Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

auf der zeitlosen Reise

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Donnerstag, den 11. Dezember 2014 um 00:00 Uhr

Bei schönstem Wetter verliessen wir Altos um endlich die ca. 300 km entfernten Wasserfälle des Iguaçu zu besuchen. Die ganze Strecke ist asphaltiert und wir kamen ausgezeichnet voran. Die Landschaft änderte sich kaum. Weideland mit vielen Rindern, dann wieder Alleen mit Eukalyptusbäumen, riesige mit Korn, Soya oder Mais bepflanzte Felder und kleine Dörfer säumten unseren Weg. In der Nähe von Presidente Franco zweigten wir zum Salto Monday ab. Das ist der grösste Wasserfall in Paraguay. Wir fanden auf einer Wiese einen prominenten Stellplatz. Direkt vom Womo aus sahen wir wie das Wasser 40 m in die Tiefe stürzt. Wir genossen unser Abendessen mit dem Blick auf den Wasserfall und blieben bis tief in die Nacht draussen um bei einem klaren Sternenhimmel dem Getöse zuzuhören. Am nächsten Morgen besuchten wie den Park und erlebten den Wasserfall auf verschiedenen Höhen. Bei der untersten Plattform wurden wir von der Gischt angesprüht. Das war sehr angenehm, denn die Temperaturen lagen bei über 30 Grad. Wir gingen auch den kurzen Rundweg. Flussaufwärts staunten wir wie ruhig das Wasser floss und konnten kaum glauben, dass es in Kürze mit einem solchen Getöse in die Tiefe stürzt.

Salto Monday 01

Salto Monday 02

Salto Monday 03

Da es weiter nichts zu sehen gab, und die Kupplung bei einem Tachostand von knapp 300‘000 km sich bemerkbar gemacht hatte, fuhren wir weiter. Wir hofften in Brasilien eine Werkstatt zu finden um die Reparatur während unserem Aufenthalt an den Wasserfällen durchführen zu lassen.
Die Ausreiseformalitäten bei der Grenze in Ciudad del Este waren schnell erledigt. Da in Paraguay viele Waren billiger sind, hat es unzählige Einkaufszentren und so kommen tausende von Käufern nach Ciudad del Este um dann schwer bepackt den Rückweg über die Freundschaftsbrücke „Puente de Amistad“ nach Brasilien anzutreten. Auf dieser Brücke herrscht das reine Chaos. Obwohl nur 2-spurig, fahren 3 Autos nebeneinander und dazwischen schlängeln sich auch noch unzählige Motorradtaxis vorbei. Auch gibt es auf beiden Seiten der Brücke Fussgängerpassagen. Wir hatten Glück, denn es war noch Vormittag, als wir ankamen und der Auto-, Bus- und Menschenstrom war auf dem Weg zum Einkaufen. So erreichten wir relativ schnell den brasilianischen Zoll. Da hier keine Einfuhrpapiere für Autos ausgefüllt werden müssen, waren die Pässe schnell abgestempelt und wir fuhren auf den ausgezeichneten Campingplatz beim Hostal „Paudimar“.
Rosa, eine Angestellte vom Hostal organisierte einen Mechaniker, der versprach innert ein oder zwei Tagen die Reparatur auszuführen. Leider ging es dann doch nicht so schnell, doch wir hatten sowieso vor, mit öffentlichen Verkehrsverbindungen verschiedene Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

