Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Dienstag, den 04. November 2014 um 00:00 Uhr

Vor sieben Monaten habe ich letztmals einen Bericht veröffentlicht. Ich werde diese Zeit kurz zusammen fassen und wünsche mir und euch Lesenden, dass ich in Zukunft wieder schreibfreudig bin.
In der ersten Hälfte des Monats April fuhren wir über den 4726 m hohen San Francisco Pass. Die Strecke von einer Tankstelle zur nächsten beträgt etwa 500 km und wir hatten unsere Tanks sicherheitshalber mit Diesel gefüllt. Wieder einmal waren wir beeindruckt vom Panorama, das sich uns bot. Wir waren umgeben von 5- und 6000ern. Überall sahen wir die mit Schnee und Eis bedeckten Bergspitzen der Vulkane. Die nackten Felsen zeigten die verschiedenen Schichten und präsentierten sich in den Farben braun, grün und ocker. Die türkigrüne „Laguna Verde“ widerspiegelte im spiegelglatten Wasser die Landschaft. Viele Vicuña- und Lama-Herden kreuzten unseren Weg. Auf der Chilenischen Seite sahen wir immer wieder Erdstrassen, die zu Minen abzweigten. In diesem Gebiet liegt auch die Mine San José, aus der im Jahr 2010 33 verschüttete Bergleute in einer spektakulären Aktion befreit wurden.
In Paipote, das nahe bei Copiapó liegt, übernachteten wir auf dem Parkplatz des Minen-Museums, das wir am nächsten Morgen besuchten. Es war faszinierend all die vielen verschiedenen Mineralien, die Bildtafeln zum Sonnensystem, das Modell einer Mine und die Maschinen und Werkzeuge zur Förderung der Naturschätze zu sehen. Da alles in Spanisch erklärt war, wurden wir von der Informationsfülle überfordert.

Minenmuseum Copiapo 12

Minenmuseum Copiapo 03

Minenmuseum Copiapo 23

 

In Caldera besuchten wir den Fischereihafen und den Bahnhof. Hier wurden die Erze aus den Minen von Copiapó verschifft. San Pedro, dem Beschützer der Fischer wurde ein eindrückliches Denkmal gesetzt. Im Wasser stritten sich unzählige Pelikane und Seelöwen um die Abfälle, die die Fischer und Besucher ins Wasser warfen. Weit herum war das Gekreische und Gezeter zu hören.

Caldera

Caldera

Caldera

 

Die nächste Sehenswürdigkeit fanden wir im „zoologico de piedras“. Durch Erosion über Tausende von Jahren haben sich Tierformen gebildet. Mit grossem Vergnügen stachelten wir uns gegenseitig an die Steine zu betrachten und Tiere zu entdecken, denen wir Namen gaben.

Zoologico de piedras 07

Zoologico de piedras 13

Zoologico de piedras 15

 

Im kleinen Fischerdorf Taltal assen wir die besten Shrimps-Empanadas während wir an der Kirche vorbei schlenderten und dann die alte Damplok und Förderfahrzeuge bewunderten.

Taltal 02

Taltal 09

Taltal 05

 

Für die Weiterfahrt wählten wir die Route zum Observatorium Cerro Paranal. Hier steht die 2001 unter dem Namen Very Large Telescop (VTL) fertiggestellte Anlage der europäischen Astronomie-Organisation ESO (European Southern Observatory). Leider war kein Besuchertag und wir konnten nur vom Haupteingang die Gebäude fotografieren. Der Portier zeigte uns dafür seine umfangreiche Sammlung an Kaktuspflanzen, die er seit seiner Ankunft vor 10 Jahren auf dieser Höhe pflanzt und hegt. Der Umweg durch eine sehr karge Landschaft und der freundliche Empfang des Portiers hatten sich gelohnt. .

