Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Brasilien - Teil 1 Drucken E-Mail
Freitag, den 03. Januar 2014 um 00:00 Uhr

Fast vier Monate sind vergangen seit dem letzten Bericht. Mein schlechtes Gewissen meldete sich immer wieder, doch ich habe es erfolgreich verdrängt. Nun ist es an der Zeit ihm Folge zu leisten und endlich von unserem Aufenthalt in Brasilien zu erzählen.
Wie immer gibt es viele Bilder in der Gallerie. Werni war bedeutend zuverlässiger bei der Aktualisierung.
Der Grenzübergang von Bolivien nach Brasilien war bis jetzt der Einfachste. Zwar mussten wir etwas warten bis die Ausfuhrpapiere für den Huckepack abgestempelt waren, dann staunten wir. Für Brasilien füllten wir die Touristenkarten aus und mussten dort auch unsere Autonummer eintragen und schon hatten wir die Bewilligung für 90 Tage Aufenthalt in unseren Händen. Als wir fragten wo das Büro für die Einfuhr des Autos sei, meinte die sehr freundliche Beamtin, dass das in Brasilien nicht mehr notwendig sei. Es genüge, dass auf der Touristenkarte die Autonummer stehe. Das war die bis anhin einfachste Aus- und Einreise.
Brasilien hat eine Fläche von 8‘550‘000 km2 und über 199 Mio. Einwohner und ist sowohl flächen- als auch bevölkerungsmässig der fünft grösste Staat der Erde. Es war uns klar, dass wir in den drei Monaten nur einen kleinen Teil bereisen würden. Dass wir dann knapp 8‘000 km zurücklegten, überraschte uns - so viel waren wir noch nie gefahren in so kurzer Zeit.
Von Puerto Suarez, der bolivianischen Grenzstadt, fuhren wir bis Corumba, der ersten Grossstadt im Pantanal. Die Touristen-Information ist im Convention Center, das unterhalb der Stadt und direkt am Rio Paraguay liegt. Wir wurden sehr freundlich empfangen und sie holten eine Frau, die Englisch konnte, da wir kein Portugiesisch verstanden. Diese stattete uns mit einem Stadtplan aus, gab uns das Passwort für WiFi und teilte uns mit, dass über das Wochenende eine Bücherausstellung stattfinde. Sie erlaubte uns auch auf dem bewachten Parkplatz zu übernachten. Unser erster Eindruck von den Menschen in Brasilien war durchwegs positiv und wir fühlte uns sehr willkommen.
Anschliessend streiften wir durch die Strassen und Werni fand endlich ein Paar Sandalen. Sowohl in Peru als auch Bolivien gab es nur Schuhe bis zur Grösse 42. Dann gingen wir ins kleine Museum, wo wir ein sehr interessantes Video mit wunderschönen Landschaftaufnahmen sahen und einen Einblick in den Artenreichtum der Flora und Fauna des Pantanals erhielten. Die Informationstafeln zur Geschichte waren alle in Portugiesisch geschrieben. Deshalb betrachteten wir nur die Felszeichnungen eingehender und hielten uns nicht lange in den Räumen mit den Ausstellungsgegenständen zur Geschichte auf. Als wir in die Stadt hinauf stiegen bewunderten wir das Graffiti an einer Hausmauer. Von oben genossen wir den Blick auf den Rio Paraguay und die ausufernde Landschaft. Am Abend besuchten wir die Eröffnung der Bücher- und Bilderausstellung. Natürlich verstanden wir nichts von den Reden, die gehalten wurden. Aber es war schön den Tanz- und Musikdarbietungen zuzusehen. Am nächsten Morgen spazierten wir ein wenig am Fluss entlang, vorbei an den Ausflugsschiffen und machten dann uns auf den Weg.

