Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Bolivien 1 Drucken E-Mail
Mittwoch, den 07. August 2013 um 00:00 Uhr

Nach all den Berichten von Strassenblockaden, die wir von anderen Reisenden gehört hatten, waren wir natürlich gespannt, wie es uns wohl in Bolivien gehen würde. Vorerst fuhren wir immer noch auf einer Höhe von über 3700 m und hatten ein grosses Interesse so schnell wie möglich an wärmere Orte zu kommen.

Die Passstrasse war auch auf der bolivianischen Seite sehr gut und so kamen wir recht zügig voran. Als es langsam dunkel wurde, fanden wir einen ruhigen Platz in der Nähe einer Kapelle. Da wir beim Grenzübergang gekocht hatten, konnten wir bald essen. Am folgenden Morgen war der Himmel wieder wolkenfrei, doch rund herum war alles gefroren. Auch im Huckepack war es kalt, denn die Heizung hatte abgestellt, weil die Gasflasche leer war. Deshalb fuhren wir nach dem Frühstück umgehend weiter. In Toledo suchten wir eine Bank, doch der Bürgermeister teilte uns mit, dass wir erst in Oruro eine finden werden. Er fragte uns wie Bolivien uns gefalle. Viel konnten wir noch nicht sagen, denn wir waren ja erst eingereist. Wir machten noch einen kleinen Rundgang und besichtigten die Kirche und den Dorfplatz. Uns fiel vor allem auf, dass überall mit Backsteinen gebaut wurde und die meisten Häuser, die aus Adobebausteinen bestehen, waren in einem sehr guten Zustand.

Jetzt folgten etwa 70 km Erdstrasse und dementsprechend langsam kamen wir voran.

In Oruro wollten wir uns etwas Zeit nehmen und die nächste Etappe planen. Die ehemalige Bergarbeiterstadt ist an einem Hügel gebaut und liegt auf 3700 m Höhe. Das Autofahren in der Stadt wurde wieder zur Tortur. Ging es in Chile ruhig und geregelt zu und her, mussten wir uns hier wieder an „südamerikanische“ Verhältnisse gewöhnen. Es gab viele schmale Strassen und der Zustand war nicht immer der beste. Links und rechts wurden wir überholt und alle machten sich mit der Hupe bemerkbar. Es war schon schwierig den Hauptplatz zu finden, denn der Garmin schickte uns in Einbahnstrassen oder es war so steil, dass wir nicht wagten hinauf zu fahren. Einen Parkplatz zu finden erwies sich als unmöglich. Werni wartete im Auto bis ich das Touristenbüro gefunden hatte und, wie sich dann heraus stellte, einen für uns unbrauchbaren Stadtplan erhalten hatte. Als wir dann an einem Strassenrand bei einer Bank parkierten und endlich mit der Kreditkarte Bolivianos ziehen konnten, verliessen wir die Stadt schleunigst und fanden auch bald eine Tankstelle, wo wie übernachten konnten. 

Weg Toledo

Toledo

Oruro

Am nächsten Morgen entschlossen wir uns nicht mehr in die Stadt hinein zu fahren. Wir wollten uns diesen Stress nicht mehr antun. Da wir jetzt Bargeld hatten, konnten wir 50 l Diesel kaufen und zwar wollten wir 20 l in den Kanister, 30 l in den Tank. Kanister füllen sei in Oruro nicht erlaubt, teilte uns der Angestellte mit. Er könne uns aber 50 l in den Tank füllen. Er zeigte auch auf die Videokameras, die bei allen grossen Tankstellen montiert sind. Warum genau, verstand ich nicht. Doch auch so ist es für die Angestellten an der Tankstelle recht kompliziert ausländischen Autos den Tank zu füllen. Einheimische zahlen ca. Fr. 0.50/Liter, denn der Treibstoff ist subventioniert. Ausländer zahlen ca. Fr. 1.35/Liter. Der Angestellte muss 2 Quittungen auf den Namen des Fahrers ausstellen, eine mit dem Betrag für Einheimische (gemäss der Anzeige an der Tankstelle) und eine mit dem Differenzbetrag von Fr. 0.85/Liter. Dann kassiert er das Total. Das der Taschenrechner zum Einsatz kommt, ist nur verständlich.