Observatorium Paranal 03

Observatorium Paranal 08

Observatorium Paranal 13

 

Natürlich wollten auch wir ein Erinnerungsfoto vom „Mano del Desierto“, bevor wir das „Monumento Natural La Portada“, das Wahrzeichen der Stadt und Region Antofagasta besuchten.
Nachdem wir in Antofagasta keinen vernünftigen Übernachtungsplatz fanden, fuhren wir weiter Richtung Calama. Wir entdeckten die Estancia Uribe und blieben 3 Tage, so gut gefiel es uns. Eine Dampf Eisenbahn führte früher von Bolivien nach Antofagasta und deshalb wurde neben der Bahnlinie eine Wasserröhre gelegt, die von einem bolivianischen Fluss gespeist wird. Heute ist nur noch ein Teilstück in Betrieb und die Lok wird mit Diesel betrieben. Durch innovative Menschen entstand innert 30 Jahren inmitten dieser Wüste eine Oase. Bolivianische Familien bauen auf dem Gelände Gemüse an und verkaufen es auf dem Markt. Trauben, Kakteen gedeihen und wunderschöne Bäume spenden Schatten. Hunde, Pferde, Hühner und Enten leben auf dem Grundstück. Eine Initiantin des Projekts zeigte uns ihren Solarkochherd. Alle Gebäude, Möbel und sonstigen Gegenstände sind aus Recycling- und natürlichen Materialien hergestellt. Als wir dort waren, kamen auch 2 Fahrradfahrer, mit denen wir eine lustige, kurze Zeit verbrachten. Wir waren beeindruckt von der Qualität und Schönheit, die hier entstanden ist und es wird immer weiter ausgebaut. Wie mag es wohl in ein paar Jahren aussehen?

Mano del Desierto 03

La Portada 03

Estacion Uribe 07

 

In Calama füllten wir nur unsere Vorräte auf und fuhren dann weiter zu den Salzlagunen bei San Pedro. Leider sahen wir nur ein Paar Flamingos, doch es war schön in dieser absoluten Stille zu übernachten. Auf einer abenteuerlichen Strasse fuhren wir zum Vulkankrater „Monturaqui“. Unterwegs wäre ich oft ausgestiegen, denn der Weg führte durch Bachbeete, über Steine und vor allem recht steil hinauf, bevor wir den Kraterrand erreichten. Doch am Abend und in der Nacht wurden wir bei absoluter Stille von einem herrlichen Sternenhimmel und Vollmond verwöhnt. Am Morgen liessen wir es uns nicht nehmen in den Krater hinunter zu steigen. Ich aber konnte mich erst wieder richtig entspannen als wir die Asphaltstrasse erreichten.

Salzsee 06

Weg Krater 02

Krater Monturaqui 07

 

Schon einmal wollten wir über den Jama-Pass nach Argentinien, doch das war uns damals infolge Schnees verwehrt. Jetzt war es soweit. San Pedro liegt auf 2440 m und die ersten 45 km führen hinauf auf 4000 m Höhe. Dann erreichten wir den Altiplano. Wieder verwöhnten uns die Berge mit den verschiedensten rot, braun und ocker Farben bei strahlend blauem Himmel. Bei der Salzlagune „Aguas Calientes“ auf über 4500 m übernachteten wir. Es war sehr kalt und windig. Am nächsten Morgen fuhren wir durch eine sanft absteigende Landschaft, bis wir den Salzsee „Salinas Grandes“ erreichten. Immer wieder ist es einmalig, über eine Fläche zu laufen, die uns an Schnee erinnert, doch es ist Salz, das wir unter den Füssen spüren und es heisst auch aufpassen, den die Salzschicht ist nicht überall dick genug ist.

Pass de Jama 17

Salinas Grandes 03

Salinas Grandes 02

 

Eine abenteuerliche Strasse führte uns über Tres Morros, Pozo Largo nach San Antonio de los Cobres auf 3775 m Höhe. Der Weg war schlecht und wir kamen nur langsam vorwärts, doch die Fahrt war ausserordentlich schön. Wir durften auf dem Parkplatz von San Antonio übernachten und ich machte noch einen Spaziergang durch das Dorf. Da es Karfreitag war begegnete ich bei meiner Rückkehr einer kleinen Prozession. Am Abend assen wir in einem Restaurant sehr gutes Lamafilet .
Wieder über eine Schotterstrasse erreichten wir die Eisenbahnbrücke, die heute die Endstation des „Tren a las nubes“ (Zug in die Wolken) ist. Die Strecke führte von Salta bis Antofagasta und war 901 km lang. Begonnen wurde mit dem Bau der Eisenbahnlinie 1921 unter grössten technischen Schwierigkeiten. Das „Viadukt „La Polvorilla“ ist 224 m lang und verbindet das Tal in 63 m Höhe. Es ist gebaut wie der Eifelturm, nur steht es in einer kahlen Gebirgswüste. Wir waren beeindruckt, als wir unter diesem Gebilde standen. Steile Treppen führen bis zur Brücke hinauf, doch schon nach kurzer Zeit kehrte ich um, denn bei dieser Höhe werde ich schnell kurzatmig
.

