Mittwoch, 22. November 2017

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Insel Chiloé und Carretera Austral Drucken E-Mail
Dienstag, den 10. Februar 2015 um 00:00 Uhr

Die Insel Chiloé ist die zweitgrösste Insel Chiles. Die Nord- Südausdehnung beträgt 180 km (Schweiz 220 km), die West- Ostausdehnung 50 km (Schweiz 348 km). Damit hat sie etwa die Grösse der beiden Kantone St. Gallen und Graubünden. Auf der Insel wohnen etwa 150'000 Einwohner, die beiden Schweizerkantone haben 4,5-mal mehr. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt in den 3 grösseren Städten Castro (Hauptort), Ancud und Quellón. Grosse Teile der Insel sind unbewohnt. Es gibt nur eine Asphaltstrasse, die Chacoa (hier gibt es eine Fähre zum Festland) mit Ancud, Castro und Quellon von Norden nach Süden verbindet. Alles andere sind Erdstrassen, die mehr oder weniger von der Hauptstrasse abgehen und zur Küste führen. Das Klima der Insel wird als ausserordentlich feucht, aber mild beschrieben. Wir hatten Glück. In der Woche unseres Aufenthaltes regnete es nur einmal und zwar in der Nacht.
Martin Ruiz de Gamboa nahm 1567 die Insel für Spanien in Besitz. Sie war schon lange bewohnt von den Huilliche-Indianern, die vom Ackerbau und Fischfang lebten. Ab 1607 kamen die Jesuiten, mit denen die eigentliche Kolonisierung begann. Dadurch vermischte sich die reiche Mythologie der Inselbewohner mit dem katholischen Glauben. Auch heute spielt die Mythologie bei der Bevölkerung noch eine wichtige Rolle.
Im Parque Mitológico Ecológico, einem kleinen Freiluftmuseum und Miniaturpark in der Nähe von Ancud erhielten wir Einblick in die chilotischen Kultur und die Fauna und Flora der Insel. Der Park ist in Privatbesitz und der ca. 80 jährigen Eigentümer führte uns persönlich durch die Anlage. Im Laufe der Jahre hatte er alle Gewächse, die auf der Insel vorkommen, gepflanzt. Auch schnitzte und bemalte er Holzfiguren aus der Welt der Mythologie aber auch Tiere die auf Chiloé heimisch sind und stellte sie in die Höhlen, Holzhäuser, unter Bäume und Pflanzen. Wir spazierten mit ihm auf einen Weg durch den Park. Dabei überquerten wir Holzstege und Hängebrücken, die über kleine Bäche führten und kamen an Teichlein vorbei. Immer wieder blieb er stehen, benannte Pflanzen oder erzählte uns die Geschichten der Götter, Hexen und Zauberer, der Trolle und Feen, die immer noch auf Chiloé lebendig sind. Aber auch die Christenwelt war ein Thema. Und zum Schluss kamen wir bei den Tieren, die es in Chiloé nicht gibt vorbei. Auf einem Baum turnte eine Horde von Plüschaffen. Dann bedrohten uns Löwen, Tiger, Geparden, Dinosaurier und Schlangen aus Plüsch, Ton und Plastik. Wir verbrachten über eine Stunde mit ihm und genossen mit grossem Vergnügen die Welt, die er aufgebaut hat. Auf so kleinem Raum soviel unterzubringen hat uns beeindruckt. Wir haben gestaunt wie gross sein Wissen ist und wie gut und abwechslungsreich er die Führung gestaltet hat. Auf unserer Weiterreise stellten wir fest, dass die Mythologie bei der Bevölkerung auf der Insel immer noch tief verankert ist, trotz starkem Katholizismus.

