Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Donnerstag, den 03. April 2014 um 00:00 Uhr

Die Berge waren verhüllt und wir beschlossen den Ausflug zur Statue des“ Cristo Redentor“, die auf 3854 m Höhe steht, auszulassen. Diese Strasse war früher die Passverbindung zwischen Argentinien und Chile, ist heute aber nur noch bis zur Christusstatue hinauf befahrbar.
1980 wurde ein zweispuriger Tunnel von 3,209 Meter eröffnet, der nun die Orte Las Cuevas (Argentinien) mit Portillo (Chile) verbindet.
Wir fuhren durch den Tunnel und kamen auf der chilenischen Seite bei der Zollstation an. Zwar mussten wir längere Zeit warten bis wir die Papiere sowohl für Argentinien als auch für Chile erledigt hatten. Bei der Immigration nach Chile werden Lebensmittelkontrollen durchgeführt. Schon das letzte Mal hatten wir keine Schwierigkeiten bei der Einreise. Auch diesmal besichtigte der chilenische Zöllner unsere Kabine. Vor allem wollte er wissen, ob wir Früchte, Gemüse oder Fleisch haben. Als er sah, dass nur noch etwas Butter im Kühlschrank war, gab er sich zufrieden und wir konnten weiter fahren.
In Los Andes fragten wir eine Parkplatzwärterin nach einem Campingplatz und sie verwies uns auf die Ortschaft San Francisco de Los Andes. Über eine Erdstrasse und recht steil fuhren wir hinauf und fanden den Campingplatz San Pedro. Er liegt sehr schön in den Hügeln. Ausser einem Swimmingpool mit recht kaltem Wasser gibt es auch ein Flüsschen, in dem gefischt werden kann.
Wir machten es uns gemütlich und lernten das Ehepaar Fernando und Gisel kennen. Beide unterrichten und reisen in ihrer Freizeit gerne und oft herum. Deshalb konnten sie uns viel von den Sehenswürdigkeiten Chiles erzählen. Zum Apero boten sie uns auch noch einen Piscosaur und wir revanchierten uns am kommenden Morgen mit einem Kaffee aus unserer italienischen Espressomaschine.

San Francisco de Los Andes

San Francisco de Los Andes

San Francisco de Los Andes

Am nächsten Tag fuhren wir zum Nationalpark La Campana. Um in den Park hinein zu kommen gibt es drei Möglichkeiten. Wir wählten die für uns kürzeste Route, den Nordzugang. Als wir den Parkeingang erreichten sahen wir das Schild, dass der Park wegen Wassermangel geschlossen war. Werni schlug vor zum Südeingang zu fahren, der etwa 60 km entfernt ist. Der Umweg lohnte sich. Zwar mussten wir eine steile und schmale Zufahrtstrasse hinauf fahren, doch dann konnten wir unseren Huckepack auf den Parkplatz stellen und durften drei weitere Tage dort bleiben. So konnten wir einige Wanderungen unternehmen, während wir auf ein SMS mit einem Termin warteten.
Tischer Deutschland baut in Santiago eine Servicestelle für seine Kabinen auf und wir waren interessiert einiges an unserer Absetzkabine kontrollieren und reparieren zu lassen.
Von Robert Montgomery, der Kontaktperson von Tischer, erfuhren wir per SMS, dass in Chile immer noch Ferienzeit sei und wir noch mindestens eine Woche warten müssten für einen Termin

NP La Campana

NP La Campana

NP La Campana

Um uns die Zeit zu vertreiben fuhren wir weiter und erreichten Viña del Mar. Und schon waren wir wieder mitten im Verkehrschaos. Wir fanden einen Supermercado und kauften ein. Dann verliessen wir die Stadt Richtung Norden und fanden endlich in CauCau einen Parkplatz, auf dem wir eine Nacht stehen durften. Zeitig am nächsten Morgen fuhren wir Richtung Süden, wobei wir die Umfahrungsstrasse nahmen. Wir wollten weder Viña del Mar noch Valparaiso besuchen. Grossstädte sind immer wieder eine Tortur für uns, denn die Parkplatzsuche ist meistens nervenaufreibend und die Einbruchgefahr ist gross. Im Campingführer fanden wir den Hinweis zu einem Campingplatz in Laguna Verde. Wir hofften von dort aus mit einem Bus Valparaiso und Viña del Mar besuchen zu können. Doch es kam wieder einmal alles anders als gedacht. Zuerst ging es steil hinunter zur Küste bis wir im Dorf Laguna Verde ankamen. Jetzt ging eine Erdstrasse zuerst wieder steil bergauf, dann fuhren wir durch einen Wald bis es wieder ebenso steil hinunter ging. Nach etwa 10 km erreichten wir den schön gelegenen Campingplatz an der Playa Las Docas. Dass es hier keinen Bus gab, war uns schnell klar. Doch es gefiel uns sehr gut. Tagsüber war der Strand ziemlich bevölkert, doch in der Nacht standen nur noch ein paar Zelte auf dem Sandstrand. Das Wasser war jedoch sehr kalt, doch für Werni keinen Grund im Pazifik nicht zu schwimmen und sich von den Wellen durch wirbeln zu lassen.

Playa Las Docas

Playa Las Docas

Playa Las Docas

Unser nächstes Ziel war der Ort „Isla Negra“. Dort befindet sich ein Haus von Pablo Neruda, das wir unbedingt besichtigen wollten. Immer wieder hielten wir Ausschau nach einem Campingplatz, doch es war sinnlos. Die Fahrt am Meer entlang war sehr schön und wir hatten immer wieder tolle Ausblicke. Doch am frühen Morgen waren die Strände noch wie ausgestorben, doch gegen Mittag bevölkerten immer mehr Menschen die Sandstrände und am Nachmittag erinnerten sie uns an die Riviera. Endlich in El Tabo fanden wir einen Campingplatz. Die sanitären Anlagen liessen sehr zu wünschen übrig, doch wir hatten Sicht auf das Meer und standen weit weg von der Strasse. Da wir in 4 Tagen unseren Termin in Santiago hatten, beschlossen wir die Wartezeit hier zu verbringen.

