiner Länge von 86 m ist er eine der grössten menschlichen Figuren, die je gefunden wurden. Vermutlich stellt die Figur einen indianischen Herrscher oder eine Gottheit dar. Sie trägt eine Maske und einen Federschmuck. Gut zu sehen waren der lange eckige Körper und die Gliedmassen. Die neben dem Riesen stehenden Figuren konnten wir nicht erkennen.

Nachdem wir unser Auto abgestellt hatten, kamen nur noch zwei Gruppen, dann waren wir ganz alleine. So verbrachten wir eine ruhige und total ungestörte Nacht im Schutz des Riesen.

Tarapca_02

Tarapca

Gigante de Atacama

Anschliessend besuchten wir die Salpeterstadt Humberstone. Das „oficina“ (so nannte man die Abbaustelle) wurde 1872 gegründet. Rund um die Industrieanlage entstand eine Kleinstadt. Mit der Zeit wurden immer mehr Häuser gebaut, es gab Freizeitanlagen, Restaurants, verschiedene Geschäfte und Märkte, eine Schule, ein Hotel, eine Kirche, ein Spital und sogar einem Theater. Zwischen 1933 und 1949 wohnten ca. 3700 Menschen in Humberstone. Die Arbeiter und ihre Familien gehörten de facto den Minenbesitzern, ihnen gehörten alle Gebäude. Der Lohn wurde mit Münzen ausgezahlt, die nur in dieser Stadt gültig waren. 1959 wurde die Industrieanlage geschlossen, die Menschen zogen weg und die Anlagen rosteten dahin. 2005 wurde Santiago de Humberstone & Santa Laura (eine andere, kleinere Stadt in Sichtnähe von Humberstone) von der UNESCO zum Kulturerbe der Menschheit erklärt.

Man kann sich nicht vorstellen wie gross diese Anlage ist. Wir stöberten durch die alten Fabrikhallen der Industriezone. Hier wurden gegossen, geschmiedet und gehämmert. Für die Maschinen mussten Reparaturteile gefertigt werden. Sogar das Werkzeug dazu wurde selber hergestellt. Einige Häuser wurden als Museum eingerichtet. Doch sonst liegen verrostete Maschinen und Autos in der Anlage herum. Die Holzböden in den Werkhallen sind teilweise vermodert, die Blechdächer verrostet und die Wände zum Teil eingestürzt. Es war wichtig mit offenen Augen und vorsichtig im Gelände herum zu gehen. Wir stiegen auf einen Aussichtspunkt hinauf um einen Überblick über die Anlage mit dem Wohnquartier zu haben. Wir gingen durch Wohnhäuser, sahen Hinterhöfe, spazierten über die Plaza und fragten uns, wie es wohl für Kinder, die hier aufwuchsen, sei, zurück in diese Verlassenheit zu kommen. Da nichts speziell herausgeputzt wurde und der Ort einfach so erhalten ist, konnten wir uns das Leben hier recht gut vorstellen. Für uns war es sehr eindrücklich.

Salpetersaline Humbertstone

Salpetersaline Humbertstone

Salpetersaline Humbertstone

Als wir am Strand von Iquique entlang fuhren sahen wir auf einem Parkplatz auf der Seite zum Meer einige Womos. Das scheint ein sicherer Platz zu sein und vielleicht lernen wir auch noch andere Reisenden kennen, dachten wir. Nach dem Parkieren stellten wir fest, dass diese Womos zum Verkauf ausgeschrieben waren. Die Besitzer standen herum und im Gespräch sagten sie uns, dass wir hier absolut sicher und unbehelligt seien. So blieben wir gleich mehrere Tage, denn ganz in der Nähe war ein Einkaufszentrum und damit hatten wir auch einen Internetzugang.

Von unseren Stellplatz aus gingen wir zu Fuss ins historische Zentrum. Es war zwar etwas weit, doch wir kamen an sehr schönen Kolonialbauten vorbei. Auch gibt es eine schöne Promenade am Meer entlang. Auf einem Holzsteg geht man über die Wiese und über künstlich angelegte Seen. Daneben gibt es einen Fahrradweg, wie wir zu unserem Erstaunen feststellten. Wir kamen am imposanten Bau des Casinos vorbei und schlenderten durch den palmenbewachsenen Park. Auch im historischen Zentrum gibt es wieder hölzerne Gehwege und viele schöne renovierte Fassaden.

