Mittwoch, 22. November 2017

auf der zeitlosen Reise auf der zeitlosen Reise

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Patagonien und Feuerland Drucken E-Mail
Freitag, den 20. März 2015 um 00:00 Uhr

Von den „Cuevas de las Manos“ mussten wir noch eine kurze Strecke auf einer Schotterpiste fahren, dann erreichten wir die Routa 40 und endlich hatten wir wieder einmal Asphalt unter den Rädern. Rechts und links der Strasse breitete sich die Pampa in ihrer unendlichen Weite aus, doch wir kamen gut voran. Als wir nach ca. 160 km wieder Schotterstrasse fuhren, kreuzten viele Nandus und Guanacos unseren Weg.
Immer wieder sind wir fasziniert von der Schönheit der Guanacos. Stolz recken sie ihren Kopf und wenn sie eine Sicherheitsdistanz zu uns eingelegt haben, beobachten sie uns genauso wie wir sie. Leider hat es links und rechts der Strasse Zäune und diese versperren den direkten Fluchtweg. So müssen vor allem die jungen Tiere entlang der Zäune laufen und dann umkehren, bis das Auto an ihnen vorbei ist. Manche Tiere stoppen auf ihrer Flucht kurz vor dem Zaun und springen dann elegant darüber. Aber viele Skelette in den Zäunen zeugen von dem Drama, das sich abspielt, wenn ein Tier sich verfängt.
Auch die Nandus sind faszinierende Tiere. Auch sie laufen gerne auf der Strasse und sobald sie ein Auto hören, setzen sie zur Flucht an. Manchmal sahen wir ein erwachsenes Tier mit einer Herde von Jungtieren. Es sah aus wie ein Kindergarten Der Nandu scheuchte die Jungen von der Strasse weg und dann setzten sie gemütlich ihren Weg fort.
Später sahen wir ein Gürteltier, das am Strassenrand entlang lief. Wir stiegen aus um es uns näher anzusehen. Sobald es unsere Gegenwart wahrnahm, stellte es sich tot. So hatten wir viel Zeit es uns genauer anzusehen. Beim Kopf sind nur die Augen und Ohren zu sehen. Der Schutzschild bedeckt auch die Nase. Zwischen dem Schutzschild schauen überall feine Haare heraus. Aufmerksam hat uns das Tierchen aus seinen Augen heraus beobachtet. Als wir dann endlich weg gingen, machte es kehrt und rannte mit seinen kurzen Beinen unglaublich schnell fort.

Weg el Chalten 06

Weg el Chalten 14

Weg el Chalten 16

Der Nationalpark „ Los Glaciares umfasst im Norden das Fitz Roy Massiv und den Gletscher Viedma und ist von El Chaltén aus erreichbar. Der Monte Fitz Roy ist nach dem Kapitän von Darwins Forschungsschiff benannt und nur 3405 m hoch. Doch er ist ein Traumziel für Bergsteiger. Die Gegend ist so bekannt, dass auch viele Touristenbusse kommen. Ausserdem kann man tolle Wanderungen machen. Radfahrer und Backpackers, die bis ans Ende der Carretera Austral (Villa O’Higgings) kommen, können per Schiff und Wanderwegen direkt nach El Chaltén gelangen und so einen riesigen Umweg umgehen. Der Ort besteht hauptsächlich aus Unterkünften und Restaurants und es hatten ganz viele Touristen.
Entlang des Lago Viedma fuhren wir direkt auf die Türme des Fitz Roy Massivs zu und je näher wir kamen sahen wir auch die Zunge des Gletschers Viedma, die bis zum See hinunter kommt. Zum Teil wurden die Bergspitzen noch von Wolken verdeckt, doch an den nächsten Tagen konnten wir die ganze Pracht der Berge bestaunen und geniessen. In letzter Zeit sassen wir vor allem im Auto und hatten keine Kondition. Trotzdem unternahmen wir eine Wanderung. Der Weg führte recht steil auf und ab und wir kamen tüchtig ins Schwitzen. Doch wir wurden für die Anstrengung fürstlich belohnt. Die Aussicht war einfach traumhaft. Ziemlich erschöpft kamen wir bei unserem Huckepack an, hatten mit Muskelkater zu kämpfen und machten in den nächsten Tagen unserer Kondition entsprechend nur noch kurze Spaziergänge zum Wasserfall und in der Umgebung. Wir fuhren auch noch zur Laguna del Desierto und konnten auf dem Weg die steil aufragenden Berge aus verschiedenen Perspektiven bewundern.