Weg San Antonio 02

San Antonio de los Cobres1

Viadukt la Polvotilla 05

 

Weiter ging es nach Salta. Leider fährt die Touristenbahn nur noch am Sonntag und nur das Trasse begleitete uns auf dem Weg. Zuerst war die mit vielen Kurven versehene Strasse sehr gut, dann gab es viele Löcher, Umleitungen und sehr schmale Stellen. Die Landschaft änderte sich bei jeder Biegung und so gut es ging konnten wir sie bewundern. Doch leider mussten wir sehr vorsichtig fahren, denn die Strassenverhältnisse erforderten volle Konzentration.
Wir brauchten zwei Tage bis wir in Salta auf dem Campingplatz ankamen. Wieder einmal war es notwendig Haus- und Autoarbeiten zu erledigen. Wir konnten mit dem Bus vom Campingplatz in die Stadt fahren und so nutzen wir grosse Pausen jeweils für kurze Ausflüge in die sehr lebhafte Stadt. In der Innenstadt gibt es viele, sehr wunderschöne Gebäude aus der Kolonialzeit. Mit einer Seilbahn fuhren wir auf den Hausberg hinauf und hatten einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Die ganze Provinz ist bekannt für ihre Empanadas und wir assen die mit verschiedensten Leckereinen gefüllten Teigtaschen als Zwischenmahlzeit.
Bei unserem Aufenthalt waren auf dem Hauptplatz mehrere Zelte aufgestellt. LehrerInnen demonstrierten für mehr Lohn. Bei einer Teuerung von über 30% erhielten sie nur 10% Lohnerhöhung. Jemand erzählte uns, dass die auswärtigen DemonstrantInnen in ihren Dörfern Empanadas verkauft hätten, um Geld für den Bus und Aufenthalt in den Provinzhauptort zu haben. Auch auf dem Platz wurde von den TeilnehmerInnen gekocht und gebacken.
Die Widersprüche zeigen sich uns immer wieder. Auch hier gibt es neben Reichen sehr viele arme Menschen. Das Vertrauen in die Wirtschaft und Politik ist kaum vorhanden und der Schwarzmarkt floriert. Wir wurden sogar von Polizisten zu Händlern und Wechselstuben geschickt, die Dollars zu einem weit besseren Kurs als die Banken tauschen.

Salta 40

Salta 45

Salta 47

 

Wir machten eine Rundreise nach Cachi, Cuesta del Obispo, Valle Encantado, Cachi, Quebrada de las Flechas, Cafayate und zurück über die Quebrada de las Conchas nach Salta. Alles liess sich sehr gut an. Die Strassen waren teilweise sehr gut, doch dann gab es auch Schotterstrasse, die wir nur mit Geduld fahren konnten. Doch die Landschaft war so wunderschön, in der fruchtbaren Erde in den Tälern wird Gemüse und Getreide angebaut, die Dörfer klein und überschaubar und die Menschen absolut liebenswürdig.

Quebrada de la Flecha10

Quebrada de las Conchas02

Tal Cafayayate 17

 