Mitten auf der Plaza Prat, in einem Park und umgeben von hoch gewachsenen Palmen, steht der Uhrturm, der 1877 als Wahrzeichen von Iquique aufgestellt wurde. Parkbänke laden zum Verweilen ein und Imbissbuden bieten leckere Kleinigkeiten an. Ein abgestellter Bahnwagen auf Schienen dient Passanten zum Ausruhen und als Sonnenschutz.

Um den Platz herum befinden sich, ausser sehr schöne restaurierten Häusern, das „Teatro Municipal“ von 1890, das Gebäude der „Sociedad Protectora de Empleados de Tarapacá“ von 1913 (eines der ersten Gewerkschaftshäuser des Landes) und das blau gekachelte Centro Español, das 1904 in maurisch-spanischem Stil gebaut wurde.

Nach unserem langen Marsch setzten wir uns beim Platz in ein Strassenrestaurant und sahen dem quirligen Treiben zu. Dann besuchten wir das neoklassizistische Teatro Municipal, das 1890 als Opernhaus eingeweiht wurde. Endlich standen wir wieder einmal auf der Bühne, die die Welt bedeutet. Wir konnten die Artistenzimmer besichtigen, die bei weitem nicht so prächtig wie die Logen und die Eingangshalle waren. Wir warfen auch noch einen Blick ins Gewerkschaftshaus hinein. Anschliessend besuchten wir das Museo Regional. Und wieder einmal konnten wir uralte Mumien und Tierskelette ansehen. Eindrücklich dargestellt ist aber die Natur- und Kulturgeschichte der Region. Besonders schön fanden wir den Nachbau eines Aymara-Dorfes.

Einen ganzen Nachmittag verbrachten wir in der Freihandelszone. Die „Zofri“, wie sie genannt wird beschäftigt ca. 10‘000 Menschen in mehr als 1‘000 Unternehmen. Es ist gar nicht möglich an einem Tag die mehr als 100 Läden zu besuchen. In der Zwischenzeit funktionierte das WiFi bei Wernis Notebook nicht mehr und so suchten und fanden wir ein Gerät für einen externen Internetzugang. Da hier aber vor allem elektronische Güter am billigsten sind, entschlossen wir uns zum Kauf einer Kamara und einem Feldstecher. Bis wir diese 3 Sachen endlich gefunden hatten, waren wir erschöpft und flüchteten aus diesem unendlich grossen und mit Menschen überfüllten Einkaufsparadies.

Iquique

Iquique

Iquique

Auf der Küstenstrasse fuhren wir weiter nach Süden und hatten immer wieder sehr schöne Ausblicke aufs Meer. Irgendwann nahmen wir eine Abzweigung zu einem Dorf, fuhren auf einer Sandpiste noch etwas weiter und blieben ein paar Tage auf einer wunderschönen Anhöhe über dem Meer. Zum Baden war vor allem das Meerwasser zu kalt und die Brandung zu stark. Werni musste auch wieder einmal einiges am Auto reparieren. Ich beschäftigte mich Kochen, Putzen und mit langen Spaziergängen. Manchmal sassen wir im Windschatten, dösten, lasen und hörten die Brandung und aus der Ferne Seelöwen. Dann wieder beobachteten wir Pelikane bei ihren Flügen. Mit dem neuen Feldstecher konnten wir die Seelöwen auf einem kleinen Felsen sehr gut beobachten.

Bis Tocopilla folgten wir noch der Küstenstrasse, dann fuhren wir ins Landesinnere und nach Calama. In Maria Elena machten wir einen Zwischenstopp. Noch heute wird hier Salpeter gefördert und der Salpeterkomplex zählt mit Abstand zu den Modernsten der Welt. Das hätte uns interessiert, doch das interaktive Museum war geschlossen. Ausserdem war es sehr heiss. Wir kauften ein Eis und schleckten es mit dem grössten Vergnügen auf einer Parkbank. Dabei sahen wir, wie viele Vorbeigehende unseren Huckepack beobachteten und darüber diskutierten. Nach einem kurzen Gang durch den Ort fuhren wir weiter.

Calama liegt auf 2284 m Höhe und hat nichts Besonderes zu bieten. Wir wollten aber die weltgrösste, offene Kupfermine besuchen. Schon bei der Fahrt nach Calama hatten wir die immensen Abbauhalden gesehen, sahen wie eine Glocke von Staub über dem Gebiet lag und erspähten in der Ferne gigantische Lastwagen. Wie freuten uns wieder einmal auf einen Campingplatz zu sein, um warm zu duschen, die Wäsche zu waschen und den Sand aus unserem Womo zu entfernen. Auch war es an der Zeit unsere Lebensmittelvorräte zu ergänzen.

