Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Sonntag, den 26. Januar 2014 um 00:00 Uhr

Nach 14 Tagen Anapolis war es für uns an der Zeit wieder auf Entdeckungstouren zu gehen. Damit wir keine Parkplatzprobleme hatten fuhr uns Martin mit seinem tollen VW-Käfer zum Supermarkt. Dort kauften wir alle notwendigen Dinge für unsere Weiterreise ein. Wieder gab es ein logistisches Problem zu lösen, wo hin mit all diesen Einkäufen und auch unsere persönlichen Sachen mussten im Huckepack wieder verstaut werden. Ein letztes Mal kontrollierten wir alle Halterungen der Kabine. Dann verabschiedeten wir uns von Martin, dem grossartigen Gastgeber und seinem Freund Marco.

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Wir waren zuversichtlich, dass mit unserem Fahrzeug jetzt endlich alles absolut in Ordnung sei und wir wieder ohne Probleme unsere nächsten Ziele ansteuern konnten. Wir wollten erst in Uruguay den Service und weitere, nötige Reparaturen am Auto machen lassen, denn auf Spanisch kann ich mich schon recht gut unterhalten. Auf den Campingplatz des „Paraiso Suizo“ wollten wir eine Auszeit nehmen und hofften mit Hilfe von Heinz und Silvia, den Besitzern, eine gute Werkstatt zu finden, die wir mit allem Nötigen beauftragen könnten.
Anfangs fuhren wir durch eine vielfältige Landschaft. Hügel und grosse weite Ebenen wechselten sich ab. Wir fuhren an riesigen Feldern vorbei. Für uns ist es fast unbeschreibbar, wie gross die Kulturfelder sind. Mais-, Zuckerrohr-, Korn- und Soyafelder wechselten sich ab mit ebenso riesigen Weideflächen für Rinder. Riesige Silos standen am Strassenrand, bereit für die Aufnahme der Ernte. Dazwischen gab es wieder weite Gebiete mit Büschen und Wäldern. Da in Brasilien der Güterverkehr fast ausschliesslich mit Lastwagen verteilt wird, fuhren wir oft in Elefantenkolonnen. Manchmal sahen wir schöne Seen und überquerten Flüsse. Es war heiss und wir sehnten uns nach einem schönen Stellplatz. Doch wir fanden keine Möglichkeit von der Hauptstrasse weg zu kommen und anzuhalten. Deshalb benutzen wir wieder Tankstellen als Übernachtungsplätze.
Mit Belo Horizonte, fast 900 km von Anapolis entfernt, erreichten wir wieder einmal eine riesige Stadt mit über 2.5 Mio Einwohnern. Obwohl der Reiseführer einige Sehenswürdigkeiten aufzählte, wollten wir noch am selben Tag die Stadt durchqueren. Es war uns einfach zu heiss, es hatte unwahrscheinlich viel Verkehr und es begann zu regnen. Prompt gerieten wir in einen Stau und krochen mit der Autolawine durch die Stadtviertel.. Zum ersten Mal fuhren wir in Brasilien auch an einem Zelt- und Blachenquartier vorbei. Es war schrecklich anzusehen. Die „reicheren“ hatten Zelte, die andern hatten mit Blachen ihre vier Wände abgedeckt. All die behelfsmässigen Bauten boten mehr Sicht- denn Lärmschutz – von Privatsphäre konnte nicht die Rede sein. Abfall schwamm in den Pfützen und wir schlossen die Fenster trotz der fast unerträglichen Hitze vor dem Gestank. Wir können uns dieses Leben nicht vorstellen. In Anapolis hatten wir gesehen wie ganze Quartiere aus dem Boden gestampft wurden um den ärmeren Bewohnern eine würdige Unterkunft zu geben. Hier sah alles ganz anders aus.
Als es langsam dunkel wurde fanden wir wieder einmal einen Übernachtungsplatz bei einer Tankstelle. Ganz in der Nähe hatte es ein Einkaufszentrum, das aus vielen Gebäuden bestand und total eingezäunt war. Wir zogen zu Fuss los, mussten immer entlang der Umzäunung gehen, bis wir endlich den Eingang fanden. Nachdem wir das Nötigste eingekauft hatten, wollten wir auf einem kürzeren Weg zurück. Doch der Ausgang von dem aus wir die Tankstelle sehen konnten, war nur für Autos gedacht und wir wurden zurück gewiesen. Als wir etwas orientierungslos herumstanden, hielt ein Polizeiauto neben uns. So gut es ging erklärte ich den Beamten unser Problem. Sie forderten uns auf einzusteigen und fuhren uns direkt zur Tankstelle. Wieder einmal hatten wir Glück und profitierten von der Hilfsbereitschaft von Menschen.
Zeitig am nächsten Tag fuhren wir weiter. Unser Ziel war das „Centro de Arte Contemporanea Inhotim“ in der Nähe von Brumadinho. Jetzt waren wir im gebirgigen Teil des Bundesstates Minas Gerais. Da wir zuerst die Vororte Belo Horizonte verlassen und dann auf eher schlechten Nebenstrassen fahren mussten, erreichten wir das Zentrum erst am frühen Nachmittag.
Doch der weite Weg hatte sich gelohnt. Innert kürzester Zeit fanden wir uns in einer ganz anderen Welt. Bernardo Paz, ein Stahlmagnat begann 2004 eine Vision zu verwirklichen. Im 300‘000 Quadratmeter grossen Park stehen mehr als 20 Pavillons und es wird immer noch weiter gebaut und gestaltet. Und so wanderten wir durch einen botanischen Garten mit Bäumen, seltenen Pflanzen, Gewässern und kunstvoll angelegten Wasserspielen. Dazwischen hat es immer wieder kunstvoll gestaltete Holztische und -bänke, die zum Ausruhen oder zum Picknick einladen. In Mitten dieser wunderbaren Umgebung entdeckten wir immer wieder Skulpturen und Installationen. Jeder Pavillon ist eine Gallerie für einen Künstler ausgestattet. Jeder eingeladene Künstler hat die Möglichkeit ohne räumliche Einschränkung ein Projekt zu realisieren. Bei einigen Installationen wurden wir schnell selber aktiv und spielten mit den Spiegelbildern, hüpften auf weichen Schaumstoffgebilden oder legten uns auf bereitliegende Matten um den Klängen zu lauschen. Ausser Skulpturen, Bildern, Fotos, gab es auch eine Videoinstallation des Magnum-Fotografen Miguel Rio Branco. Die Verbindung von moderner Kunst und Natur schärfte all unsere Sinne und Wahrnehmung. Die gesellschaftskritischen Arbeiten brachten uns zum Nachdenken. Das Zentrum ist so gross, dass wir beschlossen auf dem Parkplatz zu übernachten, damit wir am nächsten Tag nochmals durch die Anlage gehen konnten. Es war ein riesiges Geschenk, diesen Park zu entdecken.