Corumba

Corumba

Pantanal

Das Pantanal (griechisch für Sumpf) ist eines der grössten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde. Es liegt in den Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul und kleine Gebiete reichen bis in die anschliessenden Staaten Paraguay und Bolivien. Das Pantanal erstreckt sich über eine Fläche von 230‘000 km2 und ist damit fast 6-mal so gross wie die Schweiz. Es wird von zahlreichen Flüssen gespeist und es gibt viele Süsswasserseen. Der Rio Paraguay entspringt im gebirgigen Hochland von Mato Grosso, ist 2‚559 km lang und durchfliesst auf 600 km das Pantanal. Im Süden bildet er die Grenze zwischen Brasilien und Paraguay. Anschliessend durchquert er die paraguayische Hauptstadt Asuncion und bildet die Grenze zwischen Paraguay und Argentinien, bevor er in den Rio Parana mündet. Ein grosser Teil des Gebietes ist Schutzgebiet und seit 2000 zählt das Pantanal zum Welterbe der UNESCO. Durch Industrialisierung und Rodung ist es aber akut gefährdet. In der Regenzeit (November bis März) werden weite Teile der Tiefebene überschwemmt und zwei Drittel des Gebietes stehen teilweise metertief unter Wasser. Die wilden Tiere und das Vieh ziehen sich dann auf die Trockenwälder und Uferdämme zurück. Es hat nur wenige Strassen und weite Gebiete sind nur per Boot oder zu Fuss erreichbar. Deshalb ist vieles unerschlossen und das ganze Gebiet ist dünn besiedelt.
Da wir Anfangs September im südlichen Pantanal ankamen, hofften wir viel von der Artenvielfalt zu sehen. Kurz nach Coruba verliessen wir die Asphaltstrasse und benutzten die Estrada Parque. Doch bald hörten wir ein undefinierbares Geräusch, das mit unserem Fahrzeug etwas zu tun haben musste. Nach mehrmaligen Anhalten, nachsehen und neben dem Auto herlaufen fanden wir die Ursache. Die Halterung eines Stossdämpfers war abgebrochen und dieser schepperte gegen die Karosserie. Im Schatten eines Baums entfernte Werni mit viel Geduld, Kraft und manchen Verwünschungen den Stossdämpfer. Meine Bedenken räumte er aus dem Weg, in dem er mich daran erinnerte, dass wir schon in den Bergen von Guatemala während längerer Zeit ohne Stossdämpfer problemlos weiter gefahren sind. Nach fast 2 Stunden konnten wir weiterfahren.
Bei einer längeren Pause an einem Fluss, beobachteten wir viele verschiedene Vögel. Wir sahen ihnen zu, wie sie Reste von unseren Keksen aufpickten. Sie getrauten sich ganz nahe zu kommen um dann ausserhalb unserer Reichweite das Eroberte zu fressen. Manchmal mussten sie es auch gegen andere verteidigen. Dann beobachtend sie uns und warteten auf weitere Leckereien. Andere badeten, breiteten dann ihre Flügel aus und liessen ihr Gefieder von der Sonne trocknen. Wir hörten nur das Plätschern des Wassers, das Gezwitscher der Vögel und das Rascheln des Windes in den Blättern. Während der ganzen Zeit fuhr kein einziges Auto an uns vorbei.
Wir planten das Pantanal wenn immer möglich auf den auf Dämme gebauten Erdstrassen zu erkunden, um so viel wie möglich von der Natur mit zu bekommen. Überall sahen wir Sümpfe, Seen und kleine Flüsse, aber auch viele Tiere und noch mehr Viehherden. In der Trockenzeit haben die kleineren Flüsse kein oder nur wenig oder Wasser. Deshalb sind die Tiere auch besser zu beobachten. In der Regenzeit ziehen sie sich auf die Uferdämme und in die Trockenwälder zurück, denn weite Teile der Tiefebene stehen teilweise metertief unter Wasser.
Bald gaben wir es auf, die aus Holz gebauten Brücken zu zählen- es sind unendlich viele. Sicher haben wir weit über 100 benutzt. Die meisten sind in einem guten Zustand, mache jedoch durch die schweren Lastwagen beschädigt. Oft gibt es zusätzlich eine Umfahrung durch den Fluss. Irgendwann gab es aber auch keine Brücke mehr und wir konnten mit einer Fähre den Fluss überqueren.
Der Zustand dieser Strassen war sehr unterschiedlich. Manchmal waren sie in einem recht guten Zustand, dann gab es wieder viele Löcher und Wellblechpisten. Das hing davon ab, wie viele Lastwagen, manche sogar doppelstöckig und oft mit Anhängern auf einer Strecke Tiere beförderten. Auf unserer Fahrt sahen wir, wie eine Herde zusammen getrieben wurde und schon 3 Lastwagen bereit standen für den Abtransport.

Panatanal Brücke

Pantanal

Weg Santa Clara 02

Schon bald stellten wir fest, dass entlang der Strasse beidseitig Zäune angebracht und die Zufahrt zu den Fincas mit Gattern geschlossen sind. So mussten wir fast immer auf Campingplätzen übernachten, denn am Strassenrand zu übernachten war nicht attraktiv. Auch wenn nur wenig Verkehr war, wachten wir jedesmal auf, wenn ein Auto oder ein Lastwagen an uns vorbei fuhr.
Bei unserem Aufenthalt auf den Campingplätzen der Fazenda Sao Joao und Santa Clara hatten wir viel Zeit Papageien, die verschiedensten Vögel, Störche und andere Wassertiere zu beobachten. Ganz besonders gefielen uns die verschiedenen Ara-Arten mit ihrem bunten Gefieder, speziell aber der kobaltblaue Hyazinthara mit seinen langen Schwanzfedern. Elegant flog er durch die Lüfte und wir hörten seinem Gesang zu.