Weg El Tabo

Weg El Tabo

Weg El Tabo

Vom Campingplatz aus konnten wir zu Fuss ins Dorf Isla Negra (schwarze Insel), die gar keine Insel ist. Im Reiseführer lasen wir, dass dort das grösste und schönste der drei Häuser von Pablo Neruda steht. Er kaufte es 1939 von einem spanischen Seemann ab. Damals bestand es lediglich aus einem Steinhäuschen mit drei Zimmern.
Pablo Neruda (1904-1973) war einer der bedeutendsten chilenischen Dichter und Schriftsteller und setzte sich vor allem gegen den Faschismus in Chile und Spanien ein. 1971 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Zwei Werke möchte ich erwähnen: Seine Memoiren „Confieso que he vivido“ (Ich bekenne, ich habe gelebt) 1973 erschienen und „Canto General“ (Der grosse Gesang) ein Werk von 15‘000 Versen, in denen er das Wesen und die Geschichte des amerikanischen Kontinents von der Vorzeit bis zu Gegenwart deutete, erschienen 1950. Im September 1973 plante Mikis Theodorakis eine Serie von Aufführungen des Oratoriums Canto General. Dieses beruht auf Nerudas Texten und die Mitwirkung von Neruda war geplant. Wegen seiner Erkrankung und der sich überstürzenden politischen Ereignisse (Putsch durch Pinochet und Selbstmord von Salvator Allende im Regierungspalast) fand das Ereignis ohne Neruda statt.
Pablo Neruda verbrachte viele Jahre im Ausland, oft als Gesandter in diplomatischen Diensten aber oft musste er fliehen und im ausländischen Exil leben.
1969 verzichtete er auf die Präsidentschaftskandidatur der Kommunistischen Partei zugunsten des Wahlbündnisses der Unidad Popular, die seinen Freund und den Sozialisten Salvador Allende als Kandidaten nominiert hatten. Als Pablo Neruda vom Putsch Pinochets und Tod Salvador Allende erfuhr hielt er sich im Haus in Isla Negra auf. Schwer krank wurde er in ein Krankenhaus nach Santiago gebracht und verstarb am 23. September 1973, 12 Tage nach dem Putsch in Chile. Nach seinem Tod wurde das Haus vom Militär geplündert und vieles wurde zerstört.
Das Haus wurde als Museum eingerichtet und wird von der Fundación Pablo Neruda geleitet. Während der Zeit als Pablo Neruda das Haus bewohnte, baute er es immer weiter aus. Er liess, neue Räume anbauen und diese durch Treppen und Gänge verbinden, dann wurden wieder neue Fenster eingesetzt, damit man die Pazifikwellen sieht, wie sie auf grossen Steinen brechen. Es entstand ein Gebilde aus Naturstein und Holz, halb Einfamilienhaus, halb Schlösschen. Um die Gebäude gibt es Plätze und Innenhöfe mit Brunnen, Skulpturen und ein Glockenspiel, mit dem er jeweils seine Ankunft ankündigte. Und der Blick aufs Meer ist atemberaubend, sowohl vom Innern der Gebäude, als auch von Aussen. Es hiess, dass Neruda einen Zimmermann beschäftigte wie andere eine Putzfrau anstellen. Schon vom Äusseren waren begeistert.
Im Innern des Hauses waren wir überwältigt von all den Gegenständen, die Neruda während seines Lebens sammelte. Porzellan, Seekarten, Gemälden, Masken, Navigationsinstrumente, Muscheln, Schmetterlinge, Modellschiffe, Galionsfiguren, Flaschen aus Glas, Spielzeuge und unendlich viel Kitsch schmücken Decke, Tische und Wände. Ganz spannend war die Geschichte um den Pferdestall. Als Kind hatte gab es in einem Geschäft ein lebensgrosses Pferd aus Pappmaché und er schwor dem Ladeninhaber, dass er dieses Pferd kaufen werde, wenn es keinen Platz im Geschäft mehr habe. Eines Tages hörte er, dass das Pferd versteigert werde und er fuhr hin um es zu ersteigern. Dann liess er einen gelb gefärbten Stall anbauen und stellte das Pferd gesattelt so hinein, als ob es auf den nächsten Ausritt warte. Zur Einweihung bat er die Gäste maskiert und mit einem Geschenk zu kommen. Unter anderem erhielt er die Haare von drei Pferdeschwänzen. Da das Pferd hatte keine Haare mehr hatte erhielt es eine Mähne, einen Pferdeschwanz und Stirnhaare. Neruda nannte es das glücklichste Pferd der Welt, da es jetzt etwas hatte, das sonst kein anderes Tier habe.
Leider war es nicht erlaubt im Innern zu fotografieren – Werni hätte eine riesen Anzahl von Fotos schiessen können. Auch war es uns nicht möglich in den 2 Stunden, in denen wir uns in den Räumen aufhalten konnten, alles zu betrachten und aufzunehmen. Es war einfach zu viel.
Erst nach dem Ende der Pinochet-Diktatur wurde Pablo Nerudas Wunsch erfüllt, den er schon 1950 geäussert hatte: „Genossen begrabt mich in Isla Negra, geenüber dem Meer, das ich kenne, an jenem rauen, steinigen Ort mit den Wellen, die meine verlorenen Augen nicht wieder sehen werden“. Er und seine Ehefrau Matilde Urrutia haben ihr Grab auf der Isla Negra.

Isla Negra

Isla Negra

Isla Negra

In El Tabo fanden wir keinen WiFi-Zugang und so fuhren wir mit dem Bus nach San Antonio. Diesen Ort wollten wir sowieso besuchen, denn wir hatten vom grossen Fischmarkt am Hafen gehört. Auf der Anfahrt fuhren wir am Hafen vorbei und sahen als erstes die vier Terminals. San Antonio ist nicht nur für Chile ein sehr wichtiger Hafen sondern auch für die argentinische Grossstadt Mendoza ein wichtiger Umschlaghafen. Als wir aus dem Bus ausstiegen, sahen wir als Erstes das gigantische Einkaufszentrum. Wir gingen hinein und setzten uns in ein Restaurant um etwas zu konsumieren. WiFi war gross angeschrieben doch als wir die Mailbox abfragen wollten, teilte man uns mit, dass das Internet nicht funktioniere. Schon etwas frustriert bezahlten wir und gingen zum Ausgang, der zu Hafen führt. Der Steg war mit Verkaufsständen gesäumt und wir liessen uns mit dem Menschenstrom zum Fischmarkt treiben. Pelikane flogen über unsere Köpfe oder standen auf dem Marktdach und warteten auf Fischabfälle, die ihnen zugeworfen wurden um sich darum zu zanken. Die Seelöwen lümmelten faul auf den Steinen herum. In der Fischhalle bewunderten wir die Vielfalt von Fischen und Meerestieren und sahen den Verkäufern zu wie sie geschickt Fische filetierten. Auf dem Rückweg hatten wir zum Glück Sitzplätze und so konnten wir zum Fenster hinaus schauen und die Umgebung geniessen.