Unser nächstes Ziel war das 230 km entfernte Cochabamba. Anfangs war die Landschaft weiterhin karg und eintönig. Wir kamen an einer Kirchenruine vorbei. Hinter der Mauer versteckt lag der Friedhof und viele Gräber waren ziemlich ungepflegt. Nachdem wir einen weiteren Pass auf über 4500 m überquert hatten, wurde es grüner. Nach so viel Wüstenlandschaft gefiel uns diese Gegend mit Hügeln, Bäumen und Wiesen. Auch war es wärmer geworden und wir hofften, dass uns in Cochabamba auch angenehme Temperaturen erwarten.

Weg Cochabamba

Weg Cochabamba

Weg Cochabamba

Cochabamba liegt auf 2570 m und hat ca. 900‘000 Einwohner. Als erstes fuhren wir zu einem Supermarkt um einzukaufen. Es war herrlich auszusteigen bei Temperaturen von ca. 25 Grad.

Anschliessend fuhren wir zum Parkplatz hinter der Seilbahn. Ein Angestellter begrüsste uns sehr freundlich und teilte uns mit, dass auch andere Womo-Reisende ihr Fahrzeug hier abstellen. Wenn wir Wasser brauchen, Duschen möchten oder unser WC leeren müssten, so dürfen wir das bei ihnen machen. Umgehend nahm ich eine Dusche und Werni bot ihm Geld an. Freundschaft lasse sich nicht bezahlen, meinte er. So kauften wir im nahen Supermarkt Toblerone Schokolade als Geschenk aus der Schweiz und das nahm er sehr gerne an. Wir blieben über eine Woche auf dem Parkplatz stehen, denn wir konnten zu Fuss zum Einkaufen und in die Innenstadt. Täglich strahlte die Sonne vom wolkenlosen Himmel und es war herrlich warm.

Wir wählten immer wieder eine andere Strasse um in die Innenstadt zu kommen. So konnten wir viel beobachten. In den Strassen um die Universität ging es sehr lebhaft zu und her. Imbissstände reihten sich an Internet-Kaffees und Fotokopiergeschäfte. In „La Cancha“, dem grössten Markt in der Stadt, kann man sich fast verlaufen. Jeder Strassenzug verkauft ein bestimmtes Produkt und nach mehr als drei Stunden gaben wir es auf ein Geschäft für Velozubehör zu finden. Auch dringend benötigte Sandalen fanden wir nicht, denn die Füsse von Werni sind zu gross und ich kann in hochhackigen Schuhen nicht mehr laufen. Mehr Glück hatte Werni mit seiner Uhr. Innert 10 Minuten war die Batterie gewechselt, Datum und Zeit neu gestellt und wir konnten das Geschäft wieder verlassen. Auch unsere Aufenthaltsbewilligung wurde innert ganz kurzer Zeit und völlig unkompliziert um weitere 30 Tage verlängert.

Cochabamba hat sehr viele kleine und grössere Parks und das macht die Stadt angenehm, auch wenn der Verkehr genau so chaotisch ist und Fussgänger über keinerlei Rechte verfügen.

Überall wird gebaut und wir waren beeindruckt von dem Baugerüst. Baumstämme dienen als Stützen, bis der Beton getrocknet ist. Dann wird das nächste Stockwerk gebaut.

Wir staunten über das Gewirr der elektrischen Leitungen und überlegten uns, wie das alles funktionieren kann. Als wir an einem Platz vorbei kamen, konnten wir die verschiedensten Arten von Holzbetten betrachten und es lagen auch bearbeitete Holzlatten herum. Wahrscheinlich kann man hier die Masse angeben und das Bett wird an Ort und Stelle gebaut.  

Cochabamba

Cochabamba

Cochabamba

Selbstverständlich benutzten wir die Gondelbahn um zur Statue „Cristo de la Concordia“ zu gelangen. Jetzt war Ende der Bequemlichkeit. Über eine Wendeltreppe stiegen wir im Innern der Statue hinauf. Immer wieder hat es Öffnungen, durch die wir einen Ausblick auf die Stadt, die Lagune und die umliegenden Hügel hatten. Leider konnten wir nicht bis in den Kopf hinauf steigen und auch die Hände sind nicht mehr begehbar. Gerne hätte ich vom Daumen aus die Umgebung getrachtet. Wir blieben noch lange auf dem Platz, suchten mit dem Feldstecher die Umgebung ab und sahen den Familien und Joggern zu.