Wernis Geburtstag feierten wir mit einem Sektfrühstück. Anschliessend baten wir den Campingbesitzer uns für den Nachmittag eine Tour in die Kupfermine zu organisieren. Telefonisch buchte er die Tour und ein Taxi, das uns um 12.30 Uhr abholen sollte. Er erklärte uns, dass wir uns umziehen müssen. Wegen der Kontamination der Erde müssen wir mit langen Hosen, geschlossenen Schuhen, langärmlichen Jacken und einer Kopfbedeckung ausgestatten sein. Kaum waren wir umgezogen teilte er uns mit, dass die Führung nicht stattfinde, weil zu viel Wind aufgekommen sei. Dieser verteile den Kupferstaub in der Luft und die Gefahr kontaminiert zu werden sei viel zu gross.

Später hatten wir Skype-Kontakt mit Doris und Günther. Sie waren von Argentinien über den Sica-Pass nach San Pedro de Atacama gefahren und wollten dort noch Sehenswürdigkeiten besuchen, die auch wir auf unserem Programm hatten. So beschlossen wir am nächsten Tag direkt nach San Pedro de Atacama zu fahren und später die Minen zu besuchen.

Weg Calama

Weg Calama

Calama

In der Nacht windete es sehr stark und der Himmel war am nächsten Morgen bedeckt. Es wurde richtig kalt und begann zu regnen, der in Graupenschauer überging. Den Campingbesitzer freute das, uns weniger. Er erzählte uns, dass das seit mehr als 15 Jahren nicht mehr vorgekommen sei. Wir machten uns und das Auto startklar, kauften für die nächsten Tage im nahen Supermarkt ein und fuhren nach San Pedro. Wieder mussten wir einen Pass von mehr als 3500 m überqueren. Zwischendurch erlebten wir Sandstürme, die die Sicht auf ein paar Meter reduzierte.

Am späteren Nachmittag kamen wir an und die Wiedersehensfreude mit Doris und Günther war gross. Am Abend assen wir gemeinsam und es gab viel zu erzählen. Sie informierten uns, dass die 2 Pässe nach Argentinien geschlossen seien und sie als letztes Fahrzeug den Paso de Sica vor drei Tagen überqueren konnten. Das waren natürlich schlechte Nachrichten für uns, denn wir wollten in den nächsten Tagen entweder über den Paso de Jama oder den Paso de Sica nach Argentinien reisen.

Bevor wir schlafen gingen beschlossen wir am folgenden Tag die Geysire El Tatio zu besuchen und dann in den Naturpools mit Thermalwasser zu baden. Freunde hatten ihnen empfohlen über Rio Grande zu fahren, denn diese Strecke sei für ihr Fahrzeug geeignet

Am nächsten Morgen war der Himmel blau, doch der Wind hatte noch nicht nachgelassen. Wir fuhren die empfohlene Strecke und hatten grandiose Ausblicke. Nur manchmal verstellten uns Vierbeiner den Weg. Doch als wir hinter dem Dorf Rio Grande weiter fahren wollten, war endgültig Schluss. Das erste Hindernis konnte Günther dank den Zeichen von Doris noch überwinden, doch das nächste Flussbett war für ihr Fahrzeug unüberwindbar. Es wurde also nichts mit Geysiren und Thermalbädern, doch der Ausflug war dennoch wunderschön gewesen. Am nächsten Tag erfuhren wir von anderen Reisenden, dass sie eine andere Route gewählt hatten um zu den Geysiren zu kommen, doch der Schnee hätte sie zum Umkehren gezwungen.

Wir waren uns einig, dass wir bei der Rückfahrt die Abzweigung ins Valle de la Luna nehmen um so nach San Pedro zurück zu kehren. Doch auch daraus wurde nichts, denn die Barriere war geschlossen. So fuhren wir zum Haupteingang. Hier wurde uns mitgeteilt, dass sie wegen dem starken Wind die Strasse nicht öffnen durften.

Wir fuhren ins Dorf zurück und Doris kochte ausgezeichnete Rahmschnitzel mit Nudeln. Bei einem Glas Wein machten wir es uns gemütlich, lachten und planten den nächsten Tag.