El Chalten 04

El Chalten 22

El Chalten 28

Um in den Südteil des Nationalparks zu gelangen mussten wir am Lago Viedma zurück fahren und dann entlang des Lago Argentino nach El Calafate. Auch dieses Dorf lebt hauptsächlich vom Tourismus.
Die Gletscher im Nationalpark sind Ausläufer des Patagonischen Inlandeises, das sich auf der Grenze zwischen Argentinien und Chile erstreckt. Der grösste Einzelgletscher ist der Upsala mit einer Ausdehnung von 595 km. Der berühmteste ist der Gletscher Perito Moreno. Seine Gletscherzunge ist 60 m hoch und 4 km breit und er kalbert in den Lago Argentino. Er ist der spektakulärste, weil er einer der wenigen Gletscher weltweit ist, die noch wachsen.
Wir kauften Tickets für eine Gletscherrundfahrt und fuhren zum Punta Bandera. Dort stiegen wir in das Schiff und erlebten während viereinhalb Stunden eine Traumwelt, obwohl der Himmel ziemlich bewölkt war. Riesige Eisberge trieben im Lago Argentino und je nach Licht, schillerten sie von weiss bis einem intensiven blau. Auch die Formen der Eisberge waren absolut spektakulär. Das Schiff fuhr in die Buchten hinein und ganz nah an die Gletscher Upsala, Onelli und Spegazzini heran. Vor uns türmten sich die Eismassen der Gletscherzungen und die Schiffe wirkten wie Spielzeug vor den Eiswänden. Wir waren total begeistert.

Gletscher Rundfahrt 087

Gletscher Upsala 07

Gletscher Upsala 30

Das absolute Highlight war der Perito Moreno. Er schiebt sich bis auf ein paar hundert Meter an die Halbinsel Magallanes heran. Diese ist mit einer Strasse erschlossen. Deshalb konnten wir bei der Anfahrt schon von verschiedenen Aussichtspunkten aus, das Ausmass des Gletschers bewundern. Beim Gletscher selber gingen wir über ein weitläufiges Netz aus Metallstegen vom höchsten Punkt der Strasse hinunter zum Seeufer und liefen an der Gletscherwand entlang. Dort konnten wir hören, wie das Eis arbeitet. Manchmal tönte es wie ein Pistolenschuss, darauf folgte ein Knirschen und manchmal sahen wir wie sich ein Eisbrocken von der Grösse eines Einfamilienhauses von der Gletscherwand löste, in den See fiel, auseinander brach und in Teilen als Eisbrocken im Wasser schwammen. Es war fantastisch so nah am Geschehen zu sein und dies miterleben zu dürfen.

Gletscher Perito Moreno 02

Gletscher Perito Moreno 09

Gletscher Perito Moreno 14

Unser nächstes Ziel war der Nationalpark Torres del Paine. Damit wechselten wir wieder einmal die Grenze von Argentinie nach Chile. Alles lief entspannt und in Puerto Natales kauften wir für die kommenden Tage ein und liessen die Propanflaschen füllen.
Bevor wir in den Nationalpark fuhren, besuchten wir noch die „Cueva del Milodón. 1896 fand Hermann Eberhard eine Höhle mit gut erhaltenen Fell- und Knochenresten eines grossen Tieres. Wie sich später herausstellte, war das ein etwa 3.5 bis 4 m grosses Pflanzen fressendes Riesenfaultiert, das Ende des Pleitozäns ausstarb. Wir sahen die Nachbildung dieses Tiers und gingen durch die etwa 30 m hohe, 80 m breite und ca. 200 m tiefe Höhle. Doch auch prähistorische Menschen fanden in dieser Höhle Unterschlupf. Im Park sind auch andere Tiere ausgestellt, die in dieser Zeit lebten. Wir hätten gerne mehr darüber erfahren, wie diese Höhle zustande kam, denn sowohl am Boden als auch an der Decke gab es interessante Formen, die wir uns nicht erklären konnten.

