Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Sonntag, den 08. September 2013 um 00:00 Uhr

Schon die Fahrt von Santa Cruz ins 120 km entfernt liegende Samaipata war wunderschön. Durch grüne Hügellandschaften fuhren wir von 420 m hinauf auf 1650 m Höhe und die Luft war so rein wie in einem Kurort.
Die Finca Víspera liegt ausserhalb des Dorfes und gehört dem holändern Paar Pieter und Margarita. Sie leben seit 30 Jahren hier auf der Finca und mit der Zeit entstanden immer neue, ganz unterschiedlich gebaute Cabañas, die gemietet werden können. Sie sind sehr schön eingerichtet und verfügen über eine ausgezeichnete Infrastruktur. Die grosse Wiese dient als Zelt- und Stellplatz und in dem dazugehörigen Rundbau gibt es Heisswasser-Duschen, Toiletten und eine gemütliche, gut funktionierende Küche. Bis in den Nachmittag hinein ist das Gartenrestaurant offen. Aus dem gepflegten Gemüse- und Kräutergarten, dürfen sich alle Gäste bedienen und wir genossen die frisch geernteten Salate und Kräuter. Zwischendurch grasten die zwei Pferde in unserer Nähe und sowohl die Katzen als auch die Hunde leisteten uns Gesellschaft. Als wir bis zur Grenze der Finca hinauf stiegen, setzten wir uns auf einen aus Stein gemachten Thron und hatten einen herrlichen Blick auf die ganze Umgebung.
Vor 1 ½ Jahren kauften sich die Schweizer Werner und Susanne ein ehemaliges Gästehaus und bauten es als Wohnhaus um. Sie wohnten schon 6 Jahre ganz abgeschieden auf einer Finca in der Chiquitania. Mit der Zeit hatten sie den Wunsch näher bei Menschen und auch näher bei Santa Cruz zu sein. Im Haus bei der Finca fanden sie den Platz, der ihnen auch vom Klima mehr zusagte. Werner haben wir leider nicht kennen gelernt, denn er weilte in der Schweiz. Mit Susanne und ihrem Hund gingen wir spazieren, buken gemeinsam Brot und ich durfte ihre Waschmaschine benutzen. Gabriela, eine Schweizerin, die schon einige Jahre in Santa Cruz wohnt, kam mit ihrem Hund zu Susanne auf Besuch. Wir erlebten viele schöne Plauderstunden, lachten zusammen und erhielten viele wertvolle Informationen für unsere Weiterreise. Für mich organisierte Susanne den Spanisch Lehrer Mario. Im Selbststudium tauchen immer wieder Fragen auf und endlich wurden diese fachkundig beantwortet und ich konnte meine Kenntnisse erweitern und vertiefen. Sehr abwechslungsreich gestaltete er die Lektionen und die 2 Stunden verflogen wie im Nu.
Es gefiel uns so gut auf der Finca, dass wir fast 2 Wochen dort blieben.