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Als nächstes besuchten wir die Kirche in Congohas. Die Stadt verdankt ihre Entstehung den grossen Goldfunden des Rio Maranhao. Heute lebt sie hauptsächlich vom Bergbau, der Metallverarbeitung und vom Tourismus.
Die Wallfahrtskirche „Bom Jesus de Matozinhos“ mit den Skulpuren von Aleijadinho und den Kreuzwegskapellen sind Teil der UNESCO. Sie wurde 1758 auf dem Maranhao-Hügel, oberhalb von Congohas gebaut. Eine grosse Freitreppe und Kapellen mit Kunstwerken von regionalen Künstlern führen zur Kirche hinauf. Über eine sehr steile Strasse erreichten wir endlich die Kirche und ich waren dankbar über den, wenn auch sehr schiefen Parkplatz. Noch machte ich mir keine Gedanken über den Rückweg.
Antonio Francisco Lisaboa (1738-1814) wurde weltweit bekannt als Aleijadinho (kleiner Krüppel). Er war Sohn eines portugiesischen Architekten und einer schwarzen Sklavin. Seinen Übernamen erhielt er, weil er aufgrund einer Erkrankung seine Finger und Zehen und die Beweglichkeit seiner Beine verlor. Ungeachtet dessen, liess er sich Hilfsmittel an seine Arme schnallen und setzte seine Arbeit fort. Er schuf zwölf lebensgrosse Statuen der Propheten aus Speckstein. Sie stehen vor der Kirche am Rande der Terrasse und schon von weit her sind sie erblickbar. Wir waren überrascht zu sehen wie die Propheten mit dramatischen Bewegungen Schriftrollen in ihren Händen halten und jeweils sechs gute und sechs schlechte Nachrichten ins Tal hinaus verkünden.
Interessant waren auch die Kapellen die den Kreuzgang thematisieren. Wir begnügten uns zwei davon anzusehen. Im Innern der Kirche war es verboten zu fotografieren, doch der Gedenkraum neben der Kirche zeigte uns, wie viele Menschen ihre Hoffnungen, Bitten und Dankbarkeit an den Wänden zum Ausdruck bringen.