Cueva del Milodon 01

Cueva del Milodon 11

Cueva del Milodon 17

Als nächstens fuhren wir zum Lago Grey. Wieder war die Anfahrt grandios. Schon von weitem sahen wir die Türme, die wie Nadelspitzen in den Himmel ragen. Wir übernachteten auf dem Parkplatz des Hotels. Wir erkundigten uns über eine Bootsfahrt zum Gletscher Grey, doch wir fanden es zu teuer und hatten ja die Schifftour im Nationalpark Los Glaciares schon gemacht. In der Hotelbar konnten wir das Internet nutzen und erhielten das Mail von Martina und Lothar, dass sie auf dem Campingplatz am Lago Pehoé auf uns warten würden. Wir hatten die Beiden in Florida kennen gelernt und dann in Alaska wieder getroffen. Seither hatten wir immer wieder E-Mail Kontakt und freuten uns auf das Wiedersehen.
Am nächsten Morgen fuhren wir ein Stück weiter, denn wir wollten eine kurze Wanderung entlang des Sees und zu einem Aussichtspunkt machen, von dem aus der Gletscher gut sichtbar sein würde. Wir waren absolut überrascht, als wir ihr Womo auf dem Parkplatz stehen sahen. Und die Wiedersehensfreude war natürlich riesengross und wir verabredeten uns auf den Abend auf dem Camping am See. Sie hatten die Wanderung am Vortag gemacht und dann gleich dort übernachtet.
Jetzt machten wir uns auf den Weg und es war eine tolle Wanderung, die uns hinauf zum Aussichtspunkt führte. Von dort aus beobachteten wir lange das Schiff, das zum Gletscher fuhr. Es wurde immer kleiner und wir konnten uns die riesigen Eismassen vorstellen, die wir im Vergleich zum Schiff am Ende des Sees sahen. Wir hörten einem Führer zu der erzählte, dass der Gletscher innerhalb von 10 Jahren um mehr als 11 km zurückgegangen sei. Wie wird es wohl in weiteren 10 Jahren aussehen? Mit dem Feldstecher entdeckten wir auch die grossen Eisberge. Der Wanderweg führte uns durch dichte Büsche wieder an das Ufer des Sees zurück und anschliessend fuhren wir durch die einmalige Landschaft zum Campingplatz.

NP Torre del Paine 02

NP Torre del Paine 11

NP Torre del Paine 16

Die kommenden Tage mit Martina und Lothar waren wunderschön. Wir blieben zwei Übernachtungen auf dem Campingplatz am Lago Pehoé und genossen die Zeit. Wir planten die nächsten Ziele, an denen wir uns jeweils am Abend wieder treffen würden. Wir hatten uns viel zu erzählen und lachten über die Pannen, die wir auf der Reise hatten. Es wurden natürlich auch viele wertvolle Tipps ausgetauscht, denn sie fahren die Strecke, die wir gekommen sind und wir machen die Route umgekehrt.
Vom Lago Pehoé aus fuhren wir zum Salto Grande und weiter zur Laguna Azul. Am nächsten Tag machten wir eine schöne Wanderung mit Blick über die Lagune und die dahinter liegenden Berge. Es war ein wunderbarer Tag und recht warm und wir konnten den ganzen Nachmittag in der Sonne sitzen. Gegen Abend fuhren wir weiter zum Hotel Torres del Paine. Auch hier machten wir eine Wanderung hinauf zum Refugio Chileno. Hier blies der Wind so stark, dass wir manchmal dachten, er weht uns um. Als letztes fuhren wir an die Laguna Amarga.
Die Landschaft in diesem Park ist atemberaubend, die Gipfel der Südkordillere ragen in den Himmel, wie uneinnehmbare Felsburgen, die Gletscherseen leuchten blaugrau und türkis und Guanacos, Nandus und Füchse kreuzten unsere Wege. Doch die Strassen sind so schlecht, dass wir mehr als einmal die Umgebung nicht geniessen konnten.
Jetzt war es Zeit von Martina und Lothar wieder Abschied zu nehmen. Es tut mir immer weh, wenn ich mich von lieben Menschen wieder trennen muss, doch die Hoffnung auf ein Wiedersehen bleibt.