 San Petro de Atacama

San Petro de Atacama

San Petro de Atacama

Es begrüsste uns ein sonniger und windstiller Tag und wir machten uns auf ins Valle de la Luna. Das Tal war zu Urzeiten ein See, dessen Boden bei seismischen Erschütterungen in die Höhe gedrückt und aufgefaltet wurde. Wind und Wetter schufen in Jahrmillionen bizarre Formen, Türme und Figuren. Was aussieht wie Schnee ist Salz.

Zum Glück hatten sie uns beim Eingang gefragt, ob wir Taschenlampen hätten. Sonst hätten wir nicht durch diese stockdunklen Höhlen klettern können. Manchmal ging es nur nach auf allen Vieren weiter, so eng waren die Schluchten. Dann mussten wir wieder auf die nächste Ebene hinauf klettern. Viel Spass bereiteten uns die Sanddünen. Wir stapften wie im Schnee, rutschten aus und manchmal ging es ein Schritt vorwärts und waren doch wieder an derselben Stelle. Der Ausblick von der höchsten Düne war absolut grandios. Wir sahen tief in die zerklüfteten Täler hinunter, am Horizont waren die schneebedeckten Gipfel zu sehen und das alles bei Sonnenschein und blauem Himmel. Der Sand enthielt alle Brauntöne und es gab wunderschöne Kontraste zu den Salzfeldern und Felsen. Viele tolle Bilder können in der Galerie bewundert werden.

Valle de la Luna

Valle de la Luna

Valle de la Luna

Noch zwei Tage blieben wir auf einen ruhigen Platz von dem aus wir ins Valle de la Luna blicken konnten und gegen Abend wurde grilliert. Zum draussen Essen war es viel zu kalt, doch bevor wir schlafen gingen, bestaunten wir den Vollmond und die Sterne. Dann fuhren wir nach San Pedro de Atacama zurück um nachzufragen, ob die Pässe wieder offen seien. Nein, war die Antwort und der Schnee liege so hoch, dass sie überhaupt nicht wissen, wann sie die Pässe öffnen können. Ausserdem blase der Wind immer noch sehr stark.

Günther und Doris hatten beschlossen an die Küste zu fahren und von dort aus weiter südwärts. Sie hofften, dass sie später über einen anderen Pass nach Argentinien fahren können. Wir fragten den Campingbesitzer ob die Passstrasse Huara- Colchane - Oruro (Bolivien) offen sei und er meinte, dass der Kälte- und Schneeeinbruch nur diese Region so stark betroffen habe. Werni und ich wollten nicht mehr länger warten und beschlossen zurück nach Huara zu fahren und dann den Pass bei Colchane nach Bolivien zu nehmen. Doris und Günther wollten auf keinen Fall mehr nach Bolivien zurück, denn sie hatten sehr schlechte Erfahrungen mit Strassenblockaden gemacht.

Gemeinsam fuhren wir zurück nach Calama, kauften im Jumbo gross ein und fuhren auf den Campingplatz. Es gab ein letztes gemeinsames Nachtessen und am nächsten Morgen fuhren wir ab Richtung Huara. In der Nähe von Maria Elena konnten wir die Asphaltstrasse Richtung Norden nehmen und kamen gut voran. Wir fuhren bis zu den Geoglifos de Pintados, die abseits der Strasse liegen und wiederum waren wir ganz alleine auf dem Areal. Am Morgen machten wir einen ausgedehnten Spaziergang. Die ganzen Hügel waren überzogen mit Zeichnungen. Wohin wir auch schauten oder gingen, immer wieder entdeckten wir neue Motive. Es war wunderschön diese anzusehen.  

Pintados

Pintados

Pintados

Doch es zog uns weiter. Wir wollten nicht allzu viel Zeit verlieren, denn der Weg war noch weit bis zur Grenze. Am frühen Nachmittag kamen wir in Huara an und erlebten die nächste Überraschung. Die Polizei hatte die Zufahrt zur Passstrasse gesperrt und teilte uns mit, dass zuerst der Schnee geräumt werden müsse, bevor sie die Strasse dem Verkehr frei geben. Als Personenauto könnten wir ein Stück weiter fahren, doch dann sei Schluss. Überall standen Lastwagen herum, die Männer schwatzten oder spielten Fussball um sich die Zeit zu vertreiben. Es war herrlich warm und so beschlossen wir auch hier zu bleiben und zu warten. Wir wussten, dass es weiter oben wieder ziemlich kalt sein konnte, denn wir waren diese Strecke schon einmal gefahren als wir vom Surire zurück kehrten. Ich verbrachte den Nachmittag mit Lesen, Werni mit dem Bearbeiten von Fotos.