Als erstes besuchten wir die Wasserfälle auf der brasilianischen Seite. Beim Eingang stiegen wir in den Touristenbus ein und fuhren 14 km bis zum schönen Hotel „Tropical das Caratas“. Dort beginnt ein etwa 1,5 km langer Fussweg. Unterwegs erlebten wir das ganze Panorama der Wasserfälle auf die gegenüberliegende argentinische Seite. Wir konnten uns kaum satt sehen und die Kamera war voll im Einsatz. Immer wieder bot sich ein anderer Blickwinkel auf das einzigartige Spektrum der Wasserfälle. Wir sahen die Gischt aufsteigen und beobachteten auch manchen Regenbogen. Es begegneten uns auch neugierige Nasenbären, die sich an die Touristen gewöhnt hatten und darauf warteten, gefüttert zu werden. Einmal sahen wir zu wie einer in einem Abfallkorb verschwand und dann mit etwas essbarem wieder heraus kam. Ein anderes Mal sahen wir einen Tukan, der in seinem Schnabel ein Ei transportierte. Auf der letzten Aussichtsplattform hatten wir den Blick auf den Teufelsschlund „Garganta dela Diablo“. Diese Schlucht ist 700 m lang und am Anfang stürzt das Wasser auf einer Breite von 150 m etwa 90 m in die Tiefe. Auf einem Metallsteg gingen wir nahe an das herabstürzende Wasser heran und wurden dabei entsprechend nass. Der Aufstieg zum Strassenniveau war anstrengend, doch die Belohnung war, zu sehen, wie ruhig das Wasser auf die Abbruchkante zuströmte.

Iguaçu 048

Iguaçu 059

Iguaçu 062

Ganz anders präsentierte sich die argentinische Seite der Wasserfälle. Hier fuhren wir mit einem Zug auf einer etwa 7 km langen Strecke durch Urwald und an einem Flussarm entlang, bis wir die Station Garganta erreichten. Leider wurde der Steg, der zur Garganta del Diabolo führte bei den letzten grossen Regenfällen weggespült und war noch nicht wieder repariert. Doch es hat auch zwei Wege, .die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Der obere führte uns direkt an den Abbruchkanten entlang und wir konnten das in die Tiefe stürzende Wasser aus verschiedenen Perspektiven beobachten. Manchmal waren es nur kleine Urwaldflüsschen, dann wieder breite Flüsse, die ruhig in ihrem Bett fliessen, bevor sie über die Abbruchkanten stürzten. Wir konnten auch beobachten, wie Mauersegler zwischen dem herabstürzenden Wasser in die Steilwände hinein und wieder heraus flogen. Auch konnten wir viele Pflanzen, Vögel, Nasenbären, Leguane und Schmetterlinge beobachten. Einem Schmetterling gefiel es ganz lange auf meiner Hand und er nippte am Schweiss.
Auf dem unteren Weg kamen wir zu verschiedenen Plattformen von denen wir aus der Nähe einen meist „feuchten“, aber grandiosen Blick auf die volle Höhe der herabstürzenden Wassermassen hatten. Wir hatten auch eine Fahrt mit dem Rafting-Boot gebucht und kamen in einer rasanten Fahrt ganz nahe an verschiedene Wasserfälle heran und fuhren auch kurz in sie hinein. Innert kürzester Zeit waren wir klatschnass, doch es war ein riesiges Vergnügen und im Boot wurde gekreischt, gelacht und Wasser aus Mund und Augen wieder entfernt. Es war ein einmaliges Erlebnis und übertraf die Fahrt auf einer Achterbahn bei weitem.
Diese Wasserfälle haben uns ausserordentlich gut gefallen und wir nehmen dieses einzigartige Wunder der Natur mit und werden es nie mehr vergessen.

Iguaçu 199

Iguaçu 214

Iguaçu 158

Der Vogelpark „Parque das Aves“ liegt ganz in der Nähe der Wasserfälle auf der brasilianischen Seite. Er besteht aus einheimischen Bäumen und tropischen Pflanzen und ist 17 ha gross, doch erst ein Teilgebiet ist für Besucher zugänglich. Damit besteht die Möglichkeit den Park weiter auszugestalten. Am Anfang wurden verletzte und misshandelte Vögel und Tiere gepflegt und falls möglich wieder in die Freiheit entlassen. Heute beheimatet er etwa 900 tropische Vögel aus 150 verschiedenen Arten aus dem ganzen südamerikanischen Kontinent und verschiedene Säugetiere. Da viele Tiere im Park geboren werden, sind sie nicht mehr fähig in Freiheit zu leben und bleiben deshalb im Park. Immer noch werden Tiere zur Pflege aufgenommen, aber es werden auch Pflanzen und Bäume gezüchtet, damit sie später in Regionen, in denen sie ausgestorben sind, wieder ausgesetzt werden können.
Es war ein grossartiges Erlebnis die vielen verschiedenen Tiere zu beobachten. Manchmal mussten wir durch Schleusen um im Käfig mit den Schmetterlingen zu sein. Ein ganz besonderes Ereignis war der riesige Käfig mit verschiedenen Arten von Papageien, die knapp über die Köpfe der Besucher flogen und dabei einen so ohrenbetäubenden Krach machten, dass ich mir die Ohren zu hielt. Aber auch das Betrachten der Schlangen, Schildkröten, und der vielfältigen Pflanzenwelt liess uns die Zeit vergessen