Sao Joao

Sao Joao 14

Santa Clara

Auf dem Weg nach Bonito, einem Ort im Südwesten von Mato Grosso de Sul sahen wir in den Gewässern auch immer wieder Kaimane, doch wir getrauten uns nicht in ihrer Nähe zu schwimmen. Auch beobachten wir Capybaras die sich auf der Strasse sonnten. Doch wenn man sich ihnen näherte, verschwanden sie umgehend im Dickicht
In Bodoquena mussten wir Tanken und besuchten anschliessend das Touristenbüro. Auch hier wurden wir sehr freundlich begrüsst und, da es schon etwas spät war, fragten wir ob wir auf dem Parkplatz über Nacht stehen dürfen. Hier sei es sehr sicher, teilte uns die Angestellte mit und in der Nacht auch ruhig. Auch funktioniere WiFi auf dem Platz und sie gab uns das Passwort bekannt. Dann zeigte sie uns auch noch den Wasserhahn damit wir den Tank mit Frischwasser nachfüllen konnten.
Am Morgen kamen zwei junge Frauen um unser Womo zu bewundern. Noch nie hätten sie so etwas gesehen und natürlich waren sie neugierig und wollten es auch von innen sehen. Die Unterhaltung war schwierig, doch mit „Händen und Füssen“ konnten wir uns verständigen. Sie erzählten uns, dass sie Schwestern und Primarlehrerinnen seien und mit ihren Schülern eine Schülerzeitung heraus geben. Dann fragten sie uns, ob sie in der nächsten Ausgabe über unseren Huckepack einen Artikel schreiben dürfen. Als wir das bejahten, machten sie mit ihren Handys Fotos. Dann dankten sie, verabschiedeten sich und fuhren mit ihrem Auto davon. Doch es dauerte nur eine kurze Zeit, dann klopfte es wieder an unsere Tür. Die beiden Frauen kamen zurück, begleitet von ihrer Mutter und einem Schüler und baten uns auch diesen unsere Kabine zu zeigen. Die Begeisterung kannte kaum Grenzen und jetzt hatten sie auch eine Kamera dabei. Wieder unterhielten wir uns so gut es ging und dann mussten sich alle vor dem Auto aufstellen, damit Fotos gemacht werden konnten.

Pantanal

Sao Joao

Bodoquena

Dann fuhren wir weiter nach Bonito. Die Region ist bekannt für kristallklare Flüsse mit vielen Wasserfällen. Der riesige Campingplatz gefiel uns so gut, dass wir beschlossen einige Tage dort zu bleiben.
Wir wollten uns endlich Zeit nehmen und einige Reparaturen ausführen. Werni brauchte eine neue Halterung für den Stossdämpfer und wir mussten die Kabine etwas anzuheben, der Alkoven berührte auf einer Seite bei schlechten Strassen das Autodach. Wir setzten die Kabine ab und Werni demontierte ein Rad, damit er an die Halterung für den Stossdämpfer kam. Mit den Fahrrädern fuhren wir zum Einkaufen in den Ort hinein. Bei einer Autowerksatt liess Werni ein Metallteil herstellen, damit er den Stossdämpfer wieder montieren konnte.
Jeder Stellplatz hatte ein gedecktes Häuschen mit einer Grillstation, einer Abwaschvorrichtung und Stromanschluss. Wir konnten auch unsere Hängematte an den Balken befestigen und hatten Schutz vor der Sonne. Die sanitären Anlagen waren sehr sauber und die Duschen hatten heisses Wasser. Nur je ein Paar aus Kanada und der Schweiz waren gleichzeitig auf dem Platz und wir verbrachten die Abende mit plaudern. Es gab wieder viele verschiedene Vogelarten, die uns mit ihrem Gesang verwöhnten und morgens und abends kamen viele Tukane und hielten sie in den Bäumen auf.

Bonito

Bonito

Bonito

Vom Campingplatz führte ein Weg zum nahe gelegenen Fluss. Im klaren Wasser sahen wir die Fische schwimmen. Die Sonne schien und es war sehr heiss. Mehrmals am Tag gingen wir zum Fluss planschten strampelten im sauberen und kühlen Wasser. Dabei hielten wir uns an Seilen fest, denn die Strömung hätte uns sonst hinunter getrieben. Es waren acht herrliche Tage, die wir dort verbrachten