NP Torre del Paine 20

NP Torre del Paine 57

NP Torre del Paine 29

In der Nähe von Punta Arenas besuchten wir die Pinguinkolonie am Seno Otway. Es sind Magellan Pinguine und sie halten sich nur bis Ende März dort auf. Dann ziehen sie sich in wärmere Gewässer zurück und kommen, ohne in der Zwischenzeit an Land zu gehen, Ende Oktober wieder an diesen Platz zurück um aufs Neue zu nisten. Es war herrlich diese bezaubernden Geschöpfe in dieser weiten Wiesenlandschaft und am Strand zu beobachten und ihrem Ruf zu lauschen. Wir sahen ihnen zu wie sich putzten, wie schwerfällig sie sich an Land bewegen und wie exzellente Schwimmer sie sind.

Pinguinera 23

Pinguinera 18

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Punta Arenas ist die südlichste Kontinentalstadt der Welt. Sie hat etwa 125‘000 Einwohner und ist die Hauptstadt der Region Magallanes. Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Militärstützpunkt und Strafkolonie gegründet. Vor der Eröffnung des Panamakanals (1914) fuhren alle Schiffe durch die, 1520 von Fernando Magellan, entdeckte Ost-West-Passage.
Ab 1876 erhielten Einwanderer die Erlaubnis zur Schafzucht. Das Klima in Patagonien eignet sich ausgezeichnet für die Schafzucht und Land war billig und reichlich vorhanden. Damit begann der Boom der Region und es kamen Auswanderer aus ganz Europa. Die Indianerstämme in Patagonien starben an eingeschleppten Krankheiten oder wurden von Viehzüchtern des Diebstahls bezichtigt und umgebracht. Die Besitzer der riesigen Estanzias um Punta Arenas liessen sich im Stadtzentrum prachtvolle Häuser bauen. Die Schafzucht spielt noch heute eine wichtige Rolle in Patagonien. Das sieht man an den weidenden Schafen hinter den nicht enden wollenden Zäunen entlang der Strassen. In der kargen Pampa braucht es mehr als 1 Hektar Land um 1 Schaf zu ernähren. Die Bedeutung ist jedoch rückläufig wegen der verfallenden Weltmarktpreise.
Heute ist Punta Arenas ein beliebtes Touristenziel und auch wir schlenderten durchs Zentrum und am Wasser entlang. Überall gibt es Denkmäler und prachtvolle Häuser. Sie erinnern an die Oberschicht, der es an nichts mangelte. Das Material für den Bau wurde damals alles aus Europa importiert. Heute beherbergen dies Bauten Hotels, Banken oder Museen.
Auf der zentralen Plaza de Armas steht das Denkmal mit der bronzenen Figur des Fernando Magallanes. Er schreitet stolz über zwei ebenfalls bronzene Indianer hinweg. Sie repräsentieren die ausgerotteten Stämme Ona und Aonikenk, und die beiden Schwänze der Meerjungfrau stehen für den Atlantik und Pazifik, die von der Magellanstrasse verbunden werden. Es heisst, dass man nach Patagonien zurück kehrt, wenn man den grossen Zeh des Indianers küsst und er ist auch ganz blank. Patagonien ist zwar landschaftlich wunderschön, doch wir finden es zu windig und zu kalt und deshalb küssten wir auch den Zeh nicht ;-).
Auch der Friedhof ist sicher einer der schönsten und interessantesten Chiles und wurde in die Liste der Nationaldenkmäler aufgenommen. Er erinnerte uns stark an den Friedhof in Buenos Aires. Säulenförmig geschnittene Zypressen säumen die Wege und es gibt auch hier viele Prunkbauten. Dass nicht alle zu den Reichen gehörten, beweist die gemeinsame Grabstelle unter einem Kreuz mit der Inschrift „Deutschen Kranken Kasse“. Prunkvoller ist das Gebäude der „Societa M S Fratellanza Italiana“. Auch an die indianischen Ureinwohner erinnert ein Denkmal.