Auf der Strecke Quebrada de las Conchas nach Salta hatten wir Glück im Pech. Ein Lastwagen überfuhr in einer Kurve die doppelte Sicherheitslinie und schlitzte bei unserer Womo-Kabine die Fahrerseite auf. Zum Glück blieben wir unverletzt. Die Polizei war schnell auf dem Platz und wir mussten anschliessend auf einen Polizeiposten um die Schadenmeldung aufzugeben. Dann fuhren wir zurück nach Salta auf den Campingplatz.
Wir verbrachten den ganzen Monat Mai auf dem Platz. Wir pendelten zwischen den Versicherungen hin und her, füllten Formulare aus und hofften, dass wir irgendwie zu unserem Recht kommen würden. Wir erhielten zwar Hilfe von Svea (deutsches Konsulat) und Klaus Schubert (Patronal-Versicherung), doch wir wurden bei der Versicherung des Unfallverursachers (Parana) hingehalten.
Zum Glück lernten wir auf dem Campingplatz spannende Menschen kennen, mit denen wir viele Informationen austauschen konnten. Mit der Zeit kannten wir uns auch sehr gut in Salta aus. Doch es war nicht unser Ziel sesshaft zu werden. Eines Tages hören wir von einem GibertCar, einem Womo-Hersteller in Cordoba. Pechvögel wie wir hatten auch einen Unfall und waren sehr zufrieden mit der Reparatur von GibertCar. Anfangs Juni hatten wir genug von der Warterei und machten uns auf den Weg in das fast 900 km entfernte Cordoba. Unterwegs besuchten wir noch den Park von den „Thermas del Rio Rondo“, die „Estancia Catalina“ und „los siete cascadas“.

Thermas del Rio Rondo 09

Estancia Catalina 01

Siete Cascadas 01

 

Mit Herrn Gibert einigten wir uns, dass in seiner Werkstatt der Schaden bei unserer Kabine repariert und das Womo während unserem Schweizaufenthalt in der Halle bleibt. Wir verbrachten noch ein paar Tage in Cordoba und fuhren dann auf den Campingplatz in Carlos Paz. So konnten wir alles in Ruhe vorbereiten, bevor wir nach Buenos Aires reisten.
Mitte Juni gaben wir das Womo bei GibertCar ab und fuhren mit dem Nachtbus nach Buenos Aires. Jetzt hatten wir noch vierzehn Tage um das Grossstadtleben zu geniessen. Wir bezogen ein schönes Aparthotel in der Innenstadt. Zu Fuss, per SUBE (U-Bahn), Taxi oder Bus lernten wir die verschiedenen Quartiere kennen und liessen es uns gut gehen. Wir waren überrascht von den vielen Parks, den freundlichen Menschen und den schön renovierten Häusern.

Buenes Aires 017

Buenes Aires 036

Buenes Aires 039

 

Mehr als zwei Jahre waren wir nicht mehr in der Schweiz und wir freuten uns, auf die zwei Monate Aufenthalt in denen wir unsere Familien, Freunden und Bekannten wieder sehen würden. Mehrheitlich wohnten wir bei Werni’s Mutter Rösli in Effretikon, genossen aber auch die Woche bei Marianne und Walter in Flums und verbrachten einige tolle Tage in Liestal bei Meye und Jürg. Dazwischen besuchten wir unsere Lieben in der Ostschweiz, im Aargau und natürlich in Zürich und Umgebung. Ganz besonders freuten wir uns Luana, die dreijährige Tochter von Stefan und Manuela, zu sehen und mit ihr und ihren Eltern zusammen zu sein. Bis jetzt sprachen wir mit ihr nur per Skype. Werni mietete ein Motorrad und konnte auch endlich wieder einmal sein geliebtes Hobby geniessen. Wir wurden von allen herzlich willkommen geheissen, mit Leckerbissen verwöhnt und genossen die Zeit. Es war schön wieder am direkten Leben teilnehmen zu können und zu erzählen, was in unserer Abwesenheit bei ihnen und uns so alles geschah. Dabei hatten wir das Gefühl, dass wir nur ganz kurze Zeit weg gewesen wären, so nah und wohl fühlten wir uns bei den Plauderstunden.

Winterthur 10

Winterthur 06

Effretikon 05

 

Zusammen mit Marianne flogen wir für eine Woche auf die Azoren um auf der Insel Pica Jngeborg zu besuchen. Sie ist vor mehr als 2 Jahren dorthin ausgewandert und wir waren neugierig auf ihr neues Heim. In ihrem Haus hat sie 2 sehr geschmackvolle Gästezimmer eingerichtet und kann Besuchern B&B anbieten. Von der Terrasse aus konnten wir direkt den Hafen sehen und mit dem Feldstecher sahen wir weit draussen Delfine. Während der ganzen Woche zeigte sie uns täglich einen anderen Ausschnitt von der Insel und bevor wir uns versahen, war die Zeit schon wieder um. Es war eine herrliche Woche, vor allem spielte das Wetter auch mit. Jngeborg verwöhnte und umsorgte uns, sodass wir noch lange hätten bleiben können.