Bonito

Bonito

Bonito

Alles war geflickt, das Womo geputzt und der Wetterbericht versprach Regen, Wind und kühle Temperaturen. Alles Gründe um weiter zu fahren. Auf der Karte fanden wir eine Erdstrasse, die nach Aquidauana zum Rio Negro und dann nach Rio Verde führt. Gegen Abend kamen wir in Aquidauana an und fragten nach dem Weg. An der Tankstelle empfahlen sie uns zu übernachten und erst am nächsten Morgen loszufahren. Wir nahmen den Ratschlag an und spazierten ein wenig durch die Strassen. Im Ort gab es nichts Besonderes zu besichtigen, es ging geschäftig zu und her und die Strassen waren vollgestopft mit Autos.
Wir freuten uns am nächsten Tag wieder in die Einsamkeit zu kommen. Wir genossen die Fahrt, obwohl wir aufgrund der schlechten Strasse nur langsam voran kamen. Wir sahen Ameisenbären, Gürteltiere, Nandus und Sumpfhirsche, aber auch wieder viele Vögel. Nur selten gab es eine Einfahrt zu einer Fazienda. Riesige Weideflächen wechselten sich ab mit undurchdringlichem Dickicht. Weiter im Norden sahen wir Tafelberge. Gelb und pinkfarbene Bäume setzten Farbtupfer in die sonst ausgedörrt wirkende Landschaft. Hier gab es keinen Campingplatz und so übernachteten wir am Strassenrand.
Nachdem wir etwa 160 km gefahren waren, machten wir am nächsten Nachmittag eine Kaffeepause. Wir wollten am Abend im nur noch 20 km entfernten Rio Negro ankommen und am nächsten Tag die 70 km zur Hauptverbindungsstrasse ins Mato Grosso fahren. Ein Auto hielt an und fragte nach unserem Ziel. Als wir sagten, dass wir nach Rio Verde unterwegs seien teilten sie uns mit, dass die Brücke über den Rio Negro beschädigt sei und es nur eine Fussgängerbrücke gebe.
Das war natürlich eine herbe Enttäuschung. Wir mussten wieder zurück fahren und dann die Hauptstrasse über Campo Grande nehmen. Das hiess 160 km zurück fahren und dann auf der BR 262 und BR 163, also einen Umweg von 350 km Asphaltstrasse fahren, um dann erst in Rio Verde zu sein.

Weg Rio Verde

Weg Rio Verde

Weg Rio Verde

Unser nächstes Ziel war die Transpantaneira. Dafür mussten wir von Rio Verde über Cuiaba nach Pocone fahren, das hiess nochmals ca. 600 km Asphaltstrasse.
Das war kein Vergnügen. In Brasilien werden hauptsächlich Lastwagen für den Gütertransport eingesetzt. Also sind sie zu tausenden unterwegs. Wenn immer möglich wird überholt, denn keiner will vom Gaspedal weg. Falls es etwas aufwärts geht, entstehen „Elefantenrennen“, geht es abwärts wurden wir überholt. Das einzig gute ist, dass die Tankstellen ausgezeichnet eingerichtet sind. Überall hat es Duschen, saubere Toiletten und gute Restaurants. Wir konnten dort problemlos und sicher übernachten. Oft konnten wir uns etwas abseits stellen und so dem Lärm ein wenig entfliehen.
Irgendwann erreichten wir dann Pocone und fuhren direkt auf den Campingplatz Paraiso. Auch dort hatte es gute sanitäre Anlagen und sogar einen Swimmingpool, den wir ausgiebig nutzten. Während zwei Tagen erholten wir uns von der langen Autofahrt.
Dann machten wir uns wieder auf den Weg. Pocone ist das Tor zur Transpantaneira, einer hochgelegten Schotterstrasse ins nördliche Pantanal. Sie ist 145 km lang und endet nach mehr als 120 Holzbrücken bei Porto Jofre. Das ursprüngliche Projekt war eine Nord- Süd Verbindung zu schaffen die, in die BR 262 einmündet. Diese verbindet „Campo Grande“ mit „Corumba“. Das Pantanal sollte ein Rinderzuchtgebiet werden und die Strasse sollte zum Transport der Tiere aber auch von Geräten und Maschinen genutzt werden und den Lufttransport ablösen. Die Strasse wurde jedoch nur bis zur Grenze „Mato Grosso do Sur“, also bis „Porto Jofre“ gebaut und muss jedes Jahr an vielen Stellen geflickt und neu aufgeschüttet werden.
Wir fuhren nur etwa ersten 64 km und kehrten dann um, denn die Strasse wurde immer schlechter. Da dieser Teil des Pantanals nur ganz dünn besiedelt ist hofften wir viele Tiere zu sehen. Leider zeigten sich weder Jaguare, Pumas oder Ozelote. Doch wir sahen viele Nandus, Rosalöffler, Kaimane, Capybaras (das grösste Nagetier der Welt) und wiederum viele Papageien und andere Vogelarten. Der Jabiru (ein Riesenstorch und Symbol des Pantanals) hatte es uns besonders angetan. Er ist bis zu 1.20 m gross, hat eine Flügelspannweite von bis zu 2.60 m und sein Schnabel ist bis zu 30 cm lang. Auf seinen dünnen Beinen stolzierte er durch den Sumpf. Elegant flog er durch die Lüfte und die Landung auf einem Ast, sah das ziemlich lustig aus. Spannend war auch zu beobachten, wie er seinen Kropf vergrössern konnte. Die Tage vergingen rasch beim Beobachten der Tiere. Da es keine Mücken hatte, konnten wir bis in die späte Nacht hinein den Sternenhimmel bewundern. Leider konnten wir keine Wanderungen unternehmen, denn auch hier hatte es beidseitig der Strasse Zäune. Auch wurden wir gewarnt vor den Raubtieren.