Samaipata

Sameipata

Sameipata

Ausserhalb von Samaipata und weit oben in den Hügeln besuchten wir die Felsenruinen El Fuerte. Sie wurden zum UNESCO-Weltkulturerbe und zu einem nationalen Denkmal Boliviens erklärt. Man vermutet, dass es sich um einen Kultplatz aus der Vorinkazeit handelt, die auch als Festung diente. Ausgebaut wurde die Anlage von den Inkas. Leider kann nur ein kleiner Teil der 260 ha grossen Anlage besichtigt werden. Der Hauptkomplex ist abgesperrt und man kann nur aussen herum gehen. Von einem Aussichtsturm sahen wir auf die gewaltige Felspyramide hinunter. Diese rötliche Sandsteinplatte ist um 8 Grad geneigt, 200 m lang und im Mittel 60 m breit. Ihre gesamte Oberfläche (12‘000 qm) ist bebildert. Zwei fast parallel verlaufende 38 cm breite und über 26 m lange Spurrinnen laufen auf der Mitte hinunter. Überall auf dem Felsen hat es drei- und rechteckige Becken, Rillen, Borlöcher, Abläufe, die sich kreuzen und kanalartige Ausarbeitungen. Auf der südlichen und nördlichen Seite sind trapezartige Mauernischen aus dem Fels heraus gemeisselt. Beim Rundgang kamen wir an den Überresten von einfachen Behausungen vorbei. Auf einem bis zu 40 ha grossen Siedungsareal lebten zeitweise bis zu 3000 Bewohner in bis zu 700 Behausungen. Die frühesten Spuren sind 4000 Jahre alt. Das ehemalige Verwaltungszentrum der Inkas wurde teilweise restauriert. Durch den Wald stiegen wir zu einem 500 m vom Felsen entfernten Brunnenschacht hinunter. Dort sahen wir das spiralförmige 15 m tiefe Bohrloch. Wir hatten schon viele alte Kultplätze besucht, doch dieser war in seiner Art einmalig.

Samaipata

Samaipata

Samaipata

Der 6. August ist der Nationalfeiertag Boliviens. Wir gingen am Vorabend hinunter ins Dorf. Auf dem Hauptplatz fanden Schülerparaden statt. Unzählige Klassen zogen angeführt von den Lehrern und Lehrerinnen um den Platz herum. Dann stellten sich alle auf den Platz vor der Bühne. Sie hatten selber gebastelten Papierlaternen in den Farben der Nationalflagge dabei. Ausser ganz einfachen Gebilden gab es auch Lampions in Form von Flugzeugen und Autos. Viele Erwachsen und Kleinkinder fanden sich auf dem Platz ein. Wir waren frühzeitig gekommen und konnten uns genau gegenüber der Bühne bei einem Strassenrestaurant hinsetzen. Es wurden Reden gehalten, was die Kinder und Jugendlichen natürlich brennend interessierte ;-)!!! Doch zum richtigen Zeitpunkt wurden die Lampions in die Höhe gehalten und auch bei den Liedern wurde mehr oder weniger aufmerksam mitgesungen. Dazwischen hatten sie viel Spass untereinander. Die Kerzen von einigen Lampions erloschen oder verbrannten das Papier. Zum Abschluss der Feier gab es nochmals einen Umzug um den Platz, bevor sich die Kinder und Jugendlichen in die vier Himmelsrichtungen verstreuten. Es war schön das alles miterleben zu dürfen. Am nächsten Tag spielte nur noch eine Popgruppe am Platz und die Menschen sassen herum und genossen den freien Tag.

Samaipata

Samaipata

Samaipata

Am Freitag fuhren wir zurück nach Santa Cruz, denn der Zahnarzt, Dr. Ribera wollte noch eine Kontrolle machen. Er war jedoch in den USA und wir erhielten einen Termin für Montag. Zum Glück durften wir unseren Huckepack wieder auf den Parkplatz des Clubs stellen. Dort lernten wir Ute und Achim kennen. Auch sie reisen durch Südamerika und waren in Santa Cruz um einiges an ihrem Auto reparieren zu lassen. Im Gartenrestaurant plaudern wir zusammen und tauschten Informationen aus. Zwischendurch schauten wir dem Papagei von Don Domingo zu, wie er auf dem Boden und dem Hocker herumturnte. Wir hatten noch Zeit unsere Aufenthaltsbewilligung um weitere 30 Tage zu verlängern. So konnten wir ohne Zeitdruck durch die Chiquitania nach Brasilien fahren. Wir nutzten die Zeit aber auch um nochmals ausgiebig im Zentrum herumzuschlendern und die von Susanne vorgeschlagenen Märkte zu besuchen. Auf allen Märkten ging es quirlig zu und her doch besonders gefiel uns der Markt „7 Calle“. Sternförmig gehen die sieben Strassen vom Platz weg und fast jede Strasse ist einem Kaufgegenstand gewidmet, z.B. haben dann alle Geschäfte Stoffe oder Kleider oder Schuhe. Doch für Werni mit einer Schuhgrösse von 45 war trotzdem nichts zu finden.