Cochabamba

Cochabamba

Cochabamba

Ebenfalls den Convento Santa Teresa besuchten wir. Gegründet wurde das Kloster 1753 vom Karmeliterorden. Es wurde ein neuer Komplex für die heute noch im „geschlossenen“ Kloster lebenden Nonnen gebaut. Die Führung findet nur in den älteren Gebäuden des Klosters statt. Interessant zu hören war, wie abgeschieden die Nonnen leben. Mit etwa 15 Jahren konnte eine Novizin ins Kloster eintreten, falls es einen freien Platz hatte. Nonnen aus reichen, weissen Familien trugen schwarze Hauben, und hatten im ersten Stock ein Zimmer mit einem Fenster, weniger reiche hatten weisse Hauben und ein kleineres Zimmer ohne Fenster und indigene teilten sich ein Zimmer im Erdgeschoss. Nach ihrem Eintritt ins Kloster durften Nonnen mit ihren Familien nur noch Sprechkontakt und im Beisein einer Aufseherin haben. Bis 1963 hatten sie ihre eigene Apotheke. Falls jemand einen Arzt brauchte, mussten alle in ihren Zimmern bleiben, bis der Arzt das Kloster wieder verlassen hatte. Während der Messe wurde der fensterlose Raum, in dem die Nonnen waren mit Vorhängen zur Kirche geschlossen, damit sie nicht gesehen wurden. Sie stellten Kerzen, Hostien und Tinkturen her, die auch verkauft wurden. Auch hatten sie ihren eigenen Gemüse- und Obstgarten und unterhielten eine Räucherei. In den Klostermauern waren 3 Kirchen geplant, jedoch nur 2 gebaut. Die Konstruktion des Klosters ist sehr eigenwillig. Wunderschön sind die Gärten, die Bilder und die Skulpturen. Vom Dach der Anlage sieht man über die ganze Stadt.

Cochabamba

Cochabamba

Cochabamba

Etwas nördlich vom Zentrum steht, in einer etwa 10 ha grosse Parkanlage der Palacio de los Portales. Er wurde 1915 – 1922 im Auftrag des Zinnkönigs Simón Patiño vom französischen Architekten Kliautt entworfen. Patiño wurde in Oruro geboren und begann seine berufliche Karriere in einer Mine. Später kaufte er in Potasi eine Mine und wurde einer der reichsten Männer der Welt. Die Gebäude sind im Renaissancestil von italienischen, japanischen und französischen Baumeistern erbaut. Die Parkanlage ist sehr schön mit kleinen Gewässern und schattenspendenden Bäumen. Zwei Bernhardinerhunde bewachen den Haupteingang. Sie erinnern an ein Lawinenunglück, das Patiño in der Schweiz erlebte und durch diese Hunde gefunden wurde. Patiño starb bevor die Anlage fertig gestellt wurde und die Familie bewohnte die Gebäude nie. Heute gehört die gesamte Anlage einer Stiftung. Besichtigt werden kann das Haupthaus, in den anderen Gebäuden sind die Administration, eine Bibliothek, ein Museum und ein Kulturzentrum untergebracht.

Leider darf im Innern nicht fotografiert werden. Möbel, Tapeten und das Parkett, alles wurden aus Europa importiert. Nachgebildet ist die Alhambra, Teile der Sixtinischen Kapelle, aber auch die Zeit Napoleons und Ludwig XV. Für uns war es lustig auf so einem kleinen Raum so viele Stilelemente aus den verschiedenen Jahrhunderten Europas zu entdecken.

Cochabamba

Cochabamba

Cochabamba

Das Leder von Fussbett meiner Sandalen war schon längere Zeit ziemlich kaputt. Es scheint so, dass Frauen in Südamerika entweder Flip Flops oder hochhackige Sandalen tragen. Auf jeden Fall fand ich nichts Passendes für meine Ansprüche. Dann bemerkten wir eines Morgens am Strassenrand einen Schuhmacher. Ich zeigte ihm meine defekten Sandalen und er meinte, das sei kein Problem. Er gab mir einen Hocker und machte sich an die Arbeit. Nach einer halben Stunde hatte ich neue Innensohlen und ich hoffe, dass diese Sandalen noch lange ihren Dienst tun.

Hätte ich einen guten Anlass gehabt, wäre ich gerne in das Geschäft mit der Singer-Nähmaschine gegangen. Ich fand es einfach witzig, wie viel Krimskram gesammelt und verkauft wird.