Transpantaneira

Transpantaneira 07

Transpantaneira

Dann machten wir uns auf den Weg nach Anapolis, das über 1‘000 km von Pocone entfernt ist. Dort wollten wir Martin, einen ehemaligen Arbeitskollegen besuchen. Die Strasse führte uns durch den Nationalpark Chapada dos Guimaraes. Dieses grüne Hochplateau erstreckt sich bis auf 800 m über Meer. Bei der Anfahrt sahen wir bizarre Felsformen und steil abfallende Felswände. Vom Mirante de Geodesia (Südamerikas geologischer Mittelpunkt) sahen wir bis weit ins Land hinein. Wir besuchten den 60 m hohen Wasserfall Veu de Noiva (Brautschleier). Es war imposant zu sehen, wie das Wasser in die Tiefe stürzte und wie grün die Umgebung war.
Der Schock war gross, als wir bei der Rückkehr sahen, dass unsere Kabine schon wieder schief auf der Ladebrücke war. Doch dann hatten wir Glück im Unglück. Ein Parkwächter telefonierte in eine Autowerkstatt und der Besitzer kam nach einer halben Stunde und besichtigte den Schaden. Das Chassis war an einem anderen Ort gerissen. Wir vereinbarten, dass er uns am nächsten Vormittag abholen werde. Wir durften unsere Kabine auf dem Parkplatz abstellen und der Parkwächter versprach uns aufzupassen in der Zeit in der wir weg sein würden. Am nächsten Morgen kam der Mechaniker und wir fuhren mit dem Landrover in seine Werkstatt. Nie hätten wir ohne seine Führung diese gefunden. Während dem ganzen Tag arbeitete er an unserem Chassis. Da er die hinteren Räder demontieren musste, baten wir ihn auch noch die Bremsen zu ersetzen. Bei der Montage der Räder entdeckten wir, dass in einem Reifen eine Beule war. Wir hatten die Reifen in Kolumbien neu gekauft und waren entsetzt, dass einer schon defekt war. Doch da war nichts zu machen und wir hofften wenigstens bis nach Anapolis zu kommen. Er zeige uns auch, dass die Ladebrücke nur noch an zwei Punkten auf dem Chassis aufliegt und dadurch ganz andere Kräfte zur Wirkung kommen. Das hatten wir nicht gesehen, als wir in Cusco die Ladebrücke hinten um 10 cm anheben liessen. So lernt man immer wieder etwas dazu.
Ziemlich frustriert setzten wir die Kabine wieder auf und hofften, dass wenigstens der Reifen noch bis Anapolis hält.
Zum Glück waren die Strassen in einem guten Zustand und so kamen wir recht zügig voran. Es war heiss und wir waren dankbar, dass wir bei Tankstellen immer wieder duschen konnten. Landschaftlich war die Fahrt eintönig. Wir durchfuhren riesige abgeerntete Weizen- Soja- und Zuckerrohrfelder, dann wieder weite Gebiete mit Gebüschen und Bäumen. Nur die Stimmung beim Sonnenuntergang war wunderschön.

Chapada dos Guimaraes

Weg Anapolis

Weg Anapolis

Wir waren froh, als wir endlich in Anapolis ankamen. Anapolis ist die drittgrösste Stadt im Bundesstaat Goias und dessen industrielles Zentrum. Sie ist ca. 160 km von Brasilia entfernt. Die Stadt wächst in einem rasanten Tempo. Sie ist dank der zentralen Lage Hauptumschlagplatz für den Getreidehandel. DAIA (Distrito Agro-Industrial de Anapolis) ist der grösste Industiepark der Stadt und beherbergt die grösste Generica-Industrie des Landes. Immer mehr Autohersteller zieht es hierher. Seit 1972 hat Anapolis die grösste Luftwaffenbasis des mittleren Westens.
Die Stadt ufert tatsächlich in jeder Richtung aus. Innert sehr kurzer Zeit entstehen ganze Quartiere. Da in den Aussenbezirken mehrheitlich Einfamilienhäuser gebaut werden, nimmt auch der Individualverkehr zu. Breite Strassen durchschneiden die Stadtviertel und in der Innenstadt findet man kaum einen Parkplatz. Zudem wird wenn immer möglich vermieden zu Fuss unterwegs zu sein. Es war auch sehr heiss und so hielten wir uns nur kurze Zeit in der Innenstadt auf. Wir schlenderten über den Hauptplatz, sahen uns die Kirche an und gingen dann zurück zum Busbahnhof um wieder in die Idylle der Vorstadt zu gelangen.