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Wir überlegten uns vor der Kirche zu übernachten, doch wir sahen keinen einigermassen ebenen Platz. Also entschlossen wir uns wieder hinunter zu fahren. Bei der Hinfahrt hatte ich eine Tankstelle mit einem sehr schönen Restaurant gesehen. Nach mehreren Sackgassen fanden wir den Weg, der auch für Autobusse befahrbar war. Wir fuhren zur Tankstelle zurück und erhielten die Erlaubnis über Nacht zu stehen. Mit einem guten Nachtessen und einem Bier beendigten wir den Tag.
Die Überraschung kam am nächsten Morgen. Wieder einmal hing unsere Kabine schief auf der Ladebrücke. Mit viel Enthusiasmus ging ich zur Tankstelle und versuchte mit meinem besten Spanisch unser Problem an den Mann zu bringen. Sofort wurde unser Vehikel begutachtet. Kein Problem, meinte der Angestellte. Er und sein Freund kennen eine Werkstatt, ganz in der Nähe. Sie fuhren in ihrem Auto hin und besprachen Lösungsmöglichkeiten. Dann kamen sie zurück mit der Information, dass wir umgehend dort hin fahren müssen. Dass wir mit herunterhängender Kabine eine 2-spurige Autobahn überqueren sollten, erachteten sie als kein Problem. Wir sollen ihnen nur folgen und alles werde sich von selbst erledigen. Es klappte tatsächlich und wir erreichten die Werkstatt. Und wieder begleitete uns das Glück. Es war Samstag und in Brasilien wird nur bis 12 Uhr gearbeitet, dann ist Wochenende.
Einmal mehr setzten wir die Kabine ab unter den Augen vom interessierten Bewohnern. Der Mechaniker meinte, dass das Problem recht einfach zu lösen sei. Zwischen Ladebrücke und dem Auto sei eine Halterung verrostet. Er werde diese ersetzten und damit sei unser Problem gelöst. Wir vertrauten auf seine Fachkenntnisse und tatsächlich konnten wir die Kabine um 14 Uhr wieder aufsetzen. Voller Zuversicht machten wir uns wieder auf den Weg. Bis zur Atlantik-Küste waren es ja nur noch ein paar hundert Kilometer. Dort musste zwischen Rio de Janeiro und Sao Paulo ein wunderschöner Ort liegen – Paraty. Da wollten wir hin um dann entlang der Küste nach Uruguay fahren. Es war zwar ein Umweg, aber die Strecke schien vielversprechend zu sein.
Doch zuvor besuchten wir noch Tiradentes. Bevor wir im Ort einfuhren, fanden wir einen kleinen Wasserfall mit einem gestauten Becken in einer idyllischen Umgebung. Genau der richtig Platz um zu entspannen. In letzter Zeit waren wir bei Sonnenschein, Regengüssen und Schlammpisten gefahren. Eine Autoreinigung stand an. Wir blieben zwei Tage, schwammen im recht warmen Wasser und in einem Anfall von „von nun an geht alles gut“ reinigten wir das Auto und die Kabine vom schlimmsten Dreck.
Das Städtchen Tiradentes (Zähne ziehen) wurde nach dem populären Befreiungskämpfer Tiradentes benannt. Es ist ein sehr schönes, am Berg liegende Städtchen, in dem sich auch viele andere Touristen aufhielten. Wir liefen auf dem alten Kopfsteinpflaster durch die engen Strässchen auf und ab. Die 1710 erbaute „Igreja Matriz de Santo Antonio“ ist im Inneren reich mit Gold ausgestattet. Die Fassade stammt auch von Aleijadinho. Leider war die Kirche „Nossa Senhora do Rosario dos Pretos“ wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Sie wurde 1708 bis 1727 von Sklaven errichtet. Diese erstellten die Kirche in Nachtarbeit, weil sie während des Tages in den Minen arbeiten mussten. Uns gefielen auch die schönen Innenhöfe, die mit vielen Antiquitäten und Kuriositäten ausgestatteten Geschäfte und der Bach, der sich durch den Ort schlängelt.