Wieder einmal gab es etwas zum Feiern. Doch zuerst musste unsere Internetseite auf den neusten Stand gebracht werden. Wir gingen ist beste Hotel der Stadt, fragen nach dem Internetzugang und bestellten eine Flasche Sekt um unseren 17. Hochzeitstag zu feiern.

Cochabamba

Cochabamba_06

Cochabamba

Auch dieser Aufenthalt hatte ein Ende. Wir verabschiedeten uns von den freundlichen Angestellten der Gondelbahn und machten uns auf Richtung Santa Cruz. Wir wählten die Tieflandroute, denn diese, so hörten wir, soll in einem besseren Zustand sein. Und wieder kamen wir über einen Pass von knapp 3700 m. Die Landschaft änderte sich extrem. Jetzt sahen wir bewaldete Hügel, Flüsse und Seen, bevor wir nach ca. 160 km Villa Tunari erreichten. Dieses Urwaldstädtchen liegt auf 350 m Höhe und wir fanden einen bescheidenen Campingpatz. Im Touristenbüro trafen wir auf einen sehr netten Angestellten, der uns mit Unterlagen versorgte. Er meinte, dass es im Moment mit ca. 34 Grad ziemlich kalt sei. Wir jedoch genossen die Hitze und schliefen ausgezeichnet.

Am nächsten Morgen fuhren wir in den Parque Nacional Carrasco um an einer zweistündigen Urwaldwanderung teilzunehmen. Auch wenn die Strasse wieder holpriger wurde, genossen wir das satte Grün um uns herum. Als wir an einer etwas abenteuerlichen Brücke ankamen, parkierten wir und gingen zu Fuss weiter. Im Fluss schwammen und tobten Kinder herum und auch wir bekamen Lust auf ein Bad. Doch die Zeit war schon fortgeschritten und so gingen wir weiter.

Nach etwa einem Kilometer kamen wir zum Eingang des Nationalparks und lösten den Eintritt. Ein Führer begleitete uns hinunter zu dem Fluss und mit einer abenteuerlichen, handbetriebenen Seilbahn fuhren wir ans andere Ufer. Es war einfach herrlich durch den kühlen Wald zu gehen. Die Erde war recht feucht und so mussten wir aufpassen um nicht auszurutschen. Der Führer zeigte uns verschiedene Pflanzen und Bäume und erklärte uns für was sie gebraucht werden. Er zeigte uns auch einen Ameisenbau, der wie eine Geschwulst an einem Baumstamm klebte. Fleissig sammeln die Ameisen Blätter und kleben sie wie Schuppen am Stamm fest. Dadurch bleibt ihr Nest auch bei starkem Regen trocken. Klopft man an den Stamm, kommen die Ameisen heraus. Menschen mit rheumatischen Erkrankungen lassen dann die Ameisen etwa 20 Minuten über ihren Körper laufen, damit das Sekret die Schmerzen lindere, erklärte er uns. Nur kurze Zeit sei das Gefühl etwas schmerzhaft, doch die Heilwirkung sei sehr gross. Werni liess eine Ameise auf seinen Finger, doch er entfernte sie ganz schnell wieder. Später  führte uns in eine Höhle mit Fledermäusen, die in Gruppen und wie Trauben von der Decke herunter hingen. Das Licht der Taschenlampen wachten einige auf und suchten sich pfeilschnell einen neuen Platz im hinteren Teil der Höhle. Mit seiner Taschenlampe leuchtete er auch Taranteln an. Die Höhle mit den nachtaktiven Vögeln zeigte er uns auch noch. Diese fliegen jedes Jahr weg und kämen erst zur Brutzeit wieder in diese Höhle zurück. Schade, wir hätten sie gerne gesehen. Auch sahen wir kaum Vögel und andere Tiere. Doch es war sehr interessant ihm zuzuhören und Blätter und Pflanzen zu berühren. Auch wenn wir uns bei weitem nicht alles verstehen und merken können, lernen wir immer wieder etwas dazu.