Punte Arenas 24

Punte Arenas 38

Punte Arenas 15

In Punta Arenas haben wir auch wieder Isabel, Rolf und Ellie getroffen. Wir lernten sie in Argentinien kennen, trafen uns wieder bei „Hasta la Pasta“ René und Marion in Paraguay und standen immer in E-Mail Kontakt. An zwei Tagen standen wir im Innenhof auf dem Parkplatz eines Hotels und verbrachten die beiden Abende gemeinsam. Es gab wieder viel zu erzählen und Informationen auszutauschen. Auch sie wollten auf Feuerland die Königspinguine besuchen. Dies sollte in 2 Tagen unser neuer Treffpunkt sein.
Wir nahmen die Fähre von Punta Arenas nach Porvenir und nach einer 2 ½ stündige Überfahrt kamen wir endlich auf der Hauptinsel „Isla del Fuego“ an. Jetzt mussten wir nur noch Ushuaia erreichen, dann würden wir definitiv wieder nordwärts fahren.
Das Inselreich „Tierra del Fuego“ ist der südlichste Punkt der Erde, der nicht vom ewigen Eis überlagert ist. Die Grenze zwischen Chile und Argentinien wurde nach jahrelangen Konflikten per Strich auf der Landkarte gezogen. Chile erhielt den direkten Zugang zum Atlantik durch die Magellanstrasse. Will man von Argentinien auf das zu Argentinien gehörende Gebiet der Insel und umgekehrt, muss man auf jeden Fall durch chilenisches Gebiet fahren.
Porvenir ist die grösste chilenische Stadt auf Feuerland und hat etwa 5000 Einwohner. Ursprünglich war sie der Wintersitz für Goldwäscher und Schafzüchter. Wir besuchten nur das Museum mit archäologischen Funden aus der Region, Materialien zur Kultur der Feuerland-Indianer und Ausstellungsstücken, die an die ersten Pioniere erinnern. Eindrücklich war riesige Wandbild, das die Geschichte Feuerlands darstellt.

Porvenir 04

Porvenir 02

Porvenir 01

Wir fuhren nicht an der Küste entlang, sondern wählten die Strasse, die über die Hügel führt und kamen erst bei Armonia wieder an die Küste. Auf dieser Strecke sahen wir immer wieder entweder auf das Wasser der Magellanstrasse oder auf das der Bahía Inútil (nutzlose Bucht) hinunter. Dann folgten wir der Küstenstrasse und etwa 15 km nach Onaisin erreichten wir den Ort an dem sich vor einigen Jahren eine Kolonie von Königspinguinen ansiedelte. Es ist die einzige in ganz Südamerika und die Pinguine leben das ganze Jahr hier.
Bald darauf kamen auch Isabel, Rolf und Ellie an. Gemeinsam beobachteten wir Stundenlang das Treiben dieser stattlichen Vögel. Es war lustig ihnen zuzuschauen, wie sie sich jeweils streckten und reckten und dann sehr laute Töne ausstiessen. Dann wieder bewegten sie sich in ihrem eigenartigen Gang durch das Gestrüpp Richtung Wasser. Manchmal hatten wir das Gefühl, dass sie mit den Füssen die Temperatur prüften, bevor sie sich entschlossen ein Bad zu nehmen. Wir konnten zusehen, wie die Jungen gefüttert wurden und im Windschatten der Erwachsenen standen. Wir erfuhren, dass die Tiere in verschiedenen Gruppen leben. Eine Gruppe bilden die Erwachsenen mit dem Nachwuchs. Ein Elternteil bleibt beim Kleinen und füttert es, während der andere Elternteil für 5 bis 7 Tage bis 120 km wegschwimmt, denn dort halten sich die Fische auf, die für ihr Leben am besten sind. Dann kommt er zurück und bleibt beim Kleinen, während der andere Elternteil zum Fressen davon schwimmt. Die unabhängigen Tiere schwimmen weg, wenn sie Hunger haben. Wenn die Tiere die für sie richtigen Fische fressen, werden sie bis zu 35, sonst höchstens 25 Jahre alt. In der Bucht bleiben sie nur zum leben, schlafen und baden.