Azoren 17

Azoren 33

Azoren 37

 

Wir verbrachten eine sehr schöne und angenehme Zeit und doch wir freuten uns auch wieder auf unsere weiteren Abenteuer.

Am 1. September war es wieder so weit. Der Flug über London nach Buenos Aires war ruhig und angenehm, da wir die Plätze beim Notausstieg hatten. So konnte auch Werni seine Beine strecken. Da wir viel Gepäck hatten kauften wir am Morgen unserer Ankunft das Ticket nach Cordoba. Das Gepäck konnten wir wie auf einem Flughafen abgeben und den Tag in der Stadt verbringen. Am selben Abend fuhren wir den Nachtbus nach Cordoba.
Am Morgen fuhren wir per Taxi zu GibertCar und waren wir begeistert über den Zustand unserer Kabine. Alles war perfekt repariert und man sah vom Schaden, der vom Unfall herrührte, nichts mehr. Es war eine Freude das alles zu sehen.
Nach ein paar Tagen auf dem Campingplatz von Cordoba waren wir wieder startklar. Unser Ziel war Paraguay. Dort hatten wir mit René und Marion von „hasta la pasta“ vereinbart, dass der „graue Star“, der bei Werni prognostiziert war, in Asunción operiert werden würde. Sie kannten einen Augenarzt und René‘s Mutter hatte diese Operation auch in Paraguay und zu ihrer vollen Zufriedenheit machen lassen.
Wir wählten die Route Santa Fé, Mercedes, Colonia Carlos Pellegrini um bei Posadas die Grenze zu überqueren - eine Strecke von etwa 1150 km. Colonia Carlos Pellegrini wählten wir, weil dort die „Esteros del Iberá“ sind, ein 500 km2 grosses Sumpfgebiet und wir dieses Naturreservat besuchen wollten.
In Mercedes strandeten wir. Nachdem wir die Kirche besichtigt hatten und weiterfahren wollten, konnten wir den Motor nicht mehr starten. Nach längerer Zeit fand ich endlich einen Mechaniker, der uns am späten Abend zu seiner Werkstatt abschleppte. Über Nacht lud er die Autobatterie auf. Am nächsten Morgen setzten sie ein Diagnosegerät ein, kontrollierten einiges am Motor und ersetzten den Schlauch, der Diesel zum Tank zurückführte. Dann lief der Motor wieder und wir fragten, ob wir ohne Probleme weiter fahren könnten, denn es lagen noch fast 400 km vor uns und der grösste Teil war Naturstrasse. Es sei keine Gefahr, dass wir irgendwo stecken bleiben würden, war die Antwort.
Ohne Probleme kamen wir auf einer recht schlechten Strasse nach Colonia Carlos Pellegrini. Dort lernten wir Isabel, Rolf und ihre Tochter Ellie kennen und konnten wieder viele Informationen austauschen und zusammen plaudern. Gemeinsam buchten wir eine Tages- und einer Nachtbootstour beobachteten Wasserschweine, Krokodile, Sumpfhirsche und viele Vögel. Auf einem Wanderweg sahen wir sogar noch ein paar Brüllaffen. Am Samstagmorgen verabschiedeten sie sich und wir freuten uns jetzt schon auf unser Wiedersehen in Paraguay. Gegen Abend fand auf dem Gelände auch noch eine Trauung statt. Für ein paar Stunden war der Platz richtig bevölkert und als das Brautpaar kam, streuten zwei weissgekleidete Mädchen Blumen. Sonst war es sehr ruhig auf diesem sehr schönen Campingplatz mitten im Naturreservat.

