Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Dienstag, den 25. Februar 2014 um 00:00 Uhr

Chui heisst die Grenzstadt in Brasilien, Chuy in Uruguay. Die Calle Internacional, die einen Grasstreifen in der Mitte hat, verläuft zwischen beiden Ortsteilen und gehört zur einen Hälfte Brasilien, zur andern Uruguay. Auf der einen Seite wird brasilianisch, auf der andern spanisch gesprochen. Auf der einen Seite zahlt man mit Real, auf der anderen mit Peso.
Kurz vor der Stadt erhielten wir am Zoll die Ausreisestempel aus Brasilien. Wir selber merkten kaum etwas vom Grenzverlauf. Doch der Verkehr war total chaotisch. Kreuz und quer wurde vor den Geschäfte und den vielen Duty-Free-Shops parkiert und so manövrierten wir in einer Schlangenlinie durch die beiden Orte. Wir füllten nur den Tank auf der brasilianischen Seite, denn wir wussten, dass in Uruguay der Diesel viel teurer ist. Wir waren froh, als wir endlich das Chaos hinter uns lassen konnten und die Zollstation von Uruguay, die auch ausserhalb liegt, erreichten. Auch hier waren die Formalitäten schnell erledigt und wir erhielten für uns eine Aufenthaltsgenehmigung von 90 Tagen, für den Huckepack ein Jahr. Aus diesem Grund lassen viele Reisende das Fahrzeug in Uruguay, wenn sie für längere Zeit in ihre Heimat zurück kehren. Auch kann man die persönliche Aufenthaltsdauer immer wieder verlängern, wenn man, wenn auch nur für einen Tag über die Grenze nach Brasilien oder Argentinien geht und dann wieder in Uruguay einreist.

Der amtliche Name ist República Oriental del Uruguay und ist der zweitkleinste Staat in Südamerika. Er hat eine Fläche von 176‘215 km2, ca. 3.5 Mio. Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von knapp 2 Einwohnern pro km2. In Städten leben etwa 92 Prozent, in Montevideo, der Hauptstadt, leben über 40 Prozent (ca. 1.5 Mio.) der Einwohner. 88 Prozent der Bevölkerung stammt von Nachkommen europäischer Einwanderer, 4 Prozent von Nachkommen afrikanischer Sklaven und 4 Prozent sind Mestizen.
Einen Grundsatz, der in der Verfassung verankert ist, möchte ich noch erwähnen. Jeder erhält automatisch die Staatsbürgerschaft, wenn er auf dem Gebiet Uruguays geboren wurde. Ausserdem kann jeder, der seit mehr als drei Jahren unbescholten in Uruguay lebt und über ein Mindestkapital verfügt, die Staatsbürgerschaft beantragen.
Uruguay ist ein sehr wasserreiches Land. Der Rio Negro fliesst auf 750 km von Nordost nach Südwest mitten durch das Land. Der Rio Uruguay (1790 km lang), der im südbrasilianischen Küstengebirge entspringt, hat einen kurzen Grenzverlauf zu Brasilien und bildet dann die Grenze zu Argentinien. Er mündet in den Rio de la Plata und bildet mit diesem weiterhin die Grenze zu Argentinien. Aber auch unterirdisch, so schätzt man, sind etwa 37‘000 Kubikkilometer Grundwasser unter dem Boden Uruguays, Nordargentiniens, Paraguays und Südbrasiliens vorhanden. Somit hat dieses Gebiet eines der grössten Wasserreserven der Welt.
Das Klima im Norden ist subtropisch, im Süden gemässigt. In der Küstenregion herrschen Temperaturen und klimatische Verhältnisse wie in Südfrankreich, Nord-Italien und –Spanien. (Wikipedia).

Kein Wunder, dass viele Europäer in diesem Land immigrieren und sich hier wohlfühlen.
Wir fuhren weiter bis zum Nationalpark Santa Teresa und fanden einen tollen Stellplatz auf dem Hügel. Von dort aus sahen wir hinunter auf die Playa de Moza und den wunderschönen Sandstrand. Es wehte ein kalter Wind und so zogen wir uns rasch in unseren Huckepack zurück.