Isla Chiloe

Isla Chiloe

Isla Chiloe

Mit dem katholischen Glauben kam natürlich auch die Baukunst auf die Insel. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden etwa 150 Holzkirchen gebaut. Sie sind mit Alerceschindeln und/oder Blech verkleidet. Viele sind bunt bemalt. In der Zwischenzeit wurden 16 Kirchen in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, etwa 12 weitere stehen unter Denkmalschutz.
In Ancud gingen wir ins alte Kloster der Stiftung Amigos de las Iglesias de Chiloè. Dort besichtigten wir die Modelle von vielen Schindelholzkirchen. Die Modelle zeigen den Aufbau und die Dachkonstruktionen, sowie die Verkleidung und Bemalung der Kirchen. Damit erhielten wir die Möglichkeit zu entscheiden, welche Kirchen wir in Natura besuchen wollten.
Wir beschlossen auf der Schotterstrasse über Colo, Tenaún, das Fischerdorf San Juan nach Dalcahue zu fahren. In Colo durften wir neben der Kirche übernachten und konnten am nächsten Tag auch noch die Kirche von innen besichtigen, denn am Nachmittag wurde ein Gottesdienst abgehalten und eine Frau schmückte die Kirche mit frischen Blumen. Uns gefiel die in sehr schönen Naturholztönen restaurierte Kirche ausserordentlich gut. Die Aussenwände sind mit Schindeln bedeckt und auch die zwei danebenstehenden Wohnhäuser sind mit dem gleichen Material gebaut. Das Innere der Kirche ist in verschiedenen türkis, rosa und blautönen bemalt, wobei die gewölbte blaue Decke auch noch mit Sternen verziert wurde.
Die Schotterstrasse wurde immer schlechter und wir fuhren im Schneckentempo weiter. Plötzlich funktionierte die Gangschaltung des Zwischengetriebes nicht mehr. Wir konnten nur noch mit den Reduktionsgängen weiter fahren. Deshalb beschlossen wir die Stichstrassen nach Tenaún und San Juan auszulassen und so direkt wie möglich nach Dalcahue zu fahren. Werni konnte zwar auf dem dortigen Campingplatz die Schaltung wieder reparieren (ein Tausendsassa), doch wir hatten absolut keine Lust mehr den Weg nochmals zu machen.
In Dalcahue wird die Kirche zurzeit innen und aussen restauriert und wir konnten sie deshalb nicht besichtigen. In unserem Reiseführer war sie als eine der grössten mit einer eindrücklichen Säulenvorhalle und schönen Heiligenfiguren neben einer Christusstatue mit beweglichen Armen, beschrieben. Wir waren ziemlich enttäuscht, doch die Marktstände am Hafen und entlang der Uferstrasse entschädigten uns – doch davon später.
Natürlich besichtigten wir auch die Kathedrale in Castro. Sie wurde 1906 mit Alerceholz gebaut, dann mit dünnem Blech verkleidet und in einem intensiven gelb bemalt. Schon von weitem leuchtet sie auch ohne dass der Himmel strahlend blau war. Doch im Innern der Kirche gefiel es uns nicht.
Einen ganz anderen Charakter hat die Kirche von Chonchi. Mit dem Bau wurde 1754 begonnen, doch erst 1859 wurde sie vollendet. Um sie vor Feuchtigkeit zu schützen wurde ein Steinsockel errichtet. Auch bei dieser Kirche wurde kein einziger Metallnagel verwendet, denn Metall war auf Chiloé sehr knapp. Es wurden Nieten aus Holz verwendet. Die Kirche gefiel uns sehr gut in ihren hellblauen und weissen Farben und mit ihrem dreistufigen gelb bemalten Turm, der von einem blauen Helm bedeckt ist. Auch in dieser Kirche ist das Innenschiff gewölbt, hellblau bemalt und mit Sternen verziert.