Anapolis

Anapolis

Anapolis

An der EB-Zürich habe ich vor vielen Jahren Martin Enkelmann kennen gelernt und wir haben oft zusammen gearbeitet. Er liess etwas ausserhalb des Stadtzentrums von Anapolis ein tolles Haus bauen und zog, nachdem er pensioniert wurde hierher.
Er empfing uns herzlich und wir konnten unseren Huckepack in seinem Garten abstellen. Er lud uns ein in seinem Haus zu wohnen. Wir genossen viele schöne Stunden mit ihm. Wir lernten seine Freundin Leide und ihre beiden Kinder Victor und Amanda kennen. Er stellte uns auch seinen Freunden vor und wir wurden von allen herzlich aufgenommen und in ihre Häuser eingeladen. Natürlich mussten wir zur Unterhaltung auch unsere „Händen und Füsse“ zu Hilfe nehmen. Doch alle gaben sich unendlich viel Mühe, sprachen langsam und deutlich und mit viel Lachen kamen wir über die Runden.

Anapolis

Anapolis

Anapolis

Mit Martin fuhren wir zu einen bunten Gemüse- und Früchtemarkt. Bis jetzt hatten wir immer in Lebensmittelläden und Supermärkten eingekauft. Noch nie hatten wir in Brasilien einen Strassenmarkt gefunden. Umso schöner war es, all die frischen Früchte, Gemüse und Salate zu sehen und zu fotografieren. Auch konnten wir nach Herzenslust einkaufen, denn Martin hat einen grossen Kühlschrank. Als Werni sich bereit machte einen Koch zu fotografieren, wurde dieser von einer Frau darauf aufmerksam gemacht und er liess sich sofort ablichten. Das fiel uns in Brasilien immer wieder auf. Alle stellten sich fröhlich der Kamera und freuten sich über die Aufnahmen. Damit wir in der Stadt nicht mit unserem Vehikel herumfahren mussten, führte uns Martin mit seinem alten VW herum. Dabei kamen bei uns viele nostalgische Erinnerungen auf.

Anapolis

Anapolis

Anapolis

Doch auch Restaurantbesuche standen auf dem Programm. Es gab immer umfangreiche Buffets mit viel Salat, Gemüse und Teigwaren, Kartoffeln und Reis in den verschiedensten Zubereitungsarten. Fleisch und Wurstwaren werden frisch gegrillt. Um die Mittagszeit füllen sich die Lokale und jede Person füllt sich den Teller mit mehr oder weniger vielen Sachen. Uns fiel die Auswahl immer schwer – alles sah sehr lecker aus und war appetitlich hergerichtet. Nach dem Essen zahlt man an der Kasse und dort steht immer eine Thermoskanne mit Kaffee und daneben hat es kleine Becher. So kann man noch einen kleinen, heissen und sehr süssen schwarzen Kaffee trinken, bevor man das Lokal verlässt. Das Schöne in den Restaurant ist, dass man so lange sitzen bleiben kann, wie man will und nie wurden wir gefragt, ob wir noch etwas konsumieren möchten.

Anapolis

Anapolis

Anapolis

In vollen Zügen genossen wir den Aufenthalt im Haus. Es war toll, wieder einmal eine geräumige Wohnküche benutzen zu können. Wir schätzten den Komfort einer guten Dusche und die Ruhe in diesem Quartier. Viele Stunden sassen wir auf der Terrasse uns blickten über das Land. Wurde es uns zu heiss draussen, konnten wir uns in die kühlen Innenräume zurück ziehen. Wir verbrachten die Zeit mit lesen und faulenzen und hatten einen ausgezeichnete Internetzugang. Oft kamen Martins Freunde ins Haus und dann wurde geschwatzt, erzählt und dieses oder jenes kühle Bier stillte unseren Durst und auch Hunger leiden mussten wir nicht.
Damit wir nicht zu viele Pfunde ansetzen konnten, gingen wir mit Martin ins Aquafit. Dort wurden wir mit grossem Interesse begrüsst. Eine Frau sprach Englisch und fragte uns woher wir kommen, was wir erlebt haben und wohin wir fahren. Dann übersetzte sie alles auf Portugiesisch. Dazu wurde viel gelacht und manchmal hatten wir das Gefühl, dass es für einige mehr eine Plauderstunde war. Als wir zum letzten Mal am Programm teilnahmen, bedauerten sie, dass wir wieder gehen und wünschten uns eine gute Reise.