Weg Villa Tunari

Cueva Murcielagos

Cueva Murcielagos

Anschliessend fuhren wir weiter zum Ecocamp La Hormiga. Da unser Huckepack für den Parkplatz zu hoch war, durften wir ihn auf einen schönen Platz, neben grasenden Kühen stellen. Ohne den Schutz von Bäumen, sei es hier aber sicher zu heiss, meinte der Besitzer. Wir erklärten ihm, dass wir das Sonnenlicht für die Solarzellen brauchen könnten um die Batterie wieder aufzuladen. Wir zogen uns sehr schnell in unsere Kabine zurück, denn die Mücken hatten es auf uns abgesehen. Wir hörten die Kühe muhen und sahen ihnen Kämpfen zu. Dann gingen wir zum nahen Fluss und genossen das kühle Wasser, spazierten am Flusslauf entlang und sanken manchmal bis fast zum Knie ein. Dann war es schwierig das Bein wieder heraus zu ziehen. Mit der Zeit lernten wir zu sehen, wo wir den nächsten Schritt wagen konnten und der Grund uns trug. Ausser uns genossen auch noch einige Familien das schöne Plätzchen und wir hörten ihr Lachen und sahen zu, wie die Kinder im Wasser herum tobten. Am nächsten Tag prasselte der Regen auf unser Dach und die Umgebung verwandelte sich in eine Schlammlandschaft. Wir blieben im Womo und hofften auf den folgenden Tag, denn wir wollten wieder im Fluss baden und auch noch an einer Führung durch Urwald teilnehmen. Als wir dann über den sehr schlammigen Fussweg zu Fluss gingen und die braune Brühe sahen, entschieden wir uns zurück nach Villa Tunari zu fahren.

Nun mussten wir endlich das Problem Propan lösen. Schon in Cochabamba hatten wir versucht unsere Gasflaschen füllen zu lassen. Zu diesem Zweck fuhren wir zu einer staatlichen Abfüllanlage, doch dort wurde uns gesagt, dass seit mehr als zwei Jahren das Füllen von privaten Flaschen verboten sei. Sie schickten uns 30 km weiter. Dort wurde uns mitgeteilt, dass im Moment kein Propan verfügbar sei, doch nach weiteren 10 km werden wir Gas erhalten. Der Lastwagen mit den Gasflaschen sei noch nicht gekommen und wir müssten auch einen Adapter machen lassen, damit wir mit ihren Gasflaschen unsere füllen könnten. Damals fanden wir einen Mechaniker, der uns einen Adapter herstellte. Pech war, dass die Gaslieferung immer noch nicht gekommen war. So fuhren wir über Cochabamba und dann weiter nach Villa Tunari.

Wir fragten in verschiedenen Geschäften, ob sie Propan haben und erhielten endlich eine Flasche. Diese schleppte Werni auf unseren Stellplatz und siehe da, es funktionierte mit dem Adapter und wir konnten unsere beiden Gasflaschen mindestens zu 80 % auffüllen.

Wir wollten das von der „Comunidad Inti Wara Yassi“ 1996 gegründete Zooprojekt im Parque Machia besuchen. Dort werden Wildtiere, die von Zirkussen, Strassenhändlern oder auch Privatleuten misshandelt oder nicht artgerecht gehalten wurden, gepflegt und nach Möglichkeit wieder ausgewildert. Leider war der Park an diesem Tag geschlossen und so wanderten wir nur auf einem kurzen Besucherpfad durch den Regenwald. Wir stiegen ziemlich weit in die Hügel hinauf. Doch wir hörten nur Vögel zwitschern und sahen verschiedene freilebende Affen, die in den Bäumen herum turnten und uns manchmal den Weg versperrten. Die Affen sind  waren sich gewohnt, dass Menschen in dieses Gebiet eindringen und sie warten darauf gefüttert zu werden. es war auch lustig zuzusehen, wie sich auch die kleinsten Affen von Ast zu Ast angelten, manchmal einige Meter im freien Fall herunter fielen und sich dann geschickt wieder an einem Ast auffingen.

La Hormiga

Villa Tunari

Villa Tunari

Weiter fuhren wir durch das fast endlose Tiefland Richtung Santa Cruz. Das Land ist sehr fruchtbar und überall wird Obst angebaut. Wir machten noch einen Abstecher nach Puerto Villarroel. Dort endet die Strasse. Wenn man weiter nach Norden will, bleibt nur der Wasserweg. Puerto Villarroel hat den grössten kommerziellen Hafen. Von hier aus gelangen Waren auf Frachtschiffen in ca. 5 Tagen in die Tropenstadt Trinidad. Im Ort sahen wir kaum Menschen und auch am Hafen war es sehr ruhig. Wir sahen eine Zeitlang zu, wie Zementsäcke auf ein Frachtschiff verladen wurden. Auf dem Lastwagen stand ein Mann, der die Säcke über eine Bretterrampe zum Frachtschiff rutschen liess. Dort wurden sie von einem anderen Mann gestoppt und von 3 anderen Männern auf dem Schiff gelagert. Wahrhaft eine Knochenarbeit bei Temperaturen von mehr als 27 Grad. Am Ufer lagen fantasievoll gestaltete Schiffe. Manche waren zweistöckig, andere hatten nur ein einfaches Dach, das die pralle Sonne abhält.