Isla Chiloe

Isla Chiloe

Isla Chiloe

Auf den Campingplätzen waren wir mehrheitlich allein. Oft hatten wir tolle Ausblicke auf das Meer. Einmal sahen wir Seelöwen, die sich auf Bojen sonnten, dann konnten wir Schwarzhalsschwäne beobachten und einmal sahen wir auch kleine Delfine vorbei schwimmen. Durch die vielen Niederschläge ist das Land wunderbar grün. Es gibt keine Berge, sondern nur sanfte Hügel.
In Chiloé gibt es viele Holzhäuser, die oft mit Schindeln gedeckt sind. Häufig sind sie in Naturtönen aber auch viele sind ein- oder mehrfarbig bemalt. Das gibt ein wunderschönes, farbenfrohes Bild. Es gibt die verschiedensten Arten, wie sich die Schindeln überlappen können und dadurch wirkt die Struktur auch immer wieder anders. Manche Aussenwände sind auch mit bemaltem Blech verkleidet. Die Bauweise der Häuser ist sehr fantasievoll und verspielt. Hier gibt es einen Erker, dort ein Türmchen, dann wieder ein Anbau. Vor allem am Meer sind die Häuser oft auf hohen Stelzen gebaut. So können die Fischerboote bei Flut direkt unter das Haus fahren. Vor allem im Hauptort sind viele ehemalige Fischerhäuser in Hotels oder Hostals umgebaut worden.
Für uns war es ein Genuss durch diese Orte zu schlendern. Da der Wind oft kräftig bläst, gibt es keine Strassencafés, sondern man setzt sich ins Restaurant. Oft haben die Lokale einen zweiten Stock und so konnten wir von oben dem Treiben auf der Strasse oder dem Meer zusehen.

Isla Chiloe

Isla Chiloe

Isla Chiloe

Bei strahlend blauem Himmel fuhren wir an die Küste von Puñhuil. Dort gibt es von Oktober bis März mehrere Kolonien von Magellan- und Humboldt-Pinguinen. Die Magellanpinguine haben im Gegensatz zu den Humboldtpinguinen einen schwarz-weissen Kopf und einen schwarzen Streifen, der am oberen Rand der Brust verläuft. Mit einem umgebauten Fischerboot fuhren wir an Inseln vorbei, die nicht nur von Pinguinen, sonder auch von Kormorane und anderen Wasservögel belebt sind. Wir konnten uns fast nicht sattsehen, wie die Pinguine die Felsen hinauf kletterten und manchmal fast purzelten, wenn sie von einem Stein auf den nächsten sprangen. Doch sie fanden ihr Gleichgewicht. So unbeholfen sie an Land aussehen, so geschickt sind sie im Wasser und schwimmen pfeilschnell davon. Auf unserer Weiterreise hoffen wir noch viele von diesen Tieren zu sehen, doch wir sind sicher, dass wir jedesmal begeistert sein werden.