San Antonio

San Antonio

San Antonio

Dann kam endlich der Tag, an dem wir nach Santiago fahren konnten. Robert Montgomery hatte uns im Deutschen Club angemeldet und wir konnten dort übernachten. Am nächsten Morgen kam Alex Ramdohr und holte uns ab. Er zeigte uns den Weg zu seinem Lager, das sich etwas ausserhalb befindet. Dort konnten wir all unsere Sachen aus der Kabine in Schachteln packen, denn für die anstehende Reparatur war es besser, wenn die Kabine ganz leer war. Im Laufe des Nachmittags fuhren wir hinter ihm her in eine Autowerkstatt. Dort setzten wir als Erstes die Kabine ab und er reservierte uns ein Zimmer im Hotel Lyon. Liebenswürdig wie er wahr, konnten wir wieder bis zum Hotel hinter ihm herfahren. Wir besprachen das weitere Vorgehen. Dann verabschiedeten wir uns.
Zu Fuss suchten wir ein Restaurant und fanden eine kleine Bar. Wir setzten uns ins Gartenrestaurant und da unser Durst gross war wir bestellten ein richtig gutes Bier. Im Innern des Restaurants hatte es verschiedene Räume und wir waren überrasche, wie unterschiedlich sie gestaltet waren. Nachdem wir gegessen hatten, kehrten wir müde ins Hotel zurück.

Santiago

Santiago 81

Santiago 82

Santiago und Chile hatten für mich immer eine wichtige Bedeutung. Nach dem Wahlsieg von Salvador Allende im Jahre 1970 verfolgten viele in der Schweiz die Politik der Unidad Popular. Als 1973 das Militär unter Pinochet putschte und wir erfuhren, dass Kampfflugzeuge den Präsidentenpalast „La Moneda“ bombardierten, waren wir entsetzt. Wir hörten die letzte Rede von Salvador Allende, bevor er die Kapitulation anordnete und sich das Leben nahm. Auch die Internierung von tausenden, die im Nationalstadion und in Gefängnissen gefoltert und viele von ihnen getötet wurden, erschütterte uns. Dass darauf eine 17-jährige Diktatur folgen würde, in der Hunderte entführt, gefoltert oder „auf der Flucht“ erschossen wurden, war ausserhalb unserer Vorstellung. Viele mussten fliehen und auch bei uns in der Schweiz fanden viele Chilenen Asyl. So kam auch ich in Kontakt mit einigen und lernte freundliche und liebenswürdige Menschen kennen, die hofften, dass in ihrem Land bald wieder die Demokratie Einzug halten würde.
Heute sind wir dankbar, dass Chile wieder zur Demokratie zurück gefunden hat und wir dieses schöne Land mit den herzlichen Menschen kennen lernen dürfen.
Unser erster Weg beim Stadtrundgang führte uns auf die „Plaza de la Constitución“. Seit einigen Jahren steht, neben anderen Statuen auch ein Denkmal für Salvador Allende auf dem Platz. Wir bestaunten die imposante Fassade der „La Monada“ (Regierungspalast), doch die Innenhöfe des Palastes kann man leider nur am Samstag besichtigen. Das ehemalige Luxushotel Carrera, aus dessen Fenstern 1973 internationale Journalisten den Putsch filmten, wurde 2005 Sitz des Aussenministeriums. Auf der Südseite des Palastes bewunderten wir den mit aufwendigen Wasserspielen gestalteten Bürgerplatz (Plaza de la Ciudadanía) Über eine Treppe stiegen wir hinunter in das unterirdische „Centro Cultural Palacio de la Moneda“. In diesem modern gestalteten Kulturzentrum sahen wir Bilder zu einer Ausstellung „El nuevo diseño Italiano“ und konnten Kinder beobachten, wie sie sich kreativ betätigten.
Auf dem Weg zur Kathedrale begegneten wir dann weiteren Statuen, neben denen wir uns ablichten liessen.

Santiago

Santiago

Santiago

Beeindruckt waren wir von “Museo de la memoria y los derechos humanos”. Es wurde 2010 eingeweiht und erinnert an die Menschenrechtsverletzungen in Lateinamerika. Die Fassaden sind mit grünlichen, halb durchsichtigen Kupferplatten verkleidet, das Gebäude selbst ist sehr schlicht gehalten. Wir gingen entlang den Tafeln, auf denen die jüngere Geschichte der verschiedenen Länder geschrieben ist. Für uns war es natürlich ermüdend die Texte zu lesen und zu verstehen, denn sie sind in Spanisch verfasst. Im Museum selber sahen wir eine Fotoausstellung zu den Menschenrechtsverletzungen, die sowohl von der Regierung, aber auch vom der „Sendero Luminoso“ in Peru verübt wurden (werden). Es waren packende Fotos, die uns Anlass zu vielen Diskussionen und zum Nachdenken gaben.

Santiago

Santiago

Santiago

Mit der Standseilbahn fuhren wir zum “Cerro San Cristóbal“ hinauf. Diese Bahn erinnerte uns an das “Rigibähnli” in Zürich, denn es rumpelte genau so, doch der Aufstieg war um einiges länger und steiler. Von der Endstation führte uns ein Weg hinauf bis zu einer 22 m hohen Marienstatue, die ein Wahrzeichen der Stadt ist. Unglaublich schön war der Blick über die Stadt. Von dort aus sahen wir, wie Santiago im Talkessel am Rio Mapocho liegt und im Westen von den Küstenkordillere im Osten von den Anden begrenzt wird.

Santiago

Santiago

Santiago

Auch der “Cerro Santa Lucia” bietet einen atemberaubenden Blick auf Santiago. Prunkvolle Treppen, vorbei an Wasserspielen stiegen wir auf den 70 m aus der Ebene aufragenden Hügel hinauf. 1541 gründete Pedro de Valdivia dort die Stadt. Einige der Befestigungsanlagen trotzen dem Zerfall. Wir hatten gehört, dass täglich um 12 Uhr mittags ein Kanonenschuss abgefeuert wird und beeilten uns auf das höchste Podest zu gelangen. Und tatsächlich donnerte am Mittag ein Kanonenschuss los. Wir waren ja darauf gefasst gewesen, doch auch wir fuhren heftig zusammen. Schlimmer war es für Touristen, die nichtsahnend dort standen und die Umgebung bewunderten. Einige hatten wahnsinnige Angst, dass irgendwo geschossen würde. Wir konnten sie beruhigen indem wir sie über den Brauch aufklärten.