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Tiradentes 06

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Nach wir vor hatten wir kein Bedürfnis Grossstädte zu besuchen, doch der Gedanke endlich am Meer zu sein beflügelte uns. Wir beschlossen die Strasse zu nehmen, die zwischen Rio de Janeiro und Sao Paulo an die Küste und zum Ort Paraty führt. Das hiess ca. 450 km zu fahren um dorthin zu gelangen. Wir nahmen diesen Umweg gerne in Kauf, denn dann konnten wir weite Strecken entlang der Küste Richtung Uruguay fahren und wären erst weit hinter Sao Paulo wieder auf die Hauptroute gekommen. Wieder rollten wir viele langweilige Kilometer und mit hunderten von Lastwagen über die Autobahn und übernachten an einer Tankstelle. Endlich erreichten wir die Abzweigung. Und jetzt war auch die Autofahrt interessanter. Von den Bergen ging es wieder hinunter ins Tal und dann wieder steil aufwärts um die letzten Berge vor der Küste zu überwinden. Die Asphaltstrasse war in einem ausgezeichneten Zustand, doch zeitweise waren die Haarnadelkurven so eng, dass auch unser Huckepack sie nur beim 2. Anlauf nehmen konnte. Dann war es wieder so steil, dass auch bei der kleinsten Übersetzung die Strasse nur mit viel Können erklommen werden konnte. Unterwegs schlug Werni vor bei einem kleinen Wasserfall zu übernachten, bevor wir an die Küste kommen würden. Nur noch 30 km, dann sind wir am Meer, bettelte ich. Das überzeugte auch Werni und wir fuhren weiter.
Doch dann hörte die Asphaltstrasse auf und wir erreichten eine Baustelle. Ab hier entsteht die neue Strasse und die Bauarbeiten waren in vollem Gang. Es wurde gebaggert und geschaufelt. Wassertanklaster weichten die Erde an verschiedenen Stellen auf. Dadurch entstehen tiefe Fahrrinnen, Löcher und die Erde wird zu einer Masse, die sowohl an den Reifen, als auch am ganzen Auto klebt. Wieder mussten wir vielen Schlaglöchern ausweichen und zwischendurch fand jedes Rad ein anderes Loch, in das es hinein geriet. So schwankten wir mit der Kabine die steile Strasse hinunter. Nach etwa 3 km entschlossen wir uns umzukehren. Das Vertrauen, dass unser Fahrzeug diese Strapazen klaglos hinnimmt ist dahin. Frustriert fuhren zurück zum Wasserfall zurück. Doch es war sehr schön dort und in der Nacht gab es keinen Verkehr. So verbrachten wir eine ruhige Nacht und hörten nur das Geplätscher des Wassers und am Morgen das Vogelgezwitscher.
Am nächsten Morgen fuhren wir die 100 km zurück, dann erreichten wir die Autobahn, die uns um Sao Paulo herum führen sollte. Wir hatten beschlossen erst nach Curitiba ans Meer zu fahren, denn oft führten nur kurze Strassenstücke am Meer entlang und dann hätten wir wieder auf die Hauptverbindungsstrasse zurück kehren müssen. Natürlich wurde der Verkehr immer hektischer, je näher wir dieser 20 Mio. Stadt kamen. Doch auch dies überstanden wir problemlos und nach zwei Übernachtungen bei Tankstellen und einer Fahrt von ca. 700 km erreichten wir Curitiba. Dort durften wir auf dem Parkplatz des Museums „Oscar Niemeyer“ übernachten.
Der Besuch dieses wunderbaren Museums lohnte sich. Der deutschstämmige Architekt und Erbauer der Hauptstadt Brasilia hat sich hier ein Denkmal gesetzt. Das Museum wir oft auch „Museu de Olho“ (Auge) genannt. Dieser Teil des Museums steht wie auf einem Ständer und ist durch einen unterirdischen Tunnel mit dem anderen Museumsgebäude verbunden. Über einem Teich führen geschwungene Treppen nach oben. Drinnen und draussen gibt es Freiflächen, die den Gebäudekomplex umgeben und mit vielen Objekten und Skulpturen bestückt sind. Am Abend war das Museum wunderschön beleuchtet und da ein Konzert stattfand auch von vielen Menschen besucht. In einem grossen Saal sind Modelle, Zeichnungen und Fotos von den Werken Oscar Niemeyers ausgestellt. Auf dem Weg zum Haupteingang ins Museum sind begehbare Scheiben auf dem Boden eingelassen und so konnten wir nach innen und unten schauen und sahen auf das Modell des Museums hinunter. Die temporäre Ausstellung gefiel uns ausserordentlich gut, vor allem die Werke einer über 80 jährigen bekannten Künstlerin, deren Namen ich leider nicht mehr weiss. Was uns begeisterte war auch die Wechselwirkung von Gebäude und Kunst, das heisst, die wichtige Rolle, die sowohl das Innere als auch das Äussere spielt.