Königspinguine 32

Königspinguine 04

Königspinguine 28

Dann hiess es schon wieder Abschied nehmen. Isabel, Rolf und Ellie fuhren nach Norden, wir noch weiter in den Süden. Auf einer Schotterstrasse fuhren wir weiter. Zuerst entlang der Küste, dann hinein ins Landesinnere.
Bei dem denkmalgeschützten Goldschürfbagger von 1904 machten wir eine Pause. Verrostet und vergessen liegt er in einer Landschaft, die kaum mehr etwas mit der Goldsuche zu tun hat. Ein bizarres Bild.
Wir machten noch einen Abstecher zum Lago Blanco, einem wunderschönen See mitten in Wäldern gelegen, wo wir auch übernachteten.
Am nächsten Tag fuhren wir zum kleinen Grenzübergang „Rio Bellavista“. Auf der chilenischen Seite stehen nur 3 Häuser und die Formalitäten waren rasch erledigt. Bevor wir den argentinischen Zoll erreichten, mussten wir noch durch den Fluss fahren. Der Wasserstand war nicht sehr tief und es gab keine Schwierigkeiten. Hier standen nur 2 Häuser und die Beamten hatten auch keinen Computer zur Verfügung. Alle Papiere wurden von Hand ausgefüllt, unsere Pässe gestempelt und der Zollbeamte interessierte sich weder für unsere Kabine, noch für deren Inhalt. Die Strasse wurde noch schlechter und wir waren froh, als wir endlich Rio Grande erreichten.
Die Angestellte der Touristeninformation empfahl uns das Hostal Argentina und dort konnten wir im Hof windgeschützt stehen. Nach über 6 Jahren hat unsere Womo Batterie schlapp gemacht und wir brauchten eine Neue. Der Kauf, der Ausbau der alten und der Einbau der neuen Batterie benötigte Zeit und wir blieben 3 Tage in Rio Grande.
Jetzt fuhren wir wieder auf Asphalt und kamen dementsprechend schnell voran. In Tolhuin unterbrachen wir unsere Fahrt und kauften in der berühmten „Panaderia La Union“ Leckereien ein. Die Weiterfahrt am Lago Fagnano und Lago Escondido war wunderschön. Und dann waren wir in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt und am Ziel unserer Reise von Alaska nach Feuerland.

Bahia Inutil  02

Fahrt nach Ushuaia 01

Fahrt nach Ushuaia 07

Ushuaia ist die Provinzhauptstadt Feuerlands und hat viele Gesichter. Schön sind die alten, buntbemalten Holzhäuschen, daneben gibt es viele Bretterbuden. Ushuaia wächst und wächst und überall sieht man Baustellen. Ein Kontrast zu den Häuschen bildet das Casino. Dieser Betonbau ragt wie der Schwanz eines Wals in den Himmel. Am Hafen gibt es unzählige Parkplätze und der Verkehr kommt nicht zum Ruhen. In Ushuaia legen auch viele Fracht-, Expeitions- und Kreuzfahrtschiffe an. Natürlich wollten auch wir eine Antaktistour machen, doch es war schon Ende der Saison und das einzige Angebot, das wir erhielten, war uns dann doch zu teuer.
Wir übernachteten am Hafen und schlenderten am Wasser entlang und durch die Avenida San Martin, die die Hauptstrasse der Stadt ist. 1902 wurden Häftlinge nach Ushuaia verlegt und die Fassaden von einigen Häusern nehmen das Thema auf. Die Häftlinge waren unter den ersten Bewohnern der Insel neben reichen Estanzieros und deren Untergebenen.

Ushuaia 01

Ushuaia 44

Ushuaia 14

Wir besuchten auch die verschiedenen Museen. Am interessantesten fanden wir das „Presidio – Museo Maritimo de Ushuaia“. In den Räumen des ehemaligen Gefängnisses sind die verschiedensten Museen untergebracht. Schifffreunde können sich umfassend über die Meeres- und Antarktis-Schifffahrt informieren. Fast erschlagen waren wir von der Gallerie und dem Museum für Kunst. Doch am spannendsten fanden wir natürlich das Gefängnismuseum. Nicht nur Verbrecher lebten in diesem Gebäude, auch Regierungskritiker wurden hier eingesperrt. Zu einzelnen Insassen gab es ausführliche Beschreibungen zu ihren Verbrechen. Nur ein Museumstrakt ist noch nicht renoviert. Er zeigt die Bedingungen, die damals herrschten. Es muss scheusslich kalt gewesen sein. Jeder Trakt hatte in der Mitte einen Eisenofen und ein Eisenrohr, das bis zur Decke des zweistöckigen Gebäudes reichte. Das war die einzige Heizung.