Santiago

Santiago

Santiago

Wir besuchten auch den Mercado Central. Dieses Gebäude wurde 1872 als Ausstellungshalle für chilenische Künstler errichtet. Die Eisenkonstruktion wurde in England gefertigt und hier zusammen gebaut. Doch schon bald nach der Vollendung mussten sich die Künstler einen anderen Platz suchen, denn Markleute kamen und begannen hier Fisch und Muscheln zu verkaufen. Wir liefen an den Ständen vorbei, bewunderten die Verkäufer, wie geschickt und in welcher Geschwindigkeit die grössten Fische ausgenommen und filetiert wurden. Dann schlenderten wir durch die Restaurants hindurch, bis wir im Obergeschoss ein uns zusagendes Lokal sahen und dort ausgezeichneten Fisch assen.
Anschliessend besuchten wir ein anderes zweckentfremdetes Gebäude direkt am Rio Mapocho. Bis 1987 war die „Estación Mapocho“ der Bahnhof für die Züge nach Valparaíso. Das Gebäude wurde 1912 vom französischen Architekten Emile Jacquier entworfen. Heute dient der ehemalige Bahnhof als Kulturzentrum und es finden grosse Konzerte und Messen darin statt.

Santiago

Santiago

Santiago

Nach etwas mehr als einer Woche konnten wir die Kabine wieder aufsetzen Das Instandstellung der Kabinenrückwand hatte das Problem mit dem Kabinenboden leider nicht gelöst, doch wir beschlossen selber eine Lösung zu finden. Wir kauften bei Sodimac Material ein und fuhren dann zum Lager von Alex. Dort durften wir übernachten. Am Morgen räumten wir die Kabine wieder mit unseren Sachen ein. und Es dauerte den ganzen Vormittag, bis alles wieder verstaut war. Für die Hilfsbereitschaft von Alex möchten wir uns an dieser Stelle nochmals herzlich bedanken. Er tat wirklich alles, damit der Aufenthalt in Santiago uns in angenehmer Erinnerung bleibt.
Von Santiago nahmen wir die Autobahn Richtung Norden und erreichten in Pichicui den Pazifik. In Pitchidangui fanden wir einen angenehmen Campingplatz direkt am Meer. Wir sahen vielen Wind- und Kite-Surfer zu, wie sie über die Wellen jagten. Auch hatte es einige Badende, doch für uns war das Wasser zu kalt und wir begnügten uns im Sand und etwas Windgeschützt dem Treiben zuzusehen. Einige Zeit und Schweiss kostete es uns den Boden unserer Kabine zu verstärken und bis heute hat diese Arbeit sich gelohnt.

La Ligua

Pitchidangui

Pitchidangui

In Los Vilos verliessen wir den Pazifik und fuhren wieder ins Hinterland. Uns gefielen diese kargen Wüstenhügel, die mehrheitlich nur mit Kakteen und harten Büschen bewachsen sind, sehr gut. In der Ferne sahen wir die Anden. Die meisten Flüsse waren ausgetrocknet und auch in den Stauseen war der Wasserstand jeweils sehr niedrig.
Es gab kaum Autoverkehr und so wurde es eine gemütliche Fahrt. Die Dörfer und Kleinstädte, die wir durchfuhren, werden vom Tourismus kaum berührt.
Wir kamen an der „Reserva Nacional Las Chinchillas“ vorbei und beschlossen das Reservat zu besuchen. Der natürliche Lebensraum für diese kleinen Nager liegt in der Höhe zwischen 500 und 1500 m und einem mediterranen Klima. Ursprünglich sollen sie zu Millionen im Norden und in der Zentralzone Chiles vorgekommen sein. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden sie dann wegen ihres dichten und weichen Fells gnadenlos gejagt. Es war ein rentables Geschäft für Trapper und Händler. Allein im Jahr 1900 sollen aus Chile ca. 500‘000 Felle exportiert worden sein. Der Führer erzählte uns, dass für die Herstellung eine Jacke mindestens 120 Felle von Chinchillas notwendig seien und uns leuchtete es ein, dass binnen weniger Jahrzehnten diese Tiere praktisch ausgerottet waren. 1983 wurde dieses Reservat gegründet. Heute leben etwas 6000 Chinchillas in diesem geschützten Gebiet.
Die Chinchillas sind nachtaktiv und sehr scheu. Es sei kaum möglich sie in freier Wildbahn zu sehen. Deshalb wurde im Informationszentrum ein „Nocturama“ eingerichtet. So konnten wir ausser Chinchillas auch noch Degús, Darwinmäuse und andere Beuteltiere bewundern und sie in ihren Lebensraum sehen. Auf einem kleinen Rundgang lernten wir anschliessend auch noch viele Pflanzen und ihre Anwendung in der traditionellen Medizin kennen. Als wir weiterfahren wollten, kreuzten zwei Füchse auf und spazierten gemächlich am Parkplatz vorbei. Was für ein Glück wir doch hatten.

Weg Illapel

Reserva Las Chinchillas

Reserva Las Chinchillas

In Combarbalá besuchten wir das Observatorium „Cruz del Sur“. Es wurde 2009 eingeweiht und ist mit vier 14- bzw. 16-Zoll-Teleskopen ausgestattet. Die Anlage liegt auf einer mit Kakteen bewachsenen Bergkuppe, 3 km vom Ort entfernt. Beim Eingang ist eine Figur, wie sie auf Felszeichnungen dargestellt ist, mit hellen und dunklen Steinen ausgelegt. Im Zentrum der Anlage steht ein kuppelförmiges Gebäude, das in den Hügel hinein gebaut wurde. Darum herum sind die 4 Observatorien in der Form des „Kreuz des Südens“ gruppiert. Verbunden sind die Gebäude über einen schön angelegten Plattenweg.
Wir waren an diesem Tag die einzigen Besucher und die Führung fand trotzdem statt. Über eine Treppe stiegen wir in das zentrale Gebäude hinunter und konnten dort einen Film über die „Entstehung“ der Galaxien anschauen. Er war auf Spanisch gesprochen und mit englischen Untertiteln versehen. Für ging alles viel zu schnell vorbei. Doch die anschliessende Führung war ausgezeichnet. Es war Halbmond und eine sternenklare Nacht. Zuerst zeigte uns der Führer am Sternenhimmel das „Kreuz des Südens“ und erklärte uns seine Bedeutung in der Seefahrt, dann folgte das Sternbild des Löwen, des Hundes und der Orion. Anschliessend durften wir in ein Observatorium und durch das 16-Zoll-Teleskop sahen wir die Krater, Berge und Lagunen des Mondes, den Sternennebel des Orion, den Neptun mit 4 Monden und noch einiges mehr. Es war absolut Spitze, was wir erleben durften.