Playa la Moza

Playa la Moza

Playa la Moza

Am nächsten Morgen war es recht düster und kalt und so fuhren wir weiter. Gegen Abend erreichten wir unser Ziel: das „Paraiso Suizo“ in der Nähe von Piriapolis. Dort wollten wir eine Auszeit nehmen und die Erlebnisse der letzten Zeit etwas verarbeiten.
Silvia und Heinz, die Besitzer vom El Sueño Suizo hiessen uns willkommen und wir fühlten uns sofort wohl. Wir stellten unseren Huckepack auf dem Campingplatz ab und tranken in ihrem gemütlichen Restaurant ein Bier. Auf ihrem grosszügigen Anwesen stehen zwei Wohnhäuser, etliche Nebengebäude und 4 Bungalows. Den ehemaligen Tennisplatz haben sie zu einem Parkplatz für Womos von Reisenden, die auf Heimurlaub sind, umfunktioniert. Wir hatten das Glück, dass ein Bungalow frei war und mieteten ihn für die nächste Zeit. Es war toll wieder einmal eine grosse Wohnküche mit einem riesigen Kühlschrank, eine gut funktionierende Dusche und ein grosszügiges Schlafzimmer benutzen zu können.
Silvia und Heinz verliessen die Schweiz und wanderten nach Uruguay aus. Sie wollten etwas Neues machen und sahen hier die Chance. Vor ca. 20 Jahren konnten sie ein 30 ha grosses Grundstück kaufen. Für unsere Begriffe grenzt es direkt ans Meer. Doch von Punta Norte del Cabo San Antonio in Argentinien bis Punta del Este in Uruguay, also über 220 km ist dieses Gebiet der Mündungstrichter des Rio de la Plata. Silvia und Heinz erzählten uns, dass das Gelände dicht bewachsen gewesen sei mit Bäumen, Sträuchern und undurchdringlichem Gestrüpp. In einer Tiefe von nur 50 m hätten sie Grundwasser gefunden von ausserordentlich guter Qualität. Sie investierten ihr ganzes Geld in den Kauf. Als erstes hätten sie roden müssen, damit sie das Land ausmessen und parzellieren konnten. Dann hätten sie einige Parzellen verkauft. Mit dem Erlös hätten sie Strassen gebaut und Stromleitungen gelegt. Als erstes seien auf ihrer Parzelle die Bungalows entstanden. Sie hätten darin gewohnt bis ihr eigenes Haus gebaut war. Auch auf den verkauften Parzellen wurden Häuser gebaut. Und so sei es immer weiter gegangen. In den letzten 20 Jahren entstand auf dem Gelände ein kleines Dorf mit Einfamilienhäusern, Bungalows und prächtigen Landsitzen. Ausserdem gibt es ein Hotel mit Restaurant, Schwimmbad und Spielplatz. Und immer noch können Parzellen gekauft werden. Heinz und Silvia haben sich in all den Jahren zu Allroundern entwickelt. Sie wissen, wie Baugenehmigungen eingeholt werden müssen und welche Bauvorschriften es gibt. Heinz ist der wichtigste Bauunternehmer in diesem kleinen Dorf und Silvia berät Einwanderungswillige und begleitet sie beim Gang in die Ämter. Wir lernten ihre unbeschreibliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft kennen. „Paraiso Suizo“ ins wirklich ein Paradies direkt am Meer mit einem kilometerlangen Sandstrand direkt vor der Haustür. Es ist schon so bekannt, dass eines Abends sogar der neue Schweizerkonsul Silvia und Heinz in ihrem Restaurant besuchte.
Wir liessen es uns gut gehen in den fast sieben Wochen, die wir hier verbrachten. Wir genossen die Kalbsbratwürste (sie schmecken noch fast besser als die St. Galler Bratwürste), den Wurstsalat, das Fondue und viele anderen Leckereien. Wir machten lange Spaziergänge am wunderschönen Sandstrand, badeten im warmen Meer, lümmelten in den Liegestühlen herum und lasen, was uns in die Finger kam. Ein paar mal fuhren wir sogar wieder mit den Fahrrädern. Wir lernten viele anderen Reisenden kennen und tauschten Informationen aus. Am Sonntagmittag treffen sich auch andere Auswanderer im Restaurant zum Apero und wir hörten viel über die Motive, warum gerade Uruguay gewählt wurde. Wir lernten auch die Eltern von Silvia kennen und während unserem Aufenthalt verbrachten auch langjährige Freunde der Beiden ihre Ferien dort. Während unserer Auszeit sprachen wir fast ausschliesslich Deutsch oder Schweizerdeutsch.
Wir konnten unseren Huckepack stehen lassen, denn Silvia nahm uns mit zum Einkauf auf den Wochenmarkt, wo wir leckere Früchte, Gemüse, Fische und Käse einkaufen konnten. Wir konnten uns ganz einfach erholen und ich liess das Schreiben des Berichts für unsere Homepage liegen und auch Werni machte Pause. Deshalb gibt es nur ein paar Fotos von unserem langen Aufenthalt.