Am nächsten Morgen hörten wir, dass die Strasse um 10 Uhr dem Verkehr frei gegeben werde und wir machten uns sofort auf den Weg. Jetzt zählte für uns jeder Kilometer, den wir schon zurück gelegt hatten, bevor die Lastwagen und Busse starteten. Wieder kamen wir sehr gut vorwärts. Auf der ganzen Strecke von 160 km bedeckten nur ein paar Mal Schnee oder Eis die Strasse. Für uns war es unerklärlich, dass die Strasse gesperrt gewesen war. Dann sahen wir in einer Kurve einen umgekippten Lastwagen und ein Teil der Ladung lag immer noch auf der Strasse verstreut. Bald überholten uns auch Busse und Lastwagen ohne Fracht mit einem solchen Tempo, dass wir die Sicherheitsvorkehrungen verstanden. Viele Fahrzeuge haben eine sehr schlechten Bereifung und wir können uns vorstellen, wenn sie mit einem solchen Tempo über die Strassen blochen kann jede Eisfläche und schneebedeckte Stelle zu einem Unfall führen. Der Druck auf die Fahrer scheint so hoch zu sein, dass sie eher einen Unfall riskieren als ihr Tempo den Strassenverhältnissen anzupassen. Wir erreichten die Grenze bei Colchane am frühen Nachmittag.

Die Passkontrolle und die Fahrzeugausfuhr waren unkompliziert und wir erhielten 30 Tage. Die bolivianische Beamte interessierte sich nur für unseren Kühlschrank und beanstandete das Gemüse, die Früchte, die Eier und das Fleisch. Wenn wir alles Kochen würden, können wir es über die Grenze mitnehmen, erklärte sie uns, ansonsten müsse sie die Sachen konfiszieren. Wir versicherten ihr, dass wir gleich hier kochen würden. Sie nahm die Bananen mit und verschwand. Während ich Zwiebeln hackte, das Fleisch in Stücke schnitt und Karotten schälte, bereitete Werni einen Chicoréesalat mit Orangen zu. Als der Gulasch und die Eier kochten, assen wir gemütlich den Salat und gingen dann zum Schalter um die Fahrzeugeinfuhr zu erledigen. Dieser Beamte war äusserst zuvorkommend. Nachdem er den Lastwagen abgefertigt hatte, kam er und kontrollierte nur die Stammnummer unseres Autos. Dann füllte er die entsprechenden Papiere aus und ich unterschrieb die Formulare. Wir erhielten für den Huckepack 90 Tage Aufenthaltsrecht. Eine Verlängerung für Personen zu erhalten sei bei der Migration in jeder Stadt absolut unkompliziert, meinte er auf meine Anfrage, aber hier können sie uns nur 30 Tage geben.

Einen Monat verbrachten wir im Norden Chiles und sahen erst einen kleinen Teil der Atacamawüste. Ganz besonders gefiel uns die Landschaft. Wir sahen viele Salzseen, schneebedeckte Vulkane und vor allem Sand in allen Farben. Steinwüsten wechselten sich ab mit Dünen und Oasen. Wir sahen endlose Sandstrände und konnten überall gefahrenlos übernachten. In den Städten konnten wir entspannt fahren, denn die Verkehrsregeln waren klar und auch die andern Autofahrer hielten sich daran. Fragten wir nach der Richtung, konnten wir uns auf die Aussagen immer verlassen. Hielten wir einen Stadtplan in der Hand kam sofort jemand uns zu Hilfe. Wir sahen viele fröhliche Menschen, die sich angeregt miteinander unterhielten. Was uns fehlte war die Farbenpracht in der Kleidung. Die Chilenen sind europäisch gekleidet. Wir besuchten sehr viele schöne, alte Kirchen und uns begeisterten die Geoglyphen. Wir konnten viele verschiedene Tiere in ihrem natürlichen Umfeld beobachten. Auch wenn es oft sehr kalt war, schien doch fast immer die Sonne. Wir freuen uns auf unseren nächsten Besuch und hoffen dann noch viel mehr von diesem Land und den Menschen zu entdecken