Cruz del Sur

Cruz del Sur

Cruz del Sur

Ein weiteres Highlight war das Observatorium „Cerro Tololo“ auf dem Weg zum Paso Agua Negra. Eine steile, etwa 40 km lange Stichstrasse führt aus dem Valle de Elqui von 500 m hinauf zum Observatorium, das auf über 2200 m liegt. Dieses Observatorium ist ein Gemeinschaftsprojekt von nordamerikanischen und chilenischen Universitäten. Die Anlage besteht aus zwei grossen 4-Meter- und mehreren kleinen Teleskopen. Die 2-stündige Führung fand am Nachmittag statt und wir blickten nicht durch Teleskope, sondern konnten verschiedene Anlagen besichtigen. In diesem Observatorium werden nicht die Sterne beobachtet, sondern die Galaxien erforscht. Dieses Observatorium ist mit einem Observatorium in Seattle zusammen geschlossen. Zum Glück nahmen auch zwei Deutsch sprechende Besucher an der Führung teil und waren so freundlich uns viele Erklärungen zu übersetzen. So konnten wir von der Führung viel profitieren.

Observatorium Cerro Tololo

Observatorium Cerro Tololo

Observatorium Cerro Tololo

Vicuña ist der wichtigste Ort im Valle de Elqui. Er ist der Geburtsort der Literatur-Nobelpreisträgerin Gabriela Mistral, einer der bedeutendsten Dichterinnen Chiles. Das Geburtshaus und Museum waren leider geschlossen. So spazierten wir ein wenig im Ort herum und besichtigten die Kirche. Es fand ein Gottesdienst statt und so fotografierten wir nur das Kirchenschiff. Dann gingen wir in einen seitlichen Raum. Dort fielen uns die Bildtafeln auf. Zum ersten Mal in einer katholischen Kirche sahen wir Themen wie Weltreligionen, Jesus und die Apostel, Päpste und vieles mehr dargestellt in Bildern und Texten.

Vicuna

Vicuna

Vicuna

In Vicuña besichtigten wir auch noch die Distillerie Planta CAPEL. Das ist eine Genossenschaft von 1300 Weinbauern, die ihre Ernte hier abliefern, damit aus den Trauben Pisco gebrannt wird. Dass sich das Valle del Elqui für das Gedeihen von besonders süssen Trauben besonders eignen muss, sahen wir an den Reben, die von der Ebene bis weit hinauf in die Hügel auf riesigen Flächen angebaut werden. Aber nicht nur Trauben, auch Feigen, Papayas und weitere Früchte wachsen in diesem Tal. Doch ohne Bewässerung gedeiht nichts, und das kann zunehmend zu einen Problem werden.
Auch an der Führung durch die Destillerie nahmen nur wir zwei teil und so konnten wir uns Zeit lassen zur Besichtigung der Produktionskette. Die Führerin zeigte uns als erstes das Museum. Hier waren viele Gegenstände ausgestellt, die die jahrhundertalte Tradition der Brennerei vergegenwärtigen. Dann führte sie uns an einem Feld mit den verschiedenen Sorten von Trauben vorbei. Durch ein Fenster konnten wir die Schichten der Erde sehen, die für die Wurzeln der Reben optimal sind. Die Trauben eines Genossenschafters werden in Lastwagen zur Destillerie gebracht und in einen Kanal entleert. Dort werden sie gewaschen, entsaftet und der Süssigkeitsgrad wird gemessen. Nur der Saft wird für die Herstellung des Piscos weiter verwendet. Über Röhren wird er in ein Fass geleitet, wo er während 2 – 3 Tagen liegen bleibt. Dann der Saft bei ca. 80 Grad in Kupfergefässen gebrannt. Der einfache Pisco hat einen Alkoholgehalt von 30-35%, Spitzenprodukte bis 50%. Der höhere Alkoholgehalt wird durch mehrmaliges Brennen erreicht. Nach dem Brennen werden die Spitzenprodukte in Fässern aus amerikanischem Holz gelagert. Wir liefen vorbei an riesigen Stahlbehältern und Holzfässern bis wir zur Abfüllanlage kamen. Dort werden die Flaschen über Förderbänder abgefüllt, verschlossen, etikettiert und in Kartons verpackt. Die Kartons werden anschliessend direkt auf Paletten gestellt und wegtransportiert. Diese riesige Anlage läuft während 24 Stunden, dafür steht sie in den Monaten Januar und Februar still. Nach der Führung konnten wir verschiedene Sorten von Pisco kosten und natürlich entschlossen wir uns zwei Flaschen von der Spitzenqualität zu kaufen.

Piqueria CAPEL

Piqueria CAPEL

Piqueria CAPEL

Nun fuhren wir weiter ins Valle de Elqui hinein, das sich nach Süden wendet und kamen nach Montegrande. Dort besichtigten wir die hübsche Kirche und sahen auch das Denkmal von Gabriela Mistral. Sie lebte hier als Kind, denn ihre Schwester war in dieser Ortschaft Lehrerin gewesen. Dann fuhren wir weiter nach Pisco Elqui, denn dort wollten wir auf einen Campingplatz um von dort aus das Dorf kennen zu lernen und Pisco zu kosten. Daraus wurde nichts. Die Strassen und Gassen sind eng und oft nur im Einbahnverkehr zu befahren. Als wir dann endlich den Weg zum Campingplatz fanden, hingen die elektrischen Leitungen so tief, dass wir umkehren mussten. Parkplätze gab es auch keine, denn es war Sonntag und der Ort war fest in Hand von Touristen. Etwas frustriert machten wir uns auf den Rückweg und fanden kurz nach Montegrande einen Camping, der für unseren Huckepack zugänglich war. Es war richtig warm geworden und wir genossen ein kurzes Eintauchen in den recht kalten Bach. Dann wagten wir die Hängebrücke zu überqueren, obwohl ihr Zustand ziemlich elend aussah. Wir hatten Glück und sie hielt unserem Gewicht stand. Als einzige Gäste machten wir am Abend ein Grillfeuer und genossen unser Nachtessen unter dem Sternenhimmel. Es gefiel uns so gut, dass wir einen weiteren Tag dort blieben.