Isla Chiloe

Isla Chiloe

Isla Chiloe

Wie schon erwähnt konnten wir in Dalcahue die Kirche nicht besichtigen, da sie renoviert wird. Aber wir waren auch wegen dem grossen Artesanal-Markt und dem nur sonntags stattfindenden Wochenmarkt gekommen.
Der Kunsthandwerkermarkt ist direkt am Hafen und dort kann man bunte Wollsachen, Spielzeug und andere Gegenstände aus geschnitztem Holz und vieles mehr bewundern und kaufen. Im überdeckten Teil des Marktes kann man vor allem Wollsachen kaufen. Was auch immer möglich ist, wird aus Schafwolle gestrickt. Da bald mein Geburtstag war, schenkte Werni mir eine Wollmütze, denn es war sonnig aber kalt und so konnte ich das Geschenk gut gebrauchen.
Auf dem Wochenmarkt gab es alles für den Alltag wie Früchte, Gemüse, Fische, aber auch gebrauchte Kleider und Werkzeug. Es wurden die Kiemen und das Fleisch der Fische geprüft, bevor ein Kauf statt fand. Das Gedränge war gross und waren sind nicht nur Touristen, die an diesem lebendigen Leben teilnahmen.
In einem ovalen Gebäude sind Garküchen, wo man eng beieinander sitzt, den Köchinnen in die Töpfe schaut und es sich schmecken lässt. Leider hatten wir keinen Hunger und schauten nur den Essenden zu und sogen die Düfte der verschiedenen Speisen ein.
Als wir an der Uferstrasse umherschlenderten, sahen wir viele Fischerboote, die wegen der Ebbe schief auf dem Grund lagen. Das war ein eigenartiges Bild.
Der Höhepunkt aber war die Musikgruppe. Die beiden Männer spielten auf den Instrumenten und der Trauco schlug die Trommel und tanzte zur Musik. (Der Trauco ist eine mystische Person, die in den Wäldern Chiloés lebt. Er zieht junge und Frauen mittleren Alters an. Keine Frau kann seiner magischen Anziehungskraft widerstehen und wenn sie zu ihm geht, schläft sie auch mit ihm. Bei ungewollten Schwangerschaften ist der Trauco schuld, weil er unwiderstehlich ist und die Frau ist unschuldig. Der Trauco trägt eine kleine Axt mit sich. Er benutzt sie um Bäume zu fällen und symbolisiert damit seine sexuelle Potenz. Männer müssen seinen Blick fürchten, denn er kann tödlich sein). Gegen Entgelt konnte man in der Spielpause Fotos zusammen mit der Trauco machen. Der Andrang war so gross, dass die Musiker sich richtiggehend durchsetzen mussten, damit sie wieder spielen konnten.
Ganz in der Nähe von Dalcahue fanden wir einen tollen Campingplatz mit Sicht aufs Meer. Dort konnten wir mit dem Feldstecher Seelöwen beobachten, die sich auf Bojen sonnten. Das war lustig anzusehen, wie sie sich zwischendurch aufrichteten um dann sich wieder in eine Schlafposition zu legen. Auf einem Spaziergang am Meer entlang sah ich auch einige Schwarzhalsschwäne, wie sie mit ihren Jungen im Meerwasser schaukelten.
Wir erlebten Chilóe als unglaublich grüne Insel und hatten Glück, denn es regnete, entgegen allen Prognosen nur ein- oder zweimal und dann auch nur für kurze Zeit. Doch erstmals erlebten wir den patagonischen Wind, der uns zwang, wärmere Kleidung anzuziehen. In Chiloé ist die Armut immer noch sehr gross und viele Menschen sind arbeitslos. Heute leben die Menschen mehrheitlich vom Tourismus. Doch wir wurden nie bedrängt etwas zu kaufen. Die Leute waren sehr freundlich und strahlen eine Ruhe aus, die zur Nachahmung reizt. Deshalb hätten wir auch noch länger verweilen können, doch das Schiff war schon gebucht.

Isla Chiloe

Isla Chiloe

Isla Chiloe

Nun wurde es Zeit für die Fähre. Geplant war die Abfahrt um 3 Uhr morgens und die Überfahrt von Quellón nach Chaitén sollte 5 Stunden dauern. Ich freute mich schon wenigstens einen Teil der Fahrt bei Tageslicht zu erleben. Doch wir erhielten ein Mail, dass es schon um 1 Uhr morgens losgeht. Es war noch recht dunkel als wir auf die Küste zufuhren. Als wir mit unserem Huckepack den Laderaum verlassen konnten, schien jedoch die Sonne.
Chaitén ist umgeben von dicht bewaldeten Bergen. Das Städtchen wurde durch den Ausbruch des Vulkans Chaitén im Mai 2008 vollkommen entvölkert und zu 40 % zerstört. Im Touristenbüro erzählte uns der Angestellte, dass er diesen Ausbruch als 12 jähriger erlebt habe. Der Vulkan schleuderte seine Asche bis zu 20 km hoch und verdunkelte nach einigen Tagen sogar Buenos Aires. In der Umgebung von Chaitén sei ein dichter Ascheregen nieder gegangen, der das Atmen erschwerte. Das Städtchen wurde binnen eines Tages von einer 20 cm dicken Ascheschicht überzogen. In einer Blitzaktion wurden rund 7000 Bewohner mit Schiffen nach Puerto Montt oder mit Fahrzeugen in den Süden evakuiert. Nur das nötigste hätten sie mitnehmen können. Seine Familie habe Verwandte im 154 km entfernten Dorf La Junta, die sie aufgenommen hätten. Die Nutztiere seien ihrem Schicksal überlassen worden. Die Zentralregierung wollte Chaitén 10 km weiter nördlich komplett neu aufbauen, doch die ehemaligen Bewohner setzten den Wiederaufbau am alten Ort durch, denn sie wollten nicht alles aufgeben und verwiesen auf den Hafen, der nicht zerstört worden war. Auch gebe es überall Gefahren und man müsse eben mit dem Vulkan leben und ihn respektieren. Schon nach einigen Monaten seien etliche Menschen wieder zurück gekehrt und hätten die Strassen von der Asche befreit und Häuser wieder renoviert. 2011 wurde der Wiederaufbau Chaiténs in Angriff genommen.
In einem Teil von Chaitén konnten wir ein Haus fotografieren, das als Mahnmal an den Zustand nach dem Vulkanausbruch erinnert. Auch im Flussbett und am Ufer sahen wir, wie die Asche heute noch überall zu sehen ist