Santa Cruz

Santa Cruz

Sant Cruz

Einen Ausflug machten wir in das Biocentro Parque Güembé. Hier wurde ein Naturparadies auf einer Fläche von 4 Hektar aufgebaut. Es liegt nur 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Üppig wuchernde Wälder exotische Pflanzen und heimische Tiere konnten wir bewundern. Wir besuchten das Schmetterlingsgehege und freuten uns über die Artenvielfalt. Dann sahen wir eine Zeitlang den Schildkröten zu, die zum Fressen ihre mit Blättern geschützten Unterschlüpfe verliessen und sich um die Futterquellen scharten. Das einmalige war, dass ihre Panzer auffällig gepunktet waren. Im riesigen Vogelhaus ging es recht laut zu und her. Vor allem die Papageien flogen uns um die Köpfe und turnten auf den Bäumen herum. Ausserdem hatte es Tucane und Pfauen. In der Voliere führte uns eine Wendeltreppe hoch auf einen Turm hinauf Der Ausblick über den Blätterwald war beeindruckend. Da es an diesem Tag ziemlich bewölkt war, sahen wir in der Ferne nur ganz schwach die Häuser von Santa Cruz. Leider waren wir zu früh um die Orchideen in ihrer Blüte zu sehen. Es muss grossartig sein im Oktober durch diesen Garten zu wandern. In der Anlage hat es auch an Seen mit Inseln. Auf einer leben Kaninchen, die wir leider nicht sahen, doch auf der anderen entdeckten wir die Affen, die auf den Bäumen herum turnten. Integriert auf dem Gelände sind auch Cabañas und es hat einen Camping- und Spielplatz. Leider konnten wir auch die, der Natur angepassten Schwimmbecken nicht nutzen, denn zum Baden war es uns zu kalt. Wir durften aber über Nacht auf dem Parkplatz bleiben. Leider schlief ich nicht sehr gut, denn der Wind rüttelte beträchtlich an unserem Womo herum.

Biocentro Guembe

Biocentro Guembe

Biocentro Guembe_62

Von Santa Cruz aus führte uns die Strasse in die Chiquitania zu den sogenannten Jesuiten Reduktionen. Auf einer Strecke von ca. 700 km besuchten wer der Reihe nach San Javier, Concepción, San Ignacio, Santa Ana, San Rafael, San Miguel, San José de Chiquitos und Santiago de Chiquitos.
Von 1609 bis 1767 haben Jesuitenmissionare in Südamerika hunderttausende von Indianern in festen Siedlungen zusammengeführt. Bekannt wurden die Siedlungen unter dem Namen Reduktionen (vom spanischen Wort reducir = zusammenführen).
Die Jesuiten verfolgten 3 Ziele:

- Evangelisierung
- Schutz vor Ausbeutung und Unterdrückung
- Kultureller Fortschritt
In die Reduktionen flüchteten sich die Einheimischen um von Sklavenjägern und Plünderern sicher zu sein, denn die Siedlungen unterstanden direkt der Krone und weder weisse Siedler, Mestizen, Vertreter der Regierung noch der Bischof hatten offiziell Zugang. Meist zwei Jesuiten organisierten und leiteten den Betrieb und bildeten die Menschen in den verschiedensten Berufen aus. Jede Siedlung versorgte sich selbst. Es gab kein privates Eigentum und kein Geld. Ein Teil der Erträge aus den Gemeinschaftsfeldern wurden zu sozialen Zwecken eingesetzt. Der Erfolg dieser Reduktionen führte zu Verleumdungen und 1767 wurden alle Jesuiten gezwungen die Reduktionen zu verlassen und nach Europa zurückzukehren. Weitere Informationen können z.B. bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Jesuiten nachgelesen werden.
In der Chiquitania in Bolivien wirkten die Jesuiten von 1691 bis 1767. In dieser Zeit bauten sie 10 Reduktionen auf.
Eine wichtige Person war der Schweizer Martin Schmid (1694-1772), der als Jesuit, Missionar, Musiker und Architekt in der Provinz Chiquitos wirkte. Er lebte von 1730  40 in San Javier. Dabei lernte er die indigene Bevölkerung europäische Musikinstrumente nachbauen, begann mit dem Aufbau einer Musikschule und führte die europäische Musik ein. In einem Brief 1744 schrieb er: «Die Obern haben mir befohlen, die Musik in diese Missionen einzuführen. Alle Dörfer haben jetzt ihre Orgel, viele Geigen und Bassgeigen aus Zedernholz, Clavicordia, Spinette, Harfen, Trompeten, Schalmeien. Diese Indianerknaben sind ausgemachte Musikanten; sie statten alle Tage in den heiligen Messen mit ihrem Singen und Musizieren dem Herrgott das schuldige Dankeslob ab. Ich darf behaupten, dass sie mit ihrer Musik in jeder Stadt und Kirche zu eurer großen Verwunderung erscheinen könnten.» (Wikipedia). Ausserdem half er mit verschiedene Werkstätten aufzubauen. Er vermittelte Kenntnisse in der Handwerkskunst und der Landwirtschaft. Er erstellte ein Wörterbuch und trug damit zur Verschriftlichung und Erhaltung der Chiquitano-Sprache bei. Bis 1749 lebte er in San Rafael de Velasco und errichtete die erste Kirche. 1779 kehrte er nach San Javier zurück um auch hier eine Kirche zu bauen, 1752 folgte der Bau der Kirche in Concepción. Unter seiner Leitung entstanden in San Miguel de Velasco und San Ignacio de Velasco holzgeschnitzte Barockaltäre. 1767 wurde er, 73-jährig, aufgrund des Ausweisungsbefehls des spanischen Königs gezwungen Südamerika zu verlassen. Spanien erreichte er erst 1769, wurde dort während 15 Monaten interniert, kam 1770 in Augsburg und im Frühjahr 1771 in Luzern an.
Auf Initiative und teilweise unter Anleitung des Schweizer Architekten und ehemaligen Jesuiten Hans Roth (1934-1999) wurden in den Jahren 1972-2003 die Kirchen in San José de Chiquitos, San Rafael de Velasco, San Javier, San Miguel de Velasco, Concepción, Santa Ana de Velasco und San Ignacio de Velasco restauriert oder teilrestauriert. Ausser der Kirche Ignacio de Velasco wurden alle andern von der UNESCO als Welterbe anerkannt. Alle Kirchen und oft auch die Häuser um den Hauptplatz herum sind liebevoll restauriert. Auch wenn es viele Ähnlichkeiten gibt, fanden wir immer wieder viele Unterschiede.
Als wir in San Javier ankamen, fand eine Prozession zu Ehren der Virgin Carmen statt. So hatten wir als erstes nur Augen für Umzug. Die jungen Frauen und jungen Männer waren in Kostüme in verschiedenen Blautönen gekleidet. An den  Unterschenkel trugen die Männern tönende Gebilde. Von Musikanten begleitet, tanzend die Jugendlichen, wobei die Männer im Takt auch noch ihre Hüte schwangen und sich im Kreis drehten. So überquerten sie den Platz der Kirche, bogen dann in eine Nebenstrasse ein und tanzten weiter bis zu ihrem Ziel. Es war eine Freude ihnen zuzuschauen. Die Kirche war geschlossen und so vertagten den Besuch. Aber wir bummelten unter den Arkaden und bestaunten die wunderschön renovierten Häuser, die den Hauptplatz einrahmen. Da es ziemlich heiss war, kauften wir auf dem Markt Früchte ein und gingen in den nahen Park. Er wird von diesem riesigen Vieh bewacht, doch es liess uns eintreten und wir machten im Schatten der Bäume Siesta.