Carlos Pellegrini 17

Carlos Pellegrini 69

Carlos Pelligrini 91

 

Auf der Weiterfahrt füllten wir von einem Kanister Diesel in den Tank, denn wir hatten bedenken, dass es sonst knapp werden könnte. Ungefähr 10 km bevor wir auf die Asphaltstrasse kamen, platzte der ersetzte Schlauch und der Dieseltank war leer. Nachdem der Motor etwas abgekühlt war, befestigte Werni einen neuen Schlauch und zum Glück hatten wir in einem Kanister noch etwa 7 l Diesel. Das Auto lief wieder und wir erreichten die Asphaltstrasse. Dort gab es auch eine Tankstelle, doch diese wollten uns keinen Diesel verkaufen mit der Begründung sie dürfen nur öffentliche Busse berücksichtigen. Nach langen Diskussionen erhielten wir 5 l und wir dachten, dass wir auf der sicheren Seite sind, denn der nächste Ort, San Tomé, war nur noch 20 km entfernt.
Doch nach etwa 3 km stand das Auto still und der Motor konnte nicht mehr gestartet werden. Hatten wir vielleicht Heizöl erhalten? Ein brasilianisches Paar schleppte uns bis zur nächsten Tankstelle ab.
Als erstes versuchte Werni den Schaden zu beheben. Endlich, nach 3 Tagen kam Señor Rodrigues mit seinem Sohn zur Tankstelle und die beiden Mechaniker begann am nächsten Nachmittag mit der Fehlersuche. Spät abends schien alles in Ordnung zu sein und er unternahm mit Werni eine Probefahrt. Kurze Zeit später kam ein Anruf, dass das Auto wieder abgeschleppt werden müsse. Geduldig reinigten er und sein Sohn wieder alle Leitungen und nochmals unternahm er mit Werni eine Probefahrt. Sie kamen auch wieder selbständig zurück und um Mitternacht fielen wir müde ins Bett.
Am nächsten Morgen füllten wir den Tank und auch alle Kanister und es liess sich sehr gut an. Doch nach 2 km standen wir schon wieder still. Zwei Stunden später war der Mechaniker wieder zur Stelle und konnte den Motor wieder starten. Er empfahl uns den Tank nicht mehr mit dem Deckel zu verschliessen, denn dieser sei verstopft. Er gab uns eine Adresse für eine Werkstatt in Posadas, die die Dieselfilter ersetzten, uns einen neuen Tankdeckel verkaufen und den Dieseltank reinigen werden. Er selber hatte keine Ersatzteile in seiner Werkstatt.
In Posadas fanden wir die Werkstatt und sie reinigten den Tankdeckel und ersetzten die entsprechenden Filter. Dabei stellten sie fest, dass die Filter für die Dieselzufuhr mit Papier verstopft waren. Wir konnten uns nicht erklären, wie und wo das geschehen konnte. Da Samstagabend war, hatten sie keine Zeit den Tank auszubauen. Wir wollten nicht bis Montag warten und fuhren weiter. Eine Brücke führt über den Rio Paraná und schon waren wir in Encarnación, der ersten Stadt Paraguays. Auf beiden Seiten der Grenze trafen wir auf freundliche und hilfsbereite Beamte und so waren die Formalitäten rasch erledigt.