Curitiba 15

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Von hier aus fuhren wir endlich ans Meer. Leider verschlechterte sich das Wetter und es wurde grau und trüb. So übernachteten wir am Strassenrand bei einem kleinen Dorf. Doch vom Fenster aus konnten wir den Sandstrand und das Meer sehen. Am nächsten Morgen schien die Sonne wieder und Werni wagte sich ins recht frische Meer. Ich genoss einen Strandspaziergang und dann fuhren wir weiter. Überrascht wurden wir, als wir plötzlich das Schild für eine Fähre sahen. Tatsächlich hörte die Strasse bei Caioba auf und eine Fähre brachte uns und unseren Huckepack hinüber nach Guaratuba.
Nun waren es nur noch etwa 150 km bis zur Insel San Francisco do Sul. Unterwegs kauften wir ein, denn wir wollten ein paar Tage am Strand bleiben. Am einen Ende der Insel gibt es ein Fort und dort konnten wir unseren Huckepack auf dem Parkplatz vor dem Eingang abstellen. Es war wieder heiss und sonnig und die Welt war für uns in Ordnung. Auf dem Gelände hat es mehrere Gebäude und ein sehr schönes Restaurant mit Gartensitzplatz. Das Fort wird immer noch von Soldaten bewacht Sie waren sehr freundlich und wir durften die Toiletten und in einem Gebäude das Internet benutzen. Einige der Häuser sind umgebaut und werden an Feriengäste vermietet. Wir bummelten ein bisschen herum, doch die meiste Zeit badeten wir im warmen Meer und entspannten uns am schönen Sandstrand. Am andern Morgen machte ich einen langen Spaziergang.