Anapolis

Anapolis

Anapolis

Anapolis

Anapolis

Anapolis

Als Abwechslung und aus Freude gibt Martin an zwei verschiedenen Schulen Einzelunterricht in Deutsch. Er lud uns ein mitzukommen. Die TeilnehmerInnen würden sich immer freuen, wenn er Besuch mitbringe. Natürlich gingen wir gerne mit und waren gespannt, wie die jeweiligen TeilnehmerInnen auf uns reagieren. Wir waren sehr überrascht, denn sie zeigten offen ihre Freude und keinerlei Scheu, dass wir dabei waren. Martin hatte im Voraus einige Fragen vorbereitet, damit der Einstieg einfacher war. Während einer Stunde unterhielten wir uns. Als wir fragten, warum sie Deutschunterricht nehmen, erklärten sie uns, dass sie sehr gerne Deutschland kennen lernen würden. Olimpia, die bei der Polizei arbeitet meinte, dass sie einfach Spass hätte an Fremdsprachen und das eine Abwechslung zu ihrem Berufsalltag sei. Ausserdem können sie bei der Weltmeisterschaft 2014 vielleicht auch Touristen betreuen und ihnen weiter helfen. Danilo, der in der Autoindustrie arbeitet und noch studiert hofft nach seinem Studium in Deutschland eine Anstellung zu finden. Anna Paula und Andersen, die beide Musik studieren, möchten in Europa herumreisen und finden es deshalb wichtig Deutsch zu lernen. Mit ihnen gingen wir nach dem Unterricht zu einem Italiener Glace essen. Der Geschäftsinhaber ist Italiener, in der Schweiz aufgewachsen und hatte diese Gelateria erst seit drei Monaten eröffnet. Und die Glaces schmeckten wirklich ausgezeichnet. Auch mit all diesen Menschen war es kein Problem Fotos zu machen. Offen und mit viel Spass vergingen die gemeinsamen Stunden.

Anapolis

Anapolis

Anapolis

Carlos, ein Freund von Martin arbeitet in einem Kinderhort. Dort werden Kinder ab 3 Jahren während dem ganzen Tag betreut. Carlos erzählte uns, dass sich in diesem Hort täglich 300 Kinder aufhalten. Dabei gehe es sehr lebhaft zu und her. Damit wieder etwas Ruhe einkehre, müssen sich alle nach dem gemeinsamen Mittagessen hinlegen. Die ganz Kleinen hätten am Montag meistens Mühe den Rhythmus wieder zu finden, denn am Wochenende erleben sie zu Hause eine ganz andere Struktur. Doch es sei sehr befriedigend zu erleben, wie schnell sie sich wieder eingewöhnen. An einem Samstag fand das Frühlingsfest statt. Wir erhielten eine liebevoll gestaltete, persönliche Einladung. Mit ganz einfachen Materialien waren Kostüme für jede Altersgruppe hergestellt worden. Es sah sehr lustig aus. Auf einer Bühne wurden Tänze aufgeführt. Bei den ganz Kleinen sah man, dass einige nicht wussten, was mit ihnen geschah und es gab manche Träne, wenn sie sich von der Mutter oder dem Vater lösen sollten. Manchmal wurden sie dann begleitet um doch noch auf der Bühne zu stehen. Bei jeder Darbietung wurden die Kinder von den Erwachsenen angefeuert und natürlich wurde alles mit Kameras festgehalten. Auch wir hatten viel Spass beim Zusehen.