Wir fanden einen ruhigen Platz direkt am Rio Paraná und sahen auf der anderen Seite des Flusses die Lichter von Posadas .Nach einer ruhigen uns erholsamen Nacht liessen wir unseren Dieseltank füllen. Dann fuhren wir zur Gasstation und wir mussten die Flaschen zum Füllen nicht heraus nehmen. Welch ein Vergnügen. Anschliessend wechselten wir noch Geld, bummelten ein wenig in der Stadt herum und kauften das Nötigste ein.
Wir entschlossen uns keine Umwege mehr zu machen, sondern rasch möglichst zu „hasta la pasta“ in der Nähe von Asunción zu kommen. Da Marion und René schon lange in Paraguay leben, dachten wir, dass sie uns sicher eine gute Werkstatt empfehlen könnten. Wir kannten sie noch nicht persönlich, hatten aber E-Mail-Kontakt mit ihnen. Werni wollte den grauen Star in Paraguay operieren lassen, denn die Mutter von René liess ihre Augen zu ihrer vollen Zufriedenheit hier ausführen. In der Schweiz hätten wir den Abflug nach Argentinien verschieben müssen, um nach der Operation auch noch alle Kontrollen durchzuführen.
Doch schon in Villa Florida holte uns das nächste Problem ein – die Starterbatterie des Autos war leer. Doch keine Ursache zum Verzweifeln, auf dem Platz waren Paraguayer, die im Zelt übernachtet hatten und sie überbrückten die Batterie. Zufrieden setzten wir unseren Weg fort. Doch nur etwa 20 km vor unserem Ziel setzte der Motor wieder aus.
Und schon wieder Glück im Unglück. Hilfsbereite Menschen telefonierten und Alberto und Augustin schleppten uns in die Werkstatt von Alberto ab, obwohl es Sonntag war. Sie begannen den Tank auszubauen, damit er am nächsten Tag gereinigt werden konnte. Der kleine Sohn beobachtete seinen Vater und Onkel bei ihrer Arbeit. Zwischendurch spielte er mit uns und zeigte uns einen schönen Park mit einem Kinderspielplatz. Für uns wurde auch Fleisch auf den Grill gelegt und wir verbrachten den Abend im Kreis der Familien. Als der Tank geleert und ausgebaut war, fischten sie nicht nur Papier sondern auch Plastikfolie heraus. Sie meinten, dass das über Zapfsäulen geschehen sei, von nicht gewarteten Tankwagen, die dann allerlei Unrat mitliefern würden. Nach dem Tanken schliessen wir den Tankdeckel immer mit dem Schlüssel ab. Jetzt war uns klar, warum auch in den Filtern Papier gefunden wurde. Obwohl am Montag Feiertag war, konnten sie den Dieseltank reinigen lassen und am späten Nachmittag war unser Auto startklar. Wir baten sie auch noch alle Stossdämpfer zu ersetzen, doch sie hatten kein entsprechendes Werkzeug. Da wir bei Dunkelheit nicht fahren wollen, assen wir wieder gemeinsam und blieben die folgende Nacht noch auf ihrem Gelände. Am nächsten Morgen musste die Batterie wieder überbrückt werden, denn die vielen Startversuche hatten sie wieder entladen. Wir verabschiedeten uns von diesen liebenswürdigen Menschen.