Paraiso Suiza

Paraiso Suiza

Paraiso Suiza

Paraiso Suiza

Paraiso Suiza

Paraiso Suiza

Einen Ausflug in die nähere Umgebung konnten wir per Fahrrad machen. Nur 25 km entfernt liegt Piriapolis. Auch diese Stadt liegt noch im Einzugsgebiet des Rio de la Plata und ist als Badeort und für die wunderschönen Strände berühmt. Als erstes fuhren wir mit einem Sessellift hinauf auf den Cerro San Antonio. Wir wurden belohnt für die Aussicht auf den Cerro Pan de Azucar, der mit 493 m die dritthöchste Erhebung Uruguays ist. Aber auch der Überblick über die Stadt, die Umgebung und die kilometerlangen Sandstrände war überwältigend. Auf Postkarten sahen wir, dass in der Hauptsaison die Strände wie an der Riviera belebt, die Autos in Kolonnen stehen und jede Lück mit Autos vollgeparkt ist. Jetzt sah alles richtig gemütlich aus und wir konnten durch die Strassen der Stadt flanieren und hatten auch kein Problem die 4-spurige Strasse, die zwischen dem Strand und den Häusern gebaut wurde, zu überqueren. Wir bewunderten einige Häuser, das markante Hotel Argentino und kamen am Samstagsmarkt vorbei. Dort konnten wir es nicht lassen und kauften Gemüse, Salate, Früchte und frischen Fisch ein. Nachdem wir uns in einem Strassenkaffee erholt hatten, fuhren wir mit unseren Fahrrädern wieder in die Idylle des Paraiso Suizo zurück.

Piriapolis

Piriapolis

Piriapolis

Ein anderer Ausflug führte uns nach Atlantida. Dort steht die bekannte Villa „El Aguila“. Natalio Michelizzi (1899-1953), ein reicher italienischer Geschäftsmann liess sich auf einem Hügel dieses Haus bauen. Es hat den Kopf eines Adlers, der über den weissen Sandstrand ins weite Meer hinaus schaut. Der Bau wurde ohne Beteiligung von Architekten und Ingenieure durchgeführt. Ein Mann aus der Gegend transportierte das Material mit einem Ochsenkarren und einem bescheidenen kleinen LKW. Das ganze Gebäude war ursprünglich wesentlich grösser, doch der vordere Teil brach bei einem Sturm ab. und so blieb nur der Adlerkopf erhalten. Leider sind die paar Innenräume leer und in recht schlechtem Zustand, doch der Ausblick aus den Fenstern über die Bucht ist fantastisch.