Nähe Monte Grande

Nähe Monte Grande

Nähe Monte Grande

Nun stand nichts mehr im Weg und wir machten uns weiter auf dem Weg zum Paso Agua Negra. Wir verliessen das Valle de Elqui und folgten dem Rio Turbio nach Osten. Bis weit hinauf begleiteten uns die Rebberge. Dann wurde das Tal immer enger und die Landschaft immer karger. Doch wir waren überrascht von den vielen verschiedenen Farben, die die Felsen hatten. In Juntas de Toro, 92 km vor der Grenze zu Argentinien, erledigten wir die Ausreiseformalitäten für Chile. Hier hörte die Asphaltstrasse auf und über eine recht gute Erdstrasse fuhren bis zum tiefblauen und eiskalten Stausee „La Laguna“ auf über 3000 m Höhe. Unterwegs mussten wir immer wieder aussteigen und Fotos machen, denn die Bergwelt war überwältigend. Auch dieser Stausee hatte einst viel mehr Wasser, das sahen wir an den Ufern, Inseln, die aus dem Wasser noch heraus ragten Wir übernachteten dort, doch wir fanden nur einen unruhigen Schlaf, denn die Höhe machte sich bemerkbar. Am nächsten Tag fuhren wir zeitig weiter, denn bis zur Passhöhe auf 4775 m mussten wir noch viele Serpentinen fahren und wir wollten dort nicht übernachten.

Pass Agua Negra

Pass Agua Negra

Pass Agua Negra

Auf dem Pass in windiger und kalter Höhe schmückte unter anderen auch die Figur eines Fahrradfahrers die Landschaft. Wir fragten uns, wie viele wohl jedes Jahr die Anstrengung auf sich nehmen und über diesen Pass fahren. Und tatsächlich trafen wir unterwegs einen Fahrradfahrer, der diesen Pass mit Zelt und ganz allein hinauf pedalte. Auch auf der argentinischen Seite zeigte sich die Landschaft in den schönsten Farben, Formen und einer wunderbaren Vielfalt. In der Ferne sahen wir Gletscher und am Strassenrand begleiteten uns immer wieder Eisgebilde, die wie kleine Pyramiden im Schatten die Hügel zierten. Es war eine herrliche und einmalige Passfahrt.

Pass Agua Negra

Pass Agua Negra

Pass Agua Negra

Die erste Grenzkontrolle in Argentinien verlief problemlos. Wir sagten, dass wir die Nacht bei der Lagune verbracht hatten und der Beamte meinte, dass es sicher sehr kalt gewesen sei, was wir nur bejahen konnten. Nach etwa 15 km kamen wir zur offiziellen Zollkontrolle. Wiederum hatten wir die Formalitäten für die Einreise problemlos erledigt und erhielten 90 Tage für uns und 8 Monate für das Auto. Doch dann untersuchte ein Beamter unsere Kabine. Diesmal musste ich jedes Kästchen, den Kühlschrank und sogar die Klappen zur Ladebrücke unter den Sitzplätzen öffnen. Dort fand er die Holzkohle für den Grill und wollte diese beschlagnahmen. Wir baten ihn uns diese zu lassen, denn wir hätten nicht gewusst, dass Holzkohle auf der Liste des Einfuhrverbots stehe. Er drückte mir eine Liste in die Hand, damit wir beim nächsten Grenzübergang genau wissen, was verboten sei. Die Holzkohle durften wir behalten und auch sonst hatte er nichts gefunden, was er beschlagnahmen konnte.
Da es erst 14 Uhr war und wir die GPS-Daten von Doris und Günther hatten, die in der Nähe bei einem Stausee einen sehr schönen Platz gefunden hatten, fuhren wir weiter. Und es war wirklich ein traumhaft schöner Platz an der Cuesta del Viento. Vom Womo aus sahen wir direkt auf den Stausee und die zum Teil schneebedeckten Gipfel der Kordillieren, Spannend waren auch die Hügel, die in vielen Jahren vom Wind und Regen sich in den bizarrsten Formen zeigten.