Parcue des Aves 032

Parcue des Aves 071

Parcue des Aves 143

Einen Besuch des zweitgrössten Wasserkraftwerks der Welt, Itaipú stand auf unserem Besichtigungsprogramm. Wir wählten die 2 ½ stündige Tour, weil wir so auch ins Innere gelangen konnten. Itaipú staut den Fluss Parana und wurde Binational von Paraguay und Brasilien 1974 gegründet. Seit 2004 sind 20 Turbinen am Netz. Die durchschnittliche Leistung liegt bei 95 Millionen MWh pro Jahr. Das entspricht der Leistung von 12 europäischen Kernkraftwerken. Der Hauptstaudamm hat eine Kammlänge von 1064 m und ist 196 m hoch. Alle Dämme zusammen haben eine Länge von knapp 8 km.
Mit einem Bus wurden wir herum geführt. Da Werni und ich die einzig englischsprechenden Teilnehmenden waren, erhielten wir eine „VIP“ Führung. Wir fuhren über die Staumauer und besichtigten durch Fenster Kontroll- und Sicherheitsräume. Wir sahen eine der riesigen Turbinen und standen in einer der Turbinenhallen. Wir sahen von oben und von der Seite auf die grossen „Wasserrutschen“, die für den Überlauf gebaut sind. (Leider hatte der Stausee zu wenig Wasser und wir sahen kein tosendes Wasser herunter kommen). Wir erfuhren, wie viele Arbeitskräfte am Bau beteiligt waren und wie viel Material verbaut wurde. Der Führer teilte uns auch mit, dass je 50 % der Arbeitenden und je ein Direktor aus Paraguay und Brasilien kommen, obwohl Paraguay nur 5 % des generierten Stroms nutzt und den Rest an Brasilien verkauft. Beide Staaten mussten sich auch verpflichten geschützte biologische Bereiche zu schaffen, die das Überleben von Vogelarten und Säugetieren garantieren sollen. Ebenso sollen diese Areale zur Erhaltung der Wälder, des Ökosystems und Pflanzen beitragen. Auf unsere Frage ob den Auswirkungen durch den Bau des Staudamms wurden uns bestätigt, dass viele Menschen vertrieben und umgesiedelt wurden und man die Zahl der Tiere nicht kenne, die vertrieben oder ausgerottet wurden.

Itaipu Kraftwerk 16

Itaipu Kraftwerk 33

Itaipu Kraftwerk 39

Als die Kupplung repariert war, machten wir uns auf den Rückweg nach Altos. In Iguazu machten wir einen Stopp bei der Käserei Cremo. Dominique aus dem Wallis war vor vielen Jahren nach Paraguay ausgewandert und hat hier eine Käserei aufgebaut. Wir konnten uns kaum entscheiden und kauften neben bekannten Namen von Schweizerkäse auch noch Ziegenkäse ein.
Die Wiedersehensfreude im „Hasta la Pasta“ war gross und es war wie ein Nachhause kommen. Wie liessen uns nochmals von Marion und René mit Pizza, Cordonbleu, Teigwaren und leckeren Salaten verwöhnen. Doch die Vorfreude auf neue Abenteuer war auch da. Nachdem Werni bei der Kontrolle beim Augenarzt in Asuncion bestätigt bekam, dass alles bestens sei, verliessen wir mit einem Rezept für eine Lesebrille die Praxis. Roland prüfte noch den Landrover und nach einem wieder etwas wehmütigen Abschied machten wir uns nun endgültig auf den Weg in den Süden.
Bei Asuncion überquerten wir die Grenze nach Argentinien. Auch hier gab es keine Probleme und nachdem unser Huckepack mit einem Scanner durchleuchtet war, konnten wir weiter fahren. Der Weg in den Süden führte uns durch die Provinzen Formosa, Chaco, Santa Fe, Buenos Aires und dann ins Landesinner durch die Provinz La Pampa nach Neuquén, wo wir jetzt sind. Es waren riesige Strecken, die wir jeweils zurück legten. Dafür übernachteten wir an jedem Ort mindestens zweimal.
Schön war der Campingplatz „El Cristal“ Es war heiss und das Wasser der Lagune lud zum Baden ein. Zuerst mussten wir über einen schneeweissen Sandstrand laufen, dann wateten wir sicher mehr als 200 m im kaum knietiefen Wasser standen. Schwimmen war nicht möglich, aber so einfach im Wasser liegen ohne Anstrengung, brachte genügend Abkühlung. Am nächsten Morgen beim Frühstück sahen wir Flamingos und Kühe am Lagunenrand.