Chaiten

Chaiten

Chaiten

Für uns begann jetzt das Abenteuer auf der berühmten Carretera Austral.
Seit den 1970er Jahren wurde an der Ruta 7 gebaut. Sie beginnt in Puerto Montt und führt inzwischen auf 1200 km in den Süden bis nach Villa O‘Higgins. Diktator Pinochet gab dem Militär den Auftrag die Strasse zu bauen. Er schuf vor allem aus militärischen Erwägungen parallel zur Grenze zu Argentinien eine Nord-Süd-Verbindung. Der grösste Teil ist immer noch eine Schotterpiste, die jedoch an einer so unglaublich schönen Natur vorbei führt, dass man alle Schläge, Löcher und Stossdämpferkiller in Kauf nimmt. Auf der fast 10-tägigeren Fahrt begegneten uns nicht nur Autos und Womos, sondern auch viele schwerbeladene Velo- und Motorradfahrer.
Auf dem Weg zum Nationalpark Queulat besuchten wir die Termas El Amarillo und wärmten uns im heissen Becken auf und genossen den Blick in die bewaldeten Hügel. Nach einer erholsamen Nacht im südlichen Teil des Pumalin-Parks fuhren wir am malerischen Lago Yelcho vorbei und hatten einen tollen Blick auf den Vulkan Corcovado. Dann fuhren wir durch Wälder und Weidelandschaften bis nach La Junta. In Puerto Puyuhuapi schlenderten wir durch das Dorf, doch wir fanden kein offenes Restaurant und auch die Touristeninformation war geschlossen. Auch begann es zu regnen und so verliessen wir diesen Ort und waren schon bald im Nationalpark Queulat.
Dieser Park wurde 1983 eingerichtet und umfasst 154 Hektar Urwald voller Farn- und Lianen-Gewächsen sowie Bambus und Nalcapflanzen. Diese sehen aus wie riesige Rhabarber und haben teilweise regenschirmgrosse Blätter. Nur ein paar Schritte vom Campingplatz aus sahen wir den Ventisquero Colgante, den „Hängenden Gletscher“. Ein Wanderweg bis zum Gletscher hinauf, war so steil und glitschig, dass wir uns nicht getrauten hinauf zu steigen. Doch auch der Anblick vom Mirador aus war grandios. Über eine wackelige Holzbrücke konnte ich zur 600 m entfernten Laguna Témpanos gehen. von hier aus hörte ich das Tosen der Wasserfälle, doch die Hügel versperrten die Aussicht auf das Lagunenende. Am nächsten Morgen hatte es nur noch wenige Wolken und der Gletscher grenzte sich klar vom blauen Himmel ab.