Cuesta Del Viento

Cuesta Del Viento

Cuesta Del Viento

Unsere Reise führte uns durch entlang des Rio Jáchal, ein wunderschön zerklüftetes Tal. Um in den Nationalpark Talampaya zu kommen, mussten wir den riesigen Umweg über Villa Union fahren, denn die Strasse 150 ist bei einer Schlucht unterbrochen und nur für Fussgänger und Radfahrer durchgängig. In Villa Union wollten wir noch einkaufen, doch alle Geschäfte sind von 13– 18 Uhr geschlossen. So fuhren wir die 60 km weiter und hofften auf dem Campingplatz des Nationalparks das Nötigste zu erhalten.
Als wir in die Zufahrt zum Park einbiegen wollten, gab der Motor des Landis den Geist auf. Werni konnte das Auto auf die Seite ausrollen lassen, dann stand es still. Auf der Strasse hatte das Auto eine Spur hinterlassen und auch das Auto war teilweise mit Flüssigkeit bespritzt. Werni öffnete die Motorhaube und versuchte heraus zu finden, was los war. Ich ging bis zum offiziellen Eingang des Parks, der zum Glück nur 1 km entfernt war. Ich schilderte unser Problem und sofort wurde ein Mitarbeiter losgeschickt um uns auf den Campingplatz abzuschleppen.
Die verschiedenen, okerfarbigen Gebäude des Parks sind sehr schön angeordnet und passen wunderbar in die Landschaft. In der Gegend wurden Skelette von Dinosauriern ausgegraben und deshalb wurde ein kleiner Rundgang angelegt um die verschiedene Typen in ihrer ehemaligen Umgebung zu zeigen.
Natürlich war wieder Freitag und Hilfe aus der Schweiz wegen der Zeitverschiebung nicht zu erwarten. Wir gingen ins Restaurant, assen etwas und freuten uns trotz des Pechs über den sternenklaren Himmel. Am nächsten Morgen öffnet Werni wieder die Motorhaube und wir versuchten herauszufinden was los war. Ich ging zur Parkverwaltung und fragte nach der Adresse eines Mechanikers. Freundlicherweise telefonierte ein Angestellter einem Mechaniker, der versprach im Laufe des Nachmittags zu kommen. Als ich zum Auto zurück kehrte, war ein anderer Angestellter bei Werni. Die Beiden hatten herausgefunden, dass der Dieselschlauch, der mit dem Motor verbunden ist, einen Riss hat. Dadurch wurden in sehr kurzer Zeit die mehr als 60 l Diesel, die noch Tank waren, auf die Strasse gespritzt. Wieder einmal hatten wir unglaubliches Glück, dass das erst ein paar Meter vor der Einfahrt passiert war. Der Angestellte legte Hand an, später kamen noch andere Angestellte dazu und nach etwa zwei Stunden war ein neuer Schlauch mit Briden befestigt. Nachdem wir unsere Kanister in den Dieseltank geleert hatten, konnte Werni den Motor mühelos starten. Wieder staunten wir, wie viel die Menschen in diesen Ländern von Autos verstehen und wie einfallsreich und kompetent sie Probleme lösen können. Wir waren den Helfern sehr dankbar und freuten uns über den glücklichen Ausgang.
Der Nationalpark Talampaya ist 215‘000 ha gross und hat tief eingeschnittene Canyons und faszinierende Sandsteinformationen. Dass in dieser Wüste die Tage heiss und die Nächte kalt sind und heftige Winde wehen, haben wir schnell gemerkt. Bis ein Zelt jeweils im Boden befestigt war, dauerte es eine rechte Weile, denn der Wind riss an den Blachen und riss die Heringe immer wieder heraus, bevor sie mit grossen Steinen beschwert wurden. Doch in der Nacht war es jeweils windstill und so schliefen auch wir wie die Murmeltiere.
Am Sonntag unternahmen wir eine geführte Tour in den Park, denn er darf mit dem eigenen Auto nicht besichtigt werden. Wir fuhren mit einem 4x4 Bus zuerst entlang einer Strasse, dann fuhr er in einem sehr breiten Bachbett weiter. Die Führerin sagte uns, dass im Frühling sintflutartige Regenfälle die Wüste überschwemmen und dann keine Tour möglich sei, denn dann sei das Bachbett ein bis zu 1.5 m tiefer Fluss. Dann kamen wir im ersten Canyon an und wir machten einen Rundgang entlang von Felszeichnungen, die präkolumbische Kulturen hinterlassen hatten. Da es Vormittag war, lagen sie im Schatten und waren ziemlich schwer zu erkennen. Als wir zurück kamen, war das Oberdeck des Busses geöffnet und wir konnten hinaufsteigen und von dort aus Sandsteinformationen beobachten. Im tiefsten Punkt des Canyons standen wir vor einer riesigen Wand mit halbrunden Vertiefungen. Es war spannend in den Himmel hinauf zu blicken. Dann forderte uns die Führerin auf gemeinsam das Wort „Hallo“ zu rufen und dann zu schweigen. Ein dreifaches Echo kam zurück. Dieses Spiel machten wir noch mit einigen andern Worten und waren erstaunt, wie klar das Echo war. Als wir von diesem Rundgang zurück kamen, gab es einen Apero mit Weisswein, Fruchtsäften und Snacks. So hatten wir Zeit auch noch die Kondore zu bestaunen, die ihre Kreise zogen, in den Canyon hinein flogen und sich durch die Thermik wieder hinaufschrauben liessen. Wir liessen uns auf der Tour auch noch von der Kathedrale, dem Mönch, dem Kamel und weiteren Figuren verzaubern und waren nach etwa 3 Stunden wieder zurück. Es ist ein bleibendes Erlebnis für uns.

NP Talampaya

NP Talampaya

NP Talampaya

Wir fuhren weiter zum Nationalpark „Ischigualasto“ oder wie er auch heisst „Valle de la Luna“ in der Provinz San Juan. Dieser ist grenzüberschreitend mit dem NP Talampaya, doch zum Parkeingang mussten wir etwa 100 km weiter fahren. Als wir dann erfuhren, dass wir 40 km im eigenen Fahrzeug im Konvoi durch den Park geführt würden und wir nochmals 100 km fahren müssten, bis wir eine Tankstelle finden würden, verzichteten wir. Auf der Strasse ohne Diesel stehen bleiben, dieses Risiko wollten wir nicht eingehen. So übernachteten wir auf dem Campingplatz und fuhren am nächsten Tag weiter.
In Rioja fuhren wir auf den Campingplatz des Automobilclubs Argentiniens. Er liegt sehr schön in einem Park mit einem kleinen See und hat viele Grillstellen. Ausser uns waren nur noch zwei Argentinier mit Zelt und einem „Döschwo“ dort. Das erinnerte mich an meine Jugend, als das „Döschwo“ fahren hoch im Kurs stand. Wir staunten, wie viel Gepäck sie in diesem Fahrzeug verstauen konnten. Es war auch sehr lustig mit ihnen zu plaudern.
Im Park hat es auch einen Zoo, doch der war nur für die Arbeiter offen. Doch beim Eingang gab es ein Gehege für Andenkondore und so konnten wir diese riesigen Vögel endlich einmal aus der Nähe sehen, obwohl wir bedauerten, dass sie in einem so kleinen Gehege leben müssen.
Mit dem Bus fuhren wir in die Stadt und bummelten durch die Strassen, besuchten die Kathedrale und den Convento Santo Domingo mit dem kleinen Museum und dem schönen Innenhof mit dem Arkadengang und dem Löwenbrunnen. Doch um 13 Uhr schliessen alle die Pforten und bis 18 Uhr ist Ruhe angesagt. Kaum ein Mensch bewegt sich noch auf den Strassen. So fuhren wir mit dem Bus wieder zurück und machten selber Siesta.

Rioja

Rioja

Rioja

Auf die Thermalbäder in Fiambala hatten wir uns schon lange gefreut. Sie liegen auf über 3800 m und wir wollten uns anklimatisieren für die Fahrt über den Paso San Francisco. Von vielen Reisenden hatten wir gehört, dass die Therme wunderschön in den Bergen liegt. Niemand hatte übertrieben und auch für uns ist es die schönste Anlage, die wir auf unserer bisherigen Reise besucht haben. Wir beschlossen drei Übernachtungen zu bleiben, dass wir dann drei weitere dort blieben, ist eine Geschichte für später.
Für die Autos wurden Parkplätze auf verschiedenen Ebenen in den Hang gebaut und wir konnten unseren Huckepack auf einem Platz mit freier Sicht ins Tal abstellen. Es hatte Strom, Wasser und ein WC auf dem Platz. Nachts waren wir ganz allein. Als wir zu den Thermalbädern hinauf gingen, grüssten uns Irmgard und Heini, die neben ihrem Womo sassen, in perfektem Deutsch. Wir fragten sie, woher sie kommen und sie erzählten uns, dass sie beide in der argentinischen Provinz Missiones geboren wurden. Ihre Grosseltern seien aus Deutschland ausgewandert und deshalb seien sie zweisprachig aufgewachsen. Wir plauderten viel mit ihnen und als wir erwähnten, dass wir die Wasserfälle von Iguazu besuchen werden, zeigten sie uns auf der Strassenkarte eine Strecke, die wir unbedingt fahren sollen, denn sie sei sehr schön.
Täglich stiegen wir mehrmals zu den Thermalbecken hinauf. Im obersten Becken beträgt die Wassertemperatur 42 Grad. Von dort fliesst es hinunter in das nächste Becken und kühlt dadurch ab. Im letzten Becken ist das Wasser nur noch 25 Grad warm. Wir genossen es in so riesige Wannen zu baden, uns an der Sonne trocken zu lassen und dann wieder ins Wasser zu steigen. Da wir auf dem Parkplatz übernachteten, badeten wir auch unter dem klaren Sternenhimmel.