Küste

El Aguila

El Aguila

Doch irgendwann packte uns die Abenteuerlust wieder. Wir nahmen Abschied und setzten unsere Reise fort. Wir fuhren an der Küste entlang und hatten immer wieder wunderschöne Ausblicke auf die Sandstrände und das Wasser. Unser nächster Halt galt Montevideo. Gegen Mittag kamen wir an und es war so heiss (fast 40 Grad), dass wir nur eine kurze Stadtbesichtigung machten. Laufend wechselten wir die Strassenseiten, denn jeder Schatten war willkommen. Besonders beeindruckt waren wir vom Mercado del Puerto. Dieser Bau ist mit vielen schmiedeeisernen Elementen verziert und im Innern befinden sich zahlreiche Restaurants mit riesigen Grillstationen auf denen Unmengen von Fleisch, Würsten und Innereien zum Verzehr bereit liegen. Der Duft ist unbeschreiblich und auch die Portionen, die serviert werden sind riesig. Uns war es zu heiss zum Essen und so stillten wir nur unseren Durst in einem schattigen Strassenrestaurant. Gefallen haben uns auch einige schöne Gebäude und vor allem die Dekoration in den Schaufenstern. Wir besuchten auch noch kurz die Kathedrale, dann gingen wir wieder zu unserem Huckepack zurück und verliessen die Stadt. Sicher hätte es noch vieles zu entdecken gegeben, doch bei dieser Hitze verging uns die Lust am flanieren.

Montevideo

Montevideo

Montevideo

Schon kurze Zeit später fanden wir einen schönen Platz am Rio de la Plata und die Badehosen waren schnell angezogen und wir stürzten uns ins herrlich warme Wasser. Ausser uns genossen noch viele anderen das Plantschen. Doch das Vergnügen wurde abrupt unterbrochen von einem heftigen Wind. Die Badetücher, Sonnenschirme und Spielsachen wurden durch die Luft gewirbelt und hektisch wurden die Sachen wieder zusammen gesucht. Dann war der Strand menschenleer und auch wir hatten uns in unsere Kabine zurück gezogen.
Nach einer windstillen Nacht fuhren wir weiter nach Nueva Helvecia. Uns interessiert dieser Ort, denn er wurde 1862 von Schweizern aus verschiedenen Kantonen gegründet. Auf dem Hauptplatz steht ein imposantes Denkmal zu Ehren der ersten Einwanderer. Es zeigt zwei Männer, die in der ersten Zeit den Pflug noch selber ziehen mussten. Es gibt fast kein Haus an dem nicht Kantonswappen befestigt sind und bei der Touristeninformation und an Kiosken sind die Wappen aller Kantone, das Schweizer- und das Uruguaywappen dekorativ aufgeklebt. Sonst wirkte der Ort auf uns verschlafen. Und wir setzten unsere Reise nach einem kurzen Bummel fort.
Da ging es in Colonia del Sacramento schon viel quirliger zu und her. Wir parkierten unser Auto in der Nähe des Hafens und gingen zu Fuss in die historische Altstadt.
Colonia wurde 1860 von Portugiesen gegründet um über den Rio de la Plata Waren nach Buenos Aires zu schmuggeln. 1762 nahmen die Spanier die Stadt ein und hielten sie bis 1777. Heute verbinden unzählige Fähren und Expressschiffe Colonia mit Buenos Aires.
Colonia ist ein wunderschöner Ort mit vielen gut restaurierten Gebäuden. Deshalb wird er auch von vielen Touristen besucht. Wir mischten uns unter die anderen Besucher und flanierten über die kopfsteingepflasterten Strassen und Gassen, die von Bäumen gesäumt sind. So war die Hitze einigermassen erträglich. Die Altstadt strahlt eine koloniale Atmosphäre aus. Die Gassen sind eng und die Häuser haben oft windschiefe Wände. Oft sind die Fenster mit schmiedeeisernen Gittern versehen und es hat gekachelte Strassenschilder. Wir stiegen auf den Leuchtturm hinauf um einen Überblick über die Stadt und den Rio de la Plata zu erhalten. Doch sehr lange hielten wir es nicht aus und freuten uns auf ein Bad im Fluss.