Ushuaia 31

Ushuaia 24

Ushuaia 28

Nach ein paar Tagen fuhren wir zur Station des „Tren del Fin del Mundo“. Dieser Zug wurde von den Häftlingen gebaut und führte von Ushuaia bis weit in den heutigen Nationalpark Tierra del Fuego“ hinein. Damit geheizt werden konnte, musste Holz geschlagen und dann zum Gefängnis transportiert werden. Bilder im Bahnhofgebäude zeigen die Arbeit, die die Häftlinge verrichten mussten. Neben holzfällen mussten im Winter auch die Schienen vom Schnee befreit werden. Schrecklich sich vorzustellen, wie es damals war.

Ushuaia 32

Ushuaia 33

Ushuaia 35

Nun verbrachten wir noch einige Tage im Nationalpark „Tierra del Fuego“. Als erstes fuhren wir zur Bahía Lapataia. Hier weist ein grosses Schild darauf hin, dass es bis Buenos Aires noch 3065 und bis Alaska 17‘848 km sind.
Wir machten verschiedene Wanderungen.
Einmal kamen wir an einem Sumpfgebiet vorbei. Alle Bäume waren von Bibern gefällt worden, damit sie ihre Dämme bauen konnten. Ursprünglich waren die Biber eingeführt worden, wegen ihrem Fell. Als sich das Geschäft nicht mehr lohnte, wurden die Biber ausgesetzt und konnten sich sehr stark vermehren, da sie hier keine natürlichen Feinde hatten. Sie wurden zur Plage und zerstörten grosse Waldgebiete. Heute sind sie fast ausgerottet. Ein anderes Mal stiegen wir hinauf zur „Pampa Alta“ und hatten einen herrlichen Blick auf den „Canal Beagle“. Wir übernachteten an der schönen „Laguna Verde“ und im Windschatten der Bäume bei der „Zaratiegui Bay“.

NP Tierre del Fuego 15

NP Tierre del Fuego 09

NP Tierre del Fuego 32

Feuerland gefiel uns sehr gut, doch wir geniessen eher die Wärme und der ewige, starke Wind setzte uns immer mehr zu. Über Regentage konnten wir uns auf der ganzen Reise in Patagonien nicht beklagen, doch wir sehnten uns wieder nordwärts.
Die Strasse ist bis San Sebastian asphaltiert und so erreichten wir den Grenzübergang nach Chile innert 3 Tagen. Auf der argentinischen Seite dauerte die Abfertigung ziemlich lange, denn der Computer funktionierte nicht und entsprechend lang war die Kolonne der Wartenden. Bis zum chilenischen Grenzgebäude fuhren wir die 15 km auf Schotterstrasse, was wiederum Zeit beanspruchte. Die Pässe waren rasch abgestempelt, doch das Ausfüllen der Autopapiere dauerte recht lange und es war das erste Mal, dass wir für eine Zollbeamte sämtliche Schränke, Schubladen und sogar die Radklappen öffnen mussten. Zum Glück hatten wir nichts Unerlaubtes dabei.
Wir fuhren noch weiter bis Cerro Sombrero. Dort durften wir auf dem zentralen Platz übernachten. Wir schlenderten durch den Ort und nahmen uns vor am nächsten Morgen das Museum und das Kino zu besuchen. Leider war alles geschlossen und so setzten wir unseren Weg fort.
Jetzt hatten wir wieder Asphalt unter den Rädern und nach knapp 50 km erreichten wir die Fähre, die uns wieder aufs Festland brachte. Der Wind war recht stürmisch, doch die Wellen waren nicht sehr hoch und nach ungefähr einer Stunde fuhren wir bei „Punta Delgada“ wieder an Land. Schon nach 35 km erreichten wir den Übergang „Paso Integracion Austral“ und wieder mussten die Grenzformalitäten von Chile nach Argentinien erledigt werden. Hier ging alles wieder schnell und problemlos und der argentinische Zollbeamte begnügte sich mit einem Blick in die Kabine.
Wir fuhren weiter bis Rio Gallegos und übernachteten auf einem Parkplatz. Am nächsten Morgen konnten wir Geld wechseln und wir kauften für die nächsten Tage ein, Dann fuhren wir auf den Campingplatz in Güer Aike, wo wir saubere Toiletten und gute Duschen vorfanden. Wir blieben 2 Tage und am Nachmittag war es jeweils so warm, dass wir endlich wieder einmal ohne dicke Kleider draussen an der Sonne sitzen konnten.