Itaugua 093

Itaugua 089

Itaugua 094

 

Obwohl wir keine Vorräte mehr hatten, wollten wir kein Risiko mehr eingehen und fuhren auf direktem Weg zu nach Altos zu „Hasta la pasta“. Marion und René begrüssten uns als ob wir uns schon lange kennen würden und boten uns als erstes einen ausgezeichneten Kaffee an. Sofort fühlten wir uns wohl. Die drei Hunde Luna, Flecki und Nero verteidigten bei unserer Ankunft ihr Terrain mit lautem Gebell, aber sie freundeten sich dann schnell mit uns an.

Altos 06

Altos 15

Altos 13

 

Auf dem riesigen, nur über eine Naturstrasse erreichbaren Grundstück der Pension „hasta la pasta“ hat es zwei Wohnhäuser. In einem wohnen Marion und René, im andern René‘s Mutter Alice und Pisch. Marion ist aus Deutschland, René aus der Schweiz vor etwa 14 Jahren und Alice und Pisch vor etwa sieben Jahren aus der Schweiz ausgewandert. Sie alle fühlen sich absolut heimisch. Das ist gut zu verstehen, denn hier ist es grün und das ganze Jahr über mehr oder weniger heiss.
Ausserdem gibt es einen Bungalow mit Küche und ein Haus mit zwei Gästezimmern. Dazu gekommen ist der Stellplatz für Womos. Wie schön unser Huckepack steht könnt ihr selber unter dem folgenden Link http://hastalapasta.jimdo.com/pension-wohnmobilstellplatz sehen. Ein schöner Platz lädt zum Grillen ein. Daneben ist das Gehege der Hühner und wir hören nur das Gegacker aber kein Hahn weckt uns am frühen Morgen. Die beiden Hasen sind sehr scheu, verschmähen aber weder unsere Salatblätter noch Karotten. Auch die Hühner kommen sofort, wenn wir ihnen etwas ins Gehege werfen. Da es bis 40 Grad heiss wurde, geniessen wir immer wieder die Abkühlung im klaren Wasser des Pools. Auch die sanitären Anlagen sind immer sehr sauber und alles hat einen Standard, den wir seit langem nicht mehr hatten.
Marion ist eine ausgezeichnete Köchin und die hausgemachten Pastas von René sind ein Gedicht. Die Hühner liefern die Eier und René verwendet nur biologische Produkte bei der Herstellung. Kein Wunder kann er seine Pasta in ganz Paraguay vertreiben.
Von der Terrasse, auf der Marion das Essen serviert und die auch zum Apero einlädt, hat man eine wunderschöne Sicht auf den Lago Ypacaraì.
René hatte auch schon Kontakt mit dem deutschsprechenden Augenarzt Dr. Walter Timcke aufgenommen und Werni hatte eine Woche nach unserer Ankunft einen Termin in seiner Praxis in Asunción. Dann folgten die notwendigen Untersuchungen mit der Bestimmung der Linsen. Da die Operation in einer Augenklink durchgeführt wurde, musste Werni zwei Wochen auf einen Termin warten. Dann operierte Dr. Timcke am Montag den grauen Star am rechten, am Donnerstag am linken Auge. Es gab keine Komplikationen und auch bei den Nachuntersuchungen waren alle Beteiligten sehr zufrieden. Werni sieht in der Zwischenzeit wie ein Adler.
Der Aufenthalt hier bei „hasta la pasta“ wurde uns nie langweilig Schon am ersten Samstagmorgen nahmen uns René und Pisch mit zu Einkaufen auf den Markt in San Bernardino. Da in diesem Gebiet viele Einwanderer aus Europa leben, konnten wir unsere Wünsche nach gutem Brot, Fleisch und Bratwürste befriedigen und auch frische Salate, Gemüse und Früchte einkaufen. Bratwürste, Frikadellen, Crepes und deutsches Bier, frisch vom Zapfhahnen runden einen Einkauf ab
.

San Bernadino 05

San Bernadino 07

San Bernadino 09

 

Isabel, Rolf und Ellie kamen für ein paar Tage hierher und wir erzählten uns gegenseitig von unseren Abenteuern. René’s Bruder Marcel verbrachte mit seiner Frau Regula hier zwei Ferienwochen. Sie brachten uns Sachen aus der Schweiz mit, denn Rösli konnte ihnen die vergessenen Autoschlüssel senden und Lisa und Thomas kauften für uns einen neuen Garmin und brachten ihn nach Wittenbach. Jetzt sind die Dänen Marianne und Erik gekommen und auch mit ihnen können wir viele Informationen austauschen.
Wir genossen gemeinsame Grillabende, mit Alice und Pisch konnten wir endlich wieder einmal jassen, René und Marion nahmen uns mit zu Ausflügen mit. René durfte ich einen Tag beim Ausliefern von Pasta begleiten und er zeigte mir in Independencia das wunderschöne Grundstück von Marion, das sie verkaufen möchten.

Altos 02

Caacupe 09

Independencia 09

 

Roland, ein Freund von Marion und René konnte die Stossdämpfer ersetzen. Auch die vorderen Radlager mussten nachgestellt werden. Durch die Tiefentladungen ging auch noch die Starterbatterie kaputte und wir mussten eine neue kaufen. Dann merkten wir, dass der Boiler von unserer Heizung undicht war. Für Roland war auch das kein Problem. Er baute die Heizung aus, zerlegte sie in die Bestandteile und liess die undichten Stellen schweissen. Zu unserem Glück ist Roland sehr aufmerksam, geschickt und genau. Wir hatten volles Vertrauen in seine Fähigkeiten.

 

Wir sind startbereit für den Besuch der Wasserfälle von Iguazu und kommen nochmals zu „hasta la pasta“ zurück, denn Werni muss nochmals zu einer Kontrolle und auch unser Auto lassen wir von Roland nochmals prüfen, bevor wir uns dann Richtung Süden aufmachen.

 

Wir haben so viel schönes erlebt, dass auch unsere Pechsträhne uns nichts anhaben konnte und wir sind überzeugt, dass sie jetzt vorbei ist.

 

Natürlich gäbe es noch viel zu berichten, doch für diesmal muss es genügen. Werni wird in nächster Zeit auch alle Fotos bis Ende Oktober auf unsere Homepage stellen, dann könnt ihr euch an den allen Bildern freuen, die in den vergangenen sieben Monaten entstanden sind.

 

Hasta luego y muchos saludos!