Nueva Helvetia

Colonia

Colonia

An der Flusspromenade stellten wir unseren Huckepack auf dem schönen Sandstrand und unter schattenspendenden Bäumen ab. Wir konnten unsere Liegestühle aufstellen und hatten von dort aus einen wunderbaren Blick auf Colonia. Uns gefiel es so gut, dass wir ein paar Tage dort blieben. Tagsüber gab immer etwas zu beobachten, in der Nacht war es ruhig und wir fühlten uns absolut sicher. Die Sonnenuntergänge waren einzigartig und die Temperaturen gegen Abend so angenehm, dass wir bis nach Mitternacht draussen blieben, den Mond, die Sterne und die Lichter von Colonia und den vorbeifahrenden Schiffen beobachteten.

Colonia

Colonia

Colonia

Dann fuhren wir entlang des Rio de la Plata nach Norden und besuchten unterwegs die Ruinen der ehemaligen Jesuiten Estanzia „Calera de las Huerfanas. Nachdem wir in Bolivien so viele und schön restaurierte Jesuiten Reduktionen sahen, waren wir natürlich enttäuscht. Die ehemalige Kirche wird restauriert, doch von den umliegenden Gebäuden sahen wir nur die Grundrisse, die teilweise freigelegt waren. Spannend zu sehen war die Ruine des ehemaligen Ofens, der zur Herstellung von Adobe-Backsteinen diente.

Hornis de Cal

Hornis de Cal

Hornis de Cal

Der Campingplatz von Mercedes liegt auf einer Insel im Rio Negro. Diese ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Es gefiel uns so gut, dass wir gleich für mehrere Tage buchten. Die Atmosphäre, so mitten in einem Zeltdorf zu stehen, hatte es uns angetan.
Doch in der ersten Nacht kam ein riesiger Sturm auf. Zuerst blitzte und donnerte es und Windböen zerrten an den Zeltwänden und an unserem Huckepack. Später regnete es fast sintflutartig. Wir fühlten uns sicher in unserer Kabine, doch ich konnte nicht gut schlafen und sah immer wieder zum Fenster hinaus. Irgendwann ging die Beleuchtung im Zeltplatz aus und es war ganz dunkel. So schnell wie der der Sturm gekommen war, war er auch wieder vorbei. Ich hörte noch, wie Autos wegfuhren und dass es draussen geschäftig zu und her ging.
Als es hell war, sahen wir die Auswirkungen. Ein Baum lag entwurzelt zwischen Zelten, doch welch ein Glück, kein Zelt war getroffen worden und niemand war verletzt. Überall lagen Blachen, die als Schutz über den Campingtischen und –stühlen aufgehängt waren, in den Pfützen herum. Aus den Zelten wurden die nassen Kleider und Decken geholt und zum Trocken aufgehängt. Viele der Zeltbewohner erzählten uns dass sie mit den Kindern Schutz in den sanitären Räume gefunden hätten.
Bis an Mittag war der umgefallene Baum in Teile gesägt und diese wurden weggeschafft. Die Menschen bauten ihre Zelte wieder auf und verankerten die Blachen auf’s Neue. Wir waren beeindruckt mit welcher Ruhe das alles instand gestellt wurde.
Dann kam der Silvester und schon am frühen Nachmittag wurden die Grillstationen eingerichtet. Genau beobachten konnten wir die Aktivitäten bei der Familie, die neben uns ihre Zelte aufgebaut hatte. Kunstvoll wurde zuerst Holz geschichtet und dann angezündet. Nachdem etwas Glut entstanden war, kam ein Ferkel auf den Grill und wurde kunstvoll befestigt. Dann wurde die zweite Grillstation vorbereitet und darauf wurden nochmals grosse Fleisstücke und Würste drapiert. Wir waren so fasziniert und fragten, ob wir Fotos machen dürfen. Die halbe Familie war sofort bereit sich in Pose zu stellen und ablichten zu lassen. Natürlich wollten sie auch uns fotografieren. Wir haben viel gelacht. Liebevoll kümmerte sich der „Grillmeister“ um sein Werk und von überall bekam er Kommentare zu hören. Am späten Abend begann dann die Zeremonie. Es gibt eine klare Reihenfolge, wie die einzelnen Fleischstücke gegessen werden. Als erstes wurden die selbstgemachten Würste serviert und auch wir erhielten eine. Sie schmeckte uns ausgezeichnet. Wir haben dann nicht mehr verfolgt, wie es weiter ging doch der Grill war bis um Mitternacht in Betrieb. Das war ein ganz tolles Erlebnis.