San Javier

San Javier

San Javier

Wunderschön anzusehen war der Eingangsbereich der Kirche San Javier. Rechts und links schliessen sich Mauern an, die dann von je einem Gebäude begrenzt werden. Wir betraten als erstes das Museum und waren begeistert von den Fotos, die verschiedene, heute noch gelebte Bräuche darstellten. Über einen ersten Innenhof gelangten wir in die Kirche. Wir waren beeindruckt von den  Säulen- und Dachstockkonstruktionen. Alles ist aus Holz und wunderschön verziert. Zusammen mit den vielen Fenstern wirkt das Innere trotz der Grösse leicht und hell. Uns gefielen auch die Kontraste. Moderne Bilder schmückten den Altarbereich, daneben gab es viele Originale aus der Gründungszeit. Im andern Innenhof ist der freistehende Glockenturm. Wir konnten über die Wendeltreppe hinaufsteigen und aus der Nähe die Art der Befestigung der Glocken begutachten. Ausserdem hatten wir einen tollen Ausblick auf den Innenhof und den grossen Hauptplatz vor der Kirche.

San Javier

San Javier

San Javier

In Concepción ist der Glockenturm auch freistehen, aber ausserhalb der Kirche und es gab nur einen Innenhof. Das Innere wirkt viel düsterer, denn das Holz der Säulen und des Dachstocks ist dunkel bemalt. Der Altarbereich ist mit viel Gold und Bildern aus der Gründungszeit geschmückt, der Altar selber ist aus Silber. Auch hier fielen uns die vielen fein gearbeiteten Verzierungen auf. Ganz speziell in dieser Kirche ist aber die Darstellung des Kreuzgangs Jesu. Ansässige Künstler erhielten den Auftrag den Kreuzgang aus heutiger Sicht und ihren Vorstellungen entsprechend zu gestalten. So sahen wir auf den Bildern plötzlich Bagger, Lastwagen, Traktoren und viele Szenen aus dem Alltag der heutigen Bewohner. Viele der Symbole konnten wir leider nicht entschlüsseln und hatten auch keinen Führer, der uns mehr darüber erzählte. Doch wir waren so beeindruckt, dass Werni alle Bilder ins Internet stellt. Auch den Friedhof besuchten wir und entdeckten viele alten Grabsteine und Gruften. Neu sind die Gräber, die wie Wohnhäuser mit grossen Vordächern anzusehen sind. Oft hat es auch noch eine Sitzbank.

Conception

Conception

Conception

Der Ort San Ignacio wurde erst 1748 gegründet. Die Kirche wurde 1948 vollständig zerstört, 1964-1968 wieder gebaut und von 1992-2001 restauriert. Sie wurde nicht ins UNESCO Kulturerbe aufgenommen. Der Altar ist original, wurde aus Holz geschnitzt und mit Blattgold verziert. Die Kirche steht frei, hat keinen Innenhof und der Glockenturm ist mit ihr verbunden. Schön anzusehen sind die geschnitzten Bogen, bei den Säulen und Seitenschiffen. Sehr gut gefallen hat uns das Hotel Mision, das am Hauptplatz steht und einen sehr schönen Innenhof hat. Es wurde innen und aussen wunderschön restauriert. Die Arkade wird von Säulen getragen, die alle sehr schöne Schnitzereien aufweisen.