Sao Francisco 01

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Als ich zurück kam sah ich, dass der Spalt zwischen Fahrerkabine und Ladebrücke wieder grösser geworden war. Das war natürlich ein riesiger Frust. Ich erzählte Werni von meiner Beobachtung und wir sahen uns die Sache gemeinsam an. Schnell war es klar, dass wir so nie bis nach Uruguay kommen würden. Wir diskutierten verschiedene Möglichkeiten. Nach einigen Überlegungen entschlossen wir uns nach Blumenau zu fahren. Diese Grossstadt im Bundesstaat Santa Catarina lag nur etwas mehr als 100 km entfernt. Sie wurde 1850 von deutschen Einwanderern gegründet und wir hofften dort eine Werkstatt zu finden, in der jemand deutsch sprechen würde. Dennoch blieben wir den ganzen Tag am Strand. Werni musste noch Öl für das Getriebe nachfüllen und wir nahmen uns einen Tag frei um die Enttäuschung zu verarbeiten.
Wieder fuhren wir durch hügeliges Gebiet und die Landschaft mit den Häusern erinnerte uns sehr an die Schweiz. Wir versuchten jeder Bodenwelle auszuweichen oder sie nur im Schritttempo zu nehmen. So kamen wir ohne weitere Panne in Blumenau an. Bei der erst besten Möglichkeit parkierten wir unseren Huckepack um die Touristeninformation aufzusuchen. Ein Passant war so freundlich uns dorthin zu führen. Zwar sprach die Angestellte in der Touristeninformation nur Portugiesisch, doch sie gab uns eine Liste mit Adressen von Autowerkstätten. Die vielen Fachwerkhäuser und die Innenstadt hätten uns zum flanieren eingeladen, doch wir waren auf Lösungen für unser Problem fixiert. So kehrten wir umgehend zu unserem Huckepack zurück und suchten die am nächsten gelegene Werkstatt auf. Diese konnte unser Problem nicht lösen, gab uns aber eine Adresse von einer anderen Werkstatt. Leider fanden wir diese nicht, doch beim Herumfahren entdeckte ich ein Schild mit der Aufschrift „Kuhlmann Autoservicio“. Umgehend fuhren wir dorthin und wussten, dass wir jetzt am richtigen Ort waren. Die Werkstatt war sehr gut eingerichtet und es hatte auch Last- und Feuerwehrwagen auf dem Gelände. Auch sprach ein Mechaniker deutsch und wir erklärten ihm unser Anliegen.
Wir wurden so eingewiesen, dass wir keine anderen Fahrzeuge behinderten, denn alle waren sich einig, dass die Reparatur mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen würde. Wieder kurbelten wir die Stützen herunter und stellten die Kabine ab. Am nächsten Morgen untersuchte der Mechaniker die Schwachstellen. Es war schnell klar, dass die Ladebrücke vom Auto getrennt werden muss, damit eine genaue Analyse gemacht werden kann. Dann sahen wir, dass nicht nur der zweite Riss im Chassis mangelhaft geflickt wurde, die Verstärkung in Congohan viel zu schwach war und einige Verbindungen zwischen Führerkabine- und Ladebrücke durchgerostet waren. Fast vier Tage verbrachten wir in der Autowerkstatt bis der Mechaniker alle Schäden repariert, neue Teile angeschweisst und überall Verstärkungen angebracht hatte. Der Mechaniker schaffte es auch, dass die Ladebrücke wieder im fast originalen Abstand zur Fahrerkabine war. Dadurch liegt sie wieder auf allen Punkten auf dem Chassis auf und für uns gibt es die Hoffnung, dass die Belastung dadurch wieder kleiner ist. Das ist absolut professionelle Arbeit, die in dieser Werkstatt von diesen Mechanikern geleistet wurde. Wir hoffen, dass der Huckepack noch während vielen Kilometern seinen Teil zum Gelingen unserer Reise beiträgt. Auf diesem Weg danken wir allen Beteiligten der Firma Kuhlmann nochmals recht herzlich. Alle waren sehr freundlich zu uns und erklärten uns auf Deutsch welche Arbeiten sie durchführen. Wir danken auch dafür, dass wir die Toiletten, die Dusche, das Internet und den Innenhof als Stellplatz benutzen und dass wir vor der Weiterreise auch noch den Frischwassertank füllen durften.
Beim Entfernen der hinteren Räder stellte der Mechaniker fest, dass ein Radlager zu viel Spiel hatte. Er versuchte die Schrauben zu öffnen, aber in der Werkstatt fehlte der Schraubenschlüssel für die englische Norm.
Zum Glück durften wir das Internet in der Werkstatt benutzen. Werni nahm Kontakt mit Ruedi von Overlandtechnics auf, unserem Spezialisten in der Schweiz. Er meinte, dass wir sicher noch 1000 km weit fahren können bei einer Geschwindigkeit von max. 70 km/h. Jetzt suchte Werni im Panamericana Forum nach einer Landrover Werkstatt. Er fand die Adresse der Landrover Werkstatt „The specialist“. Die Empfehlung des Forumbenutzers überzeugte uns umso mehr als wir wussten, dass der Besitzer Luiz Fraga, sehr gut englisch spricht. Wir entschlossen uns nach Sao Paul zurück zu fahren und dort die Reparatur durchführen zu lassen.
Wir konnten die GPS Daten bei unserem Garmin eingeben und waren sicher, dass wir die Werkstatt im Dschungel von Sao Paulo finden würden. So fuhren wir die über 650 km auf der Autobahn wieder zurück und erreichten nach einer weiteren Übernachtung bei einer Tankstelle am Sonntagabend die Werkstatt. Am Montagmorgen kam dann Luiz Fraga und erzählte uns, dass er schon am Vorabend vorbei gefahren sei und sah, dass unser Auto dort stand. Der Huckepack wurde in die Werkstatt gefahren. Ausser dem Wechsel des Radlagers liessen wir den grossen Service machen. Bei der Kontrolle stellten die Mechaniker fest, dass die vorderen Bremsen auch ersetzt werden müssen. Zum Glück hatten sie fast alle Teile an Lager, doch all die Arbeiten konnten nicht am selben Tag durchgeführt werden. Auch hier wurden die Arbeiten absolut professionell durchgeführt und wir erhielten einen hervorragenden Service.
Wir lernten seine Frau Marisa und seinen Sohn Philip kennen. Marisa erzählte mir viel von ihren Reisen und vom Leben in Brasilien. Wieder lernten wir nur freundliche und hilfsbereite Menschen kennen. Sie sagten uns wo wir gut und günstig essen konnten, durften das Internet, die Toilette und die Dusche benutzen und konnten im Hof der Werkstatt übernachten. Auch an dieser Selle nochmals herzlichen Dank für alles.