NP Queulat

NP Queulat

NP Queulat 13

Überall sind Strassenarbeiten im Gange und manchmal mussten wir warten. So konnten wir einmal Fotos machen von der gefährlichen Arbeit, die an steilen Berghängen verrichtet wird, damit die Strasse für den Verkehr besser wird. Immer wenn wir wieder ganz miese Schotterpiste fahren mussten, freuten wir uns über den Strassenbau. Doch die Kehrseite ist, dass wir von der Landschaft weniger wahrnehmen, wenn wir mit höheren Geschwindigkeiten durch die Gegend flitzen. Wahrscheinlich verliert die Carretera Austral auch ein Teil an Faszination, wenn alles asphaltiert ist. Auf jeden Fall war die Weiterfahrt nach Coyhaique ein Augenschmaus.
Wir fanden einen hübschen Campingplatz und konnten unsere Vorräte auffüllen, denn in der Stadt gibt es zwei grössere Supermärkte. Einen Bummel durch die Strassen und um den fünfeckigen Platz rundete unsere Stadtbesichtigung ab. Dann gingen wir noch hinunter zum Rio Simpson. Von dort sahen wir eine eigenartige Felsformation, die „Piedra del Indio“ (Indianerkopf), genannt wird

Weg Coyhaique

Weg Coyhaique

Weg Coyhaique

Auf einer Asphaltstrasse konnten wir weiter fahren durch das Tal des Rio Simpson und wurden am Portuzuelo Ibáñez vom grossartigen Panorama des Cerro Castillo begrüsst. Dieses Felsgewirr gleicht einem Fantasieschloss mit vielen Türmchen. Wir nahmen die Abzweigung zum Puerto Ibáñez und fuhren auf einer kurvenreichen Strasse zum Lago General Carrera hinunter Bei der Fahrt sahen wir entweder den immer ferner werdenden Cerro Castillo oder den immer näher kommende See. Die Ortschaft Puerto Ibáñez ist sehr klein doch sie liegt am blaugrün leuchtenden See. Der Lago General Carrera ist mit 2240 km2 der grösste See Chiles und nach dem Titicacasee der zweitgrösste Südamerikas. Der Hauptstrang des Sees (ohne die Nebenarme) ist über 180 km lang. Er liegt auf der Grenze zwischen Chile und Argentinien. Der kleinere, argentinische Teil heisst Lago Buenos Aires. Der See ist umgeben von Andengipfeln und deshalb ist es in dieser Region ungewöhnlich sonnig und trocken. Die Felder müssen künstlich bewässert werden und es wächst Obst und Gemüse, das sonst nur in Zentralchile vorkommt. Die Wasserkanäle werden von Metallgittern geschützt und unter der Asphaltstrasse hindurch geführt.

Weg Rio Tranquilo

Weg Rio Tranquilo

Weg Rio Tranquilo 09

Wir fuhren zurück auf die Carretera Austral und erreichten nun wieder auf einer Schotterpiste das Naturdenkmal „Manos de Cerro Castillo“ in der Nähe der Siedlung Villa Cerro Castillo. Dort sahen wir unter einem Felsvorsprung 8 – 10‘000 Jahre alte Felszeichnungen. Mit einer „Negativtechnik“ haben Ureinwohner eine Vielzahl von Händen im Stein verewigt. Wir waren begeistert, doch später sahen wir nochmals und viel besser erhaltene Felszeichnungen. Im Tal des Rio Murta fuhren wir teilweise durch gespenstische, abgestorbene Wälder. Im Jahre 1991 brach der Vulkan Hudson aus und überschüttete weite Teile Patagoniens mit einem Ascheregen. Nach Puerto Murta schlängelte sich die Strasse wieder entlang des Lago General Carrera..

Weg Rio Tranquilo

Weg Rio Tranquilo

Weg Rio Tranquilo

Puerto Tranquilo ist eine kleine Siedlung, die hauptsächlich von den Bootstouren zu den Capillas de Mármol lebt. Der Campingplatz war gut besucht und auch die Hosterias und Cabañas waren ausgebucht. Es war zum ersten Mal, dass wir so viele Touristen an einem Ort antrafen. Würdiger hätten wir unseren 2‘000 Reisetag nicht feiern können. Bei strahlend blauem Himmel fuhren wir mit einem Boot zu den Felsen hinaus und staunten über die vielen Farben des Gesteins und des Wassers. Es ist fast unglaublich, wie filigran doch wahnsinnig hart das Gestein beim anfassen ist. Höhlen und „Kapellen“ hatten sich im Laufe der Jahre gebildet. Manchmal hatte es Säulenhallen, dann wieder hingen Gebilde wie Wassertropfen oder Zapfen herunter. Unser Bootsführer steuerte das Boot in Höhlen hinein und einmal durchfuhr er einen Tunnel und wir konnten kaum glauben, dass das Boot all die Kurven unbeschädigt überstehen würde. Es war eine einmalige Gelegenheit ein solches Naturwunder besichtigen zu dürfen.