San Ignazio

San Ignazio

San Ignazio

Am besten gefallen hat uns die Kirche Santa Ana de Velasco. Sie ist die Einzige im Original gut erhaltene Kirche seit der Erbauung. Als einzige hat sie oberhalb der Eingangstüren Balkone, die einen ganz speziellen Eindruck geben. Innen ist sie sehr schlicht. Auch hier sind alle Säulen gedrechselt und der Dachstock aus Holz. Wunderschön sind die geschnitzten Säulenenden, die mit den Balken verbunden sind. Der Altar ist ganz aus Holz gemacht und mit sehr schönen Schnitzereien versehen. Im Altarbereich stehen mehrere Statuen und es hat nur ganz wenige Gold- und Silberverzierungen. Etwas Einmaliges ist die Orgel, die aus der Gründungszeit stammt. Ihr Inneres wurde auf den neusten Stand gebracht. Gerne hätten wir ein Orgelkonzert in dieser Umgebung gehört. Aber etwas anderes wartete auf uns. Als wir die Kirche besuchten, übten Jugendliche auf ihren Geigen für ein Konzert. Uns freute diese Atmosphäre und wir erfuhren, dass Barockmusik hier und in allen ehemaligen Jesuiten-Dörfern auch heute noch eine wichtige Rolle einnimmt. 

Santa Anna

Santa Anna

Santa Anna

Die Kirche von San Rafael ist sowohl aussen wie auch im Inneneren mit viel Malerei geschmückt. Die sehr schönen Details am Kirchenportal haben uns sehr gut gefallen. Der Altarbereich ist mit viel Blattgold verziert. Hier fielen uns besonders der Altar und die Kanzel auf. Sie sind ganz modern gestaltet und bilden einen ausgezeichneten Kontrast zum Schutzheiligen San Rafael, der als Original aus der Gründungszeit erhalten blieb. Die Holzsäulen sind schön bemalt. Skulpturen von Heiligen stehen auf bemalten Halterungen, bei denen mir auf Grund der Form und Farben Glace Cornet in Sinn kamen.

San Rafael

San Rafael

San Rafael

Als wir in San Miguel de Velasco ankamen fand auf dem Hauptplatz eine Veranstaltung gegen die Gewalt in der Familie statt. In verschiedenen Szenen spielten jugendliche Akteure und zeigten, dass Gewalt oft unter dem Einfluss von Alkohol ausgeübt wird. Thematisiert wurden gewalttätige Ausbrüche bei Meinungsverschiedenheiten in der Familie, aber auch Gewalt und Diskriminierung unter Jugendlichen beim abendlichen Ausgang. Bei einigen Theaterstücken endete die Auseinandersetzung mit dem Tod einer Person und erst dann kam die Erkenntnis dass früher etwas schief gelaufen war. Tränen- und wortreich wurde der Tote betrauert. Das Publikum machte begeistert mit. Schön waren die Tänze, die zwischen den Theaterstücken aufgeführt wurden.
Auch die Kirche von San Miguel ist reich geschmückt. Ein älterer Mann führte uns durch die Kirche, die Sakristei und den Innenhof. Mit ihm stiegen wir auf den Glockenturm und ich durfte endlich auch einmal auf eine Kanzel. Es war sehr spannend ihm zuzuhören. Er zeigte uns viele Originale, die während Prozessionen herum getragen werden. Er erklärte uns die Symbole und Bilder. Der Dachstuhl im Altarbereich ist wunderschön bemalt und es war das erste Mal, dass wir Malereien in dieser Art sahen. Auch viele alte Fresken an den Wänden konnten bei Renovierungsarbeiten wieder hervorgeholt werden. Bei den Glocken machte er uns auf das eingravierte Entstehungsjahr aufmerksam. Diese Glocken sind Zeuge von der Handwerkskunst der damaligen Zeit.
Wir übernachteten am Hauptplatz. Um 8 Uhr weckten uns Arbeiter. Sie baten uns wegzufahren, denn sie mussten die Randsteine weiss bemalen. Als wir nach der Kirchenbesichtigung auf den Hauptplatz hinaus traten, waren die ArbeiterInnen beim diesem Randstein beschäftigt. Werni machte ein Foto, damit ihr sehen könnt, wie viele Leute beschäftigt werden und wie es gemacht wird.