Fähre nach Punta delgada 02

Fähre nach Punta delgada 01

Fähre nach Punta delgada 06

Jetzt sind wir seit ein paar Tagen im Nationalpark “Monte Leon”. Diesen Namen hat er von einem Felsen erhalten, der vom Wind und Regen wie der Kopf eines Löwen geschaffen wurde.
Der Wind bläst nach wie vor sehr stark, doch die Temperaturen während des Tages gefallen uns schon viel besser. Ich nahm mir Zeit, diesen Bericht fertig zu schreiben, damit wir ihn heute oder morgen auf unsere Homepage stellen können. Dazwischen machten wir Wanderungen.
Wir besuchten die riesige Kolonie der Magellan-Pinguine. Zu hunderten sind sie am Strand und in der Wiese. Manche stehen mitten auf dem Weg und lassen uns ganz nah an ihnen vorbei gehen. Die Jungtiere verlieren ihre Federn und diese werden über das ganze Gebiet vom Wind verteilt. Es ist dasselbe Gefühl, das wir auf Galapagos hatten. Die Tiere leben in ihrem Territorium, haben keine Angst vor Menschen und fliehen deshalb auch nicht.
Ganz eindrücklich war auch die Kolonie von verschiedenen Cormoranen und anderen Wasservögeln, die auf der „Isla de Monte Leon“ leben. Während des Tages sahen wir den Guano (die Exkremente der Vögel), der den Boden der Insel weiss erscheinen lässt. Am Abend kamen jedoch die Vögel zurück und mit dem Feldstecher und durch die Linse der Kamera sahen wir die Vögel mit ihren weissen Brüsten und schwarzen Flügeln. Auch das wieder ein einmaliger Anblick.
Das Kliff wurde durch die erodierende Kraft des Wassers und des Windes geschaffen. Vom Campingplatz aus gingen wir am Strand entlang. Im Jahr 2006 liess die Kraft der Wellen einen Teil der Küste einstürzen und es entstanden herrliche Grotten, die nur bei Ebbe begehbar und sichtbar sind, denn dann zieht sich das Wasser um bis zu 200 m zurück.
Wir sind auch zum Aussichtspunkt gegangen, von wo aus wir Seelöwen sehen konnten. Doch zu diesem Zeitpunkt waren nur einige wenige auf den Felsen. Es begegneten uns auch immer wieder Guanacos und Nandus, die auch keine Fluchttendenz zeigen. Wieder schleichen Füchse um den Campingplatz herum, ohne uns Menschen zu nahe zu kommen. Auch soll es Pumas haben und wir erhielten einen Zettel mit Verhaltensregeln, falls uns einer begegnet. Vielleicht wäre es ja schön einmal einen in freier Natur zu sehen.

NP Monte Leon 055

NP Monte Leon 109

NP Monte Leon 096

Wir freuen uns auf weitere Abenteuer und Erlebnisse entlang der Atlantikküste.
Die Fotos bis und mit den Königspinguinen sind im Bilderordner vom Monat Februar. Erst Ende März werden die Fotos von diesem Monat in der Gallerie sein. Bis dann müsst ihr euch gedulden.
Wir wünschen euch allen einen sonnigen Frühlingsanfang, fröhliche Ostertage und viele blühende Bäume und Blumen.
Muchos saludos de Argentina!