Rio Tranquilo

Rio Tranquilo

Rio Tranquilo

Weiter ging es auf der Carretera Austral und wir freuten uns am Panorama. .Der türkisfarbene Lago General Carrera und die schneebedeckten Gipfel begleiteten uns weiterhin. Auf einer malerischen roten Hängebrücke überquerten wir die schmale Landenge zwischen dem Lago General Carrera und dem Lago Bertrand. Bald folgten wir dem Rio Baker. Er ist einer der wasserreichsten Flüsse und wir machten die kleine Wanderung zu den „Saltos del Baker“. In wilden Strudeln stürzt das Wasser über eine Stufe, bevor er sich mit dem Rio Nef vereinigt.

Weg Cochrane

Weg Cochrane

Weg Cochrane

In Cochrane überlegten wir, ob wir die Carratera Austral bis nach Villa O‘Higgins fahren sollen. Damit wären wir fast die ganze Route gefahren. Doch wir hätten die ganze Strecke wieder zurück fahren müssen und damit hätten wir fast 600 km Schotterpiste in Kauf nehmen müssen. Wir wissen, dass wir bis wir in Ushuaia sind noch viele schlechte Pisten fahren müssen. Deshalb nahmen wir Rücksicht und entschlossen uns, wenn auch schweren Herzens, direkt über den Paso Roballos nach Argentinien zu fahren.
Anfangs war die Piste noch einigermassen gut, doch dann änderte sich der Belag massiv. Zum Glück sahen wir viele Guanacos, Nandus, Schwarzhalsschwäne und Flamingos. Auch die Seen, Flüsse, Lagunen und Berge lenkten wenigstens die BeifahrerIn ab, denn die LenkerIn durfte nur Augen für die Strasse haben.
Wir erreichten den chilenischen Zoll und wurden zum ersten Mal gefragt, ob wir Diesel in Kanistern mitführten. Als wir zurück fragten, sagte uns der Beamte, dass Argentinien dies nicht erlaubt. Wir bedankten uns und fuhren weiter, nachdem die Pässe gestempelt waren. Bei starkem Wind füllten wir unsere zwei 20 l Kanister in den Tank. Unsere Kleider stanken, als ob wir im Diesel gebadet hätten, dabei war nur der Wind schuld, dass das Einfüllen wacklig vorging. Und tatsächlich fragte auch der argentinische Beamte ob wir gefüllte Kanister hätten. Auf meine Frage, wie viel man einführen dürfe, meinte er 50 l seinen schon viel, aber 100 seien zu viel. Wir versicherten ihm, dass wir nur noch 8 l hätten und ausser etwas Butter und ein Rest an Sahne nichts Unerlaubtes mitführten. Von Hand füllte er die Autopapiere aus, stempelte unsere Pässe und wir durften nach einer kurzen Kontrolle weiterfahren.