Dann nahmen wir noch an einer einstündigen Bootsfahrt mit etwa 10 weiteren Personen teil. Langsam tuckerte das Schiff den Fluss hinunter und wir wurden mit lauter Musik beschallt. Doch es war schön, wieder einmal dichtbewachsene Ufer aus dieser Perspektive zu sehen. Kaum abgelegt, sahen wir nur noch einige Spitzen von Dächern aus dem satten Grün heraus ragen, verrostete Schifffracks am Ufer liegen und ein paar Einbaum Boote im Wasser. Wir staunten, wie geschickt die Fracht in einen Einbaum verstaut wurde und wie viele Personen dann auch noch Platz fanden. Auf der Rückfahrt lud der Kapitän mich ein das Ruder zu übernehmen, was ich natürlich gerne tat. Diese Auszeit vom Huckepack haben wir ausserordentlich genossen.

Puerto Villarroel

Puerto Villarroel

Puerto Villarroel

Über Buena Vista fuhren wir nach Santa Cruz, der grössten Stadt Boliviens. Wir konnten unseren Huckepack auf dem Parkplatz des Clubs der Piloten abstellen. Die Stadt hat kaum Sehenswürdigkeiten, doch wir wollten vor allem unsere Vorräte ergänzen, neue Brillen machen lassen, Ersatzteile für den Landrover kaufen und dann weiter fahren. Wir dachten, dass das in 2 bis 3 Tagen erledigt sein würde.

Der Verkehr in Santa Cruz ist genau so hektisch wir in anderen Städten. Fast im Laufschritt muss man 4 spurige Strassen überqueren und bei Ampeln muss man warten, denn rot bedeutet erst rot, wenn die Autos die grün haben auch angefahren sind. Überall werden Strassen geflickt und viele Trottoirs sind in einem erbärmlichen Zustand. Für Werni ist die Situation besonders schwierig. Entweder sieht er nach oben um nicht den Kopf an Marktständen anzuschlagen oder er sieht auf den Boden um allen Löchern oder Unebenheiten auszuweichen.

Doch dann stolperte er über Baumwurzeln und schlug sich die Schneidezähne aus. Zum Glück passierte das ganz in der Nähe des Clubs und Werni hatte ausser Schürfungen an den Armen und Beinen keine weiteren Verletzungen. Die Verwalterin gab uns die Adresse einer Zahnklinik und Werni wurde am selben Tag noch behandelt. Da wir wussten, dass es einige Tage dauern würde, bis bei Werni alles gemacht war, nutzte ich die Gelegenheit auch meine defekte Brücke erneuern lassen. Die Behandlung zögerte sich hinaus und schliesslich blieben wir 10 Tage in Santa Cruz. Täglich pilgerten wir zum Zahnarzt. Wir suchten immer neue Strassen, damit wir die Stadt ein bisschen kennen lernten. Manchmal wurde die Behandlung fortgesetzt, manchmal konnten wir wieder unverrichteter Dinge abziehen. Wir lernten eine andere Arbeitsmoral kennen, uns zu gedulden und gelassen zu bleiben.

Zwischendurch gab es einen Kälteeinbruch und wir waren froh, dass wir genügend Propan zum Heizen hatten. Nach 3 Tagen wurde es zum Glück wieder wärmer und die Temperaturen kletterten auf über 27 Grad. Da unser Huckepack jedoch unter Bäumen stand, fehlte die direkte Sonneneinstrahlung um die Batterie mit den Kollektoren vollständig zu laden. Deshalb lasen wir an manchen Abende mit den Stirnlampen.

Buena Vista

Santa Cruz de la Sierra

Santa Cruz de la Sierra

Jetzt sind wir in Samaipata und haben einen wunderschönen Stellplatz bei der Finca La Víspera. Doch mehr davon wird im nächsten Bericht stehen.

Samaipata

Samaipata

Samaipata