San Miguel

San Miguel

San Miguel

Am Hauptplatz steht die, im spanischen Barockstil erbaute Kirche von San José de Chiquitos mit der Pfarrei, dem Glockenturm und der Totenkapelle. Vor allem am Nachmittag waren wir beeindruckt von der Farbe, die diese aus Stein erbaute Reduktion ausstrahlt. Durch den Glockenturm führte uns ein Tor in den Innenhof. Im ehemaligen Pfarrgebäude ist das Museum untergebracht und an den Mauern konnten wir viele interessante Fresken bestaunen.

San Jose de Chiquitos

San Jose de Chiquitos

San Jose de Chiquitos

Als wir in Santiago de Chiquitos ankamen gingen wir ins Restaurant Chorapa. Dort lernten wir Yuvinka kennen. Ihr Mann Stefan ist aus Stuttgart. Sie hätten sich beide in dieses Dorf verliebt und bauten hier ein Restaurant auf. Auf der Speisekarte gab es ausser ungarischer Gulasch mit Spätzle auch Käsespätzle und noch andere Gerichte. Dass wir uns für diese zwei Gerichte entschieden, war fast zwingend und es schmeckte uns auch ausgezeichnet.
Für das kommende Wochenende war das“ Festival de Temporada de música misional de Chiquitos“ . Die Chance in einer alten Kirche Konzerte zu hören, wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir entschlossen uns in Santiago zu bleiben.
Die Kirche wurde Mitte des 19. Jahrhunderts total zerstört und zwischen 1916-1920 wieder aufgebaut. Sie ist sehr schlicht, doch das Kirchenportal weist sehr schöne Zeichnungen auf und die Säulen sind sehr schön gedrechselt. Die alte Orgel konnte restauriert werden dank Milton und Kathrin, zwei Amerikanern, die seit vielen Jahren in Santiago eine Farm betreiben.
Am Samstagabend hörten wir ein Konzert des „Orquesta de Cuerdas Santa Ana de Velasco“ und am Sonntagabend eines des „Coro y Oruesta Municipal de San Miguel de Velasco“. Sie spielten Stücke von unbekannten Komponisten, aber auch von Vivaldi und Mozart. Hans Roth fand bei den Renovierungsarbeiten Notenblätter aus der Jesuitenzeit und Piotr Nawrot editierte die Partituren. Wir waren absolut bezaubert von den Konzerten.

Santiago

Santiago Konzert

Santiago Konzert

Zu diesem Festival kommen jeweils auch VertreterInnen aus den Misionsreduktionen von Argentinien, Paraguay und Brasilien. Diese nahmen am Samstagmorgen das Frühstück in Restaurant Chorapa ein. Wir wollten natürlich auch die Spezialitäten kennen lernen und fanden uns zusammen mit den Delegierten ein. All die verschiedenen Brote aus Yucca und Maismehl die verschiedensten Konfitüren und Fruchtsäfte schmeckten uns ausgezeichnet. Das Restaurant war liebevoll dekoriert und es wurden die verschiedensten Kunsthandwerke gezeigt. Eine Gruppe von Frauen erhielt kürzlich einen Preis für die Herstellung von Heilmitteln aus einheimischen Pflanzen. Während des Frühstücks gab es auch noch ein Konzert.

Santiago

Santiago

Santiago

Anschliessend ans Frühstück gab es auf dem Platz vor der Kirche weitere Veranstaltungen. Schulklassen führten Tänze vor und natürlich spielte dazu die Musik. Ein Brauch, der auch auf die Jesuitenzeit zurück geht ist „El baile de los abuelos“ (Tanz der Grossväter). Die Masken symbolisieren die „Weissen Männer“ aus Europa. Dieser Tanz wird normalerweise nur am Tag des Schutzheiligen des Dorfes getanzt und es darf mit keiner Frau getanzt werden. Wir hatten also grosses Glück, dass wir all das miterleben konnten.