Pass Roballo

Pass Roballo

Pass Roballo

Wir fuhren zur Ortschaft Lago Posadas um Früchte, Salate und Fleisch zu kaufen. Wir fanden einen kleinen Laden, der sehr guten italienischen Salami und Rohschinken hatte. Wir erfuhren, dass die Besitzer aus Kalabrien ausgewandert waren und hier ein Hotel, ein Restaurant und den Lebensmittelladen aufgebaut haben. Im Stillen fragten wir uns wie jemand aus dem tiefen Süden Italien an einen so verlassenen Ort gelangen kann. Auf dem Campingplatz stellten wir am nächsten Morgen bei der Kontrolle fest, dass eine Halterung bei der Motorhaube gebrochen war. Wir gingen zum Lebensmittelladen und über den Besitzer fanden wir einen Mechaniker. Er könne aber erst am Nachmittag die Reparatur vornehmen. Wir waren damit einverstanden. Den Huckepack konnten wir auf dem Platz bei Mechaniker abstellen und durften während der Reparatur bei der Rezeption des Hotels das Internet benutzen. Als Dank für die Grosszügigkeit meldeten uns für das Abendessen an.
Als die Reparatur fertig war, fuhren wir noch zum Lago Posadas, natürlich auch wieder auf einer Schotterpiste. Zurück auf dem Camping sahen wir, dass die reparierte Stelle nicht gehalten hatte. Beim Nachtessen teilten wir der Tochter des Mechanikers, die servierte, das Ergebnis mit. Es ging nicht lange und der Mechaniker stand im Restaurant und meinte, dass er morgen keine Zeit habe und deshalb den Schaden noch heute beheben möchte. Wir einigten uns, dass wir nach dem ausgezeichneten Essen (Antipast und anschliessend hausgemachte Ravioli mit Pesto, Cassata und einen ausgezeichneten patagonischen Wein) sofort auf den Campingplatz kommen würden. Als wir kurz nach 22 Uhr aufkreuzten, war er mit seinem Sohn schon dort und hatte alle notwendigen Werkzeuge dabei. Beim Licht einer Lampe schweissten sie die Bruchstelle und kurz vor Mitternacht war es so weit. Die Halterung war geflickt und die Motorhaube konnte problemlos geöffnet und geschlossen werden. Wir sind immer wieder erstaunt mit welcher Ruhe und Geduld gearbeitet wird. Dass es beim ersten Mal selten klappt, daran haben wir uns fast schon gewöhnt.
Am nächsten Tag reisten wir weiter und erreichten bei Bajo Caracoles die Ruta 40. Doch es war noch nicht an der Zeit für die Asphaltstrasse. Auf einer genauso schlechten Schotterpiste fuhren wir zu den 28 km entfernten „Cueva de las Manos“.
In der Schlucht des Rio Pinturas bewohnten zwischen 9‘500 v. Chr. und 1‘000 n. Chr. Ureinwohner eine riesige Höhle in der Grösse von etwa 25 x 15 m. In ihr wurden Knochen von Tieren und Feuerstellen gefunden. Auf einer Länge von mehr als 600 m haben die Ureinwohner unter einem Felsvorsprung Malereien hinterlassen, die sich in vier Epochen unterteilen lassen. In der Epoche von 9‘500 – 7‘000 v.Chr. entstanden vorwiegend Jagdszenen. Die vorherrschenden Farben sind Ocker, Rot, Violett und Schwarz. In der Epoche bis 5‘000 v.Chr. wurden neben den Jagdszenen auch schon Tiere mit ihren Jungen gemalt. In der Zeit bis 1‘500 v.Chr. entstanden die meisten der farbigen Hand-Negativ-Drucke und die Tiere wurden statisch und stilisiert dargestellt. In der Phase bis 1‘000 n.Chr. entstanden vor allem geometrische Figuren.
Für uns war es fast unglaublich, wie gut die Malereien erhalten sind. In Chile waren sie nicht so gut konserviert. Uns wurde gesagt, dass man diese Art von Malereien in ganz Patagonien finde. Hier sei jedoch die grösste Ansammlung. Dies zeuge davon, dass diese Höhle eine wichtige Funktion bei den Ureinwohnern, die ja Nomaden waren, hatte. Die Bedeutung der geometrischen Figuren lasse einen riesigen Interpretationsspielraum zu. Wieder ein unvergessliches Erlebnis auf unserer Reise.

Cueva de las Manos

Cueva de las Manos

Cueva de las Manos

Unser Weg führt uns nun auf der argentinischen Seite zu den Gletschern des Fitz Roy Massivs, dem Perito Moreno und dann zu den Torres del Paine in Chile. Davon wird der nächste Bericht handeln.