Thermas Fiambala

Thermas Fiambala

Thermas Fiambala

Am Samstag gegen Mittag machten wir uns auf den Weg zum Paso San Francisco (4727 m Höhe), der Argentinien mit Chile verbindet. In Fiambala ist die letzte Tankstelle und die letzte Einkaufsmöglichkeit, dann erst wieder im 500 km entfernten Copiapo. Wir waren gut gerüstet, der Dieseltank war voll und wir hatten genügend Nahrungsmittel für unterwegs.
Unterwegs trafen wir 6 SchweizerInnen, die den Pass mit ihren Fahrrädern überquerten. Sie erzählten uns, dass sie 10 Tage benötigt hätten für dieses Strecke, der Wind sei oft sehr heftig gewesen, die Strasse oft schlecht, in der Nacht seien die Temperaturen unter -10 Grad gefallen und in den Zelten hätten sie gefroren. Trotzdem sei es eine tolle Fahrt gewesen. Wir schwärmten von den Thermen und dann trennten sich unsere Wege.
Nach etwa 80 km konnte Werni nicht mehr schalten und liess das Auto an den Strassenrand rollen. Wir stiegen aus und Werni ging in die Kabine um das Handbuch zu konsultieren. Nach einer Weile setzte ich mich ans Steuer und versuchte ohne den Motor anzulassen, den ersten Gang einzulegen. Es funktionierte und ich legte den 2. und 3. Gang ein. Ich erzählte Werni von meinem Versuch. Wir stiegen wieder ein und machten die Erfahrung, dass wir nur schalten konnten, wenn der Motor nicht lief und das Auto stand. So krochen wir in ersten Gang ein Stück aufwärts. Als es abwärts ging, hielt Werni immer wieder an. Dann warteten wie bis der Motor etwas ausgekühlt war. Dann konnte ein beliebiger Gang problemlos eingelegt, der Motor gestartet, die Kupplung langsam losgelassen werden und das Auto rollte an. Bald waren wir uns einig, dass es besser sei nach Fiambala zurück zu kehren. Die fast 100 km legten wir im 3. Gang zurück, immer in der Hoffnung, ja nicht schalten zu müssen. Es klappte. In Fiambala krochen wir im 1 Gang zur Touristeninformation und erhielten die Adresse eines Mechanikers und fuhren hin. Er meinte, dass er die Sache in Ordnung bringen könne, aber erst am Montag. Nun fuhren wir im 2. Gang an und konnten ohne weitere Schaltung die Thermen erreichen. Trotz allem genossen wir das Wochenende.
Am Montag fuhren wir in die Werkstatt und nach einer Stunde meinte der Mechaniker, dass er die Sache so weit in Ordnung gebracht hätte, dass wir weiterfahren können. Es sei aber an der Hydraulik etwas defekt, doch er habe kein Ersatzteil an Lager und könne es auch nicht bestellen. Wir sollen das bei Gelegenheit ersetzen lassen. Er wies uns an, vor dem Schalten die Kupplung ein paar Mal durchzudrücken, dann sei es kein Problem. Voller Zuversicht machten wir uns wieder auf den Weg. Wir beschlossen so wenig wie möglich zu schalten und da die Strasse am Anfang kaum anstieg, war das auch nicht nötig. Doch das Glück hielt nicht lange an. Fast an derselben Stelle musste Werni wieder hinunter schalten und wir stellten fest, dass das Problem nicht gelöst war. Es war ernüchternd festzustellen, dass der Mechaniker uns belogen hatte. Es hatte nur funktioniert, weil der Motor kalt gewesen war. Umkehren nützte uns also nichts und so beschlossen wir weiter zu fahren und in Chile einen Mechaniker für Landrover zu suchen.
Trotz allem war es eine wunderbare Fahrt über all die Pässe. Die Grenzkontrolle auf der argentinischen Seite liegt kurz vor dem Pass San Francisco auf 4700 m Höhe. Schnell waren die Formalitäten erledigt. Auf der Weiterfahrt waren wir umgeben von Fünf- und Sechstausender, kamen an der salzverkrusteten, türkisfarbenen Laguna Verde vorbei, sahen viele Vicuñas und das alles bei strahlend blauem Himmel. Von Fiambala bis etwa 60 km vor Copiapo fuhren wir immer auf einer Höhe zwischen 3‘800 und 4‘800 m. Es war einfach unglaublich schön. Da wir nur langsam fuhren, konnten wir die Landschaft bewundern. Wegen dem Defekt wagten wir nur selten anzuhalten und machten die meisten Fotos aus dem fahrenden Auto.
Bei der Grenze zu Chiles konnten wir nochmals übernachten und schon am Abend die Formalitäten erledigen. Auch hier erhielten wir die Einreisepapiere schnell. Nachdem wir versprochen hatten, dass das Fleisch und die Tomaten für unser Nachtessen brauchen, verlief auch die Lebensmittelkontrolle problemlos.

San Francisco

San Francisco

San Francisco

Etwa 40 km vor Copiapo mussten wir den Diesel des Reservekanisters einfüllen. Bein Anfahren stellten wir fest, dass die Schaltung wieder einwandfrei funktionierte. Nun vermutete Werni, dass im Hydrauliksystem Luft sein muss und deshalb die Kupplung in der Höhe und bei den tiefen Temperaturen Probleme hat. In Copiapo fanden wir ein Einkaufszentrum und konnten per Skype mit Overlandtechniks in der Schweiz telefonieren. Wernis Vermutung wurde bestätigt. Jetzt müssen wir nur noch eine Werkstatt finden, die die Hydraulik entlüftet. Hätte das der Mechaniker in Fiambala gemacht, wäre das Problem schon damals gelöst gewesen und wir hätten die Passfahrt viel ruhiger geniessen können.
Wieder einmal zeugen die vielen Fotos von unseren Reiseerlebnissen.