Santiago

Santiago

Santiago

Da wir doch einige Tage in Santiago verbrachten, holten wir Informationen über das Valle Tucavaca ein. Im Informationszentrum erhielten wir eine umfangreiche Diashow mit vielen Erklärungen zu diesem Schutzgebiet. In diesem riesigen ökologischen Naturschutzgebiet leben immer noch Tapire und Jaguare. Man könne zu Steinbogen, Höhlen mit Felszeichnungen und Wasserfällen mit Naturbecken wandern, begleitet von einem Führer, erzählte uns der Leiter des Zentrums. Wir begnügten uns mit einer kurzen Wanderung hinauf zum einem Aussichtspunkt. Von dort sahen wir hinunter ins unendlich sich vor uns ausbreitende Tal. Um uns herum ragten vom Wind und Wasser seltsam geformte 6 bis 8 m hohe Felssäulen in den blauen Himmel hinauf. Wir schlenderten auf dem Hochplateau herum und überlegten uns Namen zu den verschiedenen Steinformationen. Die Anstrengung auf diesen Aussichtspunkt hinauf zu steigen hatte sich gelohnt.

Mirador Santiago

Mirador Santiago

Mirador Santiago

Auf dem Weg nach Santiago kamen wir zum kleinen Dorf El Chochis. Es liegt am Fusse einer felsigen Steilklippe. Schon von Weitem sahen wir den fast 600 m hohen, roten Felsmonolith in den Himmel hinauf ragen. Er ist das Wahreichen des Ortes und wird „Torre de David“ genannt. Wir folgten dem Schild „Santuario Mariano de la Torre – Virgen de la Asunta“. Das Eingangstor war zu niedrig und so stellten wir unseren Huckepack auf der Wiese ab und stiegen den 2,9 km langen Weg zu den Gebäuden hinauf. Die Anlage wurde 1988 vom SchweizerArchitekten Hans Roth erbaut. An den Gebäuden und Säulen hat es eindrückliche Holzschnitzereien. Eine Seite ist dem Kreuzgang Jesu gewidmet. Auf dem Weg zur Grotte hinauf befinden sich an den Wänden weitere Holzschnitzereien. Sie erinnern an die schweren Regenfälle, die 1979 viele Häuser und Teile der Eisenbahnschienen zerstörten, Bäume entwurzelten und vielen Menschen das Leben kosteten. Ganz oben auf einem Felsen sitzt eine Steinfigur, die ins Tal hinunterblickt.

Santuario La Torre

Santuario La Torre

Santuario La Torre

In San José de Chiquitos erreichten wir wieder die Asphaltstrasse. Der Umweg über die, zum Teil sehr holperige Erdstrasse hatte sich gelohnt. Ausser den vielen wirklich wunderschönen Reduktionen fanden wir immer traumhafte Übernachtungsmöglichkeiten. Wir standen an einem Stausee, an Lagunen und heissen Thermalquellen. Wir staunten, wie schnell die Temperaturen von einem Tag auf den andern wechselten. Doch, wie gewünscht konnten wir bei kalten Temperaturen im heissen Thermalwasser, wenn es heiss war im kühlen Wasser baden. Manchmal kamen wir uns wie im Paradies vor. Wir waren fasziniert von den schroffen Tafelbergen, den vielen Wäldern, den riesigen landwirtschaftlich genutzten Felder, den Palmen, den vielen Rinderherden, den Lagunen, Seen und Flüssen. Wir konnten viele verschiedene Vögel beobachten und zum ersten Mal sahen wir Tukane in der Freiheit.

Aguas Calientes

Conception

Aguas Caliente

Wieder haben wir viele freundliche Menschen kennen gelernt. Ihre Liebe zu Musik und Tanz und ihr Umgang mit Instrumenten hat uns tief beeindruckt. Auch mit welchem Eifer und Hingabe die Jugendlichen übten freute uns. Bis jetzt haben wir nur einen kleinen Teil von Bolivien gesehen. Doch der Weg führt uns weiter nach Brasilien und im nächsten Jahr werden wir sicher nochmals nach Bolivienkommen um den Süden zu bereisen.

Und wie immer gibt es sehr viele Bilder zu bewundern im Order: Südamerika, Unterordner: August 2013!