El Cristal 04

El Cristal 05

El Cristal 06

In Resistencia, der „Stadt der Skulpturen“ besichtigten wir einige der über zweihundert Denkmäler, ansonsten genossen wir die Zeit auf dem Campingplatz. Rosario hatten wir schon einmal besucht. Damals war der Lift ausser Betrieb und so konnten wir nicht auf das „Monumento de la Bandera“. Diesmal hatten wir Glück und knipsten bei dieser Gelegenheit unser erstes Selfie.

Resistencia 01

Resistencia 02

Rosario 01

Begeistert waren wir vom Nationalpark Lihue Calel. Tage- und stundenlang waren wir durch eine nicht endende Ebene gefahren. Ausser Feldern mit Sonnenblumen, Getreide, Mais, Weideflächen mit Kühen und Rindern, Lagunen und Seen, Büschen und einigen Bäumen, hatte kaum ein Hügel unsere Augen gereizt. Doch in diesem Nationalpark sahen wir endlich einige, bis zu 600 m hohe Granithügel. Wir machten eine Wanderung durch diese Wüstengegend und wurden lange von einem Guanaco beobachtet, der prominent auf dem Hügel stand. Ganz klar war seine Kontur gegen den blauen Himmel zeichnete. Es hätte eine Skulptur sein können, hätten wir nicht durch den Feldstecher sehen können, dass er den Kopf nach uns drehte. Endlich fanden wir auch die Wandmalereien früherer Kulturen. Besonders schön war der Stein mit den Höhlen, in denen die Zeichnungen sichtbar waren. Am Abend besuchte ein Fuchs den Campingplatz, fand etwas zum Fressen und mit viel Glück konnte ich auch noch ein Foto von ihm machen.

NP Lihue Calel 04

NP Lihue Calel 21

NP Lihue Calel 26

Wieder nach einer langen Fahrt erreichten wir Villa El Chocón. Dieser Ort ist bekannt für das Dinosaurier-Museum Ernesto Bachmann. Ich konnte es nicht lassen, einem dieser Giganten wenigstens den kleinen Finger zu geben (er nahm daraufhin nicht die ganze Hand). In diesem Museum ist unter anderem ein 14 m langes Exemplar des so genannten Gigantosaurus Corolinii ausgestellt, der etwa 10 Tonnen gewogen haben muss. Etwa 80 % des Skeletts wurde gefunden. Aber auch andere, angsterregende Exemplare sind zu besichtigen. Die Ausstellung ist sehr schön und informativ.

Villa El Cocon 18

Villa El Cocon 10

Villa El Cocon 12

Bei unserer Weiterfahrt sahen wir nun erstmals seit langem wieder schneebedeckte Berge. Wir sind jetzt in Zapala, einer typisch patagonischen Wüstenstadt, in der es nichts Wichtiges zu sehen gibt. Aber wir waren auf der Touristen-Information und wurden mit vielen guten Informationen und Prospekten für den Besuch unserer ersten Etappe in den patagonischen Anden eingedeckt. Noch selten wurden wir so freundlich empfangen, wurden geduldig alle unsere Fragen beantwortet und wir wurden auch über den Zustand von Strassen informiert.

Wir wünschen allen eine schöne Adventszeit!