Kinderhort Veranstaltung

Kinderhort Veranstaltung

Kinderhort Veranstaltung

An einem Sonntag nahem wir den Bus um nach Brasilia zu fahren. Diese Stadt wurde auf dem Reissbrett geplant und Ende der 1959-er Jahre bei einer Bauzeit von 41 Monaten dem Boden gestampft. Die Gründungsväter waren Präsident Kubitschek, Architekt Niemeyer, Stadtplaner Costa und Landschaftsarchitekt Marx. Der Regierungssitz wurde von Rio de Janeiro nach Brasilia verlegt.
Über 2 Stunden dauerte die Fahrt und wir fuhren durch endlose Vorstadtquartiere, bevor wir das Zentrum erreichten. Leider war der Fernsehturm geschlossen und so konnten wir uns kein Bild von oben machen. Auf Fotos sahen wir, dass die Stadt einem Flugzeug oder einem Menschen mit ausgebreiteten Armen und Beinen nachempfunden ist. Wir stellten sehr schnell fest, dass diese Stadt für Autos konzipiert wurde. Mehrspurige Autobahnen durchschneiden die Innenstadt in Sektoren. Es war sehr heiss und die Distanz zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten war weit. Trotzdem, uns gefielen die futuristischen Bauten. Wir besuchten das Museu Nacional mit einer sehr interessanten Ausstellung. Dann sahen wir uns die Catedral Metropolitana an. Mit ihren geschwungenen Säulen, dem freistehenden Glockenturm, den Buntglasfenstern und den gespenstischen Statuen der vier Evangelisten zog sie uns in ihren Bann. Zu Fuss gingen wir durch Parks bis wir das weit entfernte Memorial JK erreichten. Dort ist der Sarg von Präsident Kubitschek aufgestellt und es gibt viele Exponate und eine sehr informative, interaktive Präsentation über die Erbauung der Stadt. Auch hier wurde nicht gekleckert sondern geklotzt. Todmüde nahem mir ein Taxi um wieder zum Busbahnhof zu gelangen.

Brasilia

Brasilia

Brasilia

Es gab zwei Dinge, die wir in Anapolis unbedingt erledigen wollten.
Erstens mussten wir den defekten Reifen ersetzen. In Kolumbien mussten wir das letzte Mal neue Reifen kaufen. Wir waren mit diesen erst 20‘000 km gefahren und wären dankbar gewesen, wenn wir nur einen Reifen hätten ersetzen könnten. Leider konnten wir keinen Händler finden, der diese Reifenmarke führte. Da wir mit den Reifen von BR-Goodrich sehr gute Erfahrung gemacht hatten, suchten wir einen entsprechenden Händler. Wir fanden einen, der 4 Reifen am Lager hatte und uns versprach, diese am nächsten Tag zu montieren. Das waren die teuersten, die wir je auf unserer Reise kaufen mussten.
Dann wollten wir die Ladebrücke in den Zustand zu bringen, dass sie wieder an allen notwendigen Stellen auf dem Chassis aufliegt. Wir planten die in Cusco angebrachten Metallstützen zu demontieren und dann mit Hilfe von Holzteilen die Kabine so zu erhöhen, dass sie auf der Ladebrücke aufliegt und der Alkoven das Autodach nicht mehr berührt. Wir hofften, dass wir dann keine Probleme mit unserer schweren Kabine mehr haben würden.
Martin kannte eine Schreinerei und er fuhr uns dorthin. Er erklärte den Geschäftsführer, Joel Canuto, unser Problem. Wir durften die Kabine am gleichen Tag auf einem Platz absetzen. Am nächsten Tag brachte ich den Landrover in die Garage damit die neuen Reifen angebracht werden konnten. Werni begann mit der Demontage. Das Projekt artete dann doch in ziemlich viel Arbeit aus. Durch die starke Beanspruchung während unserer Reise war nicht nur das Chassis, sondern auch noch bei der Rückwand der Kabine ein Riss entstanden. Joel Canuto meinte, dass dies am Besten mit Fiberglas geflickt werden sollte. Er habe einen Bekannten, der Boote baue und dieser sei sicher bereit uns zu helfen. Er fuhr mit Werni hin, doch dieser Freund hatte keine Zeit. Er gab aber alles notwendige Material mit. Als Werni zahlen wollte, meinte Joel, dass das ein Freund von ihm sei und dieser kein Geld annehme. Auf dem Rückweg holten die Beiden auch noch weiteres Material und auch hier durfte Werni nichts bezahlen. Als sie dann wieder zurück waren machte Joel sich persönlich an die Arbeit und trug das Fiberglas fachmännisch auf. Auch durften wir ihm die Masse geben für die Holzteile, die wir brauchten. Persönlich schnitt er die Teile zu. Wir arbeiteten fast 2 Tage, bis alle Teile montiert waren und wir die Kabine wieder aufsetzen konnten. Als wir die Rechnung verlangten verschwand er. Als er zurück kam gab er uns nicht eine Rechnung sondern seine Visitenkarte. Wir seinen jetzt auch seine Freunde und von Freunden nehme er kein Geld. Er bat uns jedoch ihm unsere Homepage bekannt zu geben, damit er wisse, wo wir auf unserer Reise seien. Zum Glück hatten wir wenigsten einen Zvieri mit Kuchen und Sandwiches für die ganze Belegschaft eingekauft. Mit so viel Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft hatten wir überhaupt nicht gerechnet.

Anapolis

Anapolis

Anapolis

Für unseren Aufenthalt in Anapolis danken wir nochmals allen, die uns so viel Freundschaft, Hilfe und Zeit schenkten.

Und das waren noch nicht alle Erlebnisse in Brasilien – Fortsetzung folgt

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