Mercedes

Mercedes

Mercedes

Unseren Uruguay Aufenthalt schlossen wir ab mit dem Besuch des „Museo de la Revolucion Industrial“ in Fray Bentos.
Auf den riesigen Weiden der Pampa im Norden Uruguays entwickelten sich die, von europäischen Siedlern mitgebrachten, Pferde und Rinder zu riesigen Herden. Ein Transport nach Montevideo erwies sich auf Grund der schlechten Transportwege und der hohen Temperaturen als unmöglich. August Hoffmann gründete 1858 die Siedlung Independencia und den Hafen Fray Bentos. Auf dem Hafengelände entstand eine grosse Salzfleischfabrik.

„Justus von Liebig (1803-1873) war ein berühmter Chemiker und Erfinder des Backpulvers, des Chloroforms, der Sicherheitszündhölzer und des Mineraldüngers. Ausserdem entwickelte er den bekannten „Liebig Fleischextrakt“ und produzierte vorerst in kleinen Mengen Corned Beef in Büchsen. Das Problem war, dass 32 kg bestes Muskelfleisch vom Rind benötigt wurde um 1 kg Extrakt herzustellen. Somit war das Extrakt für die meisten Menschen in Deutschland unbezahlbar.
Der deutsche Ingenieur Georg Christian Giebert baute in Brasilien Strassen und besuchte 1861 seinen Freund August Hoffmann in Uruguay. Giebert sah, dass tausende von Rindern nur wegen weniger Filetstücke, Häute, Hörner und Knochen geschlachtet wurden und der grösste Teil des Fleisches als Abfall endete. Damals gab es noch keine Eismaschinen für Kühltransporte. Deshalb konnte man das Fleisch nur nutzen, indem man es an Ort und Stelle frisch verzehrte oder verarbeitet. Giebert hatte von „Liebigs Fleischextrakt“ gehört und reiste nach München und schlug Liebig vor, in Uruguay eine Fleischextrakt-Fabrik zu gründen. Unter der Bedingung, dass Liebig die Qualität des Produkts überwachen dürfe, stimmte er zu. Giebert besorgte von befreundeten Kaufleuten in Antwerpen das Startkapital und liess in England die nötigen Maschinen bauen und nach Fray Bentos verschiffen. Schon 1862 schickte er die ersten Proben an Liebig, der mit der Qualität der Proben sehr zufrieden war.
1864 kamen 23 t Extrakt aus der Fabrik „Fray Bentos“ und 1871 wurden bereits 421 t exportiert. 1908 erreichte die Produktion ihren Höchststand. In diesem Jahr wurden 224‘406 Rinder geschlachtet und 1913 waren 4‘000 Arbeiter beschäftigt. Durch die geringen Herstellungskosten war das Extrakt für jedermann erschwinglich und wurde ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung des Hungers und der Mangelernährung im beginnenden Industriezeitalter. Bis 1984 wurde Liebigs Fleischextrakt hergestellt, danach vor allem Corned Beef und Rinderzungen. (Wikipedia)“

Der Standort der Fabrik verlor an Bedeutung und die Anlagen verfielen.
2005 wurde das Museum gegründet und wir konnten durch einige Räume der ehemaligen Fabrikationsanlage gehen und Fotos, Maschinen und Gegenstände bestaunen. Im Eingangsbereich besichtigten wir die Administration mit den originalen Büromöbeln und Maschinen. Es war sehr spannend dem Museumsführer zuzuhören.

Fray Bentos

Fray Bentos

Fray Bentos