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Sao Paulo

All diese Vorkommnisse mit dem Auto, das Fahren von tausenden von Kilometern und das mehrheitliche Übernachten bei Tankstellen führten bei mir zu einer Lustlosigkeit. Ich wollte nur noch einen Ort, an dem wir unseren Huckepack abstellen und während längerer Zeit nicht mehr fahren mussten. Die Zauberworte, die sich immer wieder in meinem Hirn meldeten waren „Uruguay“, „Paraiso Suizo“ und „die Schweizer Silvia und Heinz“. Wir wussten von anderen Reisenden, dass die Beiden vor 20 Jahren Land gekauft hatten und dass in der Zwischenzeit ein kleines Dorf entstanden ist mit Bungalows, Restaurants und einem Campingplatz. Das war unser Ziel.
Zwar mussten wir noch mehr als 1600 km zurück legen bis wir an die Grenze zwischen Brasilien und Uruguay kamen. Da aber meine Reise- und Entdeckungslust einen Tiefpunkt erreicht hatten, nahmen wir mehr oder weniger den kürzesten Weg zur Grenze, die wir nach 6 Tagen erreichten.

Nur einen sehr kleinen Teil sahen wir von Brasilien, diesem fünft grössten Staat der Erde. Spätestens wenn wir die Wasserfälle bei Iguazu besuchen, werden wir nochmals in dieses Land einreisen. Was wir sicher in unser in unserer Erinnerung behalten sind die einmaligen Erlebnisse im Pantanal, die tolle Zeit bei Martin in Anapolis und seinen Freunden. Aber auch die oft wahnsinnig langen Autofahren entlang von Plantagen in Ebenen, die nicht enden wollten, die riesigen Viehherden und die unzähligen Lastwagen, die die Güterverteilung garantieren, sind unvergesslich . Auch an die wenigen, ausgezeichneten Museen, die wir besuchten und an die futuristische Stadt Brasilia denken wir gerne zurück. Und nicht zuletzt sehen wir uns mit viel Vergnügen die tollen Fotos an.
Ich bedaure, dass wir mit dem Auto soviele Scherereien hatten und deshalb die Reiselust verloren ging. In der Zwischenzeit ist sie zurück gekehrt und wir haben Uruguay schon vor mehr als drei Wochen verlassen. Von unserem dortigen Aufenthalt handelt der nächste Bericht. Jetzt sind wir in Argentinien.